Deimberg in der Pfalz

Deimberg

0.1.Allgemeine Angaben

Ortsgemeinde Deimberg, Verbandsgemeinde Lauterecken

Einwohner (2007): 103

Einwohner (2010):  111

Wohnplätze: Ortskern, Deimberger Höfchen

Gemarkung: 209 ha, davon ca. 4 ha Siedlungsfläche und 19 ha Wald


0.2.Lage

Der Ort erstreckt sich über den Rand einer Bergkuppe, liegt in etwa 380 m über dem Meeresspiegel mit schöner Aussicht über das nordwestpfälzische Bergland. Das Deimberger Höfchen liegt in 345 Metern über NN fast 1 km weit vom Dorf entfernt in nord-östlicher Richtung an der Straße Offenbach – Homberg (K 63).

 

0.3.Wüstungen

Nach Karsch wurde in alten Urkunden das Dorf Deimberg stets im Zusammenhang mit einem weiteren Dorf mit Namen "Steinbächel" genannt, das bereits im 15. Jhd. untergegangen sei. Demnach war Deimberg-Steinbächel eine einzige Siedlung mit zwei Schwerpunkten. In den ältesten Urkunden, in denen Deimberg erwähnt wird (s. unten) erscheint die Wüstung Steinbächel jedoch nicht. Auch Dolch-Greule erwähnen keine Wüstung in diesem Bereich.

0.4.Der Name

1336 Dimberg, 1363 Dynberg, 1443 Dyemberg, um 1500 Dymbergk, 1600 Deimberg, mundartlich "Deimerich". Das Grundwort -berg deutet auf die Lage des Dorfes auf der Berghöhe hin, das Bestimmungswort Deim- auf einen Personennamen, Dîdo- oder Dîn-. Die Gründung des Dorfes könnte demnach durch einen Siedler dieses Namens erfolgt sein. (Vgl. Dolch/Greule 1961 S. 98)

0.5.Wappen

Das Wappen ist diagonal geteilt und zeigt in der oberen Hälfte einen blaubewehrten und blaubezungten roten Löwen auf goldenem Grund, in der unteren Hälfte einen goldenen Eichenbaum auf schwarzem Dreiberg. Der Löwe weist auf die frühere Zugehörigkeit zur Wild- und Rheingrafschaft hin, der Eichenzweig auf die Brecheiche beim Ort, die unter Naturschutz steht. Bei dieser Brecheiche wurde früher der Flachs gebrochen. Das Innenministerium des Landes Rheinland-Pfalz genehmigte dieses Wappen im Jahr 1964 .

0.6.Geschichtlicher Abriss

0.6.1.Frühgeschichte

Die weitere Umgebung von Deimberg war in vorgeschichtlicher Zeit und in der Römerzeit wahrscheinlich besiedelt. Entsprechende Funde innerhalb des Ortes oder der Gemarkung wurden bisher nicht bekannt.

0.6.2.Mittelalter

Deimberg lag im Nahegau, wurde aber verhältnismäßig spät gegründet, möglicherweise im 11. oder 12. Jahrhundert. Theoretisch besteht die Möglichkeit, dass schon vor der Gründung des Ortes eine ältere Siedlung in der Nähe bestand, eventuell die Wüstung Steinbächel. 1336 wurde Deimberg zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt, in der Leute aufgezählt sind, die der Valentinskirche in Niedereisenbach (heute Ortsteil von Glanbrücken) zu Abgaben verpflichtet waren. "Item Petrus dictus Geyst de Dimberg et Jutta sua legitima dimidiam libram cerae super agrum dictum Hezzilsbirchen." (Petrus, genannt Geyst von Dimberg und seine Ehefrau Jutta hatten die Hälfte eines Pfundes des Getreides abzuliefern, das auf dem Acker genannt Hezzilsbirchen geerntet wurde). Als Pfund wurde damals die Menge angesehen, die man auf einer großen Wage abwiegen konnte. Der Text der Urkunde ist in Beilage 18 zu Remling 1858 wiedergegeben.

1350 wird in den Urkunden ein Mann mit Namen Heynemann Lole aus Deimberg erwähnt, der sich als "Herr von Deimsberg" bezeichnete. Später erscheinen die Familien Esch und Opp, aus denen Schöffen und Zensoren hervorgingen. Der Deimberger Hof war ein Besitz der Wild- und Rheingrafen. Er wurde zeitweise von Peter Opp und seinen Erben bewirtschaftet. Nach Fabricius gehörte der Ort zu dem "Gericht auf der Höhe", das als ein Teilgebiet innerhalb des "Hochgerichts auf der Heide" anzusehen war. Das "Gericht auf der Höhe" wurde genannt, als 1258 die Burg Grumbach mit ihrem Umland an die Wild- und Rheingrafen von Dhaun vergeben wurde. Die Dörfer des Gerichtes erscheinen 1363 in einer Urkunde über die Verpfändung dieser Ländereien an Sponheim-Starkenburg, darunter wird auch "Dynberg" genannt. Dann erscheint "Dyemberg" in einer Urkunde von 1443, nach der die "armen Leute von Grumbach" dem Grafen Friedrich von Veldenz und seinem Schwiegersohn Stephan in Schutzherrschaft übergeben wurden. Genau genommen handelte es sich um eine Verpfändung, die Rheingraf Gottfried 1448 dem Pfalzgrafen (Herzog) Stephan von Zweibrücken bestätigte, nachdem Graf Friedrich III. von Veldenz 1444 verstorben war. Das Gebiet der armen Leute von Grumbach, identisch mit den Dörfern des Kirchspiels Herren-Sulzbach, wurde bereits 1477 von der Herrschaft Grumbach zurückgekauft. Auch war Deimberg gelegentlich Tauschobjekt bei Teilungen und Streitereien innerhalb der verschiedenen Linien der Wild- und Rheingrafen.

0.6.3.Neuzeit

Über das Schicksal des Dorfes in den folgenden Kriegszeiten wurde wenig bekannt. In den Annalen aus dem Dreißigjährigen Krieg ist zu lesen, dass das Kind einer Soldatenfrau erfror, dass ein junger Bettelbub verhungerte. Durch den Krieg und durch die Pest wurde die Bevölkerung dezimiert. Im Vergleich zu vielen anderen Dörfern scheint das abgelegene Deimberg noch gut davongekommen zu sein. Es heißt, dass sich beim Durchzug der Kroaten 1635 die Bewohner von Deimberg in die Wälder flüchteten. Auch während der Kriege König Ludwigs XIV. mag das Dorf gelitten haben. Bis zum Ausbruch der Französischen Revolution blieb Deimberg im Besitz der Rheingrafen von Grumbach.

0.6.4.Neueste Zeit

Während der Zeit der Französischen Revolution und der anschließenden Zeit des Kaisers Napoleon gehörte Deimberg zur Mairie Grumbach innerhalb des Cantons Grumbach und zum Arrondissement Birkenfeld innerhalb des Départements de la Sarre (Saar). Nach dem Ende der französischen Herrschaft kam der Ort innerhalb des Amtes Grumbach zunächst in dem neugegründeten Fürstentum Lichtenberg unter die Herrschaft von Sachsen-Coburg, ab 1834 innerhalb des Kreises St. Wendel unter die Herrschaft Preußens. Eine weitere Veränderung ergab sich nach dem 1. Weltkrieg, als 1919 ein Großteil des Kreises St. Wendel beim Saarland verblieb. Zunächst entstand ein neuer "Restkreis St. Wendel-Baumholder" mit Sitz in Baumholder. 1937 wurde dieser Restkreis mit dem bis dahin oldenburgischen Kreis Birkenfeld vereinigt, und es entstand der neue Kreis Birkenfeld im Regierungsbezirk Koblenz des damals noch bestehenden preußischen Staates.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag der Ort zunächst im Regierungsbezirk Koblenz des Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Durch die Gebiets- und Verwaltungsreform von 1968 wurde das Amt Grumbach aufgelöst. Deimberg kam 1972 zur neu gegründeten Verbandsgemeinde Lauterecken, gleichzeitig vom Regierungsbezirk Koblenz in den neu gegründeten Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz.

0.7.Wahlergebnisse in Prozent, Bundestag Zweitstimmen

SPD CDU FDP Grüne Linke Sonstige
Landtag 2001 60,0 18,2 3,6 3,6 --- 14,5
Landtag 2006 56,9 20,7 1,7 6,9 3,4 10,4
Landtag 2011 50,9 21,8 --- 10,9 3,6 12,7
Bundestag 2002 52,5 30,6 2,8 8,3 --- 5,6
Bundestag 2005 37,5 23,6 12,5 5,6 16,7 4,2
Bundestag 2009 28,8 16,9 13,6 8,5 23,7 8,5
Bundestag 2013 35,1 36,8 0,0 7,0 5,3 15,9

0.8.Zeittafel

12. Jhd. Wahrscheinliche Gründung des Ortes
1258 Bei der Teilung der Wild- und Rheingrafschaft kommt das Gebiet, in dem Deimberg liegt, an die Grafschaft Dhaun
1336 Ersterwähnung als „Dimberg“
1363 Verpfändung an Sponheim-Starkenburg
1443 Die Bewohner des Dorfes kommen unter die Schutzherrschaft der Grafschaft Veldenz
1477 Rückkauf durch die Wild- und Rheingrafen
1556 Einführung der Reformation
1819 Amt Grumbach im Fürstentum Lichtenberg von Sachsen-Coburg
1834 Amt Grumbach in der preußischen Rheinprovinz
1972 Verbandsgemeinde Lauterecken

0.9.Religiöse Verhältnisse

Deimberg gehörte zur Diözese Mainz und lag im Kirchspiel Herren-Sulzbach, das nach der Einführung der Reformation im Wild- und Rheingräflichen Haus Grumbach 1556 als die evangelische Pfarrei Herren-Sulzbach bezeichnet wurde. Bis zum Dreißigjährigen Krieg waren alle Bewohner evangelisch. Später wurden auch andere Konfessionen geduldet, gewannen aber keine besondere Bedeutung. Der überwiegende Teil der Bevölkerung ist auch heute noch evangelisch. 1956 erhielt die Kirchengemeinde eine eigene kleine Kirche. Bis dahin besuchten die Bewohner den Gottesdienst in der Kirche zu Herren-Sulzbach.

0.10.Bewohner

Das Dorf blieb bis heute ländlich strukturiert. Viele Bewohner waren in früherer Zeit Steinarbeiter in den Sandsteinbrüchen nahe bei dem Dorf. Noch in jüngster Zeit wurde auch die Steinmetzkunst ausgeübt. Andere Dorfbewohner sorgten als Wandermusikanten für ihren Lebensunterhalt. Es gab Bauern, Land- und Waldarbeiter, kaum Handwerker. Schon in der Vergangenheit, als die Dörfer der Nachbarschaft weitgehend durch die Landwirtschaft geprägt waren, mussten die meisten Deimberger außerhalb des Dorfes dem Broterwerb nachgehen. Bereits 1955 gab es im Dorf von 56 Erwerbstätigen 47 Auspendler. Das ist ein Grund für die heute stark rückläufige Bevölkerungsentwicklung. Von alt eingesessenen Familien leben nur noch fünf in dem Dorf.

0.11.Einwohnerzahlen

1815 1860 1900 1925 1958 2007
79 146 182 210 187 103

0.12.Schule, Kultur, Vereinswesen

0.12.1.Schule

In der evangelischen Pfarrei Sulzbach bemühte sich die Geistlichkeit im ausgehenden 16. Jahrhundert als Auswirkung der Reformationsbewegung, die Kinder im Lesen und Schreiben auszubilden und Realwissen zu vermitteln. Die Christen sollten in den Stand versetzt werden, sich selbst mit der Bibel auseinander zu setzen. Damit wurde der allgemeine Bildungsstand verbessert. Der Schulbesuch war anfangs freiwillig. Die Kinder mussten zunächst die Schule in Herren-Sulzbach aufsuchen. 1774 stellte das Dorf zum ersten Mal einen eigenen Lehrer ein, der nur im Winter unterrichtete. Die Winterschule wurde allerdings nach wenigen Jahren wieder geschlossen, möglicherweise aus Kostengründen. In der Folgezeit kam es immer wieder vor, dass vorübergehend ein Lehrer vor Ort war, dass aber dann die Kinder wieder den Unterricht in Herren-Sulzbach aufsuchten. Ab 1856 wurde nur noch in Deimberg unterrichtet. Mit der Ortsschelle musste der Büttel die Kinder zum Unterricht rufen. 1880 erhielt das Dorf ein eigenes Schulhaus mit einer kleinen Glocke für den Unterricht in einer einklassigen Schule, 1912 auch eine eigene Lehrerdienstwohnung. Bis 1968 wurde in Deimberg unterrichtet und dann im Zuge der damaligen Reformen die Schule aufgelöst. Das Schulhaus ist inzwischen in privatem Besitz. Anschließend wurden die Grundschüler zunächst in der Grundschule Offenbach und die Hauptschüler in der mehrzügigen Hauptschule Offenbach-St. Julian unterrichtet. Inzwischen besuchen die Grundschüler die Schule in St. Julian, die Hauptschüler die Schule in Lauterecken.

Möglichkeiten zum Besuch des gewerblichen Unterrichts gab es früher in Offenbach und in Idar-Oberstein. Junge Landwirte konnten die landwirtschaftlichen Schulen in Meisenheim und in Baumholder, nach der Gebietsreform von 1968 auch in Kusel besuchen. Für den Berufsschulunterricht sind heute die Berufsbildenden Schulen in Kusel zuständig. Gymnasien stehen in Lauterecken, Meisenheim und Kusel zur Verfügung.

Das Schulhaus wurde zum Dorfhaus

0.12.2.Feste und Brauchtum

Die Kirmes von Deimberg findet am 2. Wochenende im Juni statt. Altes Brauchtum, wie es in früherer Zeit in allen Dörfern der Glangegend üblich war, wird heute kaum noch gepflegt.

0.12.3.Vereine

Seit langer Zeit gab es im Dorf einen Männergesangverein und einen Turnverein. Beide stellten inzwischen ihre Aktivitäten ein. Noch bestehen der Feuerwehr-Förderverein und ein Sportverein, der vornehmlich den Schießsport betreibt.

0.13.Gesundheits- und Sozialwesen

Allgemeinärzte können in Offenbach und Lauterecken aufgesucht werden. Die nächstgelegenen Krankenhäuser sind die von Kusel und Meisenheim. Zuständige Sozialstation ist die von Lauterecken.

0.13.1.Wirtschaft und Verkehr

Die Bewohner des Dorfes lebten früher weitgehend von der Landwirtschaft, auch von den Sandsteinbrüchen in der Nähe des Ortes. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges verließen viele Männer den Ort, um als Wandermusikanten ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe ging in den vergangenen Jahrzehnten zurück, dennoch werden die Felder weitgehend bewirtschaftet.

Der Ort ist zu erreichen über die Kreisstraße K 62, die beim Deimberger Höfchen von der Durchgangsstraße Offenbach-Langweiler (K 63) abzweigt. Nächste Bundesstraßen sind die B 420 (3 km) und die B 270 (8 km). Die nächste Autobahnauffahrt bei Kusel ist etwa 20 Kilometer weit entfernt. Zum früheren Bahnhof der Glantalbahn nach Offenbach waren es etwa 3 km. Heute noch erreichbarer Bahnhof ist der 6 Kilometer weit entfernte Bahnhof Lauterecken.

0.14.Nachweise

Verfasser: Ernst Schworm

Redaktionelle Bearbeitung: Ernst Schworm

Literatur:

  • Fabricius, Wilhelm: Das Hochgericht auf der Heide - Die Wildgrafschaft zwischen Oberstein, Meisenheim, Lauterecken und Kusel, in: Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst Jg. 24, Trier 1905.
  • Karsch, Otto: Geschichte des Amtes Grumbach, Neuwied 1959.
  • Remling, Xaver: Geschichte der Benediktiner-Probstei St. Remigiberg bei Cusel in der Rheinpfalz, München 1858.
  • Schneider, Carl: Geschichte des Wild- und Rheingräflichen Hauses, Volkes und Landes auf dem Hundsrücken, Kreuznach 1854.