Ludwigshafen am Rhein in der Pfalz

0.Die Geschichte einer der jüngsten am Rhein gelegenen Großstädte

0.1.Vorgeschichte

Das Gebiet auf dem das heutige Ludwigshafen liegt, war zwar fruchtbar, jedoch häufig überschwemmt und sumpfig. Nur einige Inseln und das Hochufer waren in frühgeschichtlicher Zeit von verschiedenen Volksgruppen besiedelt. Dies kann mithilfe von Funden im Rheinkies, wie Skelettresten, Waffen und Werkzeugen, nachgewiesen werden. Eines der frühesten Zeugnisse menschlicher Besiedlung ist ein im heutigen Stadtteil Friesenheim gefundener Schädel eines Neandertalers aus der Eiszeit. Für die Altsteinzeit sind keine Funde überliefert, wohingegen für die  mittlere Steinzeit (8000 – 4500 v. Chr.) mehrere Spuren die Lebensweise von Wandervölkern bezeugen. In der Jungsteinzeit siedelte man bevorzugt auf den Hochufern, erste feste Siedlungen entstanden und Ackerbau sowie Viehzucht wurden betrieben. Aus der Bronzezeit stammen einige sehr wertvolle Grabfunde, etwa ein Skelettgrab in Oggersheim. Im Maudacher Bruch fand man ein gut erhaltenes Schwert aus der Urnenfelderzeit (1300 – 800 v. Chr.). Das Fundmaterial der Eisenzeit (8. Jh. bis Christi Geburt) besteht aus Gold- und Bronzeschmuck, Waffen sowie Keramik. Aus der darauf folgenden Latènezeit (400 v. Chr. bis Christi Geburt) stammt zahlreicher Glasschmuck und Brandgräber bei Oppau.

Mithilfe einer großen Anzahl von Funden kann der Bereich entlang des Rheins und der römischen Heerstraße zwischen Speyer und Worms in der römischen Kaiserzeit (58 v. Chr. bis 406 n. Chr.) als militärisches Gebiet ausgewiesen werden. Das unter Kaiser Claudius (41 – 54 n. Chr.) errichtete Kastell bei Rheingönheim stellt das wichtigste Denkmal dieser Zeit dar. In seiner Nähe fand man 400 Gräber mit wertvollen Beigaben. Nach dem Ende der römischen Herrschaft (5. Jh.) folgte die Zeit der Völkerwanderung.

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0.2.Der Raum Ludwigshafen im Mittelalter

0.2.1.Eroberung durch die Franken im Frühmittelalter

Mit Eroberungen der Franken seit dem 4. Jh. im nördlichen Teil Galliens und am Niederrhein, begann eine neue Entwicklungsphase, in deren Verlauf die meisten der heutigen Siedlungen entstanden. Am Oberrhein siedelten ab 470 vermehrt die Alamannen, die den Franken die Herrschaft im nördlichen Gallien streitig machten. In diesem Zusammenhang gründeten sie aller Wahrscheinlichkeit nach im 5. Jh. den Ort Edigheim, der somit für sich in Anspruch nehmen kann, der älteste Stadtteil Ludwigshafens zu sein. Erstmals erwähnt wird Edigheim im „Lorscher Codex“ in einer Urkunde aus dem Jahr 772. Damals floss der Rhein noch direkt am Ort vorbei. Später, als der Fluss seinen Lauf änderte, wurde Edigheim linksrheinisch.

Die alamannische Vorherrschaft am Oberrhein ging gleichzeitig mit dem Untergang des Weströmischen Reiches (476) zu Ende. 486 fiel das letzte unter römischer Verwaltung stehende Gebiet in Gallien an Chlodwig, einen fränkischen Kleinkönig aus dem Geschlecht der Merowinger. Unter seiner Führung brach die alamannische Herrschaft zusammen, die Franken nahmen die Gebiete um Worms und Speyer auf beiden Rheinseiten ein. Bis zur Eingliederung der Gebiete ins neu entstehende Frankenreich war der Rhein eine Grenze gewesen, an der sich Römer und Alamannen gegenüberstanden. Unter den Franken wurde schließlich auch der Raum zwischen den Römerstädten Worms und Speyer besiedelt. Aufgrund archäologischer Funde und der Interpretation der Ortsnamen, liegt es nahe, dass die Gründung der Siedlungen, aus denen die heutigen Stadtteile entstanden, bereits durch die Franken im 6. Jh. erfolgte.

Die Namen von vier Orten werden nach dem typisch fränkischen Muster „Personenname und –heim“ gebildet: Friesenheim (Heim des Friso), Hemshof (ursprünglich Hemsheim; Heim des Haming), Mundenheim (Heim des Mundo) und Oggersheim (Heim des Agar).Bei den anderen fünf Orten ist die Erklärung nicht ganz so einfach. Oppau und Edigheim lagen damals noch auf der rechten Rheinseite, Edigheim hieß als alamannische Gründung zunächst Otingen. Der Name wurde von den Franken dann zu Otingheim erweitert. Bei Oppau könnte man eine fränkische Siedlung annehmen, die im frühen 6. Jh. parallel zum alamannischen Otingen entstand. Edigheim und Oppau werden 772 bzw. 808 erstmals im „Lorscher Kodex“ erwähnt. Dort werden ebenfalls Oggersheim(769), Mundenheim und Maudach (770), Friesenheim und Hemsheim (771) belegt. Die erste urkundliche Fixierung Rheingönheims findet sich für 831 im „Goldenen Buch“ der Abtei Prüm. Im Vergleich dazu wird Ruchheim erst im 10. Jh. im „Liber Possessionum Wizenburgensis“, einem Besitzverzeichnis des Klosters Weißenburg, genannt. Neben dem Lorscher Kloster verfügte in karolingischer Zeit also auch das Kloster Weißenburg über größeren Besitz im Raum Ludwigshafen.

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0.2.2.Hoch- und Spätmittelalter

Das Oberrheingebiet erlangte mit der Politik der ostfränkisch-deutschen Könige aus dem Geschlecht der Ottonen im Laufe des 10. Jh. einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Das Rhein-Neckar-Gebiet blieb durch die Verschiebung der westlichen Grenze vom Rhein an die Maas (mit Eingliederung des Elsass und Lothringens) von französischen Angriffen verschont. Der Oberrhein bildete das Zentrum des Reichs, das mit der Krönung Ottos I. zum Kaiser 962 als erneuertes Römisches Reich, später Heiliges Römisches Reich galt.

Vor dem Hintergrund der Konsolidierung wuchs der Fernhandel zwischen Italien und der Nordsee, von dem auch die oberrheinischen Städte profitierten. Dadurch entstanden wiederum Vorteile für die in geringer Entfernung liegenden ländlichen Siedlungen. Damit einhergehend veränderten sich bis ins 19. Jh. die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen. Das Bevölkerungswachstum in den Städten führte zur größeren Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten des Umlandes. Geistliche Grundherren gingen dazu über, ihre Hofgüter stückweise zu verpachten, anstatt ihre Gutshöfe unter Ausnutzung der Frondienste bewirtschaften zu lassen. Die sogenannte „Rentengrundherrschaft“ bildete sich heraus, in der die Bauern jährliche Abgaben in Geld oder Naturalien an ihre Grundherren zahlten. Mit der Ablösung der Feld-Gras-Wirtschaft durch die Dreifelderwirtschaft und dem damit einhergehenden Flurzwang, entstanden allmählich Dörfer im heutigen Sinne. Die heutigen Stadtteile Ludwigshafens waren ursprünglich meist als Straßendörfer angelegt.

Der linksrheinische Teil des Rhein-Neckar-Gebiets war bis ins späte 15. Jh. herrschaftlich zersplittert. Auf der rechten Rheinseite, auch auf dem Gebiet des heutigen Mannheim, hatten sich die Pfalzgrafen bereits im 13. Jh. von Heidelberg aus ein geschlossenes Herrschaftsgebiet errichtet. Ein wichtiges Mittel, um die pfälzische Vorherrschaft im genannten Raum zu sichern, waren die Herrschaftsrechte über Leibeigene in sogenannten Ausdörfern, die außerhalb des pfälzischen Territoriums lagen. Zu diesen zählten im 15. Jh. alle Dörfer des heutigen Stadtgebiets, die nicht unmittelbar pfälzisch beherrscht wurden, etwa Edigheim, Mundenheim, Maudach, Ruchheim und Rheingönheim.

Die drei heutigen südlichen Stadtteile Ludwigshafens entwickelten sich auf Grundlage der Grafschaftsrechte im Speyergau, die den Bischöfen von Speyer 1086 übertragen worden waren. Herrschaftsrechte wurden an bischöfliche Ministerialen als Lehen vergeben, die sich immer mehr mit den Orten, in denen sie diese ausübten, identifizierten, nachdem die Lehen im 12. Jh. erblich geworden waren.

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0.3.Entstehung des kurpfälzischen Festungswerks Rheinschanze im 17. Jh. und Übernahme durch die Franzosen im 18. Jh.

Die Mannheimer Rheinschanze mit "Fliegender Brücke"

Im Jahr 1606 wurde gleichzeitig mit der Festung Friedrichsburg und der befestigten Stadt Mannheim unter Kurfürst Friedrich IV. das kurpfälzische Festungswerk Rheinschanze errichtet. Es befand sich auf dem Gebiet der heutigen Innenstadt, zwischen Kaiser-Wilhelm-Straße und Zollhofstraße. Die Rheinschanze diente als linksrheinischer Brückenkopf zur Sicherung des Rheinübergangs, der militärisch von Bedeutung war. Zwischen Friedrichsburg und Rheinschanze verkehrten zunächst Fähren. Nach dem Wiederaufbau der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Stadt, verband seit 1667 eine sogenannte „fliegende Brücke“ die beiden Ufer. Dabei handelte es sich um eine, von dem Bacharacher Bürger Michael Tautphöus erbaute, fest installierte Fähre (sogenannte Gierfähre), die an Seilen über den Rhein gezogen wurde.

Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges wurden im Jahr 1689 die Mauern von Festung und Rheinschanze von den Franzosen geschleift und Kirchen und Häuser niedergebrannt. Erst mit dem Wiederaufbau der Stadt im 18. Jahrhundert konnte auch der linksrheinische Brückenkopf erneut errichtet werden. Mit der Erhebung Mannheims zur kurfürstlichen Residenz durch Kurfürst Karl Philipp 1720 vergrößerte sich auch die wirtschaftliche Bedeutung der Rheinschanze. Unter anderem wurde die Gierfähre 1725 durch eine Schiffsbrücke ersetzt, die jedoch in der Franzosenzeit zerstört wurde, sodass erneut eine Fähre den Verkehr über den Rhein übersetzte.

Mitte des 18. Jh. begann man mit dem Bau von Straßen, die von Kaiserslautern über Bad Dürkheim und Oggersheim sowie von Neustadt über Mutterstadt und Maudach und von Speyer über Rheingönheim führten. Da alle in der Rheinschanze einmündeten, erlangten sie neben der strategischen auch eine große handelspolitische Bedeutung. 1777 siedelte Kurfürst Karl Theodor nach München über, wodurch Mannheim und die Rheinschanze bayerisch wurden. Die Umsiedlung bedeutete wiederum einen wirtschaftlichen Rückschlag. 1798 gelangte das in der Zeit der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege umkämpfte Festungswerk in die Hand der Franzosen. Die Geschichte des kurpfälzischen Festungswerks war damit zu Ende.

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0.4.19. Jh.: Vom Handelsplatz zur Stadt

Nachdem das Reich im Frieden von Lunéville 1801 die Abtretung des gesamten linken Rheinufers an Frankreich bestätigt hatte, beschlagnahmte die französische Verwaltung das Gelände des geschleiften Festungswerkes und veräußerte es an private Besitzer. Mannheim wurde, zusammen mit den anderen rechtsrheinischen Teilen der Kurpfalz, dem neugeschaffenen Großherzogtum Baden eingegliedert. Der Rhein wurde zur Grenze zwischen den Staaten des Rheinbundes und Frankreich.

Zwischen beiden Ufern entstand ein reger Handel und neben der französischen Zollstation wurde eine kleine Siedlung errichtet. Im 18. Jh. war die zivile Ansiedlung noch verboten gewesen. Die Rheinschanze blieb bis zum Pariser Friedensschluss 1814/15 unter französischer Herrschaft und kam in Folge des Wiener Kongresses (1816) zu Bayern.

0.4.1.Entwicklung zum Handelsplatz

1808 kaufte sich der Mannheimer Gastwirt Karl Hornig innerhalb der Rheinschanze ein und errichtete einen Gasthof bei der Schiffsbrücke, eine französische Zollstation sowie einen Anlegeplatz für Schiffe. Nach dem Tod Hornigs erwarb der Speyerer Kaufmann und Weinhändler Johann Heinrich Scharpff das Anwesen. Er hatte bisher schon Handelsgüter in der Rheinschanze verladen und erkannte deren günstige Lage und die Bedeutung der von Hornig erbauten Schiffsanlegestelle. Gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Philipp Markus Lichtenberger gründete er ein Handelshaus, um die Wirtschaft der neuentstandenen Pfalz nach den langen Kriegsjahren anzukurbeln. Es entstand ein Umschlagsplatz für die Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte, wie Wein und Tabak, und für die Einfuhr der notwendigen Kolonialwaren.

Durch königliche Verordnung erhielt Scharpff 1822 die Erlaubnis, einen Landungs- und Ladeplatz anzulegen. Zwei Jahre später bildete sich in Folge eines Dammbruchs durch Hochwasser der sogenannte Winterhafen. Er diente der Rheinschifffahrt lange Zeit als Liegeplatz, wenn der Fluss zugefroren war. Es handelte sich dabei um den einzigen Winterhafen in der bayerischen Pfalz, wodurch die Rheinschanze einen entscheidenden Standortvorteil erlangte. 1843 wurde die Einfahrt des vernachlässigten Hafens verbreitert, sodass auch größere Schiffe und Dampfschiffe ihn anlaufen konnten.

Die Rahmenbedingungen für die Rheinschifffahrt insgesamt verbesserten sich nach dem Wiener Kongress, in dessen Schlussakte die Freiheit des Handels auf den gemeinsamen Wasserstraßen des Deutschen Bundes festgehalten wurde. 1831 wurden mit der „Rheinschifffahrtsakte“ schließlich die Abgabefreiheit und die Stapelrechte aufgehoben, die die alten Rheinstädte besaßen. Auch die Gründung der „Großherzoglich-Badischen Rhein-Dampfschifffahrtsgesellschaft“ brachte einen Aufschwung für den Binnenverkehr, von dem bald auch die Rheinschanze profitierte.

Zunächst schloss das Handelshaus Scharpff-Lichtenberger mit holländischen und schweizerischen Handelshäusern und Schiffsbesitzern Verträge und sicherte sich damit einen Anteil an dem zunehmenden Schiffsverkehr. Die meisten Schiffe mit Gütern für die Pfalz konnten so über die Rheinschanze geleitet und die notwendige Umladung von und in Richtung Oberrhein dort vorgenommen werden. Diese Entwicklung und der allgemeine Ausbau der Rheinschanze zum Handelsplatz stießen auf mehrfachen Widerstand. Links des Rheins befürchteten die Städte Frankenthal, Germersheim und Speyer, dadurch Nachteile für die eigenen Handelsplätze zu erleiden. Das Großherzogtum Baden fürchtete eine mögliche Konkurrenz der Rheinschanze für den Mannheimer Hafen. Mit der Ernennung der Rheinschanze zum Freihafen 1842 stellte sich diese Furcht als begründet heraus.

0.4.2.Namensgebung, Siedlungsentwicklung (1843) und Stadtgründung (1859)

Ludwig I. von Bayern[Bild: Joseph Karl Stieler [gemeinfrei]]

1843 geriet das Handelshaus Scharpff-Lichtenberger in finanzielle Not, sodass König Ludwig I. den Handelsplatz für den bayerischen Staat erwarb. Es sollte eine politische Gemeinde entstehen, für die das Staatsministerium des Innern verfügte, „daß dem bisher unter dem Namen Rheinschanze bekannten Handels- und Hafenplatz gegenüber von Mannheim und der sich dort bildenden Gemeinde der Name Ludwigshafen schon jetzt beigelegt werde“.

Der Ort sollte zwar zunächst noch in seinem bisherigen Gemeindeverband verbleiben, später aber zur selbstständigen Gemeinde werden. Dafür gab es sowohl staats- als auch wirtschaftspolitische Gründe, wie veränderte regionale und überregionale Rahmenbedingungen und den allgemeinen technischen Fortschritt. Der Handelsplatz hatte zu dieser Zeit einen hohen finanziellen Wert, der aufgrund seines günstigen Standorts, der Häfen sowie deren Lagerkapazitäten und durch wirtschaftliche Perspektiven, entstand. Bereits seit 1836 hatte sich Philipp Markus Lichtenberger dem ersten regionalen Eisenbahnprojekt zugewandt, bei dem eine Gleisstrecke von der Rheinschanze nach Bexbach im Saarland entstehen sollte. Diese wurde 1843 von der“ Bayerischen Eisenbahngesellschaft der Pfalz“ beschlossen und erlangte neben dem ökonomischen Vorteil für den Handelsplatz auch Bedeutung für den gesamten pfälzischen Raum. Auch die Dampfschifffahrt stellte einen großen Gewinn dar. Kleine Rheinkähne, die bisher stromaufwärts von Pferden oder Menschen gezogen werden mussten, wurden nun durch größere Boote ersetzt. Die Dampfer übernahmen den Schleppdienst bergauf und 1842 gründete sich die „Bayerisch-Pfälzische Dampfschleppschiffahrts-Gesellschaft“.

Nach etwa zwei Jahrhunderten in denen die Rheinschanze erst Festung und anschließend Handelsplatz gewesen war, wurde sie somit 1843 zum Handels- und Gewerbeplatz Ludwigshafen. 1852 verlieh König Maximilian II. Ludwigshafen die Rechte einer Gemeinde und am 8. November 1856 wurde diese zur Stadt erhoben. Im weiteren Verlauf des 19. Jh. entwickelte sich Ludwigshafen in enger Verbindung zu Handel, Industrie, Handwerk und Verkehr. 1865 siedelte sich die „Badische Anilin- und Sodafabrik“ (BASF) in Ludwigshafen an. Bis heute prägt der Chemiekonzern das Bild der Stadt.

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0.5.Ludwigshafen im 20. und 21. Jh.

Das Ausbrechen des Ersten Weltkriegs belastete die Wirtschaft schwer. Da alle öffentlichen Verkehrsmittel für militärische Zwecke in Anspruch genommen wurden, kamen Rohstofftransport und Handel zum Stillstand. Große Probleme bereitete auch die Sperrung des Bahnverkehrs aufgrund von Truppentransporten an die Westfront. Viele, vor allem kleinere Betriebe, mussten wegen der Einberufung von Facharbeitern und der Sperrung des Bahnverkehrs schließen. Größere Betriebe, etwa die BASF, profitierten hingegen vom Krieg

Mit dem Scheitern der deutschen Westoffensive im Herbst 1914 wurden die Hoffnungen auf ein rasches Kriegsende enttäuscht. Stattdessen wurden im weiteren Kriegsverlauf alle wirtschaftlichen Kräfte mobilisiert, sodass massive Produktionssteigerungen die Folge waren. Die Kriegskonjunktur der deutschen Industrie erlangte in den nächsten Jahren ihren Höhepunkt, um im Juni 1918 schließlich zusammenzubrechen. In Folge des Krieges war auch der Wohnungsbau zusammengebrochen, sodass nach 1918 Stadt und BASF im sozialen Wohnungsbau tätig wurden.

Auch im Zweiten Weltkrieg war Ludwigshafen als bedeutende Hafen- und Industriestadt ein bevorzugtes Bombardierungsziel. Ein Großteil der Wohnhäuser und fast alle Fabrikanlagen wurden bei über 120 Luftangriffen zerstört oder schwer beschädigt. Im Juli 1945 wurde Ludwigshafen in die französische Besatzungszone eingegliedert. Der Wiederaufbau ging jedoch nur langsam vonstatten, da Ludwigshafen in einer von den Besatzern benachteiligten Region lag. Ein Jahr später wurde die Stadt in das von den Franzosen gegründete Land Rheinland-Pfalz eingegliedert, das nach Gründung der Bundesrepublik am 23.5.1949 zum Bundesland wurde. Die Verbindung zu Bayern war somit endgültig beendet. Durch die Eingliederung von Ruchheim 1974 erreichte das Stadtgebiet seine heutige Ausdehnung. Heute ist Ludwigshafen mit ca. 160.000 Einwohnern nach Mainz die zweitgrößte Stadt in Rheinland-Pfalz und nach Mannheim in der Metropolregion Rhein-Neckar. Mit der Überschreitung der Bevölkerungsgrenze von 100.000 im Jahr 1925 entwickelte sich Ludwigshafen in weniger als einem Jahrhundert seit ihrer Gründung zur Großstadt.

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Verfasserin: Janina Kühner

Erstellungsdatum: 12.08.2013

 

Literatur:

 

Breier, Thomas: Eine Stadt wird gebaut. Ludwigshafen am Rhein von der Gründung bis zum Zweiten Weltkrieg, Ludwigshafen am Rhein 1994.


Hoffmann, Josef: Kurze Geschichte des Handelsplatzes Ludwigshafen, Ludwigshafen 1967.


Marx, Werner: Die Entstehungsgeschichte der Stadt Ludwigshafen am Rhein. Der Großstadt am Rhein zu ihrem Festjubiläum, Ludwigshafen 1953.


Mörz, Stefan: Geschichte der Stadt Ludwigshafen am Rhein. Von den Anfängen bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, Band 1, Ludwigshafen am Rhein 2003.


Mörz, Stefan: Geschichte der Stadt Ludwigshafen am Rhein. Vom Ende des Ersten Weltkrieges bis zur Gegenwart, Band 2, Ludwigshafen am Rhein 2003.


Nesseler, Emil: Chronik der Stadt Ludwigshafen am Rhein. Die Stadt der deutschen Chemie, Berlin 1941.


Oexner, Mara: Stadt Ludwigshafen am Rhein, in: Landesamt für Denkmalpflege (Hg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Stadt Ludwigshafen am Rhein, Band 8, Düsseldorf 1990.