Quirnbach in der Pfalz

Quirnbach

0.1.Allgemeine Angaben

Dorf mit Pferdemarkt
Das Dorf eines Liebo

Ortsgemeinde mit den Ortsteilen Quirnbach und Liebsthal in der Verbandsgemeinde Glan-Münchweiler

Einwohner (1997): 569 (davon Liebsthal 121), männlich: 274 (OT Liebsthal 60), weiblich: 295 (OT Liebsthal 61)

Religion: evangelisch 75%, röm. kath. 12%,  ohne Angabe: 5%, keine Religion   4%, sonstige   4%

Einwohner insgesamt (2007): 515

Gemarkung: 610 ha, davon Wald 46 ha, Autobahngelände 14 ha, OT Liebsthal zusätzlich 8 ha

0.2.Lage

Der Ort Quirnbach liegt in einer Höhe von 223 m und OT Liebsthal 251 m im Tale des Wehrbaches, eines Seitentales des Henschbaches. Es wird im Osten begrenzt vom Steinernen Mann (329 m) und einem weiterlaufenden Höhenrücken bis zum nördlichen Talabschluss dem Schindelberg (379 m) und dem Dellmesrech (390 m). Schutz nach Westen hin bieten der Kirchberg (349 m) und die Höhe des Sangerhofes (378 m). Ein besonderer Orientierungspunkt ist die 390 m lange Henschbachtalbrücke am Ortseingang von Quirnbach.

0.3.Siedlung

Schon im Mittelalter siedelten die Bewohner am Anfang des Wehrbachtales rund um die Kirche. 1777 wurde diese neu errichtet, an gleicher Stelle stand ehedem eine alte Kapelle. Daneben wurde auch die Schule gebaut, die 120 Jahre später als Rathaus diente. Heute ist dies das Dorfgemeinschaftshaus, das jetzt von der Ortsgemeinde und der Kirchengemeinde gemeinsam genutzt wird. Am Dorfeingang im Henschbachtal steht an der ehemaligen Mühle eine uralte Linde (unter Naturschutz). Zu Beginn des 20.Jahrhunderts wurde die Durchgangsstraße nach Herschweiler-Pettersheim umgelegt und ein neues Wohngebiet entstand. In diesem Bereich erschloss die Gemeinde  nach 1950 eine erste Wohnsiedlung -"Auf Löbsch". Da die Viehmärkte um 1955 weiter zurück gingen, wurde dann auch das alte Marktplatzgelände bebaut. 1964 entstand  am Trahweiler Weg die neue Schule, die 1972 der Schulreform zum Opfer fiel. Heute ist dort ein Betrieb mit 8-10 Arbeitsplätzen angesiedelt. 1970 konnte man den neuen Marktplatz und einen Spielplatz dabei errichten und eine Markthalle bauen. Auf dem Marktplatz wurde für die Jugend ein Bolzplatz hergerichtet, da sich der Sportplatz und das Sportheim im Altenwald befinden. Ein größeres Neubaugebiet  "Auf  Dungen" entstand 1997 und wird noch erweitert.

Wohnhaus in der Ortsmitte

0.4.Gemarkung

Die Gesamtfläche des Gemeindegebietes beträgt 610 ha, davon sind 46 ha Wald. Die südliche Grenze ist der Henschbach. Dies war seit dem Mittelalter auch die Landesgrenze zwischen den herzoglich-zweibrückischen und den layischen Gebieten. Im Osten wird die Gemarkung durch das breite Band der Autobahn A 62 in der ganzen Länge durchtrennt. Im Norden ist die alte Römerstraße eine natürliche Begrenzung und im Westen reicht die Gemarkung zum Teil bis in das Hodenbachtal. Die Größe des Autobahngeländes beträgt in der Gemarkung Quirnbach insgesamt 22 ha. Die Landwirtschaft spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle. (1999: 1 Vollerwerbsbetrieb und 3 Nebenerwerbsbetriebe).

0.5.Name

Quirnbach war zunächst nur ein Bachname und der Bach wurde auch bei den Bewohnern von Rehweiler, Trahweiler und Frutzweiler so genannt. Noch 1588 schreibt Johannes Hofmann in seiner Beschreibung des Oberamtes Lichtenberg: "Die Heinsbach (Henschbach) mündet in den Glan und nimmt vorher den Quirnbach auf. Das ist der heutige Wehrbach, dessen Name von Quirnbach über Querbach zu Wehrbach geworden ist. Der Verlauf des Baches, der im rechten Winkel in den Henschbach mündet, aber quer zum Henschbach verläuft, mag die Ursache der Namensgebung gewesen sein." In der Tat ist Quirn oder Kurn ein altdeutscher Name für Mühle. Der Quirnbach war also ein Bach, an dem viele Mühlen standen. Historische Namensformen: 1152 Querenbach, 1154 Kerembac, 1588 Quirnbach. Liebsthal hieß ursprünglich Liebesstatt (1349 Lybestatt), und damit ist die Siedlung, vielleicht eine Burg, als der Ort eines Mannes mit dem Namen Liebo gemeint. Das Grundwort "-statt" wechselte im Laufe der Zeit über die Bezeichnung "-stall", entsprechend des Namens der benachbarten Wüstung Leidentall, zu -tal oder -thal. Der Name Liebsthal taucht somit erst im 19. Jahrhundert auf.  (Vgl. Dolch/Greule 1991 S. 288 und  S. 374) 

Haus in Liebsthal

0.6.Wappen

Auf goldenem Grund bewegt sich ein roter Löwe mit umgekehrtem Kopf, gestaltet nach einem alten Siegel, das jedoch einen goldenen Löwen auf schwarzem Grund zeigte. Nach Debus wurde die erste Form 1937 durch die Regierung von Bayern genehmigt, und die zweite Form sei nur gewohnheitsmäßig heute noch in Gebrauch. Vor Ort wird dieser Interpretation jedoch widersprochen. (Vgl. Debus o. Jahr S. 152 und 153)

0.7.Abriss der Ortsgeschichte

0.7.1.Vor- und Frühgeschichte, Römerzeit

In der Gemarkung Liebsthal wurde ein steinzeitliches Beil gefunden, dessen Verwahrung heute nicht mehr bekannt ist. Drei Grabhügel aus der Bronze- oder Steinzeit bestehen ebenfalls in der Gemarkung von Liebsthal, von denen nur einer in seinem Ursprung erhalten geblieben ist. Unter Schutthalden in der Gemarkung Quirnbach könnten ebenfalls einige vorgeschichtliche Grabhügel bestehen, bei den meisten dürfte es sich jedoch um Halden handeln, die mit dem früheren Bergbau in Verbindung stehen.

Entlang der nördlichen Gemarkungsgrenze führt die bekannte Römerstraße von Waldmohr nach Kusel. Funde aus römischer Zeit wurden jedoch nur in den Gemarkungen der benachbarten Orte Wahnwegen und Hüffler gemacht.

0.7.2.Mittelalter

Quirnbach wurde erstmals im Jahre 1152 in einer Urkunde erwähnt, nach der Kaiser Friedrich Barbarossa dem Abt Hugo des Klosters Saint Remi in Reims den Besitz des Remigiuslandes bestätigt. In der Urkunde werden alle Kirchenorte des Remigiuslandes aufgezählt, also auch Quirnbach, das damals "Querenbach" genannt wurde. Der Inhalt dieser Urkunde blieb lediglich in einer Kopie aus dem 13. Jahrhundert erhalten. 1154 erscheint der Ort als "Kerembac" im Polyptichum (Güterverzeichnis) des Erzbistums Reims. Da die Eintragungen dieses Buches Verhältnisse aus lange zurückliegender Zeit betreffen, könnte Quirnbach schon im frühen Mittelalter als ein Ort des so genannten Remigiuslandes für Reims von Bedeutung gewesen sein. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts übernahmen die Grafen von Veldenz das Remigiusland als eine Vogtei, und so werden fortan einmal das Kloster Saint Remi und dann die Grafen von Veldenz, später die Herzöge von Zweibrücken, als Landesherren genannt. In dieser veldenzischen Zeit gab der Ort einem adeligen Geschlecht seinen Namen. Es werden genannt: Konrad von Quirnbach (1152), Wolfram von Quirnbach (1196) und Ulrich von Quirnbach (1255), der Domherr zu Speyer und Abt von Limburg war. Im 15. Jahrhundert (1444) kam Quirnbach zum Herzogtum Zweibrücken und lag hier im Oberamt Lichtenberg. Schon 1444 wurde auch der Markt von Quirnbach erwähnt, als der Herzog seinen Hofmetzger dorthin zum Viehkauf schickte. Der kleine bäuerliche Ort Liebsthal, der bis 1975 eine selbstständige Gemeinde darstellte, war auch in den früheren Zeiten nachbarlich eng mit Quirnbach verbunden. Der Ort erhielt seinen Namen von den Herren von Liebsthal, die Lehensleute der Grafen von Veldenz waren. Sie hatten ihren Sitz auf einer heute verschwundenen Burg, die auf einem hügeligen Gelände auf dem Schlossberg lag.

0.7.3.Neuzeit

Die Bedeutung von Quirnbach als Mittelpunkt eines Kirchspiels und als wichtiger Marktort blieb über das Mittelalter hinaus erhalten. Auch die Zugehörigkeit zum Herrschaftssystem änderte sich nicht. Allerdings wurde die Entwicklung vor allem durch die Kriege des 16. Jahrhunderts (Dreißigjähriger Krieg und Kriege Ludwigs XIV.) immer wieder gestört und unterbrochen, insbesondere auch das Wachstum der Bevölkerung. Erst im 18. Jahrhundert setzte wieder ein kontinuierliches Wachstum ein, das sich bis zum Ende der Feudalherrschaft nach dem Ausbruch der Französischen Revolution fortsetzte. Nachdem Frankreich das linksrheinische Deutschland annektiert hatte, lag Quirnbach als Sitz einer Mairie im Kanton Kusel, im Arrondissement (Kreis) Birkenfeld und im Departement Saar. Zur Mairie Quirnbach gehörten die Orte Hüffler, Wahnwegen, Liebsthal, Quirnbach, Rehweiler, Trahweiler mit Sangerhof und Frutzweiler.

0.7.4.Neueste Zeit

Ab 1816 gehörten Quirnbach und Liebsthal innerhalb des Königreichs Bayern zum Kanton und Landcommissariat Kusel und zum "Baierischen Rheinkreis." Dabei blieb der Ort Sitz der  Bürgermeisterei. Während des pfälzisch-badischen Aufstands von 1949 spielte Quirnbach durch die Wirksamkeit des Bürgermeisters Jakob Munzinger eine besondere Rolle. Munzinger vertrat den Kanton Kusel bei der Revolutionsregierung in Kaiserslautern. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte Quirnbach das Recht, 24 Märkte im Jahr zu veranstalten. 1877 wurde dann der Pferdemarkt erstmalig an Buß- und Bettag abgehalten, bei dem 24 000 Lose in der ganzen Pfalz verkauft wurden. Heute findet nur noch am 2, Mittwoch im November der Pferdemarkt statt, wieder verbunden mit einer Lotterie. Territoriale Veränderungen im regionalen Bereich erfolgten  erst durch die rheinland-pfälzische Kommunal- und Regionalreform ab dem Jahr 1968. Damals verlor Quirnbach seine Funktion als Sitz einer Bürgermeisterei, die nun durch Gründung der Verbandsgemeinde von Glan-Münchweiler übernommen wurde. Quirnbach und Liebsthal schlossen sich zu der Ortsgemeinde Quirnbach mit den Ortsteilen Quirnbach und Liebsthal zusammen.

Pferdemarkt am zweiten Mittwoch im November

0.8.Wahlergebnisse in Prozent, Bundestag Zweitstimmen

CDU SPD FDP Grüne Linke Sonstige
Landtag 2001 17,6 60,8 7,8 2,9 --- 10,9
Landtag 2006 17,5 62,6 6,1 2,4 4,1 7,3
Landtag 2011 24,6 47,1 2,1 14,6 3,8 7,8
Bundestag 2002 23,9 56,5 9,6 5,0 --- 5,0
Bundestag 2005 22,2 49,1 9,9 4,1 10,6 4,0
Bundestag 2009 26,4 33,5 11,9 7,8 14,1 6,4
Bundestag 2013 28,4 43,5 5,3 5,3 8,2 9,3

0.9.Zeittafel

1152 Ersterwähnung des Ortes, Nennung von Konrad von Quirnbach
1196 Nennung von Wolfram von Quirnbach
1255 Nennung von Ulrich von Quirnbach als Domherr zu Speyer und Abt von Limburg
1444 Erwähnung der Märkte in Quirnbach
1538 Oswald Scherer, erster evangelischer Pfarrer in Quirnbach
1777 Neubau der Kirche zu Quirnbach
1798 Quirnbach wird Sitz einer Bürgermeisterei (Mairie)
1816 Quirnbach wird bayerisch
1840 Neubau des Schulhauses und des Pfarrhauses
1849 Bürgermeister Jakob Munzinger vertritt den Kanton Kusel bei der Revolutionsregierung
1877 Einführung des Pferdemarktes und der Lotterie
1937 Verleihung des Quirnbacher Wappens durch die bayrische Staatsregierung
1964 Neubau eines Schulhauses
1972 Verwaltungsreform und Schulreform, Auflösung der Bürgermeisterei und der Schulen
1975 Anschluss der Gemeinde Liebsthal an Quirnbach

0.10.Religiöse Verhältnisse

1777 an Stelle einer Vorgängerkirche erbaut[Bild: Ernst Schworm]

Die zum zweibrückischen Oberamt Lichtenberg gehörende Gemeinde war schon vor der Reformation Pfarrort und besaß eine Kirche. Als erster evangelischer Pfarrer wird 1538 als Verseher der "Kapell Quirenbach" Oswald Scherer erwähnt. 1777 wurde die neue Kirche am alten Platz erbaut. Der Ort war 1900 noch rein evangelisch, heute sind 75% der Bewohner evangelisch, 15% katholisch und 10% gehören sonstigen Religionen oder keiner Religion an. Zur evangelischen Kirchengemeinde gehören nun die Bewohner der Gemeinden Steinbach mit Frutzweiler, Henschtal mit Sangerhof, Quirnbach mit Liebsthal und Rehweiler. Die Katholiken besuchen die Kirche in Glan-Münchweiler.

0.11.Bewohner

Um 1800 lebten im Ortsteil Quirnbach 500 und im Ortsteil Liebsthal 160 Bewohner. Die Einwohnerzahlen stiegen im 19. Jahrhundert zunächst kontinuierlich leicht an, um gegen Ende des Jahrhunderts durch Auswanderungen und Abwanderungen (in das benachbarte Saarland) leicht zu sinken. Im  20. Jahrhundert war wieder ein beachtlicher Anstieg festzustellen, der aber wahrscheinlich nicht anhalten wird. Der Ort selbst war ein Bauerndorf mit einigen kleinen Handwerksbetrieben. Ab 1900 waren viele Bewohner im Bergwerk und in Hüttenbetrieben beschäftigt. Doch war das Dorf auf Grund der Vielzahl der Märkte auch reichlich mit Gaststätten gesegnet, gab es doch 1911 noch 11 Gaststätten bei rund 450 Einwohnern. Mit dem Abbau der Saargruben und der Schließung von Hütten und Eisenbetrieben im Saarland verloren viele Quirnbacher ihre Arbeitsstelle. Fast alle Bauern gaben ihre Höfe auf und fanden bei den Amerikanern Arbeit. Heute ist der Großteil der Bevölkerung im Raum Kaiserslautern beschäftigt.

0.12.Einwohnerzahlen, 1997 gesamte Ortsgemeinde

Quirnbach
1825 1835 1871 1905 1939 1961 1997 2008
gesamt 322 406 446 442 459 486 569 558
katholisch 5 25 68 76
evangelisch 17 454 426 329
israelitisch 9 --- --- ---
sonstige 7 75 153
Liebsthal
1825 1835 1871 1905 1939 1961
gesamt 127 144 150 125 148 170
katholisch 3 7
evangelisch 124 163

0.13.Schule, Kultur, Vereinswesen

0.13.1.Schule

1798 bestand in Quirnbach eine einklassige Schule. 1840 wurde das alte Schulhaus abgerissen und ein neues mit Lehrerwohnung errichtet. Dazu gehörte in den unteren Räumen ein Stall und eine kleine Scheune. Die Lehrer mussten sich zu dieser Zeit ein Zubrot durch die Landwirtschaft verdienen, ebenso wie der Pfarrer im Dorf der 1840 ein neues Pfarrhaus mit Scheune und Stall erhielt. 1910 wurde die Schule zweiklassig, musste jedoch von nur einem Lehrer im Abteilungsunterricht unterrichtet werden. 1933 wurde in Quirnbach die 8.Klasse eingerichtet und von Schülern aus Quirnbach, Rehweiler und Liebsthal besucht. l929 erhielt Liebsthal ein neues Schulhaus und Quirnbach eine neue Lehrerwohnung. 1964 wurde in Quirnbach eine neue Schule eingeweiht, die jedoch schon 1972 wieder geschlossen wurde, ebenso wie die Schule in Liebsthal. Die Kinder der Gesamtgemeinde besuchen heute den Kindergarten und die Grund- und Hauptschule in Glan-Münchweiler.

Kein Unterricht mehr in diesem Schulhaus

0.13.2.Volksfeste und kulturelle Einrichtungen

Die ganze Umgebung feiert am zweiten Sonntag im August die "Quermbacher Kerb". Früher richtete sich der Termin nach dem Bartholomäustag, dem 24. August und war dann entweder am dritten oder vierten Sonntag des Monats. Aus wirtschaftlichen Erwägungen wurde vor einigen Jahren der neue Termin gewählt. Schon Wochen vorher treffen sich Straußburschen und Mädchen zum Bänderknüpfen für den Kerwestrauß. In dieser Zeit entsteht auch "die Kerweredd", die am Kerwesonntag an der Markthalle ausgerufen wird und die das dörfliche Jahresgeschehen glossiert. Dabei wird auch manchem Bürger humorvoll eine kleine Moralpredigt gehalten. Die Kerwe dauert dann bis "Dienstagowent" Noch einmal wird das Tanzbein geschwungen und bei Einbruch der Dunkelheit wird dann die Kerb begraben. Bei der Grabrede wird das Kerwegeschehen mit lustigen Worten berichtet und unter dem Geheule der Straußburschen und lauter Musik geht's wieder zum Tanz. Kaum ist die Kerwe abgeklungen, rüstet das Dorf schon wieder zum nächsten Fest, dem Pferdemarkt am 2. Mittwoch im November. Frühzeitig beginnt der Losverkauf für die Quirnbacher Lotterie und die Organisation dieses Festes, zum dem 15 bis 20 Tausend Besucher erwartet werden, erfordert den Einsatz aller Bürger. Dann sind auf dem neuen Marktplatz und in den Straßen des Dorfes rund 75-80 Verkaufsstände aufgestellt, eine große Pferdeschau wird veranstaltet und die Ziehung der Gewinne im Festzelt durchgeführt. Ohne die Mitarbeit der Ortsvereine wäre es nicht möglich, den Pferdemarkt durchzuführen.

0.13.3.Vereine

125 Jahre besteht der Gesangverein, 100 Jahre der Arbeiterunterstützungsverein und 50 Jahre der Sportverein. Doch viele Bürger sind auch Mitglieder in mehreren anderen Vereinen.

0.14.Gesundheits- und Sozialwesen

Spielplatz

Für die medizinische Versorgung sind die Ärzte in Glan-Münchweiler, das Westpfalz-Klinikum in Kusel und das Krankenhaus in Landstuhl zuständig. Der Krankenpflegeverein Quirnbach ist der Sozialstation in Brücken angegliedert und sorgt so für die häusliche Krankenpflege der Einwohner von Quirnbach und Liebsthal.


0.14.1.Wirtschaft und Verkehr

Wirtschaft

Quirnbach war als Marktflecken im gesamten Mittelrheingebiet und bis weit ins Lothringer Land hinein bekannt. Der Ort war auch der Mittelpunkt des Zuchtgebietes der Glan-Donnersberger Rinderrasse. Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Landwirtschaft die Haupterwerbsquelle, doch pendelten auch viele Arbeiter aus in die Bergwerke, Eisenwerke und Hüttenbetriebe des Saarlandes. Die Bevölkerung verstand es, nach dem letzten Krieg ein Bauerndorf in ein Dienstleistungsdorf umzuwandeln. Neben einem Bauernbetrieb bestehen heute in Quirnbach 13 Handwerks- und Handelsbetriebe, die in einer nicht geringen Zahl von Einpendlern Arbeit und Brot geben. Allerdings sind auch viele Quirnbacher in der Industrie in Kaiserslautern, Homburg und sogar in Ludwigshafen beschäftigt.

Verkehr

Unter Mithilfe der Gemeinde Quirnbach wurde das Kuseler Land durch die Bahnlinie Landstuhl- Kusel im Jahre 1868 verkehrsmäßig erschlossen. In den Nachbargemeinden Rehweiler und Glan-Münchweiler wurden bei den Bahnhöfen Verladerampen angelegt, um so die Märkte in Quirnbach besser mit Vieh bedienen zu können. Die heutige Fernstraße von Altenglan nach Saargemünd (B 423) führt am Dorf vorbei, und durch den Ort führt die Verbindungsstraße Rehweiler - Herschweiler-Pettersheim, die L 352. Die nächste Autobahnzufahrt zur Autobahn Landstuhl-Trier ist 3 km weit entfernt im benachbarten Glan-Münchweiler. Haltestellen der Eisenbahn bestehen in Rehweiler und Glan-Münchweiler. Busverbindungen führen über Wahnwegen nach Kusel und über Brücken nach Homburg.

Das typische Einfirsthaus

0.15.Persönlichkeiten

Maurer, Hermann August (*1861 in Quirnbach †1934 in Landau)

Selbst Pfarrer und berühmter Maler, Sohn des Dekans Karl Konrad Ludwig Maurer, der von 1854 bis 1862 als Pfarrer in Quirnbach wirkte. Der junge in Quirnbach geborene Maurer verbrachte seine Jugendzeit in Bergzabern und besuchte das Gymnasium in Landau. Er studierte Theologie und wurde nach mehreren Vorstationen 1887 Pfarrer in Annweiler. Neben seinem Dienst als Pfarrer malte er und wurde als "Wasgaumaler" weithin bekannt. Die Kirchenregierung ernannte ihn  1925 zum Kirchenrat. 

Maurer, Karl, Konrad Ludwig (*1819 in Lauenstein † in Bad Bergzabern)

Pfarrer von 1854 bis 1862 in Quirnbach, Vater des Pfarrers und "Wasgaumalers" Hermann August Maurer. Kam von Quirnbach nach Bergzabern, wo er sich um die Geschichte der Stadt und um die Armenpflege bemühte. Er begleitete wichtige Positionen in mehreren protestantischen Vereinigungen.

Müller, Emil (*1864 in Eppstein † 1918 Münchweiler a. d. Alsenz)

Er war als Pfarrer zuerst Stadtvikar in Kaiserslautern, dann Verweser in Göllheim und in Quirnheim, wo ihm die Kirche 1890 die Pfarrstelle übertrug. 1901 kam er nach Sausenheim und 1908 nach Münchweiler a. d. Alsenz. Müller betätigte sich nebenberuflich als Schriftsteller und verfasste u. a. Schriften zur Regionalgeschichte des Kuseler Landes, so "Der Brand von Kusel im Jahre 1794" und "Kleine Dorfgeschichte von Quirnbach".

Munzinger, Jakob ( *1807 in Gerhardsbrunn † Quirnbach 1874)

Als Sohn eines Bauern in Gerhardsbrunn heiratete er Karoline Drum aus Quirnbach, Tochter eines Bauern, Gastwirts und Bierbrauers. In Quirnbach übernahm Munzinger das Amt des Bürgermeisters. Er vertrat die Ideen des Pfälzischen Aufstands von 1849 und stimmte als Abgeordneter des Kantons Kusel im Mai gegen den Auftrag des Kantonalrates Kusel für die Einsetzung eines Landesverteidigungsausschusses und für die Gründung einer provisorischen Regierung. Damit unterstützte er aktiv den geplanten Aufstand, wurde später wegen dieses Votums verhaftet und in Zweibrücken festgesetzt, jedoch freigesprochen, nachdem er sich von seinen ursprünglichen revolutionären Ideen distanziert hatte. Das Amt des Bürgermeisters konnte er fortan nicht mehr ausüben, wohl aber sein Sohn Adolf vom Jahr 1870 an bis zu seinem Tod 1892.

Munzinger, Karl (*1864 in Quirnbach  † 1937 in Heidelberg)

Enkel von Jakob Munzinger und Sohn von Adolf Munzinger, wie Jakob Bürgermeister, Bauer, Gastwirt und Bierbrauer in Quirnbach, studierte Theologie, war ab 1887 Pfarrverweser in Otterberg und Bosenbach und Stadtvikar in Kusel, von 1889 bis 1895 Missionar in Japan. Wieder in Deutschland wurde er Pfarrer in Sausenheim und in Zweibrücken, schließlich Dekan in Kusel und in Landau, dann Kirchenrat und Oberkirchenrat. Die Universitäten Straßburg und Heidelberg verliehen ihm die Ehrendoktorwürde. Während der französischen Besatzung nach dem Ersten Weltkrieg wandte er sich gegen separatistische Bestrebungen. Auch als Schriftsteller machte er sich einen Namen.

0.16.Nachweise

Verfasser: Jochen Körbel; Rudolf Schneider †

Redaktionelle Bearbeitung: Ernst Schworm

Literatur:

  • Bernhardi, Günter: Bau der Henschbachtalbrücke, in: Westrichkalender Kusel 1972, S. 24-25.
  • Huck, Ulla: Quirnbacher Pferdemarkt heute, in: Westrichkalender Kusel 1995, S. 105-106.
  • Kloß, Alfred: Die Linde von Quirnbach - Volkskundlicher Beitrag um Freyas heiligen Baum, in: Westrichkalender Kusel 1970, S. 24-28.
  • Körbel, Jochen: Jeder muss jedem helfen [Arbeiterunterstützungsverein], in: Westrichkalender Kusel 1988, S. 51-54.
  • Körbel, Jochen: Der Quirnbacher Pferdemarkt - Relikt einer großen Markttradition, in: Westrichkalender Kusel 1994, S. 48-51.
  • Lafrenz, Willi L.: Das Harmonium aus Quirnbach - Eine historische und hysterische Groteske aus der Nachkriegszeit, in: Westrichkalender Kusel 2002, S. 108-112.
  • Lerner, Liesel: Baggerloch und Kipp - Erinnerungen an die Nachkriegszeit, in: Westrichkalender Kusel 1992, S. 74-75.
  • Müller, Emil: Kleine Dorfgeschichte von Quirnbach, Kusel 1896.
  • Paul, Roland; Zenglein, Dieter (Hrsg.): Quirnbach - Beiträge zur Ortsgeschichte - Festschrift zur 850-Jahr-Feier der Gemeinde, Kusel 2002. [Mit weiteren Beiträgen von Hans Harth, Hartmut Hofrichter, Peter Huck, Jochen Körbel, Michael Münch, Werner Rech, Rudi Schneider und Ernst Segatz]
  • Schenkel, Kurt: War Armut doch eine Schande? [Armenwesen in Quirnbach], in: Westrichkalender Kusel 1995, S. 49-50.
  • Schütz, J.: Der Bau der Henschtalbrücke bei Quirnbach an der Autobahnneubaustrecke Glan-Münchweiler - Kusel, in: Westrichkalender Kusel 1972, S. 22-23.
  • Trautmann, Gunther F.: Los Nr. 734 - Eine wahre Geschichte aus der Westpfalz,  in: Westrichkalender Kusel 1966, S. 42.
  • Weidmann, Adolf: Die Munzingerfamilie in Quirnbach im 19. Jahrhundert,  in: Westrichkalender Kusel 1987, S. 66-73.
  • Weidmann, Adolf: Das alte Lutherfenster von Quirnbach,  in: Westrichkalender Kusel 1989, S. 32-38.
  • Weidmann, Adolf: Jakob Munzinger, Quirnbach und die Pfälzische Revolution 1849, in: Westrichkalender Kusel 1992, S. 134-140.
  • Zenglein, Dieter: Sechs Orte im Landkreis Kusel können 2002 Jubiläum feiern, in: Westrichkalender Kusel 2002, S. 129-134.
  • Zink, Albert: Kampf zwischen Quirnbach und Kusel um die Vorherrschaft bei der Abhaltung von Märkten, in: Westrichkalender Kusel 1958, S. 157-164.