Mühlbach in der Pfalz

Mühlbach

0.1.Allgemeine Angaben

Ortsteil Mühlbach rechts des Glans

Ortsteil in der Ortsgemeinde Altenglan und in der Verbandsgemeinde Altenglan

Einwohner (1997): 1 013 (Frauen 508, Männer 506; neuere Angaben nur für die gesamte Ortsgemeinde, s. Altenglan)

Wohnplätze: Mühlbach, Kellerhäuschen, Dreikönigszug.

0.2.Lage

Mühlbach liegt auf dem rechten Glanufer (200 m ü. NN) am Fuß des steil aufsteigenden Potzbergs (562 m), schließt sich an die glanabwärts auf dem linken Glanufer gelegene Lage des Ortsteils Altenglan an. Die Kleinsiedlungen Kellerhäuschen (375 m) und Dreikönigszug (400 m) liegen im Steilhang des Potzbergs.

0.3.Siedlung und Wohnung

Der ursprüngliche Ortskern ist auf dem erhöhten Flussufer vor der Mündung des Mühlbachs in den Glan zu suchen. Der Bach entspringt am Abhang des Potzbergs und ist nur etwa 1 km lang. Von dem kleinen Dorfplatz dieser Dorfmitte her verzweigen sich Straßen Tal auf und Tal ab, sowie in Richtung Potzberggipfel. Nach dem Urkataster von 1845 standen an diesen Wegeverzweigungen die meisten Häuser des Dorfes, zogen sich aber auch hin bis zur Mühle und zur Glanbrücke und nur ein kurzes Stück entlang der Straße nach Rutsweiler hin. Es handelte sich damals zumeist um kleine Arbeiterhäuser. Der Ortskern zählte 72 Häuser, hinzu kamen 10 Häuser auf dem Dreikönigszug, ein Haus in der Hutschbach und das Kellerhäuschen. Die Kirche aus dem 20. Jahrhundert steht auf einer Anhöhe im nördlichen Bereich des Ortsteils, der Friedhof liegt am Ortsausgang Richtung Potzberggipfel und Föckelberg links der Straße. Ein Sportgelände erstreckt sich im südlichen Bereich in der Glanebene. Die kleinen Siedlungen außerhalb des Ortskerns am Abhang des Potzbergs entstanden während des 18. Jahrhunderts, als am Potzberg ein reger Bergbau betrieben wurde. Während die Häuser am Dreikönigszug und das Haus in der Hutschbach der Gewerkschaft des Quecksilberbergwerks gehörten, war das Kellerhäuschen in Privatbesitz. Die Siedlung Hutschbach besteht heute nicht mehr. Richtung glanaufwärts erweiterte sich der Ort vor allem in der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg. Neuere Siedlungsflächen mit modernen Einfamilienhäusern entstanden weiterhin in der verlängerten Talstraße und parallel zu diesem Bereich am Berghang. In geringerer Anzahl stehen auch neue Häuser an einer Straße unterhalb der Mühle gegenüber der Ortslage von Altenglan. 

Dorfstraße nach Altenglan

0.4.Wüstungen

Außer der untergegangenen Kleinsiedlung Hutschbach, die zu den Quecksilberbergwerken gehörte, sind keine Wüstungen bekannt geworden.

0.5.Name

Das Grundwort -bach entspricht dem Grundwort zahlreicher Dörfer der Umgebung, die ungefähr im 9. Jahrhundert entstanden sind. Das Beiwort weist auf eine Mühle hin. Somit wird im frühen Mittelalter das Dorf bei einer Mühle entstanden sein. Umgekehrt war Christmann der Auffassung, dass der ursprüngliche Name des Dorfes verloren gegangen ist, und dass die bestehende Siedlung beim Bau der Mühle nach dieser benannt wurde. Der Ortsname erscheint u. a. in folgenden Formen: 1255 Conradus de Mulebac, 1323 Millenbach, 1377, Mulenbach, 1393 Molenbach, 1436 Mullenbach, 1446 Mollenbach, 1460 Mullbach, 1545 Milbach. (Vgl. Dolche Greule 1994)

0.6.Wappen

Ein Wellenbalken in Silber durchzieht das Wappenfeld diagonal von links unten nach rechts oben. Im Feld über dem Wellenbalken weist ein blauer Löwe mit roter Zunge und roten Krallen auf die frühere Zugehörigkeit zur Grafschaft Veldenz hin. Das untere Feld zeigt drei sechsstrahlige blaue Sterne, wie sie auch in dem Gerichtssiegel von Reichenbach erscheinen.

0.7.Abriss der Ortsgeschichte

0.7.1.Frühgeschichte

Die Gegend des Potzbergs war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. In der Nähe des Kellerhäuschens lag ein vorgeschichtliches Grab, das in früheren Grabungsberichten beschrieben wurde aber heute nicht mehr aufzufinden ist. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelte es sich um ein Grab aus der Eisenzeit.

Bedeutsamer war jedoch ein reichhaltiger Fund aus der Römerzeit. 1882 stießen beim Bau der Wolfsbachstraße am Potzberg Arbeiter auf ein großes Urnengräberfeld, das 1884 ganz freigelegt wurde. Nach damaliger Deutung handelte es sich um ein Gräberfeld von Menschen, die mit römischen Gebrauchsgegenständen vertraut waren, aber ihre Toten nach germanischer Sitte bestatteten. Unkomplizierter ist die Annahme, dass es sich um das Gräberfeld einer gallo-römischen Siedlung handelte. Auf einer Fläche von 136 m² ließ 1884 Professor Harster elf Flachgräber freilegen, und es kamen reichhaltige Grabbeigaben an das Tageslicht. Unter den Gefäßen, Waffen und Werkzeugen waren ein Schildbuckel, das Bruchstück eines Pilums, neun Lanzen, dreizehn Beile, drei Messer, zwei Gladiusklingen, eine Schmiedezange, eine Schafschere, eine eiserne Schüssel, ein eiserner Reif, der gedrehte Boden eines Bronzekruges, zwei mit Stielen versehene bronzene Siebgefäße, vier Spangen, davon zwei versilbert, eine Bronzeschnalle mit zwei kleinen Ringen, ferner Scharniere, Beschläge und insgesamt etwa 70 Tonkrüge, außerdem zwei Münzen, einer mit dem Kopf Cäsars und einer mit dem Kopf Neros. Zum großen Teil blieben diese Funde erhalten. Sie werden beim Amt für Bodendenkmalpflege in Speyer aufbewahrt.

0.7.2.Mittelalter

Nach den alten Grenzbeschreibungen des Remigiuslandes lag Mühlbach außerhalb der Reimser Besitztümer im Westrich, also in dem freien Reichsland, das sich in einem sehr weiten Umkreis rings um die Burg Lautern ausdehnte. Dieses Reichsland verpfändete das Reich während der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts an unterschiedliche regionale Landesherren. Mühlbach gelangte zusammen mit allen Dörfern des Reichenbacher Amtes 1345 als Reichspfandschaft in die Hände der Grafen von Veldenz. 1444 starb Friedrich III., der letzte Graf von Veldenz. Seine Tochter Anna war mit Stephan von der Kurpfalz verheiratet, der nun seine kurpfälzischen Erbteile mit der Grafschaft Veldenz vereinigte und nun die Pfalzgrafschaften Simmern und Zweibrücken begründete. Die in diesem Zusammenhang allein wichtige Pfalzgrafschaft Zweibrücken wurde später allgemein als Herzogtum bezeichnet. 1543 überließ Herzog Wolfgang von Zweibrücken seinem Oheim Ruprecht Ländereien zur Begründung einer eigenen Pfalzgrafschaft. Dazu gehörten Veldenz an der Mosel, Lauterecken, das Jettenbacher und das Reichenbacher Amt (mit Mühlbach), später auch Lützelstein im Elsass. Die neue Pfalzgrafschaft trug zunächst den Namen Pfalz-Veldenz, später Pfalz-Veldenz-Lützelstein. Lauterecken und Lützelstein (heute La Petite Pierre) waren abwechselnd und nach Teilungen zeitweise auch zugleich die Residenzorte dieser Pfalzgrafschaft. Der Ort Veldenz an der Mosel gab dieser Pfalzgrafschaft den Namen, war aber kein Residenzort.   

0.7.3.Neuzeit

Die Pfalzgrafschaft Veldenz-Lützelstein erlosch am Ende des 17. Jahrhunderts, und es kam zu Auseinandersetzungen zwischen dem Herzogtum Zweibrücken und der Kurpfalz um die Erbschaft. Der Streit endete 1733 zu Gunsten der Kurpfalz (Mannheimer Successionsvertrag). Damit wurde Mühlbach kurpfälzisch bis zur Gründung des französischen Départements Mont Tonnerre (Donnersberg) mit der Hauptstadt Mainz im Jahre 1801. Mühlbach lag in der nun folgenden französischen Zeit innerhalb dieses Départements im Canton Wolfstein des Arrondissements Kaiserslautern. In der ab 1816 folgenden bayerischen Zeit gehörte Mühlbach zunächst innerhalb des Landcommissariats Kusel zu dem Kanton Wolfstein und zur Bürgermeisterei Neunkirchen. Um 1825 gründete der Ort eine eigene Bürgermeisterei im Kanton Wolfstein, ließ sich aber 1836 in den Kanton Kusel umgliedern. Die Bürgermeisterei wurde 1853 aufgelöst und kam zur Bürgermeisterei Altenglan. 1905 erhielt der Ort eine Wasserleitung, 1918 auch Elektrizität. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Mühlbach durch Fliegerangriffe in Mitleidenschaft gezogen. Bei einem Angriff auf den Bahnhof Altenglan zerstörten Bomben auch zwei Häuser in Mühlbach.

0.7.4.Neueste Zeit

Als 1945 das Land Rheinland-Pfalz gegründet wurde, blieb Mühlbach weiterhin im Verband der Bürgermeisterei Altenglan. Im Zusammenhang mit der Regional- und Verwaltungsreform von 1968 wurde das Dorf als ein Ortsteil in die Ortsgemeinde Altenglan eingegliedert und gehört damit auch zur 1972 neu gegründeten Verbandsgemeinde Altenglan.

0.8.Zeittafel

vor Chr. Besiedlung in vorgeschichtlicher Zeit und in der Römerzeit
8. Jhd. Ortsgründung innerhalb des freien Reichslandes
1345 Der Ort kommt als Reichspfandschaft an die Grafschaft Veldenz
1444 Pfalzgrafschaft Zweibrücken
1543 Pfalz-Veldenz-Lauterecken (Marburger Vertrag)
1733 Kurpfalz (Vergleich zu Mannheim)
1801 Französisch im Département Donnersberg, Arrondissement Kaiserslautern, Canton Wolfstein, Mairie Neunkirchen
1816 Baierischer Rheinkreis, Landkommissariat Kusel, Bürgermeisterei Neunkirchen, bayerisch bis 1945
1825 Eigene Bürgermeisterei im Kanton Wolfstein
1836 Eigene Bürgermeisterei im Kanton Kusel
1855 Bürgermeisterei Altenglan
1945 Land Rheinland-Pfalz
1972 Ortsteil der Ortsgemeinde Altenglan in der Verbandsgemeinde Altenglan

0.9.Wahlen zum Reichstag in Prozent, neuere Wahlen unter Altenglan

1928 1930 1932 1933
SPD 34 18 7 8
KPD 46 44 19 42
WP 11 6 --- ---
NSDAP 7 7 62 62
DL 24 41 --- ---

0.10.Religiöse Verhältnisse

Eine Kirche aus dem Jahr 1933[Bild: Ernst Schworm]

Durch die Lage außerhalb des Remigiuslandes bestand keine direkte Abhängigkeit zu dem Kloster auf dem Remigiusberg, wie das in den Dörfern auf der linken Glanseite der Fall war. Mühlbach gehörte vor der Reformation zu dem Kirchspiel Theisberg (heute Theisbergstegen) innerhalb des Glankapitels. In der Reformationszeit teilte der Ort die Kirchengeschichte der Kurpfalz und den Übertritt zur Reform nach Martin Luther. Folglich gehörte die Mehrzahl der Einwohner zum lutherischen Bekenntnis. Im 18. Jahrhundert gab es aber auch schon Reformierte und Katholiken. Bei Goswin Widder lesen wir: „In Mühlbach sind die Lutherischen nach Deinsberg, die Katholischen auf den Remigiusberg und die Reformierten nach Neunkirchen eingepfarret.“ Weiter heißt es: „Am großen Zehnten beziehet die Kirche zu St. Wendel zwei und der lutherische Pfarrer zu Deinsberg ein Drittel; am kleinen aber gedachter Pfarrer eines, der Freiherr von Gahlen eines und ein Unterthan des Dorfes das übrige Drittel.“ (Widder 1788 S. 377)

Mit der Vereinigung der protestantischen Konfessionen in der Union gehörten die evangelischen Christen weiterhin zum Kirchspiel Theisbergstegen und die katholischen werden wie zuvor durch die Kirchengemeinde St. Remigius betreut. Das derzeitige evangelische Kirchengebäude in Mühlbach wurde in den Jahren 1932 und 1933 erbaut. 

0.11.Bewohner

1480 wurden in Mühlbach 19 steuerpflichtige Personen gezählt. Der Ort hatte etwa 100 Einwohner. Während des Dreißigjährigen Krieges und durch die Pestepidemien ging die Bevölkerung Mühlbachs wie die Bevölkerung aller Dörfer der Umgebung stark zurück. Manche Bewohner hatten jedoch die befestigte Stadt Lauterecken aufgesucht, die auch während der schlimmsten Kämpfe nicht zerstört wurde. So mögen hier mehr Menschen überlebt haben als in den zweibrückischen Dörfern der Umgebung von Kusel. Die Bevölkerung wuchs an, auch durch Zuwanderungen, erlitt aber erneute Verluste während der Kriege Ludwigs XIV. Ein sehr starkes Bevölkerungswachstum setzte dann im 18. Jahrhundert ein, wurde auch dadurch begünstigt, dass in den Quecksilberbergwerken des Potzbergs zeitweise fast 100 Mitarbeiter beschäftigt wurden. Bei der Übergabe des Ortes an die Kurpfalz 1735 hatte Mühlbach 151 Einwohner. Goswin Widder meldete für 1788 „205 Seelen in 51 Familien und 38 bürgerlichen und drei gemeinen Häusern.“ (Widder IV 1788 S. 376) Bei der Abfassung des Urkatasters 1845 lebten schon 496 Menschen im Dorf. Bereits während des 18. Jahrhunderts verließen, so weit bekannt, vier Personen den Heimatort, um sich auf dem Balkan anzusiedeln. Auch im 19. und im 20. Jahrhundert wanderten Mühlbacher aus, vor allem nach Amerika. Die Bewohner des Dorfes lebten jetzt überwiegend in Arbeiterfamilien. Als die Quecksilbergruben des Potzbergs stillgelegt wurden, boten die Steinbrüche, vor allem am Remigiusberg, neue Arbeit. Der Charakter eines Arbeiterdorfes blieb bis heute erhalten. Allerdings müssen die Arbeitnehmer in heutiger Zeit zu ihrer Arbeit mitunter weit auspendeln. 

0.12.Bevölkerungsentwicklung (nach Alter, Pfalzatlas Textband I)

1825 1835 1871 1905 1939 1961
gesamt 481 498 463 751 988 1082
katholisch 22 48
evangelisch 459 1028
ohne Konf. u. a. 6

0.13.Schule, Kultur, Vereinswesen

0.13.1.Schule

Wann zum ersten Mal in Mühlbach eine Schule gegründet wurde, ist derzeit nicht festzustellen. Im Vergleich mit den Nachbardörfern müsste dies in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gewesen sein. Nach Kramer gab es angeblich in Mühlbach im Jahre 1792 ein Schulhaus mit Garten, und der Lehrer erhielt für seinen Dienst 6 Malter Korn Entlohnung. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg bestand es eine einklassige Schule im Ort. Ab 1962 besuchten die Schüler der 7. und 8. Klasse die Schule in Altenglan. 1969 wurde in Altenglan eine Hauptschule für alle Schüler der Verbandsgemeinde eingerichtet. Die Eltern aus Mühlbach opponierten dagegen, dass die Hauptschüler des Ortes den Weg nach Altenglan zu Fuß zurücklegen mussten. Ab dem Schuljahr 1972/73 wurde auch die Grundschule aufgelöst. Die Grundschüler aus Mühlbach besuchen seitdem die „Grundschule Altenglan“ in Rammelsbach, Hauptschüler die Hauptschule - inzwischen Regionale Schule - in Altenglan.

[Personalakten über Lehrer aus Mühlbach in LA Speyer H 38 Nr. 1269]

0.13.2.Kultur und Brauchtum

Kultur

Aus Mühlbach stammt der Schriftsteller Jörg Matheis, der u. a. durch eine Sammlung von Erzählungen mit dem Titel „Mono“ bekannt geworden ist und durch einen Roman über das schwere Flugzeugunglück von Ramstein. Auch die Sängerin Christine Leyser, Opernsängerin in München kommt aus Mühlbach

 

Brauchtum

Viel des ursprünglichen Brauchtums ist inzwischen verloren gegangen, Lehenheischen an Fastnacht, Maistecken, Pfingstquack, der ursprünglich wohl am 1. Mai begangen wurde, Johannisbrauchtum. Die Kirchweih wird noch immer am letzten Wochenende im September gefeiert.

0.13.3.Vereinswesen

Im Ortsteil besteht noch heute ein enger sozialer Zusammenhalt, und folgende Vereine haben in Mühlbach ihren Sitz: Sportverein, Schützenverein, Motorsportverein, Gesangverein, Obst- und Gartenbauverein, Landfrauenverein, FCK-Fanclub, Mühlbacher-Waffele-Verein. „Waffele“ (Waffeln) ist ein Neckname für die Bewohner des Ortes.

0.14.Gesundheits- und Sozialwesen

Im Krankheitsfall suchen die Mühlbacher Ärzte in Altenglan und in Kusel auf, sowie das Westpfalzklinikum II in Kusel. Für Pflegefälle steht u. a. die Sozialstation Kusel-Altenglan zur Verfügung.

0.14.1.Wirtschaft und Verkehr

Ursprünglich war Mühlbach ein kleines, von der Landwirtschaft geprägtes Dorf, bis in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Suche nach Quecksilbererz ihren Anfang nahm. Das Oberbergamt Mannheim stellte damals Schürfscheine aus für viele Interessenten, die oft vergeblich nach Quecksilbererz suchten. Der Schürfer musste seinen Fund bei der Behörde melden und erhielt dann die Erlaubnis zum "Muten". Oft schlossen sich mehrere Schürfer zusammen, bildeten eine "Gewerkschaft", eröffneten ein kleines Bergwerk. Folgende Bergwerke waren in der Gemarkung Mühlbach in Betrieb: Dreikönigszug 1774-1868, St. Pauluszug 1775-1791, St. Georgenzug 1774-1775, Dreimohrenzug 1780-1784, Flacher Zug 1781-1784, Dreikronenzug 1778-1790, Frischer Mut 1780-1789, Köhlweiler Schürfwerk 1781, Karlsglück 1780-1784, Hilfe Gottes 1774-1794, Johannes Segen 1778-1784, Martinsgrube 1781-1791, Neue Hoffnung 1779 -1782. Viele dieser Gruben waren nicht rentabel. In der Gemarkung Mühlbach warf nur der Dreikönigszug guten Gewinn ab, und er blieb bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts bestehen. Die Arbeit in den Quecksilberbergwerken war beschwerlich und ungesund, wurde zudem nicht gut entlohnt.

Aus dem Ortsnamen geht hervor, dass der Ort schon sehr früh bei einer Mühle lag. Über eine mittelalterliche Mühle liegen allerdings keine Unterlagen vor, und wir kennen nur die Mühle, deren Gebäude noch heute unterhalb der Glanbrücke stehen. Diese Mühle wurde wahrscheinlich schon vor dem Dreißigjährigen Krieg erbaut, geriet während des Krieges in Verfall und wurde später neu hergerichtet. Zum ersten Mal wird sie erwähnt in einem Erbbestandsbrief von 1690. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts galt sie innerhalb des Unteramtes Reichenbach als die Mühle mit dem höchsten Pachtertrag. Sie besaß damals zwei Mahlgänge und einen Schälgang. Die Mühle wurde um 1970 stillgelegt. 

Von den früheren Handwerksbetrieben blieb eine Schmiede erhalten, die heute unter Denkmalschutz steht.

Durch Mühlbach führt die Bundesstraße 423 Altenglan-Homburg-Saargemünd. Die nächste Auffahrt zur Autobahn liegt etwa 10 km weit entfernt. Der Bahnhof Altenglan an der Bahnstrecke Kusel-Landstuhl ist nur etwa zwei Kilometer weit entfernt. Zwischen Kusel und Kaiserslautern verkehren die Züge im Stundentakt.

0.15.Nachweise

Verfasser: Ernst Schworm

Redaktionelle Bearbeitung: Ernst Schworm

Literatur:

  • Latterner, Brigitte/ Latterner Else/ Latterner Rudi: Mühlbach am Glan im Wandel der Zeit, 750 Jahre 1255-2005, Altenglan 2005.
  • Latterner, Brigitte: Wie die Mühlbacher ihre Kirche bauten... Festschrift anläßlich des 70-jährigen Kirchenjubiläums, Altenglan 2004.
  • Latterner, Rudi: Die Mühlbacher Quecksilbergruben am Potzberg, in: Westrichkalender Kusel 1967, S. 67-72.
  • Latterner, Rudi: Das römische Urnenfeld bei Mühlbach am Glan, in: Westrichkalender Kusel 1968, S. 43 - 44.
  • Latterner, Rudi: Aus der Geschichte der Mühlbacher Mühle, in: Westrichkalender Kusel 1969 S. 56-59.
  • Latterner, Rudi: Der Urkataster von Mühlbach am Glan, in: Westrichkalender Kusel 1981, S. 141-147.
  • Latterner, Rudi: Die Quecksilbergrube Dreikönigszug, in: Westrichkalender Kusel 1983, S. 131-138.
  • Latterner, Rudi: Mühlbach als Grenzort, in: Westrichkalender Kusel 1989, S. 101-107.
  • Latterner, Rudi: Kirche Mühlbach zum 70-jährigen Bestehen, Altenglan 2004.
  • Schworm, Ernst/ Seitz, Karl Ernst/ Seitz, Ludwig: Altenglan, Geschichte eines alten Dorfes, Altenglan 1989.
  • Widder, Johann Goswin: Geographische Beschreibung der Kur-Pfalz. Band IV, Frankfurt und Leipzig 1788.