Aspisheim in Rheinhessen

Zur Geschichte von Aspisheim

Das Bild zeigt den Brunnen im Ortskern von Aspisheim
Brunnen in Aspisheim[Bild: Harald Strube]

Aspisheim kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Archäologische Funde und Spuren weisen auf eine Besiedelung seit der Jungsteinzeit hin. Seit dem Sieg Caesars über die Kelten im Jahr 58 v. Chr. ließen sich die Römer in der Gegend dauerhaft nieder. Dies belegt auch die Römerstraße von Alzey nach Bingen, die durch das heutige Aspisheim führte. Der Beginn der Völkerwanderung im 4. Jahrhundert n. Chr. brachte unruhige Zeiten und Machtverschiebungen mit sich, die sich auf große Teile Europas drastisch auswirkten. Chlodwig besiegte 496 die Alemannen und bereitete so der politischen Zerrissenheit der Region um Aspisheim herum ein Ende. Zum Dank für ihre Dienste verteilte Chlodwig Land an seine Getreuen; ihre Höfe nannten diese Getreuen „Heim“, womit sich der Zusatz in Aspisheim erklären lässt. Der Name der privaten Höfe ging dann auf die ganze Siedlung über. Ein für das 6. Jahrhundert belegtes Reihengräberfeld kann im archäologischen Sinne als „Geburtsurkunde des Dorfes gelten“. Hier wurden Halsketten aus Tonperlen, Gefäße und andere typische fränkische Grabbeigaben gefunden. Im Lorscher Codex wird dann „Ascmundesheim“ 767 im Zusammenhang mit einer Schenkung von Weinbergen erstmals erwähnt.

 

Im Namen Christi unter dem Datum des 6. März im Jahre 15 der Regierung Königs Pippin gebe ich, Rothlindis, dem hl. Märtyrer Nazarius, welcher in dem Kloster ruht im Rheingau (Ober-Rheingau), das Lorsch genannt wird, unter dem verehrungswürdigen Abt Gundeland, im Wormsgau in der Aspisheimer Mark alles, was als mir gehörend angesehen wird, wie Land und Weinberge gebe ich alles in das Recht und die Herrschaft des hl. Nazarius und übertrage es zum ewigen Besitztum. Geschehen im Kloster Lorsch und der Datum (wie oben).

 

Über die Jahrhunderte sind verschiedene Schreibweisen des Dorfes, wie beispielsweise „Haspinesheim“, belegt. Der Name in seiner heutigen Form wird etwa seit dem 15. Jahrhundert verwendet.

Im Mittelalter lag Aspisheim an der Heerstraße von Bingen nach Alzey. Die Bewohner des Dorfes waren Bedienstete, die die Güter der Grundbesitzer bewirtschafteten. Es waren Unfreie, die aber selbstständig mit eigenem Haus und Hof lebten.

Geistliche Grundbesitzer waren über die Jahrhunderte der Kölner St. Kunibert Stift, das Kloster Prüm, der Binger St. Martinsstift und der Mainzer St. Johannisstift.

Um 1190 ging dann das Dorf als Burglehen an die Ritter von Montfort, von denen es Friedrich von Montfort 1383/89 an Graf Simon III. von Sponheim verpfändete. Ab 1391 unterstand es dann der Landeshoheit. Zwei Urkunden existieren aus dieser Zeit (1344 und 1361), die Einblicke in die Rechtsverhältnisse geben sowie Personen- und Flurnamen nennen und Auskunft über das Ortsbild und die ständische Gliederung geben.

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts gehörte Aspisheim dann zum Oberamt Alzey; Bingen war es teilweise zum Unterhalt der Stadtmauer und zur Kriegshilfe verpflichtet. Die Aspisheimer bauten den Erker am Schloss und bewachten ihn mit vier Mann. Im Gegenzug durften sie Waren in Bingen zollfrei ein- und ausführen und genossen Schutz in Kriegszeiten. 1585 wurde das Rathaus erbaut, das aber im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

1666 befiel die Pest das Dorf. Auch der Dreissigjährige Krieg und der Pfälzische Erbfolgekrieg im selben Jahrhundert verminderten die Bevölkerung zusehends.

Die Französische Revolution hatte nicht nur ideengeschichtlich weitreichende Folgen für Europa. 1792/93 und von 1797 bis 1814 besetzten die Franzosen das Dorf. 1798 wurde die Gemeinde dem Kanton Oberingelheim zugeordnet. Ab 1816 fiel sie an das Herzogtum Hessen-Darmstadt. Die folgenden Jahrzehnte waren von den Bemühungen der Aspisheimer geprägt, ihre Vorrechte und Errungenschaften, die sie während der napoleonischen Herrschaft bekommen hatten, weiter erhalten zu wissen. 1835 wurden dann die Gemeinde dem Kreis Bingen zugeordnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte eine Neuordnung durch die Alliierten, weshalb sie seit 1946 zu Rheinland-Pfalz gehört.

Das Bevölkerungswachstum im 19. Jahrhundert lässt sich auch in Aspisheim deutlich erkennen: Während noch 1787 83 Häuser gezählt wurden, waren es 1830 bereits 108 Häuser mit 566 Einwohnern. 70 Jahre später zählte man 165 Häuser und 789 Einwohner. 2005 vermerkte man 962 Einwohner.

Was den Ausbau der Gemeinde anbelangt, so hat man den Kernbereich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts mehr und mehr verdichtet. Viele Gebäude wurden dann allerdings bei dem Bombenangriff 1945 zerstört. In den späten 1980er ordnete man dann das Gelände neu, indem eine funktionale Ortsmitte mit Bürgerhaus und Plätzen geschaffen wurde.

Nachweise

Redaktionelle Bearbeitung: Katharina Wurst und Stefan Grathoff und Anne-Kathrin Zehender

Verwendete Literatur:

  • Karl Johann Brilmayer: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart. Geschichte der bestehenden und ausgegangenen Städte, Flecken, Dörfer, Weiler und Höfe, Klöster und Burgen der Provinz Rheinhessen nebst einer Einleitung. Gießen 1905.
  • Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur (Hrsg.): Kreis Mainz-Bingen, bearb. von Dieter Krienke, Worms 2007, S. 633 f. (= Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz Band 18.1); Gemeinde Aspisheim (Hrsg.): 1200 Jahre Weindorf Aspisheim, Aspisheim 1968.

Aktualisiert am: 19.02.2014