Niederheimbach am Mittelrhein

Burg Sooneck

Burg Sooneck (Saneck) wurde wahrscheinlich um 1015 auf Veranlassung der Abtei Cornelimünster bei Aachen erbaut, die ihren Fernbesitz mit den Burgen Sooneck und Reichenstein zu schützen suchte. Bewohnt wurde die Burg von den Vögten der Abtei, im 13. Jahrhundert die Herren von Bolanden-Hohenfels. Die streitbaren Hohenfelser – so lautete damals der Vorwurf – unternahmen von ihren Burgen aus Überfälle auf vorbeiziehende Kaufleute und suchten auch die umliegenden Ortschaften.

Angeblich haben Truppen des Rheinischen Städtebundes die Burg 1254 bereits belagert. Angeblich – so Tillmann - soll die Burg Mitte des 13. Jahrhunderts im Besitz des von König Richard von Cornwall ernannten Reichsverwesers von Saneck gewesen sein. Nach Bodmann schließlich soll 1271 Philipp d.Ä. von Hohenfels die Burgen Reichenstein und Sooneck nebst den Dörfern Trechtingshausen und Heimbach als mainzische Lehen empfangen haben (Böhmer/Will 36,253).

Anhaltende Streitigkeiten mit ihren Vögten aus dem Hause Bolanden-Hohenfels führte 1270 dazu, dass die Abtei Cornelimünster sich von ihrem Fernbesitz trennte und den gesamten Besitzkomplexes an das Mainzer Domkapitel und das Stift Mariengreden in Mainz veräußerte. 1271 willigte der Vogt Philipp von Hohenfels notgedrungen in den Verkauf der Burg ein und stellte der Mainzer Kirche einen Lehensrevers aus. Doch die Klagen über seine Amtsführung hörten nicht auf.

Daraufhin griff der Landfrieden ein. Unter Führung König Rudolfs von Habsburg legten Truppen des Landfriedens im Jahr 1282 die Burgen Reichenstein und Sooneck in "Schutt und Asche". Wenngleich die Burgen keineswegs zerstört waren, wurden sich doch funktionsunfähig gemacht.

Die Vogteirechte der Hohenfelser gingen an die Pfalzgrafen über, die auch daraus ihre Ansprüche auf Reichenstein, Sooneck und Trechtingshausen herleiteten. Da der König aber 1290 jeglichen Wiederaufbau der "von Reichs wegen" zerstörten Burgen Reichenstein und Sonneck verfügt hatte, blieben die Burgen funktionslos liegen.

Als Kurpfalz und das Erzstift Mainz im Jahr 1344 ihre vielschichtigen Streitigkeiten schlichteten [siehe auch Reichenstein], wurde bezüglich der Burgen Reichenstein und Sooneck zugunsten des Erzstiftes entschieden, das ohnehin bereits die Grundherrschaft in der Herrschaft besaß.

Erzbischof Heinrich belehnte daraufhin am 19. April 1346 den erzbischöflichen Marschall und Schultheißen von Lorsch, den Ritter Johann von Waldeck und dessen Erben, mit der Burg Sooneck. Dessen Aufgabe sollte es sein, das mainzische Gebiet um Sonneck und die Heimburg zu schützen. Der Ritter räumte dem Erzbischof das Recht ein, die Burg jederzeit militärisch nutzen zu können (Offenhausvertrag) (Otto 5440). Am 22. April 1346 gelobte Ritter Johann, der seinem Namen fortan den Beinamen „genannt von Saneck“ hinzufügte, seine Lehensburg auch den Herren des Stiftes Mariengreden in Mainz als Offenhaus zur Verfügung zu stellen.(Otto 5442). Im Jahr 1349 hob König Karl IV. das Bauverbot von 1290 wieder auf und Johann von Waldeck begann Sooneck wieder aufzubauen (Otto 5776). Bereits wenig scheint die Anlage wieder funktionsfähig gewesen zu sein, denn schon 1350 nahm Johann von Waldeck seine Neffen Sibold von dem Burgtor als Burgmann auf. Zwischen 1354-1361 Juli 24 beschwerte sich Werner Knebel, Burggraf auf Burg Stahlberg, darüber, dass er auf dem Leinpfad von Sooneck aus beschossen worden sei. Er forderte den Mainzer Erzbischof als Lehnsherrn auf, dies künftig zu unterbinden (Vigener 2718).

Sooneck war in der Folgezeit in wechselndem Besitz einzelner Familienzweige der Herren von Waldeck, die einen regelrechten Ganerbenverband errichteten. In der Nachfolge des Vaters trug Johann d.J. den Namen der Burg. Mitbesitzer waren seine Brüder Johann und Emmerich. 1395 wurde ein Burgfriede zu Sooneck geschlossen. Seit 1449 war die Familie von Breidbach Mitbesitzer der Feste. Gerlach von Breidbach war Schwiegersohn des Johann von Sooneck, mit dessen Tod 1453 die Linie zu Sooneck erlosch. In seine Lehen traten 1456 Johann von Breidbach, Conz Marschall von Waldeck zu Iben, Johann Marschall und Philipp von Waldeck auf Reichenstein (gest.1495) ein. Mit dem Tod Philipps Melchior von Waldeck 1553 starb die Familie aus.

Danach wurden die von Breidbach zu Bürresheim allein mit Sooneck belehnt. Sie erweiterten die Anlage noch einmal. Als die Familie ebenfalls ausstarb, begann die Burg zu verfallen.

Im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 wurde Sooneck - wie viele andere linksrheinische Burgen auch - von den Franzosen niedergebrannt. In der Persson-Karte von 1689 ist Sooneck als „ruiniertes schloß“ verzeichnet. Das Mainzer Domkapitel verkaufte das Burggelände schließlich an die Gemeinde Niederheimbach.

1834 erwarben Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und seine Brüder Wilhelm, Karl und Albrecht gemeinsam die Ruine. Auf einer Rheinreise im Jahr 1842 verabredeten sie, die Burgruine zu einem Jagdschloss auszubauen. Die Verwirklichung dieser typisch romantischen Idee scheiterte vorerst an der Revolution von 1848, an Familienstreitigkeiten im Königshaus und schließlich an Krankheit und Tod des Königs. Gleichwohl wurde die Burg zwischen bis 1861 nach Plänen des Koblenzer Festungsbaumeisters Ingenieurmajor Karl Schnitzler als Jagdburg aufgebaut, aber nie von ihnen bewohnt. Das Hauptgebäude der Burg war um 1840 eine gut erhaltene Ruine, der nur die Dächer und die Zwischendecken fehlten. Der Ausbau im 19. Jahrhundert war so behutsam, dass das gotische Mauerwerk mit den abgesägten Gerüstbalken und dem mittelalterlichen Putz sorgfältig erhalten wurden. Die bescheidenen Wohnräume der Burg sind mit Möbeln aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und mit Rheinansichten aus dem Besitz der Hohenzollern ausgestattet. Im Esssaal beeindruckt ein Schlachtengemälde von 1825 mit einer Szene aus den Befreiungskriegen gegen Napoleon I. Die Stiftung Koeth-Wanscheid im 2. Obergeschoss enthält Rheinansichten, Adelsportraits und Möbel des 18. und 19. Jahrhunderts aus dem Besitz einer rheinischen Adelsfamilie.

Burg Sooneck ist seit 1918 im Besitz des Staates, nach dem 2. Weltkrieg als Rechtsnachfolger im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz und damit in der Obhut der Verwaltung der Burgen, Schlösser und Altertümer.

Der Name Sooneck

Der Name der Burg änderte sich über die Jahrhunderte nur unmerklich: 1271 Sanecke; 1282 Sanegge, Saenecke, Saineke; 1290 castrum Saneck; 1369 Saynecke; 1397 Sanek; ca. 1690 Soneck. – Etymologisch wird der Burgname von dem vorgermanischen Waldnamen Sana und mittelhochdeutsch -ecke (in Burgennamen) hergeleitet.

Baubeschreibung nach Dehio

Die Burg des 14. Jahrhunderts, deren Kern vielleicht noch auf das 12. Jahrhundert zurückgeht, ist in den Außenmauern in wesentlichen Teilen erhalten. Die Hauptburg, auf dem höchsten Punkt in der Nordwestecke der Anlage, hat einen ungefähr rechteckigen Grundriss. Die besser geschützte Osthälfte nimmt der dreigeschossige Wohnbau ein, die Westhälfte (Angriffsseite) ein enger Burghof, in dessen Ecke sich der mächtige quadratische Bergfried erhebt. Wohnbau und Bergfried waren durch eine Holzbrücke miteinander verbunden und sind von (größtenteils noch originalen) Zinnen und Erkertürmchen bekrönt. Anstelle der heute flachen Dächer bestanden ursprünglich wohl hohe Walmdächer. An der Südseite der Hauptburg befindet sich ein durch mehrere Tore unterbrochener Treppenaufgang. Ausgedehnte, auf der Südseite weit den Hang hinabsteigende Vorburg mit einem Talturm, der ursprünglich, zusammen mit einem nicht wieder aufgebauten zweiten Turm, das südwestliche Burgtor flankierte, das im Mittelalter den Hauptzugang zur Burg bildete. Die oberen Teile der Ringmauern sind meist neu, ebenso der romanisierende Söller und die Kastellanswohnung beim jetzigen Burgtor. In den Wohnräumen der Hauptburg befindet sich eine reichhaltige Sammlung an antikem Mobiliar, Gemälden, Stichen, Waffen, Rüstungen.

Der Name Sooneck

Der Name der Burg änderte sich über die Jahrhunderte nur unmerklich: 1271 Sanecke; 1282 Sanegge, Saenecke, Saineke; 1290 Castrum Saneck; 1369 Saynecke; 1397 Sanek; ca. 1690 Soneck. – Etymologisch wird der Burgname von dem vorgermanischen Waldnamen Sana  und  mittelhochdeutsch -ecke (in Burgennamen) hergeleitet.

Dehio, Georg: Handbuch Rheinland-Pfalz Saarland. Bearb. von Hans Caspary u.a. Darmstadt 1985, S. 696.

Backes, Magnus: Staatliche Burgen, Schlösser und Altertümer in Rheinland-Pfalz. 3. Überarbeitete und erweiterteAuflage.Mainz 1991, S.160.

Rettinger, Elmar: Historisches Ortslexikon Rheinland-Pfalz. Bd. 2: Der ehemaliger Landkreis St. Goar. (veröffentlicht in www.regionalgeschichte.net).

Tillmann, Curt: Lexikon der deutschen Burgen und Schlösser. 2 Bde. Stuttgart 1958-59, hier S. 1016.

Witte, Barthold: Herrschaft und Land im Rheingau (= Mainzer Abhandlungen zur mittleren und neueren Geschichte.3). Meisenheim/Glan 1959, hier S. 48, 49