Niederheimbach am Mittelrhein

Burg Heimburg (Hohneck)

Vorgeschichte

Im Jahr 815 schenkte König Ludwig der Fromme das Gebiet um das spätere Niederheimbach der von ihm gegründeten Benediktinerabtei Cornelimünster bei Aachen. Im Jahr 983 war Heimbach aber auch der nördliche Eckpunkt jener Schenkung ("Binger Schenkung"), die Kaiser Otto II. dem Mainzer Erzbischof Willigis zukommen ließ (Böhmer/Will 17,34). 1092 überließ Erzbischof Ruthard die Vogtei über das Dorf Heimbach Vertretern der Martinskirche zu Mainz (Böhmer/Will 24,12 und 84).

Erst Anfang des 13. Jahrhunderts hört man wieder von dieser Vogtei. Als Vögte sind zunächst die Rheinboden von Bingen und ab 1213 die Herren von Bolanden. Doch auch Wildgraf Konrad hatte Ambitionen. Im Jahr 1219 musste er aber zu Gunsten der Mainzer Kirche auf die Vogtei über Heimbach verzichten, nachdem er sie gewaltsam an sich gerissen hatte und deswegen exkommuniziert worden war (Böhmer/Will 32,332). Seit 1241 hatte Philipp von (Bolanden-)Hohenfels die Vogtei inne.

1245 übertrug die Abtei Cornelimünster zunächst den Schutz seiner Besitzungen dem Erzbischof, und verkaufte schließlich 1270 seinen Fernbesitz zu gleichen Teilen dem Erzbischof, dem Mainzer Domkapitel und – als Inhaber des Kirchenpatronats - dem Mariengredenstift in Mainz.  (siehe Reichenstein und Burg Sooneck)

Angeblich soll Erzbischof Werner im Jahr 1271 - so berichtet es der Historiker Bodmann - Philipp d.Ä. von (Bolanden-)Hohenfels die Burgen Reichenstein und Sooneck sowie die Dörfer Trechtingshausen und Heimbach zu Lehen gegeben haben.

Erzbischof Werner schenkte 1272 sein Drittel dem Domkapitel. Dieses Drittel umfasste "das Gebiet zwischen den Rheinzuflüssen Heimbach und Mogenbach, zu dem neben den Orten Trechtingshausen, Ober- und Niederheimbach auch Weiler bei Bingerbrück gehörte" (Liebeherr).

Die Hohenfelser scheinen sich in ihrer Stellung bedroht gefühlt zu haben, zumindest verkaufte Dietrich von Hohenfels im Jahr 1290 den Burgberg zu Reichenstein und die Vogtei über Trechtingshausen und zu Ober- und Niederheimbach, die allesamt Mainzische Lehen waren, dem Pfalzgrafen Ludwig (Vogt 127). Jetzt musste der Mainzer Erzbischof reagieren. Gleichzeitig war der Streit zwischen Mainzer Erzbischof und Pfalzgraf vorprogrammiert.

Nach Dehio wurde die Burg nach 1290 vom Mainzer Erzbischof errichtet, um zu verhindern, dass Pfalzgraf Ludwig, Herzog von Bayern, von der wieder aufgebauten Burg Reichenstein aus, seinen Einflussbereich weiter nach Süden ausdehnen konnte. Die Burg sei um 1305 vollendet gewesen.

Die Heimburg wurde offensichtlich während der Regierungszeit Erzbischof Gerhards (1294-1305), spätestens aber zu Anfang der Amtszeit Erzbischof Peters (1308-1320) mit dem Ziel errichtet, den kurpfälzischen Burgen Reichenstein, Fürstenberg und Stahleck ein Bollwerk entgegenzusetzen und Pfalzgraf Ludwig daran zu hindern, seinen Herrschaftsbereich nach Süden auszudehnen.

Der Name Heimburg

Die Heimburg wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder etwas anders geschrieben: 1305 Haineck; 1331/50 Heyenburg; 1344 Heimburg; 1350 zu Heymberg, Hoh(e)neck. Etymologische Erklärung des Burgnames: Haineck, Heimburg und Heimberg sind Klammerformen aus Hein(bach)eck und Hein(bach)burg/‑berg.

Baubeschreibung

Die Heimburg liegt auf einem niedrigen Bergvorsprung. Die nahezu quadratische Anlage verfügt über zwei unterschiedlich hohe Rundtürme, welche die bogenförmig vortretende Schildmauer einfassen. Erhalten sind auch einige geringe Reste der an die Burg anschließenden Ortsbefestigung.

Der Burgenkampf Mitte des 14. Jahrhunderts

Bereits 1314 sind ernstere Auseinandersetzungen zwischen Erzbischof und Pfalzgraf um diese Schlüsselstellung am Rhein bekannt. Damals verpflichtete sich Pfalzgraf Ludwig, Burg Reichenstein dem Erzbischof zurückzugeben und von seinem gewalttätigen Vorgehen in Ober- und Niederheimbach abzulassen (Vogt 1679). Um was es im Einzelnen ging, ist unklar, wesentlicher Streitpunkt dürfte aber der Burgenbesitz und die strittigen Hoheitsrechte gewesen sein. Als der Streit in Handgreiflichkeiten auszuarten drohte, gelang es dem Mainzer Erzbischof, König Ludwig der Bayer zu bewegen, in seinem Sinne einzugreifen. Der Herrscher befahl im Jahr 1317 den Bewohnern von Ober- und Niederheimbach sowie Trechtingshausen, dem Mainzer Erzbischof Peter gehorsam zu sein und ihm als Landesherrn zu huldigen (Vogt 1917). Zur Untermauerung seiner Ansprüche ließ der Mainzer zwischen 1326-1328 den Ort Heimbach und die Heimburg durch seinen dortigen Sachwalter Simon von Rüdesheim Heimbach weiter ausbauen (Vogt 2739, 2943). Gleichzeitig rekrutierte er Burgmannen, die den Schutz der Burg übernahmen. 1331 ist der erste Burgmann auf der Burg bezeugt (Otto 3136). Die Ausbauarbeiten an der Heimburg hielten 1340 an. Erzbischof Heinrich ließ die Burg weiter verstärken und jetzt sogar mit Wurfmaschinen, wohl kleinen Verteidigungsbliden, ausstatten (Otto 4473).

Doch die erzbischöfliche Herrschaft war keineswegs gesichert. Vor allem die Bewohner von Oberheimbach fühlten sich mehr dem Pfalzgrafen verbunden. Der Riss der Sympathie ging mitten durch die beiden Ortsteile. Er entlud sich in Meinungsverschiedenheiten zwischen den Bewohnern der beiden Teile Ober- und Niederheimbach, die sich stellvertretend für ihre beiden Ortsherren befehdeten (Otto 4649). In diese Händel war auch Konrad von Heimburg, anscheinend ein wichtiger örtlicher „Beamter“ Erzbischof Heinrichs verstrickt (Otto 6022).

Anlässlich des großen Schiedstages zwischen Pfalzgraf und Erzbischof, der 1344 den Streit um die vielen von beiden Parteien beanspruchten Besitzungen klären sollte (Otto 5105), kamen auch die Verhältnisse in Trechtingshausen und Heimbach zu Sprache. Der Pfalzgraf bestand auf der Hoheit über die beiden Orten und ebenso über die Vogtei über beide Gemarkungen, da sie alte pfalzgräfliche Lehen der Abtei Cornelimünster seien [siehe oben]. (Otto 5126, 5143) Der Erzbischof müsse sie herausgeben und zusätzlich auch die Heimburg wieder abbrechen (Otto 5143), da sie ihn bei der Ausübung seiner Vogteirechte behindere. Doch der Erzbischof setzte seine Rechtsauffassung durch, die Klage des Pfalzgrafen wurde erfolgreich abgewiesen. (Otto 5144) Auch die strittige Burg Reichenstein wurde dem Mainzer zugesprochen. Die Heimburg wurde Sitz eines Mainzer Amtmannes und eines Untergerichts.

Weitere Geschichte

Die Burg blieb nach 1344 zwar erhalten, verlor aber, da Reichenstein ebenfalls dem Mainzer zugesprochen worden war, ihre strategische Bedeutung. So wurde sie eine Verwaltungsburg, in der ein Mainzer Untergericht unter einem Amtmann eingerichtet wurde. 1347 erscheint die Feste in der Verfügungsgewalt der Vormundschaftsregierung des Erzstiftes, die damals Kuno von Falkenstein als Stiftsverweser leitete (Vogt 5596, 5836. 5844, 5894). 1354 wurde die Burg zusammen mit den Burgen Reichenstein und Fürsteneck an Kuno von Falkenstein persönlich verpfändet, fiel aber 1362 an das Erzstift zurück (Vigener 7).

1357 kam es zu Streitigkeiten zwischen der Mainzer Dompropstei und den Bewohnern Oberheimbachs u.a. über die Kostenbeteilung am städtischen Befestigungsbau. Erzbischof Gerlach gelang es damals, erfolgreich zu vermitteln (Vigener 913, 1087).

Die Heimburg wurde vom baufreudigen Mainzer Erzbischof Dieter von Isenburg (1459-61; 1475-82) nochmals befestigt. Auch ihm diente sie als Sitz eines Mainzer Untergerichts. Seit dem 16. Jahrhundert geriet die Burg in Verfall und wurde 1689 von den Franzosen zerstört.

Nach der Zerstörung diente die Ruine der Bevölkerung als Steinbruch. 1787 wurde Jakob Mertes aus Niederheimbach von Kurmainz mit der Heimburg belehnt, 1808 ging sie in seinen Besitz über. Danach wechselten die Besitzer häufig: Mayor von Barfuß, Gerbott zu Crefeld, Freiherren von Wackerbarth, Baron von Oettinger sind als Besitzer überliefert.

Schließlich kaufte Eduard Rabeneck die Anlage und ließ sie prächtig und repräsentativ ausbauen. 1898 wurde zunächst Robert Müser, dann 1920 Hugo Stinnes Herr auf der Burg. Stinnes ließ die Burg als Sommersitz in neugotischem Stil ausbauen.

1951 wurde die Heimburg an die Heimburg GmbH verkauft, 1965 an Paulheinz Kann u.a. Seit 1987 ist Frau Bachmann-Thurn die neue Eigentümerin der Heimburg, die den Baubestand der Anlage aufwändig sicherte. Die Heimburg ist im Privatbesitz und kann deshalb nicht besichtigt werden.

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Dahl, Johann Konrad: Die Burgen Rheinstein und Reichenstein mit der Klemenskirche am Rhein. Mainz 1832, S.66-69.

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