Zur Geschichte von Leiselheim

- Ev. Kirche
Die Gemarkung des späteren Dorfes scheint schon in römischer Zeit besiedelt gewesen zu sein. Auf dem Bösenberg schnitt 1976 eine Fernleitung einen ostwestlich gerichteten Spitzgraben von 1,1 m Breite und 0,7 m Tiefe. In der Straße im Grund zerstörte 1967 ein Gasanschluss ein Brandgrab aus der 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts mit einem Paar Augenfibeln und sog. belgischer Keramik, dabei ein Teiler mit unlesbarem Stempel.
Ein römischer Gutshof wird aufgrund von Gräbern und Funden bei der Neumühle vermutet. (Cüppers)
Leiselheim (Luzelheim) wird erstmals 1141 in zwei Urkunden des Wormser Bischofs Buggo (Burkhard) erwähnt. Die ursprüngliche Grundherrschaft der Wormser Kirche gehörte später als wormsisches Lehen zur Herrschaft Stauf.
Die Herrschaftsrechte gingen 1388 an die Herren von Sponheim-Bolanden und 1393 an die Grafen von Nassau-Saarbrücken über. Im 12. Jahrhundert soll das in Leiselheim begüterte Geschlecht der Erenberger eine Wasserburg errichtet haben die bis um 1425 bestand. 1260/1261 wird Eberhard von Erenberg, Sohn des Gerhard Ware, miles Wormariensis, gen. von Erenberg erwähnt, der sich im Umfeld des staufertreuen Philipps von Hohenfels bewegte. Der Hohenfelser wurde bald danach von den stauferfeindlichen Kräften am Mittelrhein mit Krieg überzogen, einige Burgen (Ober-Ingelheim, Weisenau u.a.) gingen dabei zu Bruch. Eberhard und sein Sohn Konrad von Erenburg sind wenige später in Worms bezeugt, wahrscheinlich haben sie dort gewohnt. Auch später sind Mitglieder der Erenburger Familie in Worms bezeugt. Unsicher bleibt, ob sie überhaupt etwas mit Leiselheim zu tun hatten, und nicht viel eher von der Ehrenburg bei Brodenbach an der Mosel stammten.
Im Jahr 1425 wird ein Henne Ernberger in Leiselheim erwähnt, der in der Gemarkung auch begütert war. Diese Familie Ernberger war auch noch um 1500 im Ort begütert. Während der Geistliche Heinrich von Erenburg auch 1504 noch in Worms genannt wurde.
Nach einem Vertrag von 1427 besaßen der Bischof von Worms und der Inhaber der Grafschaft Stauf, dem Grafen Philipp I. von Nassau-Saarbrücken jeweils die Hälfte von Leiselheim und weiteren acht Rheindörfer (Mötsch, Roxheim, Bobenheim, Horchheim, Weinsheim, Wiesoppenheim, Pfiffligheim und Hochheim). Die nassauisch-saarbrückische Hälfte von Leiselheim fiel 1683 bzw. 1706 an die Kurpfalz, die sie sofort an der Wormser Kirche weitergab, die damit im vollständigen Besitz von Leiselheim war.
Die 1363 erwähnte Erenburg stand dem Wortlaut der Urkunde nach in der Gemarkung Pfiffligeim (in peffelnkeymer marke). Nach anderer Ansicht stand die „Erenburg“, die von Mühlgraben und Pfrimm umflossen war, am Schnittpunkt der Gemarkungen Leiselheim, Hochheim und Pfiffligheim, angeblich in der Flur „auf den Wiesen“. Auf einem alten Plan von 1831 ist in der Flur „Wiesen“ eine Gebäudekomplex eingezeichnet, der einen „schlossähnlichen“ Eindruck macht. Heute ist an dieser Stelle kein Gebäude mehr vorhanden. Ob die Ehrenbürger Straße in Leiselheim sich auf die Burg bezieht, muss offenbleiben.
Kirchengeschichte
Die Kirche in Leiselheim war ursprünglich dem hl. Laurentius geweiht und hatte eunen fundierten Altar zum hl. Valentinus. Auch nach der Glaubensspaltung bestand die Pfarrei noch fort, doch gab es zwischen Katholiken und Reformierten beständig Streit wegen der Kirche, die noch aus dem 14. Jahrhundert stammte. Durch die Kirchenteilung von 1705 fiel die Kirche in den alleinigen Besitz der Katholiken. Der letzte Pfarrer, P. Cyrillus Ritschel, floh, als sich die Franziosen Ende des 18. Jahrhunderts auch Leiselheim näherten. Die Pfarrei wurde dadurch aufgelöst und mit Pfeddersheim vereinigt. Das Pfarrhaus wurde veräußert und die Kirche verfiel allmählich, sodass sie im Jahr 1831 abgebrochen werden musste. Das Kircheninventar mit den beiden Glocken kam nach Pfeddersheim. Der Kirchhof, auf welchem einst die Kirche stand, wurde als gemeinsamer Begräbnisplatz benutzt
Nach dem verlust der Kirche bauten sich die Reformierten im Jahr 1716 einen eigene Kirche. Die beiden Glocken im Turm wurden 1887 bzw. 1898 von Andreas Hamm in Frankenthal gegossen.
Quelle: Bechtolsheimer; Brilmayer; Fabricius; Cüppers, Römer S.680; Spille 1992; Wörner 1887; red. Bearb. S.G.
