Abenheim in Rheinhessen

Zur Geschichte des Ortes Abenheim

Zu sehen ist der Glockenturm der katholischen Pfarrkirche St. Bonifatius in Abenheim
Glockenturm der katholischen Pfarrkirche St. Bonifatius[Bild: Torsten Schrade]

Römische Zeit

Schon in römischer Zeit war die Gemarkung des Dorfes Abenheim besiedelt. Belegt ist dies durch die Ausgrabung von Gutshöfen im Gewann „Hübelbrunnen“ am Quotenbach und am Südhang des Ortstales sowie eines Villenplatzes in den Rautwiesen. Auch für eine Besiedlung des Stadtgebietes in der Spätantike finden sich Beweise, beispielsweise Grabbeigaben aus dem 5. Jahrhundert, die zudem das erste linksrheinische Zeugnis eines Burgunden darstellen. [Anm. 1] Das ostgermanische Volk der Burgunden siedelte ursprünglich im Gebiet zwischen Weichsel und Oder und rückte in der Spätantike nach Westen vor. [Anm. 2]

Mittelalter

Zum ersten Mal schriftlich erwähnt wurde Abenheim im Jahr 774 in einem Güterverzeichnis des Klosters Lorsch. [Anm. 3] Bis zum Jahr 932 war Abenheim Reichsgut. In diesem Jahr tauschte König Heinrich I. mit dem Fuldaer Abt Hadamar einige Besitzungen, darunter auch Abenheim, das somit in der Folgezeit zum Kloster Fulda gehörte. Die weltliche Herrschaft über Abenheim übten die Grafen von Leiningen aus. Diese Verhältnisse blieben bis zum 14. Jahrhundert bestehen. Im Jahr 1358 übernahm dann das Kloster Fulda wieder die direkte Herrschaft über Abenheim, als es das Erblehen von den Grafen Johann und Emich von Nassau zurückkaufte, diesen jedoch das Recht auf Wiedereinlösung gewährte. [Anm. 4] 1405 ließ sich Johann von Katzenelnbogen, der das Wiedereinlösungsrecht von seiner Mutter Anna zwei Jahre zuvor gekauft hatte, vom Fuldaer Abt mit Abenheim belehnen. Im Jahr 1425 konnte Dieter Kämmerer von Dalberg zwei Drittel der von den Naussauer Grafen verpfändeten Vogteirechte zu Abenheim und Mölsheim erwerben. Damit übernahm nun das Adelsgeschlecht von Dalberg die Herrschaft über Abenheim. [Anm. 5]

Neuzeit

Der pfälzische Erbfolgekrieg (1688-1697) hinterließ in Abenheim große Schäden, deshalb mussten im 18. Jahrhundert große Teile des Ortes neu aufgebaut werden. [Anm. 6]

Die Französische Revolution und das Ende des Alten Reiches 1806 beendeten die Herrschaft des Geschlechts von Dalberg über Abenheim. Nach dem Ende der Revolutionskriege 1815 wurde Abenheim Bestandteil des neugeschaffenen Großherzogtums Hessen. In den folgenden Jahren machte das Dorf eine entscheidende Wandlung durch. Einerseits expandierte es über seine alten Grenzen hinaus, andererseits brachte die Industrialisierung ab der Jahrhundertmitte eine Veränderung in der Sozialstruktur der Gemeinde, als viele Industriearbeiter der Fabriken in Worms und den umliegenden Städten nach Abenheim zogen. Die Expansion des Ortes hatte zur Folge, dass auch seine Verkehrsinfrastruktur ausgebaut und Abenheim im Jahr 1903 an das Bahnnetz angeschlossen wurde. Diese Verbindung wurde allerdings nach 70 Jahren stillgelegt. [Anm. 7]

Das Ende des Zweiten Weltkrieges bedeute auch für Abenheim große Umbrüche. Zunächst wurde es, noch als selbständige Gemeinde, im Jahr 1947 Teil des neu gegründeten Bundeslandes Rheinland-Pfalz, bevor es 22 Jahre später seine Eigenständigkeit verlor und in die Stadt Worms eingemeindet wurde. [Anm. 8] In den 1970er und 1980er Jahren wurden in und um Abenheim mehrere archäologische Entdeckungen gemacht, unter anderem ein römischer Gutshof, ein Villenplatz und die oben erwähnten Grabbeigaben des Burgunden.

Nachweise

Redaktionelle Bearbeitung: Stefan Grathoff, Anne-Kathrin Zehender, Armin Huber, Sarah Traub

Verwendete Literatur:

  • Karl Johann Brilmayer: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart. Geschichte der bestehenden und ausgegangenen Städte, Flecken, Dörfer, Weiler und Höfe, Klöster und Burgen der Provinz Rheinhessen nebst einer Einleitung. Gießen 1905.
  • Heinz Cüppers (Hrsg.): Die Römer in Rheinland-Pfalz. Stuttgart 1990.
  • Reinhold Kaiser. Die Burgunder. Stuttgart 2004.
  • Fritz Reuter: Silberne Lilien zwischen blauen Rebmessern (Herrschaft - Ortsbild - Bevölkerung). In: Ernstfried Töpfer (Hrsg.): Abenheim. Festbuch zur 1200 Jahrfeier. Abenheim 1974. S. 41-56.
  • Ernstfried Töpfer: Aus der Vorgeschichte des Dorfes. In: Ernstfried Töpfer (Hrsg.): Abenheim. Festbuch zur 1200 Jahrfeier. Abenheim 1974. S. 15-36.

Aktualisiert am: 29.03.2016

Anmerkungen:

  1. Cüppers: Römer in RLP. S. 680. Zurück
  2. Kaiser: Burgunder. S. 16.  Zurück
  3. Reuter: Silberne Lillien. S. 42  Zurück
  4. Brilmayer: Rheinhessen. S. 13. Zurück
  5. Reuter: Silberne Lillien. S. 43-44. Zurück
  6. Reuter: Silberne Lillien. S. 43-44. Zurück
  7. Reuter: Silberne Lillien. S. 50. Zurück
  8. Reuter: Silberne Lillien. S. 50.  Zurück