Urbar (Oberwesel) am Mittelrhein

Zur Geschichte von Urbar (Oberwesel)

Der Name Urbach steht offensichtlich im Zusammenhang mit dem auf der anderen Flußseite in den Rhein mündenden Urbach. Nach anderer Ansicht wird der Ortsname etymologisch von mittelhochdeutsch urvar "Stelle am Ufer, wo man ab- und anfährt" abgeleitet. Der Ort ist 1246 und 1264 erstmals als Urbach urkundlich bezeugt. Als weitere Namensformen tauchen 1311 de Vrbe; 1336 in villa Vrbere; 1338 Vorbir; 1385/1428 Urber; 1446 von Orber; ca. 1690 Urberen; 1788 Urbar auf.
Im Jahr 966 schenkte König Otto I. Oberwesel und zugehörige Dörfer der Magdeburger Kirche. Damals wird Urbar noch nicht bestanden haben; Man nimmt an, dass das Dorf um 1100 bestanden hat. 1166 kamen Oberwesel und auch Urbar wieder zum Reichsgut zurück, um knapp 100 Jahre später, 1260, wieder in den Besitz des Magdeburger Erzbischofs zurückzufallen. Im Jahr 1309 übertrug König Heinrich VII. Oberwesel mit den zugehörigen Dörfern seinem Bruder, dem Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg. Am 18.7.1312 wurde diese Verpfändung - Erzbischof Balduin musste dem König für die Überlassung des Besitzes 12.000 Pfund Heller bezahlen - schriftlich festgehalten. Urbar war jetzt ein Ort im kurtrierischen Amt Oberwesel (Oberamt Boppard), die Einwohner unterstanden der kurtrierischen Landeshoheit.
Im Jahr 1385 war die Gemeinde zu Kriegsfuhren für das Amt Oberwesel verpflichtet. 1563 hat Urbar noch 19 Haushaltungen (Feuerstellen), im Jahre 1684 als Folge des 30-jährigen Krieges (1618-1648) nur noch sieben.

Während der Belagerung der Festung Rheinfels im Jahr 1758 lag Urbar im Aufmarschgebiet der angreifenden Truppen. Als die französischen Revolutionstruppen nach und nach das linke Rheinufer besetzten, erreichten französische Soldaten am 26.10.1794 auch Urbar. Die Dorfbewohner mussten den Franzosen Lebensmittel und Wein liefern sowie Fuhrdienste übernehmen. Die größten Grundbesitzer im Ort, die Herren von der Leyen, das Oberweseler Liebfrauenstift und die Kirche St. Martin verloren ihre Besitzungen weitgehend. 1798 wurde Urbar dem Kanton St. Goar zugeteilt, Oberwesel kam zum Kanton Bacharach. Bereits im Jahr 1800 änderte man die Einteilung: Urbar wurde der Mairie St. Goar zugeschlagen. Oberwesel wurde Sitz einer Mairie, deren Zuständigkeit sich aber nicht mehr über die Orte des Hinterlandes erstreckte.

In der Neujahrsnacht 1813/1814 überquerten Truppen der Armee Blücher den Rhein bei Kaub. Auch Oberwesel und Urbar wurden am Neujahrstag 1814 von den Preußen "befreit". Sehr begeistert waren die "Befreiten" allem Anschein aber nicht. Der Gemeindevorsteher hielt damals fest: "Im Jahr 1814, dem 1. Januar, sind die Preußen wieder auf diese Seite des Rheins gekommen und haben uns so belästigt, daß wir nichts mehr konnten als liefern und Einquartierungen halten...". Nach dem Wiener Kongress (1815) wurde Urbar Bestandteil des Königreichs Preußen und Teil der Bürgermeisterei St. Goar. Damit war die seit über 500 Jahren bestehende Zugehörigkeit zum Kurfürstentum Trier und zum Amtsort Oberwesel beendet.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde Urbar am 23.12.1918 von französischen Soldaten besetzt. Erst im November 1929 verließen die Besatzungstruppen wieder den Koblenzer Raum. Die Zeit des Nationalsozialismus und den 2. Weltkrieg überstand die Gemeinde, abgesehen von einigen Tieffliegerangriffen gegen Ende des Krieges, äußerlich unbeschadet. Zu den Kriegsgefangenen und Deportierten, die in Urbar wie in anderen Gemeinden in der Landwirtschaft eingesetzt wurden, überwiegend Franzosen und Russen, hatten die Urbarer - soweit die Umstände dies zuließen - ein gutes Verhältnis. Die 2nd. U.S. Cav. Schwadron 76th. Inf. Division besetzte am Montag den 19. März 1945 den Ort Urbar bei Oberwesel. Damit war der Krieg endlich beendet.

Nach dem Abzug der Amerikaner übernahm am 10.7.1945 Frankreich seine Besatzungszone. Wieder waren französische Soldaten in Urbar. Nachdem der Oberkommandierende der französischen Besatzungstruppen in Deutschland, General Koenig, am 30.8.1946 die Bildung des Landes Rheinland-Pfalz genehmigt hatte, fanden am 15.9.1946 die ersten Gemeindewahlen statt, denen am 13.10.1946 die Wahlen zu den Kreisversammlungen folgten. Die erste Niederschrift des neugewählten Gemeinderates datiert vom 15. Mai 1947. Urbar blieb verwaltunsgtechnisch vorerst beim Amt St. Goar. Am 4.11.1971 wurde im Gemeinderat dagegen beschlossen, Urbar der neugebildeten Verbandsgemeinde Oberwesel einzugliedern. Damit änderte sich auch die kirchliche Zugehörigkeit der Gemeinde; sie ging zur Pfarrei Niederburg über. Seit dem 22.04.1972 gehört Urbar zur Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel.

Auf Beschluss der Bezirksregierung Koblenz wurde Urbar am 21.12.1973 in die Stadt Oberwesel eingemeindet. Diesem Beschluss waren heftige und kontroverse Auseinandersetzungen innerhalb des Gemeinderates und der Bevölkerung vorausgegangen. Die Befürworter der Eingemeindung setzen sich durch. Am 13.12.1973 stimmte der Gemeinerat mehrheitlich der Eingemeindung zu.Die Widerstände gegen die Eingemeindung nach Oberwesel nahmen im Laufe der Jahre immer weiter zu. Im Jahr 1999 erlangte Urbar seine Selbständigkeit zurück. Der wieder gewonnenen gemeindlichen Souveranität setzte sich das Dorf mit der Errichtung der "Freiheitswutz" ein würdiges Denkmal.

Grundbesitzer

Begütert bzw. mit Einkünften versehen waren in Urbar das Erzstift Trier, die Stifte St. Martin und Liebfrauen in Oberwesel, die Herren von Schönburg, die Herren von der Leyen, die Abtei Prüm, der Kurfürst von Trier, die Grafen von Katzenelnbogen, die Fryen von Pfaffenau, die Herren von Mil(t)wald sowie das Kloster Besselich/Vallendar, das Kloster St. Johannes und Maria Magdalena/Koblenz und das Stift St. Goar. Der größe Teil des Klostergutes wurde Ende des 18. Jahrhunderts von den Franzosen eingezogen und in der Folgezeit verkauft, versteigert oder auf andere Weise veräußert.

Zehntrechte

Zehntrechte (Frucht- und Weinzehnte) hatten seit 1258 der Dekan und die Kanoniker von Liebfrauen/Oberwesel und St. Martin/Oberwesel. Der Zehnt gehört im 15. Jahrhundert zur Herrschaft Kempenich, ist 1435 im Besitz der Herren von Schöneck, 1453 in der Hand der Trierer Kirche . 1477 belehnt Erzbischof Johann von Trier den Martin Bene von Schmidtburg mit einem Teil des Zehnten zu Urbar, Wiebelsheim, Niederburg, Buch, Bergheim und Nenzhäuserheide (Nenzhäuserhof). Der Zehnt ist ab dem 17. Jahrhundert an die Herren von Eltz verpfändet. Um 1600 hatten auch der Dekan von Liebfrauen und St. Martin gemeinsame Zehntrechte; 1572 ist ein Lehnsrevers des Meinhard von Schönburg gegen den Kölner Erzbischof über Teile des kleinen Zehnten überliefert. 1779 sind Kurtrier, die Grafen von Leyen und der Pastor von Urbar am kleinen Zehnt beteiligt. 1796 bezog der Pfarrer von St. Martin ein Viertel vom geistlichen Anteil am Korn- und Weinzehnt.

Redaktionelle Bearbeitung: S.G., D.S.

Verwendete Literatur:

Aktualisiert am: 08.10.2015