Rammelsbach in der Pfalz

Rammelsbach

0.1.Allgemeine Angaben

Lage am Kuselbach bei dem großen Steinbruch

Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Altenglan

Einwohner (2006): 1724 (ev. 60 %, kath. 25 %, ohne Angabe 2 %, sonstige 1 %, ohne Rel. 12 %)

118 weitere Einwohner werden in Nebenwohnungen gemeldet; 121 Einwohner ohne deutsche Staatsangehörigkeit

Einwohner (2007): 1685

Einwohner (2010): 1610

Wohnplätze: Ortskern, Rechenhäuschen, Schlichterhof

Gemarkung: 264 ha, davon 31 ha Wald 

0.2.Lage

Der Ort liegt im Kuselbachtal zwischen Kusel und Altenglan und erstreckt sich auch in das Tal des Rammelsbachs, der dem Kuselbach von Süden her zufließt. In seinem oberen Lauf trägt dieser Rammelsbach den Namen Tiefenbach. Die Talsohle des Kuselbachs liegt 215 Meter über dem Meeresspiegel. Markante Höhen rechts des Kuselbachs sind der Rammelsbacher Kopf (256 m) und der Remigiusberg (309 m), auf der linken Talseite der Hinzigberg, der beim Schlichterhof eine Höhe von fast 300 Metern erreicht. Der große Basaltsteinbruch, volkstümlich Dimpel genannt, erstreckt sich über den gesamten Rammelsbacher Kopf. Ein Werk der Elektronikindustrie liegt am westlichen Ortsende zwischen der B 420 und dem Kuselbach. Das Industriegelände in diesem Bereich schließt inzwischen direkt an das Industriegelände von Kusel  an.

0.3.Siedlung und Wohnung

Das Dorf bestand ursprünglich nur aus wenigen Häusern und wurde früher auch als Rammelsbacher Hof bezeichnet. Der Ortskern erstreckte sich bis zum 19. Jahrhundert auf beiden Ufern des Rammelsbachs, lediglich die Mühle lag am Kuselbach. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts erweiterte sich der ursprüngliche Ortskern zunächst nur langsam. Eine kleine Außensiedlung entstand um die Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Rechenhäuschen links des Kuselbachs. Diese Nebensiedlung ist heute mit dem eigentlichen Dorf zusammengewachsen. Beim Schlichterhof handelt es sich um einen landwirtschaftlichen Aussiedlerhof, der erst nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde. Noch 1819 bestand das Dorf Rammelsbach aus lediglich 30 Häusern. Bei der Eröffnung des Urkatasters von 1848 waren 10 Häuser hinzugekommen. Da bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus die Bewohner vornehmlich von der Landwirtschaft lebten, erkennen wir in diesem früheren Ortskern auch heute noch alte Bauernhäuser, durchweg Einfirsthäuser, wie sie in der Westrich-Landschaft üblich sind.

Nach der Eröffnung des großen Steinbruchs im Jahre 1868 erweiterte sich der Ort sehr schnell. Um 1888 entstanden neue Häuser an der alten Ortsstraße zur Brücke hin und über die Brücke hinweg bis zur Durchgangsstraße im Tal des Kuselbachs. Ab 1894 wurde die Tallage des Kuselbachs für die Bebauung erschlossen, um 1901 entstand die Steinbruchstraße, um 1905 die - später so benannte - Friedrich-Ebert-Straße. Ab 1902 siedelten vor allem Arbeiter in der Hanglage des unteren Hinzigbergs. An Flurstraße und Höhweg entstanden ebenfalls schon um die Jahrhundertwende neue Häuser, doch der eigentliche Ausbau dieser Straßen erfolgte erst 1932.

Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu weiteren Wohnraumerschließungen. Es entstanden die Tiefenbachsiedlung und das Neubauviertel am Oberen Hinzigberg. Teilweise wurden Baulücken erschlossen und die Bebauungen in den bereits bestehenden Straßen erweitert. Rammelsbach ist vor allem eine Wohngemeinde. Die Bebauungsgebiete können zum großen Teil als Arbeitersiedlungen bezeichnet werden.

Der Friedhof erstreckt sich links des Kuselbachs am östlichen Ortsende in einer Hanglage. Die evangelische Kirche steht in seiner Nähe, die katholische in einem Neubaugebiet am Abhang rechts des Kuselbachs. Beide Kirchen wurden 1954 erbaut. Das heutige Schulhaus für die Grundschule der Verbandsgemeinde Altenglan entstand 1964 zunächst als Ersatz für drei andere Schulhäuser im Ort. Nahe dabei steht auch der Kindergarten. Ein großes Sportgelände erstreckt sich im Süden des Ortes westlich der Straße nach Haschbach. Ein Schützenhaus mit Schießanlage steht in der Nähe des Rechenhäuschens.

Großes Dorf unter dem Dimpel

0.4.Name

1364 Ramelspach, 1430 Ramelsbach 1452 Rammelsbach, 1588 Rammelsbacher Hof, später stets Rammelsbach. Zeitweise wurde angenommen, dass der Name des Ortes vom nahe gelegenen Remigiusberg abgeleitet worden sei. (Christmann) Diese Theorie wird heute verworfen. Als Bestimmungswort wird ein germanischer Name angenommen. (Rammel, Remmel, Hrabnal, Hrabnil). Das Grundwort -bach ist für zahlreiche Dörfer der Umgebung geläufig, die wahrscheinlich im 8. Jahrhundert entstanden sind. (Vgl. Dolch/Greule 1991 S. 376)

0.5.Wappen

Das Wappen ist zweigeteilt. Es zeigt in seinem oberen Teil auf silbernem Grund einen Krummstab, der auf den Bischof Remigius hinweist, und einen blauen Löwen mit roter Krone, roter Zunge und roten Krallen. Der Löwe stellt die Beziehung des Ortes zu der alten Grafschaft Veldenz und zur Pfalzgrafschaft Zweibrücken dar. Der untere Teil zeigt einen Basaltfelsen sowie Werkzeuge der Steinhauer und bezieht sich auf die Tradition der Arbeit im Steinbruch. Das Wappen wurde 1970 durch die Bezirksregierung der Pfalz genehmigt. (Vgl. Debus 1988)

0.6.Abriss der Ortsgeschichte

0.6.1.Vor- und Frühgeschichte, Römerzeit

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde auf dem Rammelsbacher Kopf ein walzenförmiges Steinbeil aus Diorit gefunden, das der Jüngeren Steinzeit entstammt. Beim Bau der katholischen Kirche 1954 entdeckten die Bauarbeiter umfangreiche Gefäßscherben aus der Römerzeit. Wahrscheinlich entstand die Kirche auf den Fundamenten einer gallo-römischen villa rustica.

0.6.2.Mittelalter

Rammelsbach lag im Remigiusland. Während wir annehmen, dass die Orte Kusel und Altenglan bei der Schenkung dieses Gebietes an einen Bischof von Reims (wahrscheinlich um 590 von König Childebert II. an Bischof Ägidius) bereits bestanden, wurde Rammelsbach etwa 200 Jahre nach dieser Schenkung gegründet. Im 12. Jahrhundert übernahmen die Grafen von Veldenz die Vogtei über das Remigiusland und begründeten die Grafschaft Veldenz. Rammelsbach und das ganze Remigiusland unterstanden Jahrhunderte lang gleichzeitig dem Kloster Saint Remi in Reims und den Grafen von Veldenz. 1444 übernahm Pfalzgraf Stephan die Grafschaft Veldenz und vereinigte sie mit seinen kurpfälzischen Erbteilen. Rammelsbach lag fortan in der Pfalzgrafschaft Zweibrücken, die später als Herzogtum bezeichnet wurde. 1552 erwarben die Herzöge von Zweibrücken das Remigiusland durch Ankauf und wurden so die einzigen rechtmäßigen Besitzer.

Die Ersterwähnung des Dorfes Rammelsbach erfolgte in einer Urkunde, die im Jahre 1364 Graf Heinrich II. von Veldenz für seinen Sohn Heinrich III. und dessen Ehefrau Loretta von Sponheim ausstellte. Nach den Ausführungen in dieser Urkunde gehörte Rammelsbach damals zu dem veldenzischen Unteramt Brücken/Altenglan. In den Steuerlisten der Burg Lichtenberg wird um 1450 ein Hans von Rammelsbach erwähnt.

0.6.3.Neuzeit

Entsprechend der Kirchenpolitik der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken wurde in Rammelsbach um 1537 die Reformation nach der Lehre von Martin Luther eingeführt. 1588 verfügte Herzog Johannes I. die Einführung der Reformation nach Johannes Calvin. Bei der Kirchenvisitation von 1609 lebten in dem Dorf sieben Familien mit zusammen 27 Einwohnern. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Dorf vollkommen zerstört, und nur eine Frau hat den Krieg überlebt. Es setzte eine Neubesiedlung ein, die auch gegen Ende des 17. Jahrhunderts durch die Peuplierungspolitik Ludwigs XIV. gefördert wurde. Zu dieser Zeit der französischen Reunionsbestrebungen konnte auch der katholische Glaube im Dorf wieder Fuß fassen. Rammelsbach gehörte weiterhin zur Pfalzgrafschaft Zweibrücken bis zu deren Auflösung im Zuge der Französischen Revolution.

0.6.4.Neueste Zeit

Traditionsreiches Rathaus

Während der Annexion des linksrheinischen deutschen Gebietes durch Frankreich nach der großen Revolution lag Rammelsbach innerhalb des Saardepartements im Arrondissement Birkenfeld, im Canton Kusel und in der Mairie Kusel. Der Ort blieb auch nach der Vereinigung mit Bayern 1818 eng mit Kusel verbunden. Er gehörte nun zugleich zum Landkommissariat (später Bezirksamt, Landkreis), zum Kanton und zur Bürgermeisterei Kusel. 1903, als die Einwohnerzahl stark angewachsen war, erhielt das Dorf eine eigene Bürgermeisterei. 1933 erfolgte erneut ein Anschluss an das Bürgermeisteramt Kusel, der jedoch 1945 rückgängig gemacht wurde. Eine erneute Veränderung im Bereich der Verwaltung vollzog sich 1972. Die Bürgermeisterei wurde im Zuge der Regional- und Verwaltungsreform aufgelöst. Rammelsbach war von nun an eine der 16 Ortsgemeinden in der Verbandsgemeinde Altenglan.

Während schon seit dem Mittelalter in der Umgebung des Dorfes Kalk gegraben wurde, entwickelte sich während des 18. und 19. Jahrhunderts eine regelrechte Kalkindustrie, die das Wachstum des Dorfes förderte, indem neben den reinen Landwirten auch Kalkbrenner und Fuhrleute ihrem Lebenserwerb nachgehen konnten. Vollends zu einem Industrieort entwickelte sich Rammelsbach, nachdem im Jahre 1886 in großem Maße der Abbau von Basaltgestein einsetzte. Die Einwohnerzahl verdoppelte und verdreifachte sich schon innerhalb des 19. Jahrhunderts. Die schwere Arbeit, auch Frauenarbeit, prägte die Menschen des Dorfes.

Folgende Aufstellung demonstriert das Wählerverhalten in der Zeit zwischen 1920 und 1933. Vor 1933 erreichte die SPD stets eine absolute Mehrheit, bei den Märzwahlen 1933 immer noch eine relative Mehrheit. Zu beachten ist, dass die KPD bei den Reichstagswahlen von 1933 noch immer 24 % der Stimmen erhielt, nur zwei Prozent weniger als die NSDAP. (Angaben in Prozent nach Klein 1979)

0.7.Wahlen

Bedingt durch den starken Bevölkerungsanteil an Arbeitern im Steinbruch gewannen die Linksparteien vor 1933 bis zu 80% der Stimmen. Bei den Wahlen nach 1945 entspann sich zunächst ein scharfer Wettkampf zwischen KPD und SPD, doch nach dem Verbot der KPD erreichte die SPD bei fast allen Wahlen wieder die absolute Mehrheit, und bei Kommunalwahlen ging aus ihren Reihen allgemein der Bürgermeister der Bürgermeisterei hervor. Auch die Ortsbürgermeister seit 1972 stellte zunächst die SPD. Bei den Kommunalwahlen von 2004 erhielt der Ort zum ersten Mal einen CDU-Bürgermeister.

0.8.Wahlergebnisse, nach dem zweiten Weltkrieg nur Prozentwerte, Bundestag Zweitstimmen

KPD SPD Zentr./BVP DVP DNVP NSDAP
Reichstag 1924/März 122/18,3% 337/50,6% 35/5,3% 125/18,7% 51/7,7% ---
Reichstag 1924/Dez. 80/9,4% 465/54,6% 159 /8,7% 96/11,3% 12/1,4% 2/0,2%
Reichstag 1928/Mai 60/8,1% 476/64,2% 107/14,4% 23/3,1% 5/0,7% 15/2,0%
Reichstag 1930/Sept. 180/20,5% 459/52,3% 130/14,8% 21/2,4% 1/0,1% 1318,3%
Reichstag 1933/März 271/24% 328/38,5% 47/5% 2/0,2% --- 293/26%
SPD CDU FDP Grüne Linke Sonstige
Landtag 2001 57,5 24,9 4,3 4,1 --- 9,3
Landtag 2006 53,3 18,2 4,8 3,2 8,4 10
Landtag 2011 47,5 24,9 1,4 11,9 5,9 8,3
Bundestag 2002 56,8 25,5 5,3 6,3 --- 6,1
Bundestag 2005 45,5 25,7 7,0 4,8 11,4 5,6
Bundestag 2009 28,2 27,3 11,3 6,7 21,6 4,8

0.9.Zeittafel

um 3000 Steinbeil aus Diorit
um 1000 v. Chr. Fund einer Urne
um 200 n. Chr. Funde aus gallo-römischer Zeit
8. Jhd. Mögliche Ortsgründung
1112 Grafschaft Veldenz
1117 Gründung eines Klosters auf dem Remigiusberg
1364 Ersterwähnung des Ortes in einer veldenzischen Urkunde
1450 Kalkgewinnung bei Rammelsbach wird in einer Urkunde erwähnt
1546 Rammelsbacher Weistum
1609 Nach den so genannten Konker Protokollen leben in R. 27 Bewohner (Sieben Familien).
1621 Erwähnung einer Mühle in Rammelsbach
1648 Ein einziger Bewohner hat den 30-jährigen Krieg überlebt
1688 In Rammelsbach leben wieder sieben Familien
1708-1792 Weidestreit mit Altenglan
1777 Eine Schule in Rammelsbach wird erwähnt
1840 Ausbau der Talstraße nach Altenglan
1867 Vertrag zum Abbau von Hartstein in großem Umfang
1902 Im Steinbruch werden 900 Mitarbeiter beschäftigt, davon 200 Frauen
1903 Bürgermeisteramt Rammelsbach
1929 Große Arbeitslosigkeit während der Weltwirtschaftskrise
1933 Auflösung des Bürgermeisteramtes, erneuter Anschluss an Kusel
1945 Rammelsbach wieder Sitz eines Bürgermeisteramtes
1954 Weihe und Einweihung der beiden Kirchen
1963 Bau des neuen Schulhauses
1966 Grundig eröffnet ein Werk in Rammelsbach
1972 R. Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Altenglan
1984 Schließung des Grundig-Werkes
1986 TDK übernimmt Werkshallen von Grundig
1999 TDK konzentriert Produktion von Audiokassetten in R.
2003 TDK schließt das Werk Rammelsbach   
2003 RME (RITEC MEDIA EUROPE), Tochter eines Konzerns aus Taiwan, zieht in die leerstehenden Werkshallen ein

0.10.Bevölkerung

Bis hin zum Dreißigjährigen Krieg lebten vor allem Bauern in dem kleinen Dorf wie in allen anderen Dörfern der Umgebung. Im Zuge der Neubesiedlung nach den schlimmen Kriegen des 17. Jahrhunderts kamen aber Menschen ins Dorf, die zunächst in den Bergwerken und in den zunächst mehreren kleinen Steinbrüchen arbeiteten. Das die geförderten Produkte (Kalk, Kohle, Pflaster- und Schottersteine) zu den Verbrauchern befördert werden mussten, entstanden vor allem in der Zeit vor dem Bau der Eisenbahn Fuhrbetriebe, und manche der der Dorfbewohner verdienten ihr Brot als als Fuhrleute. Als später in dem einzigen großen Steinbruch eine große Anzahl von Mitarbeitern beschäftigt wurden, ließen sich immer mehr Menschen in der Nähe des Arbeitsplatzes nieder. Das kleine Bauerndorf veränderte sich immer deutlicher zu einem großen Arbeiterdorf, wodurch auch der Charakter der Bewohner geprägt wurde.

Inzwischen besitzt der Steinbruch für das Erwerbsleben der Ortsbewohner keine große Bedeutung mehr zu. Auch die Ansiedlung von neuen Industriebetrieben kann offenbar frei werdende Arbeitsplätze auf Dauer nur zum geringen Teil auffangen. Der typische Steinbrucharbeiter gehört der Vergangenheit an, immer mehr Menschen müssen zur Arbeit auspendeln. Teilweise schlägt sich diese Entwicklung auch in den Einwohnerzahlen nieder. Der Höhepunkt der Entwicklung mit mehr als 2000 Bewohnern in der Mitte des 20. Jahrhunderts ist inzwischen überschritten. So sind die Einwohnerzahlen von Rammelsbach rückläufig wie in den meisten Orten der Umgebung.

0.11.Bevölkerungsentwicklung

1609 1648 1675 1772 1824 1880 1890 1900 1910 1939 1961 1998 2005
20 1 20 100 309 664 841 1108 1575 2006 2102 1952 1792

0.12.Religiöse Verhältnisse

Nach der Gemeindestatistik vom 30. Juni 1997 waren 579 (60 %) der Einwohner evangelisch, 259 (27 %) römisch-katholisch. 38 (4 %) der Bewohner gaben ihre Konfession nicht bekannt, und 67 (7 %) bezeichneten sich als konfessionslos. 2 % der Bewohner gehören unterschiedlichen kleineren Religionsgemeinschaften an.

Juden leben nicht in Rammelsbach, und auch in früherer Zeit gab es keine jüdische Gemeinde. Die Gläubigen der beiden großen Konfessionen waren in der Vergangenheit traditionell Mitglieder der Kirchengemeinden von Kusel. Erst in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bildeten sowohl die evangelischen als auch katholischen Christen eigene Kirchengemeinden. Nach dem Bau der beiden Kirchen 1954 wurden diese selbstständig, zunächst als evangelisches Vikariat und als katholisches Kurat, ab 1964 als eigenständige Pfarreien.

0.13.Schulen, Kultur, Vereinswesen

0.13.1.Schulen

Nach Einführung der Reformation wurde in Kusel eine Schule gegründet, die von Schülern aus allen Dörfern des Kirchspiels Kusel besucht werden konnte, so ab dem Jahr 1544 auch von Schülern aus Rammelsbach. Nur wenige Kinder werden die Möglichkeit genutzt haben. Erst am Ende des 18. Jahrhunderts eröffnete auch Rammelsbach eine Winterschule. Christian Krieger aus Aulenbach ist als der erste Rammelsbacher Lehrer bekannt geworden. Er war eigentlich ein Handwerker und Taglöhner, der ein wenig lesen und schreiben konnte und in irgendeinem der wenigen Häuser von Rammelsbach seinen Unterricht abhielt. Mit der Einführung der Schulpflicht zu Beginn des 19. Jahrhunderts erhielt Rammelsbach einen examinierten Lehrer. Ein Schulhaus gab es jedoch noch immer nicht.

1843 wurde das Schulhaus am Höhweg gebaut. Es hatte zwei Klassenräume, einen für die evangelischen und einen für die katholischen Kinder. Obwohl die Zahl der Schüler in der Folgezeit schnell anwuchs, war der Gemeinderat zunächst nicht bereit, ein neues Schulhaus zu bauen oder das alte Schulhaus zu erweitern. So stellten jahrelang zwei Gastwirte ihre Tanzsäle für den Unterricht zur Verfügung. 1889 wurde dann doch ein neues Schulhaus an der Glanstraße erbaut, und bei dem starken Anwachsen der Bevölkerung musste 1904 noch ein drittes Schulhaus gebaut werden. Dieses dritte Schulhaus wurde teilweise als Bürgermeisteramt genutzt. Es handelt sich um das inzwischen erneuerte und erweiterte Rathaus. Ein Lehrer war damals Heinrich Haag, der spätere erste Schulrat des Landkreises Kusel.

Noch immer bestand eine scharfe Trennung zwischen katholischer und evangelischer Schule. Schon 1933 kam es zu Bestrebungen, eine christliche Gemeinschaftsschule einzurichten, wogegen sich jedoch die Katholiken des Ortes energisch zur Wehr setzten. Trotz dieses Widerstandes wurde 1938 die Gemeinschaftsschule eingeführt, die nur bis zum Oktober 1945 bestehen blieb. Der Unterricht begann beim Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg mit vier evangelischen und zwei katholischen Klassen, jedoch mit nur drei Lehrern, und von den drei Schulhäusern stand nur ein einziges zur Verfügung. Viele der Kinder litten Hunger, und oft gab es nicht genügend Brennmaterial. Schulleiter der evangelischen Schule war zu dieser Zeit der bekannte Heimatforscher Albert Zink, Schulleiterin der katholischen Schule war Frau Erna Giloth. Die Verteilung der inzwischen zehn Klassen auf drei Schulhäuser erforderte nun doch den Bau eines einzigen großen Schulhauses. Es wurde im November 1964 eingeweiht.

Im Februar 1965 stimmten die Eltern beider Schulen über die Wiedereinführung der Gemeinschaftsschule ab, wobei sich die protestantischen Eltern durchweg, aber auch mehr als die Hälfte der Katholiken für deren Einführung aussprachen, die dann mit dem Beginn des Schuljahrs 1965/66 eingeführt wurde. In dieser Schulart bestanden noch immer reine katholische Klassen, wenn die Eltern nicht damit einverstanden waren, dass ihre Kinder zusammen mit evangelischen Kindern unterrichtet wurden. Am Beginn des Schuljahres 1969/70 wurde die Simultanschule in eine Christliche Gemeinschaftsschule umgewandelt, in der es nur noch in konfessionell gemischte Klassen gab. Die Oberstufe dieses neuen Systems besuchten nun auch Schüler aus Etschberg.

Im Zuge der Neuordnung des Schulwesens wurde die Christliche Gemeinschaftsschule Rammelsbach zu Beginn des Schuljahres 1971/72 wieder aufgelöst. Eine Hauptschule für alle Schüler der neu gegründeten Verbandsgemeinde Altenglan wurde in Altenglan eingerichtet. Im neuen Schulhaus Rammelsbach konnten nun die Grundschulen von 11 Dörfern der Verbandsgemeinde vereinigt werden. Diese Einrichtung einer großen Grundschule für mehrere Dörfer entspricht auch der heutigen Situation.

0.13.2.Kultur und Brauchtum

Kulturelle Einrichtungen

Zu nennen ist das Wilhelm-Panetzky Museum im Gebäude der früheren Steinbruchverwaltung. In ihm ist die Geschichte des Steinbruchs Rammelsbach dargestellt, Arbeitsmethoden zur Steingewinnung werden veranschaulicht, vielerlei Gerät für die Arbeit im Steinbruch ist zu besichtigen.

Brauchtum

Von altem Brauchtum blieb in dem Steinarbeiterdorf nicht viel erhalten. Es gehört der Vergangenheit an, dass an den Pfingstfeiertagen junge Burschen mit dem Pfingstquack von Haus zu Haus zogen und um Eier und Speck baten. Auch der Fastnachtsbrauch der Kinder, mit einem Sprüchlein von Haus zu Haus zu ziehen, ging verloren. Anderes Brauchtum für Kinder fand neuen Zuspruch, das Sternsingen und der Martinsumzug, Halloween. Die Kirchweih oder Kerb wird am 2. Wochenende im September gefeiert. Hinzu kommt seit 1980 ein zusätzliches Dorffest, jeweils am letzten Wochenende im Juni. Inzwischen findet dieses Dorffest größeren Anklang als die Kirchweih.

0.13.3.Vereinswesen

Ein reges Vereinswesen zeichnet den Ort aus. Die wichtigsten der vielen Vereine seien hier aufgezählt. Bereits 1991 gegründet wurde der Turnverein Rammelsbach, der heute viele Abteilungen unterhält und auch den Tennissport betreibt. Der Sportverein von 1922 betreibt vor allem den Fußballsport. Ein Schützenverein entstand in der Nachkriegszeit. Von besonderer Bedeutung ist heute der Unterhaltungsverein "Die Wackepicker". Dieser Verein ging aus einem Karnevalsverein hervor, der 1956 gegründet wurde. Der Verein richtet auch heute noch die örtlichen Karnevalsveranstaltungen aus, doch weit über den Ort hinaus wurde die eigentliche Gesangsgruppe "Wackepicker" bekannt, die das ganze Jahr über innerhalb und außerhalb Rammelsbachs auftritt. Der Musikverein wurde 1928 gegründet. Er unterhält ein großes Blasorchester. Erwähnt sei auch der Ortsverein "Deutsches Rotes Kreuz" Rammelsbach, der schon im Ersten Weltkrieg und in den 30er Jahren Vorläufer hatte, aber 1948 neu gegründet wurde.

0.14.Gesundheits- und Sozialwesen

Ärztliche Betreuung erfolgt vor Ort durch einen Allgemeinarzt und durch einen Zahnarzt. Viele Spezialärzte können in Kusel aufgesucht werden. Zur Betreuung von Pflegefällen ist u. a. die Sozialstation Altenglan-Kusel zuständig. Nächstes Krankenhaus ist das Westpfalzklinikum II, Standort Kusel.

0.14.1.Wirtschaft und Verkehr

Wirtschaft

Landwirtschaft, die ursprünglich das Erwerbsleben des Ortes prägte, ist heute von untergeordneter Bedeutung. Der Kalkabbau wurde seit dem Mittelalter in der Gemarkung von Rammelsbach betrieben. Zeitweise gab es 20 Kalköfen und auch Ziegelhütten, doch nach dem Zweiten Weltkrieg lohnte sich die Kalkgewinnung nicht mehr. Selbst die Steinbrüche, die mehr als ein Jahrhundert lang das Leben im Dorf bestimmten und ihm einen gewissen Wohlstand bescherten, können heute nur noch wenigen Menschen im Ort zum Broterwerb verhelfen, wenngleich durch die Verpachtung des Steinbruchgeländes der Gemeinde Gelder zufließen.

Wegen ihrer großen Bedeutung in der Vergangenheit soll die Steinindustrie genauere Erwähnung finden. Beim Bau einer Straße entlang des Kuselbachs erwies es sich bereits um 1840, dass das Hartgestein am Rammelsbacher Kopf oder Dimpel zur Herstellung des Unterbaus von Straßen eine besondere Güte aufweist. Nicht zuletzt um dieses Gestein abzubauen und abtransportieren zu können, wurde von der Nordpfälzischen Eisenbahngesellschaft die Eisenbahnstrecke Landstuhl - Kusel erbaut, die 1868 eröffnet wurde. Im selben Jahr schloss die Gemeinde Rammelsbach mit der Eisenbahngesellschaft einen Vertrag zur Nutzung der Gesteinsvorkommen. Fortan wurde Gestein für Schotter und Splitt für den Bahn- und Straßenbau abgebaut, auch zur Herstellung von Pflastersteinen. 1902 arbeiteten mehr als 900 Menschen im Steinbruch, davon auch viele Frauen, die wie die Männer Schwerarbeit leisten mussten. Mit der fortschreitenden Mechanisierung, Rationalisierung und Automatisierung der Arbeit ging die Zahl der Beschäftigten von Jahr zu Jahr zurück. Heute können etwa 40 Arbeiter die gleiche Menge Schotter und Splitt herstellen wie weit über 100 Arbeiter in den früheren Jahren. Auch die Herstellung von Pflastersteinen war bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs von großer Bedeutung. Seit Jahrzehnten arbeitet aber dicht beim Steinbruch eine Firma, die Fertigbeton herstellt.

Neue Industriebetriebe mussten in den vergangenen Jahrzehnten das Potential der Arbeitskraft kompensieren. 1966 errichtete die Firma Grundig ein Werk zur Herstellung von Ton - und Videobändern. Als dieser Betrieb in Folge von Rationalisierungsmaßnahmen des Grundig-Konzerns geschlossen wurde, gründete 1986 der japanische Konzern TDK ein neues Werk, das Ton- und Videobänder sowie keramische Komponentteile für elektronische Geräte fabrizierte. In diesem Werk waren bis 2003 mehr als 300 Mitarbeiter beschäftigt. TDK schloss im März 2003 das Werk Rammelsbach, und 320 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz. Anschließend bezog "Ritek Media Europe" (RME) die leer stehenden Gebäude, ein Filialbetrieb von Ritek Corporation Taiwan, der zunächst CDs und DVDs bedruckte und verpackte, aber nur noch etwa 70 Mitarbeiter beschäftigte. Seit April 2005 arbeitet dieser Betrieb nur noch mit einem kleinen Teil der ursprünglichen Belegschaft, indem in Rammelsbach nur noch CDs und DVDs verschickt werden, die in anderen Betrieben hergestellt wurden.

Verkehr

Rammelsbach gewann während des 18. Jahrhunderts verkehrstechnische Bedeutung, als die Strecke zwischen Ulmet und Kusel der Straße von Meisenheim nach Zweibrücken, die ursprünglich über eine verhältnismäßig kurze aber sehr steile Bergstrecke führte, in das Tal verlegt wurde und von Rammelsbach aus direkt nach Süden führte. Für Schwerlasten des damaligen Verkehrs (Holz- und Weinladungen), stellte die stets beschädigte Rammelsbacher Brücke über den Kuselbach beständig ein Hindernis dar. 1840 wurde die Talstraße durch das Königreich Bayern ausgebaut und wieder direkt mit Kusel verbunden. Später war sie ein Teilstück im Verlauf einer Heeresstraße, die 1938 während des Westwallbaus zwischen Oppenheim und Neunkirchen/Saar ausgebaut wurde. Es handelt sich um die heutige Bundesstraße B 420.

Seit 1868 liegt der Ort auch an einer Eisenbahnlinie. Durch den Abtransport von Steinen lag Rammelsbach während des 19. Jahrhunderts an sechster Stelle des Güterumschlags aller Bahnhöfe in der Pfalz. Vielleicht ist es ebenfalls dem Steintransport zu verdanken, wenn die Eisenbahnstrecke Kusel - Landstuhl heute noch besteht. Derzeit verkehren Züge zwischen Kaiserslautern und Kusel im Stundentakt.

Steinbrucharbeiter im Wilhelm-Panetzki-Museum

0.15.Bedeutende Persönlichkeiten

Bebiolka, Alois (*1910 in Rammelsbach † 1999 in Steinwenden)

Arzt an verschiedenen Orten, seit 1961 Delegierter in der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, Mitbegründer des Hartmannbundes, Gründer des Rotary-Clubs in Kusel. Inhaber vieler Auszeichnungen, u. a. des Bundesverdienstkreuzes

Lüder, Friedrich Ludwig Philipp von (1795-1862)

Bekannter bayerischer General, wurde in Rammelsbach geboren. Lüder hatte während des 19. Jahrhunderts großen Anteil am Aufbau des bayerischen Militärwesens. Er begleitete den Prinzen Otto nach Athen, als dieser die griechische Königskrone in Empfang nahm.

Johannes Menges (1910-1970

Zisterzienserpater und Missionar, in Rammelsbach geboren. Er studierte Theologie, trat zunächst dem Zisterzienserorden bei und wechselte dann zu den Missionaren vom kostbaren Blut über. In deren Auftrag wurde er 1937 nach Brasilien versetzt, und er erhielt dort seine Priesterweihe. Als Seelsorger und Missionar wirkte er am Unterlauf des Amazonas in der Pfarrei Porto de Moz, die sich über ein weites Gebiet erstreckt. Nach jahrzehntelanger Wirksamkeit in dem ungesunden tropischen Gebiet erkrankte Pater Menges an der Lepra und übernahm die Seelsorge in der Leprastation von Manituba. Er genas von der Leprakrankheit, erkrankte aber dann an Tuberkulose und starb an einem Lungentumor.

0.16.Nachweise

Verfasser: Ernst Schworm

Redaktionelle Bearbeitung: Ernst Schworm

Literatur:

  • Decker, Ludwig: Vor 25 Jahren: Die Rammelsbacher feiern eine "außerplanmäßige" Kerwe, eine "pennsylvanisch-pfälzische Kerb", in: Westrichkalender Kusel 1977, S. 81-86.
  • Decker, Ludwig: Von Grundig zur TDK. Industrieansiedlung in Rammelsbach, in: Westrichkalender 1988, S. 65-71.
  • Decker, Ludwig: In Rammelsbach wird schon lange Fastnacht gefeiert, in: Westrichkalender Kusel 1989, S. 121-122.
  • Decker, Ludwig: Heinrich Gehm - Lehrer, Gemeindeschreiber, Feldmesser, Bauer u. a., in: Westrichkalender Kusel 1992, S. 61-65.
  • Decker, Ludwig: Der Rammelsbacher "Dimpel" wird 125 Jahre alt - Das "Wilhelm-Panetzky- Museum - Sammlungen zur Geschichte des Steinbruchs" weckt Erinnerungen, in: Westrichkalender Kusel 1993, S. 75-82.
  • Decker, Ludwig: Rammelsbach - "Das Dorf der roten Steinbrecher", in: Westrichkalender Kusel 1994, S. 181-184.
  • Decker, Ludwig: 125 Jahre Steinbruchbetriebe Rammelsbach GmbH, Rammelsbach 1993.
  • Schworm, Ernst: Industriegemeinde Rammelsbach, Rammelsbach 1999.
  • Seyer, Eric: RME entlässt 24 Beschäftigte, in: Die Rheinpfalz - Westricher Rundschau, 09.04.2005.