Niedertiefenbach im Rhein-Lahn

Geschichte von Niedertiefenbach

Niedertiefenbach wird erstmals 1246 erwähnt. Anlass war, dass Graf Heinrich von Nassau (geb. um 1180, gest. vor 1251) dem Kloster Arnstein eine Kirche in Niedertiefenbach schenkte. [Anm. 1]

Die Kirche wurde auf einer Anhöhe über der Siedlung Niedertiefenbach errichtet. Sie ist eine der ältesten Kirche aus dem Bereich der ehemaligen Verbandsgemeinde Katzenelnbogen. [Anm. 2]  Niedertiefenbach war der Grafschaft auf dem Einrich und damit zum Vierherrengericht, dem sogenannten „Vierherrischen“ zugehörig. [Anm. 3]  

Gemeinde Niedertiefenbach [Bild: Gemeinde Niedertiefenbach]

Zum Kirchspiel gehörten damals außer Niedertiefenbach noch die Orte Roth, Pohl und Lollschied. [Anm. 4] Um 1500 wurde die Kirche erweitert. [Anm. 5]Im Katzenelnbogener Raum – und somit auch in Niedertiefenbach – wurde um 1530, wie nach und nach in ganz Hessen, die Reformation eingeführt. [Anm. 6]

Im Jahr 1597 brach die Pest über Niedertiefenbach herein, wodurch 28 Menschen im Kirchort starben. 1613 kam es zu einem erneuten Pestausbruch, an dem 147 Menschen starben. [Anm. 7]

Um 1600 übten die Adeligen von Langenau die Herrschaft über die Germarkung von Niedertiefenbach aus, sie hatten das Lehen von den Grafen von Sponheim-Starkenburg übernommen.

Zur Herrschaft der Adeligen von Langenau gehörte auch die mittelalterliche niedrige Gerichtsbarkeit. Das sogenannte Hubengericht der niederen Gerichtsbarkeit für Alltagsdelikte war in Niedertiefenbach angesiedelt. Die Adeligen von Langenau konnten sich trotz ihres Herrschaftsanspruchs nicht dagegen wehren, dass in Niedertiefenbach die Grafen von Katzenelnbogen das Sagen hatten. [Anm. 8]Das Hubengericht der Adeligen von Langenau ging um 1700 an die Familie von Stein in Nassau.

Aus dem Jahr 1763 ist durch die genaue Buchführung des Amtes Nassau ein Verzeichnis aller damaligen Bewohner der Dörfer Niedertiefenbach und Roth erhalten. Darin wird zu der Zeit von 35 erwachsenen Bewohnern und 77 Kindern berichtet. Neben Bauern werden als Berufe Müller (Müllerin, Ölmüllerin), Wollspinner, Tagelöhner und Viehirt in der Statistik genannt. [Anm. 9]

In der Zeit der Befreiungskriege (von 1813 bis 1815) litt Niedertiefenbach unter einer Nervenfieber-Epidemie, die von französischen Soldaten eingeschleppt worden war. 40 Bewohner verloren dabei ihr Leben. [Anm. 10]

Gemeinde Niedertiefenbach[Bild: Gemeinde Niedertiefenbach]

Ab 1806 gehörte Niedertiefenbach zusammen mit den weiteren Dörfern, die die spätere Verbandsgemeinde Katzenelnbogen bildeten, zum Herzogtum Nassau.  [Anm. 11] Ein Schriftstück des Herzogtums Nassau aus dem Jahr 1836 teilt mit, dass die Pfarrei Niedertiefenbach “seit unendlichen Zeiten” über das Jagd- und Fischereirecht in der Gemarkung Niedertiefenbach verfügte. Im Jahr 1836 wurde das Recht an die herzogliche Generaldomänendirektion überschrieben. [Anm. 12]

Um 1830 verfügte das Herzogtum Nassau die Einrichtung eines Fonds, um die Kirche abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Nach Einspruch des damaligen Kirchenvorstands wurde die alte Kirche jedoch stattdessen in jahrelanger Arbeit renoviert. In diese Zeit fiel auch der Ausbau des um die Kirche gelegenen sogenannten „Totenhofs“, der zu klein geworden war und bis 1833 auf einen Teil des Pfarrgartens hin erweitert wurde. [Anm. 13]Der Umfang der Erweiterung des „Totenhofs“ betrug nach einem Dokument vom 16. Mai 1831 nach damaligen Maßen: „33 Ruten und 62 Schuh“. [Anm. 14]

1846 beschlossen die Kirchspielorte Lollschied und Pohl, einen eigenen gemeinsamen Friedhof anzulegen. Ab dieser Zeit nutzten nur noch Niedertiefenbach und Roth den alten Kirchspielfriedhof von Niedertiefenbach. 1873/74 wurde der Friedhof für Niedertiefenbach nochmals erweitert, ab circa 1875 legte Roth einen eigenen Friedhof an. [Anm. 15]

Ab 1972 gehörte Niedertiefenbach zur Verbandsgemeinde Katzenelnbogen, die im Rahmen einer großen Verwaltungsreform gebildet wurde. Die Verbandsgemeinde Katzenelnbogen ging 2019 in die Verbandsgemeinde Aar-Einrich über, die aus dem freiwilligen Zusammenschluss der Verbandsgemeinden Hahnstätten und Katzenelnbogen gebildet wurde.

NACHWEISE

Verfasserin Text: Marion Nöldeke

Verwendete Literatur:

  • Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Rhein-Lahn-Kreis, Mainz 2018, http://denkmallisten.gdke-rlp.de/Rhein-Lahn-Kreis.pdf, S. 66-67 (Aufruf: 15.05.2020).

  • Herold, Rudolf: Katzenelnbogen und der Einrich. Katzenelnbogen 1974.

  • Herold, Rudolf: Streifzüge durch die Vergangenheit. Beiträge zur Geschichte der Gemeinden im Katzenelnbogener Raum. Katzenelnbogen 1985.

 Erstellt am: 15.05.2020

Anmerkungen:

  1. Herold 1985, S. 235. Hinweis: auf der Homepage der Gemeinde wird als Datum der Ersterwähnung "1185" genannt: https://www.niedertiefenbach.de/ (Aufruf: 22.05.2020).  Zurück
  2. Herold 1985, S. 235. In der 2019 neu geschaffenen Verbandsgemeinde Aar-Einrich gibt es Kirchen, die noch älter sind (z.B. Klingelbach oder die Rundkirche Oberneisen). Zurück
  3. Herold 1985, S. 237. Das „Vierherrengericht auf dem Einrich“ wurde von zwei Nassauer und zwei Katzenelnbogener Linien gebildet, die ab 1160 den Einrich regierten. Vgl. auch Herold 1985, S. 97, sowie den Aufsatz: „Die Grafen von Katzenelnbogen“: https://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/glossar/herrschaftsterritorien-und-adelsgeschlechter/die-grafen-von-katzenelnbogen.html (letzter Abruf: 05.05.2020).  Zurück
  4. Herold 1985, S. 235.  Zurück
  5. Herold 1985, S. 235.  Zurück
  6. Herold 1985, S. 237 und S. 239.  Zurück
  7. Herold 1985, S. 237.  Zurück
  8. Herold 1985, S. 237.  Zurück
  9. Herold 1985, S. 237. Herold zeigt auf den Seiten 238 bis 239 die amtliche Statistik der Namen inkl. Beruf, verschiedener Personalien und dem Landbesitz zu der Zeit. Vgl. ebd.  Zurück
  10. Herold 1985, S. 237.  Zurück
  11. Herold 1974, S. 13.  Zurück
  12. Herold 1985, S. 242.  Zurück
  13. Herold 1985, S. 235-236.  Zurück
  14. Vgl. ebd. Herold 1985, S. 235  Zurück
  15. Herold 1985, S. 236-237.  Zurück