Gau-Algesheim in Rheinhessen

Der Graulturm und das Gau-Algesheimer Stadtmuseum

Der Graulturm
Der Graulturm ist der einzig erhalten gebliebene Teil der um 1350 in der Amtszeit des damaligen Schultheißen Peter Gruele errichteten Ummauerung der Stadt. Die Stadtrechte und damit das Recht des Mauerbaus waren durch die Kaiser Ludwig den Bayern 1332 verliehen und von Kaiser Karl IV. 1355 bestätigt worden. Bei Abriss der Befestigung ab 1812 blieb der Turm als Kantonsgefängnis erhalten. Später ging er in Privatbesitz über. 1910 wurde er unter Denkmalschutz gestellt. 1966 hat die Stadt den Turm erworben und ab 1986 restauriert als Herberge für das städtische Museum.
                                    
Die Exponate
Der Graulturm ist Aufbewahrungsort der in der Gemarkung Gau-Algesheim entdeckten vorgeschichtlichen Fundstücke soweit diese nicht in Museen aufbewahrt werden; dann sind -zumindest von einigen dieser Funde- Kopien/Fotografien im Turm zu sehen. Die Funde werden anhand einer erdzeitgeschichtlichen Zuordnung sowie eines Fundkatasters näher erläutert. Im dritten Obergeschoss sind in drei Reihen Wappen der Personen dargestellt, die im Zeitverlauf einen Bezug zu Gau-Algesheim hatten: Bischöfe, Churfürsten, Lehnsherren, niederer Adel und Schultheißen.

Die Öffnungszeiten

Der Turm wird üblicherweise zu bestimmtem Zeiten geöffnet, die jeweils rechtzeitig in der lokalen Presse mitgeteilt werden. Nach vorheriger Anmeldung beim Tourismus-Büro Gau-Algesheim (https://www.gau-algesheim.de/category/tourismus/touristinfo/ ) kann er auch zu anderen Zeiten besucht werden 
 
„RAUM DER GESCHICHTE“ GAU-ALGESHEIMS
 

„Raum der Geschichte“ Gau-Algesheims, im 2.OG der Rathaus-Scheune.
Erläuterungen der Darstellungen. Deren Anzahl, Inhalt und Form sind noch nicht endgültig;
sie werden ergänzt sobald und soweit weitere Dokumentationen erstellt sein werden.

ZEITSTRAHL: Darstellung der jüngsten zehntausend Jahre Geschichte als Zeitstrahl (3cm=100 Jahre).

Neben und über der ersten Vitrine in Glasrahmen:

Darstellung 1: Erdgeschichte
Sichtbar auf dem geo-ökologischen Lehrpfad in Gau-Algesheim.

Darstellung 2: Vorgeschichte
Auszüge aus Katalog und Begleittext zur Ausstellung „Leben und Sterben in der Steinzeit“ aus dem Jahr 2003, anlässlich des 200jährigen Bestehens des Landesmuseums Mainz, hier: Dokumentation der Funde beim Bau der westlichen Umgehungsstraße Gau-Algesheims.

Darstellung 3: Keltenzeit
Keltengrabstätte in der Gemarkung Trappenschießer aus der Zeit um 1150 vor Christus.
Fotos von Prunklanze und Paradegefäß, gefunden 1936 von Wendelin Hassemer,

Darstellung 4: Römerzeit
Vermutete Standorte verschiedener „villae rusticae“ ( römische Landgüter), im Bereich des Welzbaches und seiner Nebenläufe, zur Versorgung der Garnisonen in Bingen und Mainz.
Erste Vitrine: Belege aus der frühesten Besiedlung mit Erläuterungen; vgl. die Glasrahmen.
Zweite Vitrine:

Darstellung 5: Erste dokumentierte Erwähnung des Ortes
Kopie eines Auszuges aus dem Urkundenregister (Schenkungskataster) des Klosters Lorsch,
wonach am 22. Dezember 766 Nanther und Hiltrud 20 Morgen Ackerland in Alagastesheim
dem Kloster übereignen; mit Übertragung des gotischen Textes in Latein und in Deutsch.

Darstellung 6: Stadterhebungs-Urkunde
Verkleinerte Nachbildung der Urkunde mit der Kaiser Karl IV. am 11. Februar 1355 in Pisa
an Algensheim die Stadtrechte (aus 1332) bestätigt hat, gemäß den Frankfurter Freiheiten;
mit einigen Erläuterungen zu deren Umfang und Wandel im Laufe der Geschichte.
Dritte Vitrine:

Darstellung 7: Gau-Algesheim im Jahr 1577
Originalgroße Nachbildung aus dem Atlas von Gottfried Mascop.
Vierte Vitrine:

Darstellungen 8 und 9: Weitere Kartierungen des Gottfried Mascop
zum weiteren Umfeld zwischen Nackum, Alzey, Kreuznach und dem Rhein (mit Übersetzung
der lateinischen Widmung) sowie zur Umgebung von Gau-Algesheim und seinen Nachbarn,
mit einer aktuellen Luftbildaufnahme zum Vergleich der heute noch erkennbaren Grenzen.

Fünfte Vitrine:
Grenzstreit zwischen Gau-Algesheim (Kurmainz) und Ingelheim (Kurpfalz); zwei Stiche:
Lit. A mit Hungarische Walfart und Lit. B mit Markierung des Marksteines,
„welchen die Ingelheimer den 7. Sep.1699 einseitig gehoben und … gedrehet haben“.

Daneben:
Gau-Algesheim im 18. Jahrhundert, unter Fürst-Bischof Lothar Franz Graf von Schönborn.

Kleine Tischvitrine: Der große Brand am 6. September 1811; mit Erläuterungen.

Sechste Vitrine :
Gau-Algesheim mittendrin im Umbruch Europas von 1789 bis 1816:
Besetzungen, Einquartierungen, Verschuldungen der Stadt sowie soldatische Insignien.

Siebte Vitrine:
links : Gau-Algesheim zur Zeit der Mainzer Republik 1792;
rechts: Rudolf Eickemeyer als Maire von 1811 bis 1813 und 1815
sowie als Bürgermeister von 1816 bis 1821.

Achte Vitrine:
Lebensläufe der beiden Schüler des Astronomen Max Wolf, Heidelberg mit Bezügen zu
Gau-Algesheim: Dr. Heinrich Vogt und Dr. Franz Kaiser. Der von Kaiser 1913 entdeckte
Asteroid Nr. 738 erhielt zu Ehren unserer Stadtgemeinde den Namen „Alagasta“.

Neunte Vitrine:
Dokumentation des weltweiten Erfolges eines Produktes aus Gau-Algesheim :
das Holzschutzmittel Carbolineum Avenarius mit: Ursprungszeugnis, Patentschrift und
Warenschutzzeichen Dendrin sowie Warenschutzpatenten für USA und China/Japan;
Erhalten gebliebene Zeugen der Wirkung von Avenarius-Carbolineum (im Holzkasten).
In der Mitte des Raumes: Das Modell der Altstadt von Gau-Algesheim, angefertigt im Maßstab 1 zu 300 auf der Grundlage des Mascop-Planes aus dem Jahr 1577. (s. CBG-Publikation Band 51,  6 €).

An den Wänden hängen
an der Stirnseite: - (neben der großen Vitrine mit Sonderausstellungen) -
Links: Kaiser Karl IV., vor den Stadtbildern von Pisa und Gau-Algesheim,
erstellt von Charlotte Waterbeck, 1955; Geschenk des LK Bingen an die Stadt.
Rechts: Erstes Plakat zum „Fest des jungen Weines“ in Gau-Algesheim,
erstellt von Charlotte Waterbeck, 1955, danach mehrmals wieder verwendet.
Daneben: Nachzeichnung des Plans von Mascop durch Clemens Kissel, 1910.
links neben der Eingangstür:
Lageplan der Stadt Gau-Algesheim von 1914 (Format 120 x 140 cm), erstellt nach der
Einführung des elektrischen Lichts für Gau-Algesheim im Jahr 1909.

Die Öffnungszeiten

Der „Raum der Geschichte“ ist zu den Öffnungszeiten des Tourismus-Büro Gau-Algesheim zugänglich ( https://www.gau-algesheim.de/category/tourismus/touristinfo/ ). Außerdem wird er üblicherweise zu bestimmtem Zeiten geöffnet, die jeweils rechtzeitig in der lokalen Presse mitgeteilt werden.

Nachweise

Redaktionelle Bearbeitung: mk

Verwendete Literatur:

  • Landesamt Denkmalpflege (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 18.1: Kreis Mainz-Bingen. Bearb. v. Dieter Krienke. Worms 2007.
  • Homepage der Gemeinde: http://www.gau-algesheim.de/

Aktualisiert am: 08.07.2014