Hof-Iben in Rheinhessen

Hof-Iben, östlich von Fürfeld im Appelbachtal

Der Hof

Ortseinfahrt von Hof-Iben[Bild: Stefan Grathoff]

Das heutige Hof-Iben besaß ursprünglich die Ausmaße eines Dorfes und kommt urkundlich unter den Namen Ueben und Ubin vor. Die ersten überlieferten Nachrichten über das Dorf Iben stammen aus den Jahren 1253 und 1296; es geht aus ihnen ziemlich sicher hervor, dass Iben von der Mitte des 13. Jahrhunderts an dem Tempelorden gehörte. Nach Auflösung des Ordens 1312 ging die Anlage an die Raugrafen über. Im Jahr 1356 übergaben Raugraf Ruprecht II. von Altenbaumburg und sein Sohn Heinrich dem Grafen Heinrich II. von Sponheim die Hälfte vom Dorf Ubin nebst ihrem Anteil an Burg und Tal zu Altenbaumburg; 1357 wurde Ubin von Raugraf Ruprecht II. zu Altenbaumburg mit dem Grafen Heinrich II. von Sponheim geteilt und 1362 verkauften Raugraf Ruprecht II., seine Ehefrau Katharina und sein Sohn Heinrich ihren Anteil am nunmehr Ueben genannten Dorf für 500 Pfund Heller an Ritter Emmerich von Waldeck. 1588 sind die Herren von Kronberg als Besitzer ausgewiesen, 1704 die Schenken von Schmidtburg. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts ist der Hof in bäuerlichem Besitz; die Kapelle wurde 1870 vom Staat erworben.

Die Burg

Die Herren von Waldeck besaßen in Iben eine Burg und nannten sich Waldeck von Ueben. Johann Marschall von Waldeck, genannt von Ueben, war 1392 Amtmann zu Bingen, ebenso Johann Philipp Waldeck von Ueben, wohnhaft zu Reichenstein, gestorben 1495 und begraben zu Bingen. Die Familie starb 1553 aus. Die Burg soll zuletzt der 1704 erloschenen freiherrlichen Familie von Kronenberg gehört haben und ist später in den Besitz der Herren von Schmidtburg gekommen. Zu Brilmayers Zeiten (1904) war sie in ihren alten Teilen fast völlig verschwunden, an ihrer Stelle standen Wirtschaftsgebäude. Die Burg war einst von einem tiefen Graben umzogen.

Die Burgkapelle

Fotostrecke[Bild: Harald Strube]

Von der ehemaligen Burgkapelle steht heute nur noch der um 1240 errichtete Chor. Er ist im Charakter der Trierer Schule gebaut und war wohl der Ersatz für eine kleinere Apsis.
Das schmale Kreuzgewölbe hat einen 5/8-Schluss und die Gewölbe bestehen aus dünnplattigen Bruchsteinen, die leicht gebust sind. Die Fenster besitzen innen und außen Maßwerk sowie größere und kleinere Nischen. An der Schmalseite der Kapelle befindet sich eine originelle Wendeltreppe zum Dachboden, welche im Innern unten achteckig ist. An der östlichen Außenwand ist der Heilige Nepomuk um 1740 dargestellt. Die Plastik war früher Brückenfigur vor der Tür derspäter abgebrochenen Sakristei. Die Kapitelle im Innern der Kirche besitzen eine hinterschnittene Eichen- und Weinlaub-Ornamentik; diese Gestaltung und die Maßwerkfenster erinnern an die Kathedrale von Reims.
1929 wurden die Fundamente eines alten Turmes freigelegt, der nicht zu der Anlage gehöre.
Im Kreis der alten befestigten Hofanlage sind heute außerdem noch Reste eines Rundturmes aus dem 15. Jahrhundert erhalten geblieben, der früher zum Burghaus gehörte.

Nachweise

Redaktionelle Bearbeitung: Stefan Grathoff, Ann-Kathrin Zehender, Sarah Traub

Verwendete Literatur:

  • Brilmayer, Karl Johann: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart. Geschichte der bestehenden und ausgegangenen Städte, Flecken, Dörfer, Weiler und Höfe, Klöster und Burgen der Provinz Rheinhessen nebst einer Einleitung. Neudruck. Würzburg 1985.
  • Dehio, Georg: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Rheinland-Pfalz, Saarland. 2. Aufl. München 1985.
  • Gallé, Volker: Rheinhessen. Entdeckungsreisen im Hügelland zwischen Worms und Bingen, Mainz und Alzey. Köln 1992.

Aktualisiert am: 19.05.2016