Marienrachdorf im Westerwald

Das Gericht Marienrachdorf

Das Gemeindehaus[Bild: gemeinfrei]

Das Gericht Marienrachdorf ist wohl aus einer Vogtei einer erzstiftisch-trierischen Grundherrschaft entstanden. Gerichtsherren waren zwischen 1263 und 1664 die verschiedenen Herren des Hauses Isenburg (Isenburg-Grenzau, Isenburg Arenfels). Als erster Gerichtsherr wird 1263 Heinrich II. von Isenburg (213-1287) genannt. Seit der Grenzauer Erbteilung von 1304/1310 wird ein Teil des Gerichtes als trierisches Lehen bezeichnet. Als Inhaber des Gerichtes ist Mitte des 14. Jahrhunderts Philip von Isenburg-Grenzau (1332-1370) belegt. Seit 1392 beanspruchte auch das Haus Wied-Isenburg eine Hälfte des Gerichts.

Mit dem Gericht war zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert auch die Blutgerichtsbarkeit verbunden. Zwischen 1549 und 1551 kam es zu Rechtsstreitigkeiten zwischen den Grafen von Isenburg-Grenzau und den Grafen von Sayn am Reichskammergericht um das Halsgericht auf »Hansenheide« bei Marienrachdorf.[Anm. 1]

Nach dem Aussterben des Hauses Isenburg-Grenzau übernahm im Jahr 1664 das Erzstift Trier die Gerichtsherrschaft und behielt sie bis zum Ende des Trierer Kurstaates im Jahr 1803. Als Platz des Gerichtes wird Marienhausen (1346, 1488, 1654, 1669) genannt, als Richtstätte werden die »Hansen Heide« (siehe vorherigen Absatz), und der Platz »Schnappenhausen« (1551) erwähnt. Als Vorsitzender im Gericht werden Schultheißen (1346) genannt, später auch zwei Schultheißen, je einer aus dem Haus Grenzau und dem Haus Herschbach (1475, 1486, 1519, einer 1538, 1548). Die Zahl der Gerichtsschöffen varierte. Sie kamen auch Rachdorf und Krümmel (1426), aus Maxsain (1575) und später auch aus anderen Orten.

Das Gericht siegelte mit dem Siegel des Amtmannes (1355), des Amtmannes von Herschbach (1426, 1488) und des Pfarrers (1474, 1476). In trierischer und nassauischer Zeit ist auch ein Gerichtssiegel belegt (zwischen 1723-1805).

Der Gerichtsbezirk umfasste im Laufe der Jahrhunderte verschiedenen Orte. Genannt werden der Beulhof (1325); Sessenhausen (1444, 1475); Krümmel (1426); Hof Hümmerich zu Marienhausen (1594); Krümmel, Marienhausen, Sessenhausen, Hausen (= Trierischhausen) (1637, außerdem Maroth (1662), Kutscheid (1723), und Ellenhausen seit etwa 1740, sowie nach der Lage Darriß, zum Kirchspiel ferner die Orte des Gerichts Herschbach (1519), Freirachdorf (1552) und wahrscheinlich Selters und Ellenhausen.[Anm. 2]

Schultheißen zu Marienrachdorf

1426-1439 Cle Heincze
1462 Hermann Klee
1474-1486 Feychens Hen (Hen Fyen) von Freirachdorf (Grenzauer)
1475-1476 Henchin Born (Bornhenchin)
1476 Heinrich Schutze
1486 Lysenhenne (Herschbacher)
1488 Hen von Rachdorf
1492 Hen
1495 Pauls Hengin
1515-1519 Korffs (Kryfftz) Johann
1530 Johann Kryffs zu Hausen
1519
1537 Gobel von Elgenroth, Lehnsschultheiß zu Maroth
1538-1559 Johann Hannart
1575 Feiges Johann von Freirachdorf, auch Lehnsschultheiß zu Maroth
1591 Johann Schuler
1593-1605 Hans Geck zu Hümmerich
1654-1671 Henrich Aloff (Adolph) zu Marienhausen
1680 Christ Lohn, Lehnsschultheiß zu Mündersbach
1680 Hans Theiß Lohn, Lehnsschultheiß zu Mündersbach
1685-1717 Peter Hachenburg zu Marienhausen
1717ff. Henrich Hachenburg
1719-1723 Peter
1733-1744 Peter Hachenburg zu Marienhausen
1747 J. Michels zu Maroth
1748 Wilhelm Strpdter
1758-1772 Joseph Altzen
1776-1806 M. Mohr
1788-1796 Fein zu Maroth

Nachweise zur vorstehenden Tabelle: Gensicke, Landesherrschaft S. 547f.

Anmerkungen:

  1. HHStA Wiesbaden Best. 340 Nr. 1317 b und ebd. Nr. 1545 i. Zurück
  2. Gensicke, Landesgeschichte S. 176, ebd. S. 547f. und ebd. S. 454ff. Zurück