Rückeroth im Westerwald

Geschichte Rückeroths

Vorgeschichtliche Zeit bis zur Reformation

Schon für die Altsteinzeit (c.a. 500.000 v. Chr. bis 10.000 v. Chr.) geht man von Spuren menschlicher Existenz in einem Tal südlich vom Herschbacher Becken, in der Nähe des heutigen Rückeroth, aus. Der Grund für diese Annahme ist die Tatsache, dass dieses Gebiet in dem Warmphasen der Eiszeit vom Inlandeis verschont blieb und somit Möglichkeiten für eine Besiedlung bot. Zudem lässt das – 1917/18 im Quarzitsteinbruch gefundene – Skelett eines Steppenelefanten (ein Vorläufer des Mammuts) ebenfalls menschliche Aktivitäten vermuten, da es sich bei dem Steppenelefanten um eines der Beutetiere des urzeitlichen Menschen handelte. Generell lässt sich eine solche Besiedlung aus heutiger Sicht, jedoch nur an Siedlungsresten beweisen. So wurden voriges Jahrhundert etwa 80 Feuersteinartefakte gefunden, an welchen sich erstmals konkret der Aufenthalt von Menschen im Raum Rückeroth belegen ließ.

In der ausgehenden jüngeren Steinzeit und beginnenden Bronzezeit (c.a. 2000 v. Chr.) begegneten sich hier nordische Stämme und mitteldeutsche „Bandkeramiker“ (benannt nach den Verzierungen auf ihren Tonartefakten). Beide Kulturen mischten sich anschließend im Raum Rückeroth zur sogenannten „jungsteinzeitlichen rheinischen Becherkultur“. Seit der jüngeren Eisenzeit (c.a. 500 v. Chr.) trafen dann immer wieder Volksstämme der Sugamberer, Chatten und Kelten aufeinander. Diese Auseinandersetzungen endeten mit Cäsars Rheinüberquerung – vermutlich in der Nähe der heutigen Stadt Neuwied – im Jahre 55 v. Chr..

Zu beginn der neuen Zeitrechnung war der Raum Rückeroth nur spärlich von Usipetern und Tenecterern besiedelt. Schon circa 100 Jahre vor der Schlacht des Merowingerkönigs Clodwig gegen die Alemannen im Jahre 496 gehörte die Gegend zum Macht- und Siedlungsbereich der Franken. Das Frankenreich war seinerzeit in Gaue untergliedert, wobei der Raum Rückeroth zum Erzstift Trier gehörte. Als Gaugrafen im Engersgau – dem Gau zudem auch Rückeroth gehörte – erschienen um das Jahr 1000 n. Chr. die Grafen von Wied.

Einen Hinweis auf das Gründungsdatum des Ortes Rückeroth gab erstmals Friedrich Wilhelm Fürst von Wied. In einem Schreiben an Pfarrer Heinrich Görnert in Rückeroth vom 27.02.1959 behauptete er, dass Rückeroth schon von der Zeit Karls des Großen zum Engersgau gehörte. Auch heutzutage finden sich diesbezüglich viele Forschungsmeinungen, wobei man inzwischen zu dem Konsens gelangt ist, dass eine Gründung Rückeroths um 900 n. Chr. am wahrscheinlichsten ist. Eine erste schriftliche Erwähnung des Ortes findet sich allerdings erst im Jahre 1235 in den Besitzverzeichnissen der Abtei Rommersdorf. Hier schreibt ein unbekannter Verfasser, dass sich der klösterliche Besitz nach Norden ausdehne und in Rückeroth seinen nördlichsten Punkt erreiche. Eine Urkunde, in welcher der Name Rückeroth auftaucht, ist auf das Jahr 1245 datiert und in einer weiteren Urkunde von 1259 wird zudem die rückerother Pankratius-Kirche erwähnt.

Rückeroth verdankt seine Gründung vermutlich seiner Grenzlage. Im Norden grenzte es an die Grundherrschaft Herschbach und wurde im Südosten vom Bann Maxsain begrenzt, was ihm eine strategisch wichtige Lage verschaffte. In den folgenden Jahrhunderten ist ein Häufiger Wechsel der Herrschaftsansprüche an Rückeroth zwischen der geistlichen Macht des Bischofs und der weltlichen Macht des Grafen zu beobachten. 1344 gewann Erzbischof Balduin von Trier die Lehenshoheit über Rückeroth von Graf Wilhelm I. von Wied. Nach dem Tod Balduins im Jahre 1354 konnte Graf Wilhelm die Lehenshoheit vom Nachfolger Balduins – Boemund von Trier – wieder zurückkaufen. Doch schon 1371 musste Graf Wilhelm Rückeroth erneut verpfänden. Diesmal ging der Ort in den Besitz des Erzbischofes Cuno von Falkenstein in Trier über, bevor Wilhelm ihn 1380 wieder zurück erhielt. 1534 wird eine abermalige Belehnung des Grafen Philipp zu Wied mit Rückeroth durch den Erzbischof von Trier ausgesprochen.

Trotz des ständigen Besitzwechsels statten wiedische Grafen Rückeroth als „Hohe Veste“ aus. Bei einer „Hohen Veste“ handelt es sich um den Sitz eines Landgerichts mit Blutgerichtsbarkeit. Am 07.02.1556 wurde schließlich die Reformation in Rückeroth eingeführt. Diese ist zurückzuführen auf den Kurfürsten Hermann von Wied, der die endgültige Einführung allerdings nicht mehr miterlebte.

Nachweise

Verfasser: Christian Engeroff

Erstellungsdatum: 21.03.2014

Literatur:

  • Göbler, Wilfried: 750 Jahre Rückeroth. Ein Beitrag zur Ortsgeschichte. 1259 - 2009. Rückeroth 2009.