Drais in Rheinhessen

Zur Geschichte von Drais - von Sigrid Schmitt

Grundherrschaft

Kath. Pfarrkirche Maria Königin[Bild: Alexander Wißmann]

Aus der Frühzeit finden sich kaum Belege für Drais. Lediglich aus dem alten Ortskern sind spärliche römische Siedlungsreste bekannt, die wohl einer villa rustica zuzuordnen sind. Aus dem Hochmittelalter sind viele Nachweise unsicher, da Verwechslungen mit gleichnamigen Orten in anderen Regionen, besonders mit Traisen an der Nahe, nur schwer auszuschließen sind. Sichere Nachricht über den vermutlich sehr umfangreichen Besitz der Mainzer Kirche in Drais findet sich erst aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, als das Altmünsterkloster eine Hufe in Drais besitzt. Schon 1149 lässt sich der Hof der Propstei Hirzenach in Drais nachweisen. Doch erst mit dem 13. Jahrhundert setzt eine dichtere Urkundenüberlieferung ein, die genaueren Aufschluss über die Besitzverhältnisse im Ort zulässt. So waren in dieser Zeit mit der Propstei Hirzenach und St. Peter in Mainz zwei der auch später noch bedeutendsten Grundherren des Dorfes hier begütert. Sehr alt dürfte der Besitz des Mainzer Klosters St. Alban gewesen sein, der 1300 an die Mainzer Familie zum Jungen verkauft wurden.
Die Mainzer Ministerialität besaß an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert eine überaus starke Stellung im Dorf, die sich vor allem in den später veräußerten Vogteirechten dokumentierte. Zu den größten Grundherren in Drais, St. Peter und Hirzenach, trat schließlich noch das Mainzer Reichklarakloster hinzu. 1668 umfassten die Hirzenacher Güter rund 439 Morgen, die von St. Klara rund 300 Morgen und die des Stiftes St. Peter rund 110 Morgen. In Drais begütert waren außerdem das Kloster Maria Dalheim und das Mainzer Heiliggeistspital. 1670 gingen alle Güter und sonstigen Rechte von Kloster Hirzenach an die Mainzer Jesuiten über, nach der Aufhebung des Ordens 1773 dann an das Mainzer Erzstift. Die Güter des Reichklaraklosters, das 1781 vom Mainzer Erzbischof zugunsten der Universität aufgehoben wurde, gelangten an den Mainzer Universitätsfonds, dem sie zum Teil noch heute gehören.

Ortsherrschaft

Die starke Stellung der Mainzer Ministerialenfamilien in Drais dürfte auf Lehen der Mainzer Kirche und Ankäufen von deren Rechten und Besitzungen beruht haben. Bereits 1285 kaufte das Mainzer Stift St. Peter seine Stiftsgüter in Drais von Abgaben und Leistungen an Eberhard, den Kämmerer von Mainz, frei. Anfang des 14. Jahrhunderts besaßen die von Gutenberg, die Kämmerer von Mainz, die Ortsvogtei, mit der sie den Mainzer Bürger Johann zum Danke belehnten. Im Jahr 1318 erwarb das Mainzer Reichklarakloster Teile der Vogteirechte von zwei Vertretern der Familie von Gutenberg. Die Familie versuchte später offenbar, diesen Verkauf anzufechten, doch konnte das Frauenkloster seine Rechte durch Urkunden und Zeugenaussagen beweisen und behaupten. Ein weiterer Teil der Vogtei befand sich 1357 in der Hand der Erben des Mainzer Richters Scherpelin. Diese Rechte müssen in der Folgezeit an die Propstei Hirzenach gelangt sein, denn 1362 verlieh sie zusammen mit ihrem Hof und den Zehntrechten auch Gerichtsrechte im Ort an den Mainzer Domdekan.
1424 erwarb das Kloster einen weiteren Anteil am Draiser Gericht von den Brüdern Buser aus Ingelheim. In der Folgezeit kam es zwischen St. Klara und der Propstei Hirzenach zu Konflikten um die Ausübung ihrer Rechte im Ortsgericht. So verkündete 1486 das Mainzer geistliche Gericht das Urteil, die Propstei dürfe die Rechte von St. Klara am "ungebotenen Ding" nicht weiter beeinträchtigen.
Wie sich die Gerichtsverhältnisse in der Folgezeit entwickelten, wird aus den Quellen nicht ganz deutlich. Nachdem aber St. Klara 1586 seine gesamten Herrschaftsrechte in Drais an den Mainzer Erzbischof übergeben und für sich selbst nur noch die Einkünfte aus der Grundherrschaft behalten hatte, war der Streit um die Ortsherrschaft schnell zugunsten des Kurfürsten entschieden.
Ob die Übertragung der Rechte von St. Klara an den Mainzer Erzbischof als Indiz dafür zu werten ist, dass das Kloster sich gegenüber Hirzenach nicht hatte behaupten können, oder ob sie eher auf die allgemeine Strategie des Erzbischofs einer stärkeren Integration des mainzischen Kloster- und Stiftsbesitzes in sein Territorium zurückzuführen ist, lässt sich nicht entscheiden; vermutlich spielten beide Aspekte dabei eine Rolle. Hirzenach überließ 1668 seinen gesamten Besitz in Drais den Mainzer Jesuiten; diese waren in der Folgezeit offenbar bemüht, ihren so gewonnenen Anteil an der Ortsherrschaft auch gegenüber dem Erzstift zu bewahren. Mit der Aufhebung des Jesuitenordens aber erlangte der Mainzer Erzbischof schließlich 1773 die gesamten Ortsherrschaft in Drais.

Nachweis

Verfasser: Sigrid Schmitt

Redaktionelle Bearbeitung: Stefan Grathoff

Verwendete Literatur:

  • Karl Johann Brilmayer: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart. Geschichte der bestehenden und ausgegangenen Städte, Flecken, Dörfer, Weiler und Höfe, Klöster und Burgen der Provinz Rheinhessen nebst einer Einleitung. Gießen 1905.
  • Sigrid Schmitt: Ländliche Rechtsquellen aus den kurmainzischen Ämtern Olm und Algesheim. Franz Steiner Verlag Stuttgart 1996. (Geschichtliche Landeskunde. 44).

Aktualisiert am: 1.4.2016