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Reich-Klarenkloster
Das Reichklarissenkloster lag am Nordende der Altstadt, südwestlich der damaligen Kirche St. Marien Odenmünster und der St. Peterskirche. Das Kloster wurde 1272 als Kloster der reichen Klarissinnen von dem Mainzer Patrizier Humbert von Widder gestiftet. Am 29.5. 1274 erteilte Erzbischof Konrad von Weinsberg der Äbtissin des Konvents vom Orden der hl. Klara einen Ablass. 1282 schenkten Humbert zum Widder und seine Ehefrau Elisabeth zum Jungen dem Kloster weiteren reichen Güterbesitz. Daraus kann man den Reichtum der Handelsherrn, der im Haus zum Widder lebte, ermessen. Es war bestimmt keine Kleinigkeit, ein großes Grundstück mit Bauten und Ausstattung zu schenken. Beide Stifter wurden in der Klosterkirche begraben.
Die Klarissen lebten nach der Regel der hl. Klara von Assisi. Den Namen Reichklaren trug das Kloster erst seit 1619, als sich die Armklaren in der Klarastraße niederließen und eine noch strengere Form der Regel beobachteten. Um 1300 wurde die Kirche erbaut. Sie war ursprünglich zweischiffig, eine gotische Anlage mit hohem Mittelschiff und dreiseitig geschlossenem Chor. In den Jahren 1670 und 1720 fanden an der Kirche größere bauliche Veränderungen statt.
Am 12.11. 1781 wurde das Kloster von Kurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal zugunsten der Einrichtung des Mainzer Universitäts-Fonds aufgehoben. Der Plan, das Kloster zu einem Krankenhaus oder einem klinischen Institut für die Universität einzurichten, kam nicht vollständig zur Ausführung. Dagegen haben 1798 die Franzosen die Kirche als Proviantmagazin und einen Teil des Klosters als Militärbäckerei eingerichtet. Damals wurden alle Grabsteine und Steinsärge zerschlagen und als Baumaterial verwendet. 1813 wurden die Seitenschiffe der Kirche abgebrochen und Geschossunterteilungen eingebaut. Im Jahr 1903 gingen die Gebäude in den Besitz der Stadt über. Die Klostergebäude wurden 1904 abgerissen und an ihrer Stelle eine Schule und ein Museum errichtet. Die Klosterkirche blieb stehen und ist seit 1906 Teil des Naturhistorischen Museums. Heute ist das Gebäude in drei Stockwerke geteilt. Im Westen befindet sich eine dreischiffige Halle, welche im Obergeschoss die nur zweischiffige Nonnenempore trug. Der Erker am Mitternachtsplatz stammt vom Adelspalast derer von Bicken (1574). In der Wandelhalle und im Schulhof an der Peterstraße finden sich prächtige Spätrenaissance-Portale und Säulen vom Stadioner Hof.
Quelle: Arens; Brilmayer; Dehio; Redakt. Bearb. S.G.