Neuwied am Mittelrhein

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde von Neuwied

Bis zum Jahr 1938/1942 war eine jüdische Gemeinde in Neuwied ansässig. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Die jüdische Gemeinde besaß in Neuwied Einrichtungen wie ein rituelles Bad, eine Volksschule, eine Synagoge sowie einen Friedhof. Im Jahr 1924 gehörten etwa 340 Personen der  jüdischen Gemeinde Neuwied an (1,74% der damals 19500 Einwohner). Durch den wirtschaftlichen Boykott, Repressalien und Entrechtung während der NS-Zeit sahen sich jedoch einige der jüdischen Einwanderer gezwungen, umzuziehen oder auszuwandern.

Bei den Novemberpogromen kam es durch die Nationalsoziallisten zu schweren Ausschreitungen und Misshandlungen gegen die jüdischen Einwohner Neuwieds. Die Synagoge der Gemeinde wurde geplündert und zerstört, kurze Zeit später ließ man sie abreißen. Viele der männlichen Gemeindemitglieder wurden in das KZ Dachau verschleppt. 1939 lebten nur noch etwa 100 Juden in Neuwied. Die letzten verbliebenen jüdischen Einwohner wurden 1942 deportiert.

Nur wenige der jüdischen Einwohner Neuwieds überlebten die NS-Zeit in Verstecken. Nach Kriegsende kehrten einige der Überlebenden wieder in die Stadt zurück. Sie gründeten erneut eine jüdische Kultusgemeinde, allerdings löste sich diese bereits nach wenigen Jahren wieder auf. Die in Neuwied und Umgebung lebenden jüdischen Einwohner gehören seitdem zur Gemeinde in Koblenz. Im Jahr 1960 brachte man an der ehemaligen jüdischen Volksschule eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Synagoge und die Schule an. Der Gemeinderat der Stadt beschloss 1983, dass die Engerser Straße zwischen Schlossstraße und Theaterplatz, als der Ort, wo die ehemalige Synagoge und Schule standen, in „Synagogengasse“ umbenannt werde. 2006 gründete man die jüdische Gemeinde Neuwied-Mittelrhein e.V., deren Sitz in Saffig liegt. Zum Gedenken an umgekommene jüdische Einwohner der Stadt werden seit 2003 immer wieder Stolpersteine in Neuwied verlegt.

Verfasser: Rebekka Pabst

Redaktionelle Bearbeitung: Rebekka Pabst

Verwendete Literatur:

  • Faber, Karl-Georg; Meinhardt, Albert: Heimatchronik des Kreises Neuwied. Die historischen Grundlagen des Kreises Neuwied von der Vorzeit bis zum Frühmittelalter. Köln 1966.
  • Kahlenberg, Friedrich P.; Kißener, Michael (Hrsg.): Kreuz, Rad, Löwe. Rheinland-Pfalz. Ein Land und seine Geschichte. Vom ausgehenden 18.Jahrhundert bis zum 21.Jahrhundert. Mainz 2012.
  • Strüder, Julius und Rolf: Bilder und Gestalten aus der Vergangenheit der Stadt Neuwied. Zur 300-Jahr-Feier 1653-1953. Neuwied 1953.
  • Thomas, Martin; Stelz, Fritz: Neuwied. Gumersbach 1982.

Aktualisiert am: 07.03.2014