Neuwied am Mittelrhein

Berühmte Neuwieder Persönlichkeiten

0.1.Graf Friedrich III. zu Wied

Friedrich III. zu Wied (1618-98)[Bild: Wikipedia]

Der Gründervater wurde am 16. November 1618 in Neuenhof geboren und starb 1698 in Neuwied. Verheiratet war er mit Maria Juliana von Leiningen-Westerburg (1616–1657). Mit der Gründung der Stadt Neuwied verlegte Friedrich das Zentrum seiner Herrschaft an den Rhein, der bedeutendsten Verkehrsader jener Zeit. Von diesem Schritt versprach er sich eine Besserung seiner Finanzen, denn die Grafschaft war im Dreißigjährigen Krieg (1608-48) verarmt. Als Standort kamen die am Rhein gelegenen wiedischen Dörfer Fahr und Langendorf in Frage. 1645 begann Friedrich in Fahr mit dem Bau des nach ihm benannten Schlosses Friedrichsstein. In Langendorf baute er an der Stelle des heutigen Neuwieder Schlosses ein Haus. Dieses nannte er "Neuwen Wiedt". Den Bürgern der neuen Stadt versprach er 1653 Presse- und Religionsfreiheit sowie Freiheit von Frondiensten. Für die Menschen, die in seiner Grafschaft arbeiteten, galt dies allerdings nicht. 1675 war Friedrich hochverschuldet und versuchte, seine Grafschaft für 250.000 Gulden an den Kaiser zu verkaufen. Dadurch verstärkten sich die Streitigkeiten in seiner Familie und der älteste Sohn klagte gegen den Vater, um dies zu verhindern. Dies führte zu seiner Enterbung. 1694 trat der Graf aufgrund seines hohen Alters aus seinem Amt zurück. Friedrich III. zu Wied wurde am 21. Juni 1698 in der reformierten Kirche zu Neuwied beigesetzt. Im Jahr 1876 verlegte man seine Gruft in die heutige Marktkirche.

0.2.Abraham Roentgen

Abraham Roentgen (1711-93)[Bild: Johannes Juncker [gemeinfrei]]

Abraham Roentgen wurde am 30. Januar 1711 in Mülheim am Rhein geboren. In jungen Jahren erlernte er bei seinem Vater das Schreinerhandwerk. Mit Zwanzig begab er sich als Handwerksgeselle auf Wanderschaft und arbeitete für niederländische Möbelschreiner in Den Haag, Amsterdam und Rotterdam. Später reiste er nach London und sah auf seiner Reise viele damals stilbildende Arbeiten. 1738 trat er den Herrnhutern bei. Wieder in Deutschland angekommen, wandte er seine erlernten Fertigkeiten an und arbeitete in der Werkstatt der Herrnhuter Gemeinde. Ein Jahr später heiratete er die Herrnhuterin Susanna Maria Bausch. Mit ihr zog er zunächst nach Herrnhaag, wo im Jahr 1743 sein erster Sohn David geboren wurde. Abraham Roentgen sandte seine hochwertigen Möbel an potentielle Interessenten und schuf sich so einen eigenen Kundenkreis. Einer der wichtigsten Kunden war Graf Ernst Casimir zu Ysenburg und Büdingen. Roentgen lieferte aber auch an die Frankfurter Messe, wo er bald Kunden aus den höchsten Kreisen gewinnen konnte, u.a. erwarb Goethes Vater einen Tisch und vier Sessel. Im Oktober 1750 bezog Roentgen eine Werkstatt im neu gebauten Neuwieder Herrnhuter Viertel. Dort entstanden in den Folgejahren kunstfertige Rokoko-Möbel. Seine Einrichtungsgegenstände wurden durch ihre meisterhafte Verarbeitung zu hochbezahlten Luxusgütern. Nur Fürsten und Könige konnten sich diese leisten. Durch den Siebenjährigen Krieg gingen die Verkaufszahlen jedoch etwas zurück. Im Alter von 61 Jahren übergab Abraham seinem Sohn David die Werkstatt. Eine Zeit half er dort noch aus, 1781 zog er jedoch in das Chorhaus der Witwer in Herrnhut, da seine Frau verstorben war. Sein Todestag ist der 1. März 1793. Wenige Tage später wurde er auf dem Herrnhuter Gottesacker begraben. Aus der Roentgen-Werkstatt stammen mehrere Hundert Möbel, Schatullen, Uhren und Spielautomaten. Wegen des zur Entstehungszeit schon hohen Wertes der Stücke sind viele davon noch in Schlössern, Museen und Privatsammlungen erhalten, jedoch mittlerweile über die ganze Welt verstreut. Möbel des 18. und 19. Jahrhunderts sind u.a. im Neuwieder Roentgen-Museum zu besichtigen.

0.3.Friedrich Wilhelm Raiffeisen

Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-88)[Bild: Unbekannter Künstler [gemeinfrei]; Ölgemälde im Raiffeisen-Museum in Flammersfeld]

Freidrich Wilhelm Raiffeisen wurde am 30. März 1818 in Hamm an der Sieg geboren. Er war ein Sozialreformer und Genossenschaftsgründer. Von 1852-65 war er Bürgermeister von Weyerbusch im Westerwald und später von Heddesdorf bei Neuwied. Als solcher initiierte er Darlehens-Kassen-Vereine, um der ländlichen Bevölkerung aus ihrer Not herauszuhelfen. Die Idee der genossenschaftlichen Selbsthilfe hatte Raiffeisen bereits zu seiner Weyerbuscher Zeit verwirklicht, wo er während der Hungersnot 1846 Brot für die Armen backen ließ und 1847 einen Brotverein gründete. Wenig später ließ er eine Straße bauen, die zum Teil mit der heutigen B 265 identisch ist. Sie verlief von Weyerbusch über Flammersfeld, Rengsdorf und Heddesdorf bis zum Rhein. Am 23. März 1984 taufte man sie Historische Raiffeisenstraße. Die Raiffeisenbrücke in Neuwied ist ebenfalls nach ihm benannt. Kurz nach seinem Amtsantritt als Bürgermeister gründete er eine Schule und plante zwei weitere. Im Jahr 1888 wurde er auf dem alten Heddesdorfer Friedhof bestattet.

0.4.Elisabeth von Wied

Elisabeth zu Wied (1843-1916)[Bild: Franz Mandy (1848–1910) [gemeinfrei]]

Prinzessin Elisabeth Pauline Ottilie Luise zu Wied, geboren am 29. Dezember 1843 auf Schloss Monrepos in Neuwied, war durch Heirat 47 Jahre lang die Königin von Rumänien. Zudem war sie als Schriftstellerin unter dem Pseudonym Carmen Sylva bekannt. Sie verbrachte die Zeit bis zu ihrem 23. Lebensjahr in Neuwied. In ihren Schriften setzte sie sich für eine Friedensbewegung in Europa ein. Ihre Arbeiten werden von hohem sozialen Engagement gekennzeichnet. Mit ihrem Wirken setzte sich nachhaltig für den kulturellen Austausch zwischen Ost- und Westeuropa ein und bot Künstlern, insbesondere Musikern, einen längeren Wohn- und Arbeitsaufenthalt in ihrer Sommerresidenz Schloss Monrepos. Im russisch-türkischen Krieg von 1877–1878 widmete sie sich der Pflege von Verwundeten und ihr Mann Prinz Karl Eitel Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen stiftete das Elisabeth-Kreuz, mit dem ähnliche Hilfsleistungen ausgezeichnet wurden. 1880 wurde Elisabeth der württembergische Olga-Orden verliehen. 1866 zogen sie und ihr Mann nach Rumänien. Dort wurde er 1881 zum König Karl I. gekrönt. Als rumänische Königin war sie auf sozialem sowie kulturellem Gebiet aktiv und trug durch ihre Übersetzungen aus dem Rumänischen auch zu einem besseren Verständnis dieses Landes bei. Elisabeth gründete mehrere Schulen und Krankenhäuser. Sie starb 1916 in Bukarest.

Nachweise

Verfasserin: Eva Kütscher
Aktualisiert am: 08.10.2013
Verwendete Literatur:

  • Kahlenberg, Friedrich P.; Kißener, Michael (Hrsg.): Kreuz, Rad, Löwe. Rheinland-Pfalz. Ein Land und seine Geschichte. Vom ausgehenden 18.Jahrhundert bis zum 21.Jahrhundert. Mainz 2012.
  • Frauenbüro Neuwied (Hrsg.): Von Frau zu Frau. Neuwied 1993.