Frei-Laubersheim in Rheinhessen

Der Überfall der Reiterkompanie des „Deutschen Michel“ auf das spanische Winterquartier in Frei-Laubersheim im Januar 1621

Friedrich der V. Kurfürst von der Pfalz im Theatrum Europäum. [Bild: Universitätsbibliothek Augsburg]
Marquis Spinola im Theatrum Europäum.[Bild: Universitätsbibliothek Augsburg]
Oberst Obentraut im Theatrum Europäum.[Bild: Universitätsbibliothek Augsburg]

Zwei bisher nicht zitierte zeitnahe Texte in altspanischer und altfranzösischer Sprache schildern unbekannte Einzelheiten dieses Vorfalls aus dem Dreißigjährigen Krieg

1.  Die Vorgeschichte

Friedrich der V, Kurfürst von der Pfalz und Führer der protestantischen Union, war 1619 von den böhmischen Ständen zum König von Böhmen gewählt worden. Mit der Annahme der Wahl hatte sich Kurfürst Friedrich offen gegen den katholischen Kaiser Ferdinand II gestellt, der bereits 1617 durch einen „Annahmeakt“ zum böhmischen König gekrönt worden war -  allerdings gegen den Willen der Böhmen. Als Reaktion auf die Annahme der Wahl durch Kurfürst Friedrich marschierten im Jahre 1620 kaiserliche Truppen in Böhmen ein. In der Schlacht am Weißen Berg bei Prag wurden die Böhmen vollständig besiegt. Damit endete nach knapp einem Jahr Friedrichs  Königtum. Man nannte ihn daher spöttisch auch den „Winterkönig“. Friedrich gelang es, zu Verwandten in die Niederlande zu fliehen. Die böhmischen Rädelsführer des Aufstandes wurden hingerichtet und ihr Vermögen verteilt. Nach dem Sieg in Böhmen erfolgte der nächste Schlag nämlich gegen das eigentliche Kernland des abtrünnigen Kurfürsten, die Pfalz!

2. Marquis Spinolas spanische Truppen besetzen die Pfalz

Als Bundesgenossen hatte Kaiser Ferdinand das katholische Spanien gewonnen. Zum Oberbefehlshaber des Feldzugs gegen die Pfalz wurde der spanische Marquis Spinola ernannt. Die Invasionstruppen umfassten über 24.000 Soldaten, davon etwa 18.000 Infanteristen und 6.000 Kavalleristen. Ambrosio Spinola begann die Invasion der Pfalz, nachdem die Ernte von den pfälzischen Bauern eingebracht war. Auf diese Weise sollte die Verpflegung seiner Truppen im Invasionsgebiet gesichert werden.

Die Invasion der Pfalz verlief von Mainz herkommend ohne große Gegenwehr, so dass die Besetzung bereits Ende November abgeschlossen war[Anm. 1] und Spinola die Winterquartiere beziehen ließ. Dies war auch dringend geboten, denn durch die für Spinolas Soldaten ungewohnten winterlichen Witterungsverhältnisse war der Krankenstand "ziemlich gestiegen"[Anm. 2] Insgesamt wurden über 50 Winterquartiere im Jahre 1621 in der Pfalz eingerichtet. Gemäß der Quartierliste vom Januar 1621 hatte die "Compania de Hieronymo Valetta" ihr Winterquartier in Frei-Laubersheim bezogen.[Anm. 3] Zunächst war Pfaffen-Schwabenheim nordöstlich von Kreuznach als Standort für deren Winterquartier gewählt worden, wurde aber bereits im Januar zugunsten von Frei-Laubersheim wieder aufgegeben. Die Verlagerung nach Frei-Laubersheim hatte wohl den Zweck einer Deckung der im September kampflos eingenommenen Stadt Kreuznach nach Süden und den einer Verbindungsstation zu Moschel und Alzey.[Anm. 4]

3. Die spanischen Winterquartiere

Wie das Winterquartier der Soldaten in Frei-Laubersheim im Einzelnen organisiert war, ist nicht überliefert. Allerdings wird es wohl ähnlich der Kreuznacher Einquartierung gewesen sein. Im Ratsprotokoll der Stadt Kreuznach vom Dezember 1621 wird erklärt, dass die Bürger wegen ihrer jetzigen Armut nicht mehr wie früher in  der Lage wären, 4 bis 6 Soldaten in einem Haus unterzubringen. Im Ratsprotokoll vom 19. Juni 1621 erfolgt eine Aufstellung dessen, was den Soldaten  damals zustand. Danach hatte ein "Kapitän der Kompanie" täglich Anspruch auf 7 Pfd. Fleisch, 7 Maß Bier (!); ein gemeiner Soldat nicht mehr als 1 Pfd. Fleisch und 1 Maß Bier. Außerdem hatte jeder Soldat Anspruch auf ein Bett, Feuer und Salz. Je mehr Soldaten also einquartiert wurden, um so größer waren auch die Belastungen für die Einwohner.  Die Valetta-Kompanie in Frei-Laubersheim - dies zeigen die heute noch vorhandenen Militärlisten - war als "italienische Infanterie-Kompanie" Teil des spanischen Invasionsheeres. Die Kompanie bestand demnach aus Soldaten, die zu Fuß mit Handwaffen kämpften. Nach zwei unterschiedlichen Quellen [Anm. 5] gehörten zur "Compania de Hieronymo Valetta" zwischen 140 und 170 Soldaten. Frei-Laubersheim hatte zu dieser Zeit 92 Wohnhäuser, wovon einige für Einquartierungen sicherlich ungeeignet waren. Man muss also davon ausgehen, dass durchschnittlich 2 bis 4 Soldaten in den einzelnen Häusern als ungebetene "Gäste"aufgenommen und verpflegt werden mussten.

4. "Der deutsche Michel" - Offizier der protestantischen Seite

Oberst Obentraut ( auch der Deutsche Michel genannt) stand im Dienst des Kurfürsten Friedrich von der Pfalz. Bereits im September 1620 hatte er zusammen mit Leutnant Pfaff bei Stadeck spanische Truppen unter der Führung des Prinzen Espinoy überfallen[Anm. 6]und Spinola so an seinem Vormarsch nach Kaiserslautern hindern können.[Anm. 7] Bei diesem Überfall gelang es Obentraut, den Prinzen von Espinoy gefangen zu nehmen. Man brachte Espinoy nach Worms, behandelte ihn wegen „seiner Verdienste und edlen Eigenschaften“ sehr ehrenvoll und ließ ihn gegen eine Lösegeldzahlung von 12.000 Reichstalern, die vor allem die Kreuznacher Bürger aufbringen mussten, wieder frei. So kehrte der Prinz „joyeux et en bonne santé“ (glücklich und bei guter Gesundheit) zu Spinolas Armee zurück.

Der Überfall auf das spanische Winterquartier in Frei- Laubersheim erfolgte am 21. oder 22. Januar 1621. Obertraut war über die Entscheidungen der spanischen Führung offensichtlich gut informiert, denn die Verlegung der Valetta- Kompanie von Pfaffen-Schwabenheim nach Frei-Laubersheim war ihm bereits bekannt. Obentrauts Ziel wird es vor allem gewesen sein, wie im Fall des Prinzen von Espinoy, durch den Überfall die Spanier zu verunsichern und natürlich Beute zu machen. Frei-Laubersheim war Zollstation, daher dürften auch Zollgelder vorhanden gewesen sein.

Obentraut erreichte von Kaiserslautern kommend noch vor Tagesanbruch Frei-Laubersheim. Nach Wetteraufzeichnungen aus dieser Zeit war es an diesem Samstag bzw. Sonntagmorgen neblig und nasskalt. Es lag wahrscheinlich kein Schnee.[Anm. 8][Anm. 9] Obentrauts Soldaten konnten sich im Schutz der Dunkelheit dem „Flecken“ Frei-Laubersheim ungesehen nähern und ihre taktischen Ausgangspositionen für den Angriff ungestört einnehmen. Da die Spanier außerdem gewohnt waren, während der Winterzeit Kriegsruhe zu halten, war der Überraschungseffekt ein entscheidender militärischer Vorteil Obentrauts.

Trotzdem war der Überfall auf die "schlafende spanische Kompanie" ein riskantes Unternehmen. Die Soldaten befanden sich in Häusern und Hofreiten, die durch Türen und Tore gesichert waren. Allerdings war dadurch, dass die spanischen Soldaten im ganzen Dorf verteilt waren, eine organisierte Gegenwehr kaum mehr herstellbar, wenn die Angreifer bereits im Ort waren! Das größte Risiko des Überfalls bestand jedoch darin, dass mindestens 1.600 spanische Soldaten in Kreuznach einquartiert waren[Anm. 10] und recht schnell ihren angegriffenen Kameraden zu Hilfe eilen konnten. Wie der Überfall an diesem frühen Januarmorgen 1621 abgelaufen sein soll, darüber berichten 3 zeitnahe Quellen – allerdings recht unterschiedlich!

Die Stromburg, früher Fustenburg, ehem. Stammsitz der Familie von Obentraut[Bild: W. Zeiler]

5. Die drei Darstellungen des Überfalls

5.1 Der Ablauf geschildert im „Theatrum Europaeum“

Die bisher einzige zitierte Quelle stammt aus dem Theatrum Europaeum („Europäisches Theater“), einer Geschichtschronik, deren erster Band von Merian bereits in den 1630iger Jahren herausgegeben und von Johann Abelin verfasst worden war. Darin heißt es:

„Den 20. Jan. hat der Oberst Hans Michel von Obentraut mit 120 Waghälsen zu Roß/ aus Lautern und Odersberg/ dazu auch Leutenant Pfaff mit 25 Pferden gestossen/ auf den Flecken CapsLawersheim [=Cappeslaubersheim =Frei-Laubersheim] / darinnen ein Compagny vom besten und ältesten Spanischen Volck gelegen/ einen Anschlag gemacht/ solche vor Tags überfallen/ was sich zur Wehr gesetzt/ umbbracht/den Rittmeister Hieronymo Valetto auß dem Beth gefangen genommen/ und mit großer Beuth/ ehe der Succurß [ =Hilfe] von Creutzenach ankommen/ sich wieder von dannen gemacht.“[Anm. 11]

Der Text beschreibt einen genial geplanten und offensichtlich sehr erfolgreich durchgeführten Angriff des Obersten Obentraut auf eine „Kompanie vom besten und ältesten spanischen Volk“. Dabei hatte man den Kompanieführer noch im Bett gefangen genommen, große Beute gemacht und konnte scheinbar ohne eigene Verluste oder Verletzte wieder davonreiten. Ein Bravourstück, was vor allem die protestantischen Leser in damaliger Zeit begeistert haben dürfte. Allerdings bezichtigte Merian später seinen Autor Abelin der „Partheyligkeit“ für die prostestantische Sache.

 

5.2 Der Ablauf nach Louis de Haynin ( 1582-1634)

Louis de Haynin, der sich auch „Seigneur du Cornet“ nannte, war ein wallonischer Geschichtsschreiber. Das Sterbedatum von Louis de Haynin zeigt, dass auch diese in altfranzösischer Sprache formulierte Quelle[Anm. 12] sehr zeitnah zum Überfall verfasst worden sein muss. Haynin schreibt:

„Was die Pfälzer betrifft, nun, sie wollten zeigen, dass sie noch nicht allen Mut verloren hatten. Am 15. Januar 1621 überfielen sie eine Wohnung von Katholiken in einem Flecken nahe bei „Crisnacque“ (Kreuznach); in diesem Ort hatte man eine italienische Kompanie untergebracht. Zunächst drangen sie wild entschlossen bei Tagesanbruch in den Ort ein, sie ergriffen den Kompaniechef und töteten dabei 6 Soldaten; sie dachten, dass es so erfolgreich weiter gehen würde, als sie vom Rest der italienischen Soldaten am Rathaus, wo sich die Italiener verschanzt hatten, aufgehalten wurden. Sie, die so überfallartig angegriffen worden waren, hielten dort eine Stunde den Angreifern stand. Sie blieben letztlich auch siegreich und verjagten die Pfälzer schändlich aus dem Ort, nach dem sie zwar keinen Pfälzer getötet, aber sieben Gefangene gemacht und mehrere verletzt hatten. Und man sollte auch dabei bedenken, dass sie fast alle noch im Nachthemd waren, weil sie nicht die Gelegenheit hatten sich anzuziehen, bevor sie sich verteidigten mussten.“

Wie im Text von Johann Abelin wurde zunächst der Kompaniechef gefangen genommen. Der Kompaniechef war nach Haynin offenbar in einer „Wohnung von Katholiken“ einquartiert, wahrscheinlich im Hofgut eines der hier begüterten Klöster, denn in Frei-Laubersheim wohnten zu dieser Zeit fast nur Protestanten. Der weitere Ablauf unterscheidet sich grundlegend von Abelins Schilderung. Die Helden des Überfalls sind in Haynins Text nicht Obentrauts „Waghälse“, sondern die italienischen Soldaten, die, obwohl sie keine Zeit hatten sich gefechtsbereit anzukleiden, den Feind trotzdem vertreiben konnten. Ein nicht unwesentlicher Unterschied zwischen Abelins und Haynins Text besteht auch darin, dass nach Abelin in diesem Winterquartier „ein Compagny vom besten und ältesten Spanischen Volck“ lag. Nach den Militärlisten von 1620/1621 kommandierte der Kompanieführer Valetta aber eine „Compania Italiana“, so wie es Louis de Haynin schreibt. Vielleicht zeigt sich hier auch Abelins „Partheyligkeit“, in dem er den „Sieg“ Obentrauts durch die Aufwertung der Kompanie noch steigern wollte.

 

5.3 Der Ablauf des Überfalls nach Francisco Ibarra (1589-1622)

Der dritte Text stammt aus den Lebenserinnerungen des Reiteroffiziers Francisco Ibarra. Diese Quelle ist von ganz besonderer Bedeutung: Es ist zum Einen der zeitnächste Bericht über diesen Überfall, denn Ibarra starb bereits am 29. August 1622 in der Schlacht bei Fleures. Seine Aufzeichnungen müssen also unmittelbar nach dem Überfall erfolgt sein. Außerdem gehörte Ibarra zu Spinolas Armee und befand sich 1621 im spanischen Winterquartier im nicht weit entfernten Kirchberg/Hunsrück. Der folgende Text, im Original in altspanischer Sprache verfasst, ist darüber hinaus der detailreichste Bericht und enthält außerdem eigene Gedanken Ibarras zu diesem Überfall. Es erscheint nicht unwahrscheinlich, dass Ibarra Informationen „aus erster Hand“ hatte, vielleicht sogar vom Kompanieführer Hieronymo Valetta - seinem Offizierskollegen - selbst!

„In dieser Zeit“, schreibt Ibarra, „versuchte der Feind sein Glück in unseren Winterlagern. Er hatte ein Auge auf einen Flecken geworfen, der fast völlig offen war und in den man Jeronimo Valeta mit seiner italienischen Infanteriekompanie einquartiert hatte. Obwohl zu seiner Kompanie nur etwas mehr als 140 Männer gehörten, konnte sich Valeta hier sicher fühlen, denn der Ort lag lediglich ein wenig mehr als eine Stunde von „Cruzenack“ entfernt, das auf der anderen Flussseite lag.

Trotzdem hatte der Feind entschieden, es zu versuchen. Er verließ sich auf seine guten Informationen und auf unsere zahlenmäßige Unterlegenheit. Ohne entdeckt zu werden, konnte er sich dem Ort nähern. Am 22. Januar ist er kurz vor Sonnenaufgang am Winterquartier angekommen. Er teilte die 400 Pferde und genauso viele Musketiere in Gruppen auf, griff mit voller Wucht von beiden Seiten den Ort an und bemächtigte sich eines unbewohnten Bauernhofes. Danach überwältigten sie eine Wache, die sich an einer Straßensperre an einer der Hauptstraßen des Ortes befand, und stürmten dann in das Haus des Kapitäns. Dieser stand fast nackt aus dem Bett auf und fing sofort an sich ehrenvoll zu verteidigen. Er wurde jedoch gefangen genommen. Beim Kampf hatte er einige Verletzungen erlitten, insbesondere eine Verletzung am Kopf.

Die Männer der Kompanie, die in der Nähe waren, bewaffneten sich eiligst; sie kämpften entschlossen gegen den Feind, der ihre Kompaniefahne erobern wollte. Die kleine Truppe aber hat die Fahne tapfer verteidigt und der Feind, der bis zu 6 Gefallene und einige Verletzte hatte, zog sich zurück. Unsere Soldaten übten weiter Druck aus und drängten den Feind so aus dem Dorf hinaus. Der Kampf hatte zwei Stunden gedauert.

Auf unserer Seite sind 11 umgekommen, 8 wurden verletzt und insgesamt 7 gefangen genommen, darunter auch der Kapitän. Er war der einzige, dem man Mitgefühl entgegenbrachte, da er ein wertvoller und beliebter Soldat war. Die ehrenhafte Verteidigung trotz Unterzahl hat die Angreifer vernünftigerweise zum Rückzug bewogen und die Kompanie behielt so ihre Fahne und ihr Winterquartier. Dem Feind kann man keinen Vorwurf daraus machen, dass er unser Winterlager angegriffen hatte.

In Kreuznach erfuhr man zwar noch rechtzeitig vom Rückzug des Feindes, aber man hatte keine Hoffnung mehr ihn einzuholen. So wurde befohlen, eine Reiterstaffel los zu schicken, die beobachten sollte, ob die Angreifer nochmals zurückkehren würden.“ [Anm. 13]

Ibarras Schilderung ähnelt dem Text von Louis de Haynin. Beide berichten - aus der Sicht der Spanier - von diesem überraschenden Überfall und der unverzüglich in aller Eile organisierten Gegenwehr. Ibarra nennt jedoch zusätzlich eine Reihe von Details, die über den französischen Text hinaus gehen, die sehr plausibel klingen und für die Glaubwürdigkeit der Informationen sprechen. Der Kapitän wird nicht nur gefangen genommen, sondern im Kampf auch verletzt, insbesondere am Kopf“ ( en particular en la caveca), eine Verletzung also, die für jeden, der den Kompanieführer nach dem Überfall sah, klar erkennbar gewesen war. Ibarra ist der einzige, der - selbst Offizier - den Ablauf militärisch genauer beschreibt. Der Ort, der sehr einfach zugänglich gewesen sein muss („un villaxe quasi abierto“) wurde von zwei Seiten angegriffen, ein unbewohntes Bauernhaus besetzt und eine Wachmannschaft überwältigt. Die militärische Bedeutung des besetzten Bauernhofes bleibt leider unklar. Dann erfolgte der Zugriff auf das Haus des Kapitäns. Danach entwickelte sich ein heftiger Kampf zwischen den Angreifern und den Soldaten Valettas. Nach Ibarra siegte beim Angreifer die militärische Klugheit, denn durch den heftigen und andauernden Widerstand wurde die Gefahr immer größer, dass spanische Soldaten aus Kreuznach der bedrängten Kompanie zu Hilfe kommen könnten. Auch wenn Ibarra aus der Sicht der Angegriffenen schreibt und die Zahl der Angreifer wohl zu hoch ansetzt, wie dies bei solchen Darstellungen oft geschieht, erscheint seine Schilderung des Geschehens durchaus glaubwürdig. Ibarra vermeidet auch abschätzige Aussagen über die Angreifer, wie sie Haynin verwendet („verjagten die Pfälzer schändlich aus dem Ort“ ) und mindert – wahrscheinlich ganz bewusst - mit seiner Darstellung keineswegs die geschickte militärische Vorgehensweise Obentrauts. Interessant ist, dass weder bei Haynin noch bei Ibarra Oberst Obentraut namentlich genannt wird. Ob beide seinen Namen tatsächlich nicht kannten oder sie ihm nur nicht die Ehre erweisen wollten, seinen Namen für die Nachwelt zu erhalten, bleibt ungeklärt.

Nachtrag:

In Frei-Laubersheim ist mündlich überliefert, dass man im Jahr 1836 beim Bau des neuen evangelischen Pfarrhauses eine Menge Knochen und Kriegsgerät aus dem Dreißigjährigen Krieg gefunden habe. Leider ist nicht bekannt, wie die Funde in der Erde lagen und ob es tatsächlich Menschenknochen und Kriegsgerätschaften aus diesem Krieg waren. Im Landesmuseum in Mainz ist von diesen Funden nichts bekannt. Wenn diese damaligen Funde aber tatsächlich von diesem Überfall stammten, könnte dies die Stelle sein, an der die Gefallenen protestantischen Angreifer ihre letzte Ruhe fanden, nämlich „hinter der Kirchhofsmauer“. Die gefallenen katholischen Italiener wird man auf dem Kirchhof in „geweihter Erde“ bestattet haben.

Dipl. Hdl. Wolfgang Zeiler

Aktualisiert im November 2016

 

 

Nachweise

Verfasser: Wolfgang Zeiler

Verwendete Literatur:

  • Egler, Anna: Die Spanier in der linksrheinischen Pfalz 1620-1632. Mainz 1971.
  • Lenke, Walter: Klimadaten von 1621-1650. Offenbach 1960 (Berichte des Deutschen Wetterdienstes, Nr. 63)

Erstellt: 2009

Aktualisiert am: 07.07.2014

Anmerkungen:

  1. Egler, Anna: Die Spanier in der linksrheinischen Pfalz 1620-1632, Mainz 1971, s.51 Zurück
  2. Egler, Anna: ebd. S.51 Zurück
  3. Egler, ebd. S.194 Zurück
  4. Egler, ebd. S.58 Zurück
  5. Die Handschriften der k.k. Hofbibliothek Wien, im Interesse der Geschichte, besonders der österreichischen verzeichnet und excerpirt von Josef Chmel; II. Band, Wien 1841, S.229.  Chmel nennt 180 Soldaten. Egler, Anna: a.a.O.; S. 188 ; Egler zitiert aus den Brüsseler Militärlisten und nennt für zwei Kompanien 349 Soldaten, eine der beiden Kompanien war die Valette-Kompanie; wenn beide Kompanien gleich groß waren also ca 175 Soldaten Zurück
  6. Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt: Wahrhafftige NewsZeitung 1620 Zurück
  7. Egler, a.a.O., S. 49 Zurück
  8. Berichte des Deutschen Wetterdienstes Nr.63 (Band 9) Lenke, Walter: Klimadaten von 1621-1650, Selbstverlag des Deutschen Wetterdienstes, Offenbach 1960, S.26 Zurück
  9. Der 20.Januar 1621 nach julianischem Kalender entspricht dem 30. Januar nach dem neuen gregorianischen Kalender. Die Eintragung im Theatrum Europäum ist julianisch wie auch die Eintragungen der Daten in den Ratsprotollen von Kreuznach zu dieser Zeit Zurück
  10. Egler, a.a.O., S.54 Zurück
  11. Theatrum Europaeum von Johann Abelinus, Ausgabe von 1662 Zurück
  12. Seigneur du Cornet: Histoire Générale des Guerres de Savoie, de Bohème, de Palatinat et des Pays-Bas, 1616-1627, S.22; nach der Übersetzung von Jean-Philippe Dussourd, Châtenois, Alsace Zurück
  13. Ibarra, F.: La guerra del Palatinado; in: Morel-Fatio, Alfred:L'Espagne au XVIe et au XVIIe siècle : documents historiques et littéraires , S. 395f; nach der Übersetzung von Wendy Hernandez de Wilhelm, Bad Kreuznach Zurück