Boppard am Mittelrhein

Inschriften in Bopparder Kirchen

Grabstein der Eusebia

Die Abschriften wurden dem Buch von Eberhard Nikitsch: Die Inschriften des Rhein-Hunsrück-Kreises I (Boppard, Oberwesel, St.Goar). Wiesbaden 2004 (Die Deutschen Inschriften, 60. Band) entnommen.

Kath. Pfarrkirche St. Severus: Grabstein des Mädchens Eusebia

Im Frühjahr 1956 unter den im Depot des Städtischen Bauhofes lagernden Steinen zufällig entdeckt, wurde er zunächst in das städtische Museum verbracht und später innen an der Westwand von St. Severus befestigt. Querrechteckige kleine Platte aus Kalkstein mit erhabenem Rand, im Feld vierzeilige Inschrift zwischen Doppellinien. Randleisten bestoßen, Schrift stark verwittert.

H. 31, B. 44, Bu. 3 cm. Vorkarolingische Kapitalis, Typ 1 (Spätrömisch-christliche Schrift).

HIC QVIES[C]IT / EVSEBIA IN PACE / QVAE VIX[I]T / AN(NOS) VI DIES V

Hier ruht Eusebia in Frieden, die sechs Jahre und fünf Tage lebte.

Soweit noch erkennbar, wurde die in einer tiefen Kerbe eingehauene Inschrift mit dreiecksförmigen Sporen und weitem Buchstabenabstand ausgeführt; dabei sind spitzes A mit geknicktem Mittelbalken und X mit leicht geschwungenem Rechtsschrägschaft gebildet.
Das knappe Formular folgt zeitüblichen Usancen und entspricht, wie vielleicht auch durch den Verzicht auf christliche Symbole angezeigt wird, dem einfachen Begräbnis eines kleinen Mädchens, das seinem Namen nach zur gallo-romanischen Bevölkerung Boppards gehört haben dürfte. Die hier vorgenommene zeitliche Einordnung des erstmals durch Kdm. ins 6. bzw. 7. Jahrhundert datierten Steines orientiert sich an den neuen Überlegungen zur Struktur der Bopparder Grabinschriften.

Ehemaliges Benediktinerinnen-Kloster Marienberg: Grabplatte der Lucia von Wiltz

Grabplatte der Lucia von Witz

Im Jahr 1773 von d'Hame in Nachzeichnung (aber nur teilweise in Abschrift) überliefert, stand sie damals aufrecht an der Wand des Kapitelsaals und wurde nach Aufhebung des Klosters an der Wand der südlichen Vorhalle, ihrem heutigen Standort, befestigt, dann aber bei dem Einbau einer modernen Heizung bis auf einen schmalen Streifen der rechten Hälfte zugemauert. Große Platte aus Sandstein mit Umschrift zwischen Linien, im Feld unter Spitzbogenarkade in Ritzzeichnung ausgeführte Figur der Verstorbenen mit gefalteten Händen über dem zur Mitte hin gerafften Mantel. In den oberen Ecken jeweils ein nach innen gelehnter Wappenschild.

H. 195, B. ca. 70, Bu. 6 cm. Gotische Majuskel

ANNO D(OMI)NI M CCC / XXXV - I(N) - DIE -

PVRIFIC(ATI)O(N)IS -

ISTA - SCEL(VS) - NESCIT - DE - WILD/[Z] - LVCIA - Q(UI)ESCIT /

LAVDIB(VS) - ORNATA - MORV(M) - PROBITATE - PROBATA -

Im Jahr des Herrn 1336 am Tag Reinigung Mariens (2. Februar). Diese Lucia von Wiltz kannte die Bosheit nicht (und) liegt (hier) geschmückt mit dem Lob ihrer Sitten und anerkannt wegen ihrer Rechtschaffenheit.

Zwei leoninische Hexameter, zweisilbig rein gereimt.
Die gut ausgeführten Majuskeln sind breit angelegt, flach ausgehauen und unten aufgerauht. Daher ist davon auszugehen, daß die Buchstaben mit einer kontrastierenden Masse ausgefüllt waren. Als Worttrenner dienen halbkugelig vertiefte Punkte.
Bei der durch das gereimte Totenlob hervorgehobenen Lucia dürfte es sich um eine der adeligen Stifterinnen gehandelt haben, die das Kloster in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts reich bedacht hatten. Aufgrund der Wappenkonstellation und der Namensgleichheit könnte es sich bei ihr um eine sonst nicht bezeugte, unverheiratet gebliebene Tochter aus der 1256 geschlossenen Ehe des im Moselgebiet sitzenden Walter von Wiltz mit einer nicht näher bezeichneten Lucie stammen. Die Grabplatte stellt das älteste noch erhaltene Grabdenkmal Marienbergs dar.

Ehemaliges Benediktinerinnen-Kloster Marienberg: Grabplatte der Äbtissin Anna Apollonia Kämmerer von Worms gen. von Dalberg.

Grabplatte der Äbtissin Anna Apollonia

Im Jahr 1773 von d'Hame in originalgetreuer Nachzeichnung überliefert, war sie zu dieser Zeit im Boden unterhalb der Stufen zum Chor der Klosterkirche eingelassen und ging vermutlich mit deren Abriß im Jahre 1802 unter. Hochrechteckige Platte mit umlaufenden, inschriftlosen Linien; oben im Feld Beginn der Inschrift in einer linierten Zeile, die sich in der Mitte der Grabplatte in zwei um das Wappen angeordneten Kreisen fortsetzt.

Nach d`Hame.

Kapitalis und gotische Minuskel.

A(NNO) MVc XXIIII - XII AP(RI)LIS // obiit - ve(nerabi)lis - reli(gi)osa

- ac - nobil(is) - d(omi)na a<u>pp</u>olonia - dalburg - / d(omi)na m(a)gi(str)a

hui(us) - mo(na)st(er)ii

Im Jahr 1524 am 12. April starb die ehrwürdige, gottesfürchtige und edle Frau Apollonia (von) Dalberg, Meisterin dieses Klosters.

Zwar hat sich d'Hame hier um eine möglichst orginalgetreue Wiedergabe von Text und Aussehen bemüht, dennoch sind ihm in der Nachzeichnung einige Mißverständnisse unterlaufen: So ist zweifelhaft, ob das g in religiosa und das r in magistra gekürzt wurden; auch der Name muß nicht vollständig sein.
Obwohl Anna Apollonia als einzige aus der großen Schar der im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts im Kloster Marienberg weilenden Nonnen aus dem Hause Dalberg die Würde der Äbtissin erlangen konnte, ist ihre familiäre Zuordnung nicht eindeutig bestimmbar. Jedenfalls folgte sie der im April 1518 verstorbenen Äbtissin Cäcilia von Ingelheim im Amt und erreichte während ihrer fünfjährigen Regierung die urkundliche Bestätigung sämtlicher Privilegien des Klosters durch Kaiser Karl V. Anna Apollonias Grabplatte hatte zwar den Brand der Klostergebäude 1738 überstanden, dürfte aber so beschädigt gewesen sein, daß man für sie – wie für andere auch – vermutlich nach Abschluß des Neubaus des Klosters in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts eine neue Platte "ad conservandam piam memoriam" anfertigen und sie im Kreuzgang aufstellen ließ. Einige dieser einheitlich mit Wappen und kurzer zeilenweise angeordneter Inschrift gestalteten hochrechteckigen Sandsteinplatten haben sich erhalten, darunter auch die untere Hälfte der Platte für Anna Apollonia.

 

Kath. Pfarrkirche St. Severus: Glocke des Meisters Johann von Frankfurt, sog. Ave-Maria- bzw. Zehn-Uhr-Glocke

Glocke des Meisters Johann von Frankfurt

Südturm, Glockenstuhl, westliche Glocke im unteren Geschoß. Große Glocke mit einzeiliger Schulterumschrift zwischen Kordelstegen. Zu Beginn der Inschrift kleines Relief einer Kreuzigung mit Maria und Johannes. Gewicht ca. 1600 kg, Schlagton f'.

H. ca. 109, Dm. 131, Bu. 3 cm. – Gotische Minuskel.

 

  - maria - heysen - ich-

  - meister iohan - uon franckenfort - gos -  mich

  - anno - d(omi)ni -  m -  ccc -  lxxo ix -  in - uigilia - penthecostes -

Datum: 28. Mai 1379, deutscher Reimvers.

Die sauber gegossene Minuskel zeigt als Besonderheit y mit senkrechtem linken und leicht durchgebogenem rechten Schaft ohne Unterlänge. Zudem sind die oberen Schaftenden der Buchstaben mit Oberlänge (h, k, l) mit einem sonst ungebräuchlichen Querstrich versehen. Als Worttrenner dienen abwechselnd sechsstrahlige Sternchen und Quadrangeln mit kurzen, an den Ecken ansetzenden Zierhäkchen.
Der erstmals 1354 als "Hennekin Kannengießer" in den Steuerlisten der Reichsstadt Frankfurt nachweisbare Johannes leistet 1361 als Meister Johann Glockengießer den Bürgereid. Trotz seiner geschäftlich erfolgreichen Tätigkeit im weiteren Rhein-Main-Gebiet sind ihm bisher im Zeitraum von 1374 bis 1383 nur sechs Glocken verhältnismäßig sicher zuzuschreiben, darunter zwei signierte Minuskel-Glocken von 1377 für Erbach im Rheingau. Aufgrund der großen Ähnlichkeit mit der vorliegenden, ist ihm auch der Guß der zweiten Bopparder Glocke von 1379 zuzurechnen. Das Ende seiner Tätigkeit ist nicht bekannt.

 

Städtisches Museum (aus St. Severus, Friedhof): Fragmentarische Ölberggruppe mit Stifterinschrift.

Ursprünglich vom Pfarrfriedhof bei St. Severus stammend, stand sie bis 1986 im Hof der kurfürstlichen Burg (Städtisches Museum) und wurde danach bis 2003 in Einzelteilen im Ostflügel des Erdgeschosses aufbewahrt. Heute steht diese in der Karmeliterkirche im Seitenschiff. Von der Gruppe haben sich noch die fast lebensgroßen Figuren des betenden Christus und dreier schlafender Apostel erhalten sowie ein zugehöriger, konvex gebogener querrechteckiger Block aus rotem Sandstein mit der siebenzeiligen Stifterinschrift zwischen zwei großen, sich zuwendenden Wappen. Schriftverlust durch starke Verwitterung, in der siebten Zeile sind lediglich Schaftreste sichtbar, das linke Wappen ist nur noch zur Hälfte erhalten.

H. 31, B. 87 (frgm.), Bu. 3 cm. – Gotische Minuskel mit Versalien.

   Anno -  d(omi)ni - m -  cccc -  xxxvii - / hoc - [opus - co]nstrui -  feceru

   (n)t - / honorabiles - Joh(ann)es - / [Re]ynhardi - et guda / [sc]hirlyt -

   vxor - eius - l(egi)ti(m)a - / [ob(ierun)t xx] die - noue(m)b(ris) - q(u)oru

   (m) - a(n)i(m)e - re[q](ui)es[ca(n)t / in pace amen]

 

Im Jahr des Herrn 1437 haben dieses Werk die ehrbaren Johannes Reynhardi und Guda Schirlyt, seine eheliche Hausfrau, errichten lassen. (Sie verstarben) am 20. Tag des Novembers. Deren Seelen mögen in Frieden ruhen, Amen.

Wappen: Reynhardi?                         Schirlyt?.

Möglicherweise waren sowohl die beiden am Zeilenanfang plazierten h sowie das umgeformte m als Versalien gedacht. Als Worttrenner dienen Quadrangeln.
Die beiden sonst unbekannten Eheleute dürften aufgrund der Wappen und der großzügigen Stiftung der bürgerlichen Oberschicht Boppards zuzurechnen sein. Auffällig ist der Gebrauch des Epithetons honorabilis für das Ehepaar, das im Spätmittelalter in der Bedeutung 'ehrwürdig' eigentlich dem geistlichen Stand vorbehalten war. Da beide Wappen geistliche Symbole zeigen, ist es nicht sicher, ob es sich tatsächlich um Familienwappen handelt. Aufgrund der an die Stifterinschrift anschließenden Fürbitte diente die Ölberggruppe gleichzeitig dem Totengedenken an die Verstorbenen.

Quelle: Nikitsch; Redakt. Bearb. AKZ

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