Wörrstadt in Rheinhessen

Zur Geschichte von Wörrstadt

Luftbildaufnahme von Wörrstadt.[Bild: Alfons Rath]

Besiedelt wurde der Michelsberg wahrscheinlich schon vor etwa 4000 Jahren. Die ältesten Funde Wörrstadts datieren in die jungsteinzeitliche Ära (Neolithikum 2500-1600 v.Chr.). Es handelt sich überwiegend um Getreidereste, Scherben und Mahlsteine. Übererreste der Römer, die einst am Mühlbach siedelten, bestehen aus einem größeren Gehöft. Man fand auch "eine römische Eisenschere mit der Inschrift Senocenna", die sich heute im Landesmuseum Mainz befindet. (Klug, S.11) Auch eine römische Straße führte durch das Mühlbachtal, die nach Sulzheim ging. Es handelt sich bei den ehemaligen römischen Siedlern vom "Lager des Varus" um Soldaten.
Aus der Zeit der fränkischen Besiedlung fand man in Frauengräbern Kämme und Kleiderschnallen sowie allerlei kleinere Schmuckstücke mit Perlen aus bemaltem Ton besetzt. In den Männergräbern wurden Waffen gefunden. Auch Töpfe, Tonkrüge und Münzen sind aus dieser Zeit erhalten geblieben. Aus der spätmerowingischen Zeit stammt das Gräberfeld hinter der Post, welches beim Bau von Häusern 1960 entdeckt wurde.
Urkundlich erwähnt wird Wörrstadt allerdings erst im Lorscher Codex 771/772 als eine Schenkung an das Kloster Lorsch vom Gutsbesitzer Moricho und seiner Frau. Im 10. Jahrhundert wurde Grundbesitz in Wörrstadt "an das Kloster St. Ursula in Köln, an das Kloster St. Gallen in der Schweiz und an das Kloster St. Alban in Mainz" gegeben. (Klug, S.16) Das Augustinerkloster geht auf eine rheingräfliche Stiftung von 1197 zurück.
Herren in Wörrstadt im Mittelalter waren der Nahegaugraf Emich V., VI., Eberhart Vetzer von Geyspessheim und die Freiherren von Sturmfeder. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Wörrstadt von den Spaniern unter dem Marquis Spinola, dann von den Schweden unter dem schwedischen Oberbefehlshaber Otto Ludwig, der bereits Land in Wörrstadt  besaß, besetzt. Ihm gelang es, Wörrstadt zu "erobern". Die Franzosen hielten sich um 1685 in Wörrstadt auf. Das Schlößchen von Wörrstadt baute sich die Prinzessin von Leiningen-Hachenburg, Frau des Rheingrafen Carl Ludwigs. 1792, im Zuge der französischen Revolution, besetzten die Franzosen Wörrstadt und der Rheingraf musste fliehen. Sie plünderten das Schloss und versteigerten es 1804 zum Abbruch. Wörrstadt wurde Kantonsort und bewahrte sich bis heute "den Charakter einer kleinen Kreisstadt" (Klug). Seit 1797 gehörte es zu Frankreich. 1816 wurde es vom Großherzog Ludwig von Hessen und bei Rhein regiert, nachdem Napoleon in der Schlacht von Leipzig 1813 geschlagen und 1815 schließlich verbannt werden konnte. Nach den beiden Weltkriegen wurde im Jahr 1946 erstmals wieder ein Bürgermeister gewählt, am 23.April 1972 die Verbandsgemeinde Wörrstadt gegründet.

Nachweise

Redaktionelle Bearbeitung: Anne-Kathrin Zehender und Sarah Traub

Verwendete Literatur:

  • Karl Johann Brilmayer: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart. Geschichte der bestehenden und ausgegangenen Städte, Flecken, Dörfer, Weiler und Höfe, Klöster und Burgen der Provinz Rheinhessen nebst einer Einleitung. Gießen 1905.
  • Ernst Klug: Wörrstadt. Die Geschichte einer kleinen Stadt. Wörrstadt 1972.

Aktualisiert am: 24.07.2016