Medard in der Pfalz

Medard

0.1.Allgemeine Angaben

Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Lauterecken

Einwohner (2007): 519

Einwohner (2010): 542 

Wohnplätze: Ortskern, Bärenhof

Gemarkung: 599 ha, davon ca. 25 ha Siedlungsfläche und 138 ha Wald

Besondere Denkmäler: Kalkofen rechts des Glans

0.2.Lage

Der Ort liegt im Glantal in etwa 160 Metern ü. NN, hauptsächlich links des Flusses in einer Länge von ca. einem Kilometer in nordöstlicher Richtung. Die Erhebungen rings um den Ort erreichen Höhen von ca. 300 Metern (Ohlbachskopf 316 m, Marialskopf 290 m). 

0.3.Siedlung und Wohnung

Die meisten Häuser stehen beiderseits der Durchgangsstraße (B 420), von der aus kleinere Stichstraßen ausgehen. Die wichtigsten Abzweigungen nach Süden hin sind eine Straße zum früheren Bahnhof und eine Straße zur früheren Mühle. Im Bereich der Mühle, heute Medardusquelle, überquert eine Brücke den Glan, die zu den wenigen Häusern rechts des Flusses führt, auch zu einem Sportgelände und zu land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundstücken. Hier rechts des Glans blieb auch ein alter Kalkofen erhalten. Die schöne alte Dorfkirche inmitten des Friedhofs, die ehemalige Schule sowie die früheren römischen Ausgrabungsplätze liegen am Ende der Stichstraßen, die nach Norden hin führen. Hier dehnt sich ein größeres Neubaugebiet aus. Eine ältere Turnhalle liegt an der Durchgangsstraße. Bei den Häusern des Dorfkerns handelt es sich in der Regel um einfache Wohnhäuser, aber auch um Einfirstbauernhäuser, wie sie in der Landschaft des Westrichs verbreitet sind. Das Gasthaus und Hotel Bärenhof steht seitlich der Straße nach Odenbach und Meisenheim links der B 420. In diesem Bereich befand sich früher eine Abdeckerei. Bemerkenswert ist Medard auch durch seinen früher reichen Bestand an Treppengiebelhäusern , von denen eines bis heute in der Mühlenstraße erhalten geblieben ist. 

0.4.Wüstungen

Im Bereich Medard werden drei Wüstungen genannt, Rode, Schwanden und Nirthausen (auch Nordhausen und Erdhausen). Rode lag nördlich und Schwanden nordöstlich von Medard, Nyrthausen zwischen Medard und Lauterecken. Rode und Schwande werden genannt 1289, 1379, 1380, wobei Schwanden jeweils als „Swande“ bezeichnet wird (Vgl. Pöhlmann Regesten 1928). Beide Namen bedeuten Rodung. Diese beiden Orte oder Höfe können schon lange vor dem 30-jährigen Krieg untergegangen sein. Nyrthausen wird u. a. genannt 1377 als Nyrthusen, 1387 als Nyrthuißen, 1643 als Nörthausen. Der heutige Flurname Erdhausen ist auf Nyrthausen zurückzuführen. Dieser Ort bestand also noch während des 30-jährigen Krieges. Er wurde wahrscheinlich nach dem Krieg nicht neu besiedelt. Dolch und Greule führen das Bestimmungswort Nirt auf den Personennamen „Nerito“ zurück. Demnach wäre die Siedlung von einem Mann mit entsprechendem Namen gegründet worden. Die genaue Lage der ehemaligen Dörfer ist umstritten, und teilweise werden sie auch den Nachbarorten zugeordnet.   

0.5.Name

Der Name des Ortes ist auf  Medardus, den ursprünglichen Patron der Kirche von Medard zurückzuführen. Medardus aus Salency in Frankreich widmete sich als Sohn vermögender Eltern den Armen, für die er sein ganzes Vermögen hingab. Er war später Bischof in Vermandois und in Tournay und starb um 560, war also ein Zeitgenosse des Heiligen Remigius. Der ursprüngliche Hof Medard galt als ein Stützpunkt des Bistums Verdun und wurde in den ältesten bekannten Urkunden auch als Hof bezeichnet. In einer Urkunde von 1150, überliefert in einer Kopie von 1156, erscheint erstmals die Umschreibung „in Curiam sancti Medardi“. Weitere Namensformen sind u. a.: de Sancto Medardo (1223), Curtis S. Medardi (1235), apud Sanctum Mydehardum (1289), Sant Medhard (1343) usf. Ein ursprünglich anderer Ortsname wurde wohl durch den Namen des Kirchenpatrons verdrängt. Die Bezeichnung „Sankt“ ging in der Reformationszeit verloren. (Vgl. auch Dolch/Greule 1991 S. 302).

0.6.Wappen

Der Wappenschild wird diagonal halbiert in eine blaue Fläche im oberen und eine silberne Fläche im unteren Teil. Auf dem blauen Grund erscheint in stilisierter Form die Dorfkirche von Medard, auf dem silbernen Grund ein Bischof in blauem Gewand mit goldverzierter blauer Mitra und goldenem Bischofsstab. Die Darstellung des Bischofs weist einmal auf den Heiligen Medardus hin, dann auch auf die Tatsache, dass der Hof Medard schon im frühen Mittelalter im Besitz der Bischöfe von Verdun war. Blau und Gold sind die Farben der Bischofsstadt Verdun, Silber und Blau die Farben der Grafschaft Veldenz.  

0.7.Abriss der Ortsgeschichte

0.7.1.Frühgeschichte

Die Ortsgemeinde Medard ist reich an Funden aus vorgeschichtlicher und römischer Zeit. Der Marialskopf im SO war zur Zeit der keltischen Besiedlung von Mauern und Palisaden umgeben. Die Überreste dieser Besiedlung innerhalb des Ringwalls sind noch deutlich zu erkennen. 1973 und 1983 wurden bei Ausgrabungen Tonscherben von Gefäßen der Hunsrück-Eifel-Kultur gefunden und sichergestellt. Bedeutsam war der Fund einer in Pannonien geprägten Silbermünze, bei der es sich um einen Viertel-Stater handelte mit einem Zeuskopf auf der Vorderseite und einer Reiterdarstellung auf der Rückseite. Noch immer sind in dem Gelände Splitter und Scherben von Tongefäßen zu finden. Die keltische Siedlung blieb wahrscheinlich bestehen, nachdem die Römer Gallien erobert hatten.

In der Nähe der mittelalterlichen Kirche von Medard wurden 1973 die Fundamente einer Siedlung aus der gallo-römischen Zeit entdeckt. Es handelte sich um eine villa rustica (Gutshof) aus dem Übergang vom 3. zum 4. Jahrhundert n. Chr., von der in den Jahren 1979, 1980 und 1984 unter der Leitung von Diethelm Malitius lediglich Nebengebäude teilweise freigelegt wurden. Die Archäologen entdeckten auch Fragmente von Skulpturen, die eine Frauengestalt, Weinranken und ein Füllhorn mit Früchten darstellten. Zur Zeit des Mittelalters lagen wahrscheinlich noch viele Steinreliefs im Gelände umher. So sind auch jetzt noch Spolien aus der Römerzeit mit der Darstellung von Weintrauben und ebenfalls einer Frauengestalt im Mauerwerk der Kirche zu erkennen. Aus dem Mauerwerk der Kirche herausgenommen wurden die Fragmente eines Bildreliefs, das Medea auf einem Wagen zeigt, der von Schlangen gezogen wird. Von den Kindern der Medea, die aus Eifersucht von ihrer Mutter getötet werden, ist nur der untere Körperteil eines Knaben auf dem Bild noch zu erkennen. Der Hintergrund des Bildes zeigt den ungetreuen Ehepartner Jason. Das Relief soll ursprünglich Teil eines Grabmonuments gewesen sein. Bei Renovierungsarbeiten an der Kirche wurden 1988 in der Nähe des Portals drei Sandsteinquader aus der Römerzeit entdeckt, von denen einer ursprünglich als Ossuarium (Behältnis für Knochenasche) gedient hatte. Eine Seite des Steins trägt eine gut erhaltene Inschrift mit dem Text „[D M (für Dis Manibus)] ... us Ammosus et Amandia Mandina Conjux Regulo filio [su]orum et suo vivi fecer[unt]“. (Zu deutsch: ...us Ammosus und seine Ehefrau Amandia Mandina setzten [dieses Grabmal] ihrem Sohn Regulus und sich selbst zu ihrer Lebenszeit). Die Ausgrabungen im römischen Siedlungsbereich wurden 1995 und 1996  in großem Umfang unter Leitung von Wolfgang Heinzelmann im Auftrag des Fördervereins Alt-Medard und des Landesamtes für Denkmalpflege fortgesetzt. Dabei konnte das Haupthaus der einstigen römischen Siedlung (Atriumhaus) vollkommen freigelegt werden samt der weiteren Umbauung und der gesamten Umfassungsmauer der villa rustica. Es handelte sich um ein großes, mit Sicherheit zweistöckiges Gebäude mit vorgebauten Eckrisaliten, von denen einer durch eine Hypokaustanlage beheizt werden konnte. Im Grundriss hatte das Haus die Größe von 30 Metern Länge und 20 Metern Breite. Die Archäologen fanden ein Säulenfragment, Überreste von Estrichböden und Verputzreste in pompeianischem Rot. Sie gruben eine Badeanlage nur teilweise aus, legten einen Abwassergraben vollkommen frei, wobei wiederum eine Reihe von Einzelfunden zu Tage traten. Insgesamt konnten drei unterschiedliche Perioden der Bebauung festgestellt werden. Es ist zu vermuten, dass die große villa rustica mit ihren vielen Nebengebäuden eine Fläche von etwa 3 Hektar umfasste. Damit dürfte es sich bei diesem am Rande des Ortsbereiches von Medard ausgegrabenen römischen Gutshofs bei weitem um den größten der bisher bekannt gewordenen Gutshöfe in der gesamten Westpfalz handeln. Zur Sicherung wurden die Ausgrabungen mit Erde verschüttet.  

0.7.2.Mittelalter

Die gallo-römische Siedlung im Bereich des heutigen Dorfes Medard mag im 5. Jahrhundert untergegangen sein. Die archäologischen Entdeckungen lassen vermuten, dass in deren  Bereich nach einer siedlungsfreien Epoche verhältnismäßig bald eine neue Siedlung gegründet wurde. Allerdings lässt sich nicht feststellen, wann die Neubesiedlung ihren Anfang genommen hatte. Tatsächlich wurden während der Ausgrabungen im gallo-römischen Siedlungsbereich insgesamt auch die Grundrisse von sechs kleinen Wohnstätten (Grubenhäuser) aus dem Mittelalter freigelegt. Anzunehmen ist, dass die ersten Häuser des Ortes schon sehr früh nach der fränkischen Landnahme am Berghang wahrscheinlich in der Nähe einer aus Holz errichteten Kirche entstanden waren. Die freigelegten Grubenhäuser sollen nach Erkenntnissen der Archäologen aus dem 10. oder 11. Jahrhundert stammen. Sie müssen nicht die ältesten Gebäude der nachrömischen Besiedlungszeit gewesen sein.

Ursprünglich lag der Hof Medard im freien Königsland, wurde aber von einem merowingischen König den Bischöfen von Verdun zum Eigentum übergeben. Der Zeitpunkt dieser Schenkung ist nicht bekannt. Die Grafen von Veldenz als Nachkommen der Nahegaugrafen begründeten um 1124 aus geringem Eigenbesitz und aus Vogteien über ausgedehnte geistliche Gebiete der Bistümer Mainz, Worms, Verdun und Reims ihre neue „Grafschaft Veldenz“. In einer Urkunde von 1235 werden die Lehen der Grafen von Veldenz aus dem Besitz der Bischöfe von Verdun aufgezählt: Veldenz, Medard, Baumholder, Wolfersweiler, Freisen, St. Wendel, Tholey und Neunkirchen a. d. Nahe. Da Medard sofort hinter Veldenz genannt wird, dürfte der Hof für Verdun von besonderer Bedeutung gewesen sein. Den Grafen von Veldenz gelang es, den Einfluss der Bischöfe von Verdun nach und nach zu untergraben. Sie beliehen ihnen dienstpflichtige Ritter mit Pfründen und Rechten aus dem verdun'schen Besitz, also auch mit Rechten aus dem Hof Sankt Medard. In den entsprechenden Lehensurkunden erscheint bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts stets der Hinweis, dass es sich bei den Belehnungen ursprünglich um Lehen aus Verdun handelt. Ab dem späten 14. Jahrhundert unterbleibt dieser Hinweis. Daraus ist zu erkennen, dass von dieser Zeit an die Besitzrechte von Verdun nicht mehr viel galten. Dennoch blieb das Bistum Verdun Eigentümer der Gebiete, worauf vor allem dann wieder hingewiesen wurde, wenn ein neuer Fürst zur Regierung kam oder ein neuer Bischof in sein Amt eingesetzt wurde. Mit dem Tod des letzten Grafen von Veldenz 1444 erachteten die Bischöfe von Verdun die Vogtei der Grafen von Veldenz als erloschen und wollten den Pfalzgrafen Stephan von Pfalz-Zweibrücken als dessen Nachfolger nicht mehr anerkennen. Durch Vermittlung des Erzbischofs Jacob von Trier wurden 1454 die ursprünglichen Verhältnisse wieder hergestellt. Das Lehensverhältnis zwischen Verdun und Veldenz bestätigte dann 1497 Kaiser Maximilian I.

Bis etwa zum Jahr 1000 galt der Hof Medard neben Meisenheim und Lauterecken als der bedeutendere Ort im Glantal. Nach und nach wurde er von den beiden späteren Kleinstädten überflügelt. Lauterecken entstand erst um 1000 bei einer Burg und erhielt wahrscheinlich 1349 Stadtrechte. Meisenheim, Stadt seit 1315, erhoben schon im 12. Jahrhundert die Grafen von Veldenz zu ihrer Residenz. Zwischen 1124 und 1444 lag Medard in der Grafschaft Veldenz und gehörte dort zum Oberamt Meisenheim, ab 1444 dann im Herzogtum Zweibrücken.  

0.7.3.Neuzeit

1509 erfolgte erneut eine Belehnung von Medard durch den Bistumsverweser Nikolaus von Verdun an den Pfalzgrafen (Herzog) Alexander von Pfalz-Zweibrücken. Der damalige Bischof von Verdun, Prinz Ludwig von Lothringen, war noch nicht 18 Jahre alt, und konnte so die Belehnung nicht selbst vornehmen. (Vgl. Lehmann 1867 S. 250) Dass diese nur noch ein symbolischer Akt war, zeigt sich darin, dass Verdun keinerlei Einfluss nehmen konnte, als in der Pfalzgrafschaft 1537 die lutherische Konfession eingeführt wurde. Während des Dreißigjährigen Krieges hatte das Dorf sowohl unter den Kriegseinwirkungen als auch unter der Pest zu leiden, doch die Menschenverluste waren nicht so groß wie in der Region um Kusel, da sich die Bewohner vor allem hinter den Mauern der Amtsstadt Meisenheim in Sicherheit bringen konnten. Meisenheim wurde von den durchziehenden Truppen nicht erobert. Dennoch war der Verlust an Menschen groß, und eine Wiederbesiedlung setzte nach dem Krieg ein. In der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg dürfte auch die erste Besiedlung der Tallage im Bereich Medard erfolgt sein. Aus dem Jahr 1589 wird von einem dauerhaften Weidestreit zwischen Medard und dem inzwischen „ausländisch“ gewordenen Lauterecken berichtet. (Lehmann S. 319)

Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde Medard auch während der Kriege des französischen Königs Ludwigs XIV. zerstört. Frankreich versuchte durch kriegerische Übergriffe innerhalb Deutschlands ab 1672 und durch eine Réunionspolitik ab 1679 solche Gebiete zurückzugewinnen, die in irgendeiner Weise noch mit Frankreich verbunden waren. Innerhalb des heutigen Kreises Kusel bestanden gerade im Hof Medard, inzwischen Unteramt Odenbach, de Jure noch immer Beziehungen zu Verdun in Lothringen. Auch auf Lothringen erhob Frankreich Anspruch, das Herzogtum wurde 1782 mit Frankreich vereinigt. Der damalige Pfalzgraf von Zweibrücken Friedrich Ludwig wie auch Pfalzgraf Leopold Ludwig der pfälzischen Nebenlinie Pfalz-Veldenz mit der Residenz Lauterecken widersetzten sich den französischen Réunionsversuchen. Deshalb ließen die Franzosen viele Orte in den beiden Pfalzgrafschaften niederbrennen, 1677 die Stadt Kusel, 1680 Burg Veldenz. Es ist uns derzeit nicht bekannt, in welcher Weise auch Medard unter den kriegerischen Ereignissen jener Zeit zu leiden hatte. Indessen förderten die Franzosen nach den durchgeführten Zerstörungen Neuansiedlungen und die Wiedereinführung und Ausbreitung der katholischen Konfession. Die oben genannte Pfalzgrafschaft Veldenz war 1543 durch den Vertrag von Marburg entstanden. Durch diese Neugründung entstand eine Grenze zwischen Medard und der Nachbarstadt Lauterecken, da Medard der neuen Pfalzgrafschaft nicht angeschlossen wurde, sondern beim Oberamt Meisenheim in der Pfalzgrafschaft Zweibrücken verblieb. Merkwürdig ist, dass sich Pfalzgraf Ludwig von Veldenz noch 1653 durch den Bischof von Verdun neben Veldenz, das zu dieser neuen Pfalzgrafschaft gehörte, auch Medard, Baumholder und Wolfersweiler als Lehen übergeben ließ. Da die drei letztgenannten Orte bei der Pfalzgrafschaft Zweibrücken verblieben waren, konnte für sie dieses Belehnung nicht wirksam werden. (Vgl. Lehmann 1867 S. 514) Andererseits blieb das Lehensverhältnis zwischen Verdun und den Verdun'schen Besitztümern im Westrich bis hin zur Französischen Revolution bestehen.

0.7.4.Neueste Zeit

Während der Zeit der Französischen Revolution und der anschließenden Zeit des Kaisers Napoleon wurde das linksrheinische Deutschland von Frankreich annektiert. Durch die neuen Grenzziehungen kam Medard nun zur Mairie und zum Canton Meisenheim im Arrondissement Birkenfeld und im Département de la Sarre (Saar). Nach dem Ende der französischen Herrschaft wurden durch den Wiener Kongress wiederum neue Grenzen gezogen. Es entstanden zwischen Glan und Nahe das Fürstentum Lichtenberg, das zu Sachsen Coburg gehörte, und das Oberamt Meisenheim des Fürstentums Hessen-Homburg. Medard lag nun innerhalb des Meisenheimer Gebietes, während die Nachbarorte rechts des Glans, Lauterecken und Odenbach, dem bayerischen Rheinkreis zugeordnet wurden, der späteren Rheinpfalz. Das gesamte Fürstentum Hessen-Homburg fiel 1866 nach dem Tod des letzten Fürsten an Preußen, und das bisherige Oberamt Meisenheim firmierte nun innerhalb der preußischen Rheinprovinz als der Landkreis Meisenheim. Dieser Landkreis, zu dem auch Medard gehörte, ging 1932 im Landkreis Bad Kreuznach auf. 

Weitere Veränderungen ergaben sich nach dem Zweiten Weltkrieg. Medard lag zunächst weiterhin im Kreis Bad Kreuznach innerhalb des Regierungsbezirks Koblenz im Bundesland Rheinland-Pfalz. Durch die Gebiets- und Verwaltungsreform von 1968 wurde der Ort aus dem Landkreis Bad Kreuznach ausgegliedert und kam zum Landkreis Kusel und 1972 zur Verbandsgemeinde Lauterecken, gleichzeitig vom Regierungsbezirk Koblenz in den neu gegründeten Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz.

0.8.Wahlergebnisse in Prozent, Bundestag Zweitstimmen

SPD CDU FDP Grüne Linke Sonstige
Landtag 2001 52,9 25,5 10,0 4,6 --- 6,9
Landtag 2006 55,7 20,8 8,9 3,9 4,6 6,1
Landtag 2011 51,0 30,4 5,1 7,0 1,9 4,6
Bundestag 2002 44,8 28,9 14,8 4,8 --- 6,7
Bundestag 2005 39,7 24,5 17,4 6,0 5,3 7,1
Bundestag 2009 32,2 31,4 12,2 9,4 9,4 5,6
Bundestag 2013 33,8 38,1 2,2 7,8 6,9 11,2

0.9.Zeittafel

Vorgeschichte Funde am Marialskopf
Römerzeit Römische Siedlung
Frühes Mittelalter Hof Medard des Bistums Verdun, Grubenhäuser
1124 Die Grafen von Veldenz Vögte über den Hof Medard
1156 Erwähnung von Medard in einer Urkunde aus der Zeit des Kaisers Barbarossa
1444 Begründung der Pfalzgrafschaft Zweibrücken
1497 Medard in einer Urkunde des Kaisers Maximilian I.
1537 Einführung der Reformation in der Pfalzgrafschaft Zweibrücken
1589 Weidestreit zwischen Lauterecken und Medard
1801 Französische Republik, Mairie und Kanton Meisenheim, Arrondissement Birkenfeld, Département de la Sarre (Saar)
1817 Hessen-Homburg
1866 Königreich Preußen, Kreis Meisenheim
1932 Landkreis Bad Kreuznach
1972 Verbandsgemeinde Lauterecken, Landkreis Kusel

0.10.Religiöse Verhältnisse

Kirche mit Spolien aus der Römerzeit[Bild: Ernst Schworm]

Wir nehmen an, dass Medard zur Zeit der fränkischen Landnahme zu den frühesten Siedlungen gehörte, die von den alten Römerstraßen her im Glantal gegründet wurden. Das Gebiet, in dem die Gründung erfolgte, muss zum freien Reichsland gehört haben, denn nur so war es möglich, dass der Hof Medard dem Bischof von Verdun zum Geschenk gemacht wurde. Die Ortsgründung kann demnach schon im frühen 6. Jahrhundert erfolgt sein, und es ist durchaus möglich, dass von hier aus Impulse zur Christianisierung der germanischen Bevölkerung ausgegangen sind. (Vgl. Debus 1982 S. 66) Das setzt voraus, dass es von Anfang an bei der Siedlung eine Kirche gab. Die Ortschaften, die später zum Kirchspiel des Hofes Medard gehörten, müssen alle wesentlich später gegründet worden sein, wobei wir einen Zeitraum von 200 bis 400 Jahren annehmen können. Die Namen dieser Dörfer erfahren wir erst sehr spät. Es handelte sich um  Medard selbst, weiterhin um Windsberg (heute Windhof), Lauterecken, Berschweiler (heute Teil von Wiesweiler), Lohnweiler, Adenbach, Becherbach, Odenbach und die Wüstungen Nyrthausen, Mannweiler (bei Reipoltskirchen), Rode und Schwanden. (Vgl. Zink 1968 S. 21) Dabei ist zu beachten, dass nach der weltlichen Organisation während des Mittelalters Odenbach zum Amtssitz eines Unteramtes geworden war, und dass Kirchspiel und Unteramt in der Ausdehnung übereinstimmten. Während Medard ein Besitztum von Verdun war, gehörte es dennoch entsprechend der kirchlichen Organisation zum Erzbistum Mainz. Die heutige Kirche stammt in ihren Ursprüngen aus dem 13. Jahrhundert (Turm). Das Langhaus mit drei Schiffen unter einem Dach wurde erst im 16. Jahrhundert erbaut. Bei dem Chor handelt es sich um eine Erneuerung von 1890. Die Einführung der Reformation erfolgte 1537 entsprechend der kirchengeschichtlichen Entwicklung in der Pfalzgrafschaft Zweibrücken, die zunächst den lutherischen Glauben übernommen hatte. Doch ab 1588 zwang Herzog Johannes I. die Untertanen zu einem Übertritt zur Reformation nach der Lehre Calvins. Zuständige Kirchenschaffnei war zu jener Zeit die Kirchenschaffnei Meisenheim. Veränderungen ergaben sich zunächst sowohl im Kirchspiel als auch in der weltlichen Organisation bei der Gründung der neuen Pfalzgrafschaft Veldenz gemäß des Marburger Vertrags vom Jahre 1543. Jetzt wurden Lauterecken, Berschweiler und Lohnweiler in die neue Pfalzgrafschaft eingegliedert. Dieser Umstand wird sich auf die neue Konsolidierung innerhalb des Kirchspiels erst nach und nach ausgewirkt haben. Seit 1367 bestand in dem Filialort Odenbach bereits eine eigene Kirche. 1675 verlor Medard seine Funktion als Mutterkirche und wurde nun selbst eine Filiale von Odenbach. Durch die politischen Neuordnungen im Zuge der Revolutions- und der Napoleonszeit ergaben sich erneut grundlegende Veränderungen auch in der kirchlichen Organisation. Unter der Hoheit von Hessen-Homburg wurde Medard von Odenbach getrennt und in die Kirchengemeinde Meisenheim eingegliedert. Zeitweise war nun der Rektor der Lateinschule Meisenheim zugleich Pfarrer von Medard. Erst 1902, lange nachdem Medard zu Preußen gekommen war, erhielt Medard wieder eine selbständige Pfarrei. In den Jahren 1902 und 1903 entstand auch das jetzige Pfarrhaus. Seit 1866 bildete der Kreis Meisenheim auch einen eigenen Kirchenkreis. Dieser wurde 1969 aufgehoben und mit den früheren Kirchenkreisen Kreuznach und Sobernheim zu dem neuen Kirchenkreis "An Nahe und Glan" zusammengefasst. Diesem gehörte die Pfarrgemeinde Medard jedoch nur kurze Zeit an, denn 1976 wurde sie in den Kirchenkreis St. Wendel eingegliedert. Seit 1991 hat der Pfarrer von Medard zwei Pfarreien zu betreuen, neben der eigenen Pfarrei Medard auch die kleine Pfarrei Niederalben, die 15 Kilometer weit entfernt liegt.

0.11.Bewohner

Das Dorf blieb bis heute ländlich strukturiert. Ein großer Teil der Bevölkerung arbeitete bis vor wenigen Jahrzehnten in der Landwirtschaft. Daneben gab es Handwerker vor Ort, sowie Arbeiter und Angestellte, die zumeist außerhalb des Ortes ihrem Broterwerb nachgingen. Die Landwirtschaft beschäftigt heute nur noch wenige Menschen. Viele Erwerbstätige gehen außerhalb des Ortes dem Broterwerb nach. 

0.12.Einwohnerzahlen (ältere Zahlen nicht im Pfalzatlas)

1978 1999 2007
540 470 519

0.13.Schule, Kultur, Vereinswesen

0.13.1.Schule

Ursprünglich mussten die Kinder nach Odenbach zur Schule gehen, wofür der Pfarrer von Medard einen Malter Korn stiftete. Im Jahr 1596 erklärte sich dann der Pfarrer selbst dazu bereit, den Unterricht zu erteilen, wodurch er sich die Kornabgabe ersparte. 1604 sollte ein Jost Drincker, zugleich Lehrer im Eßweiler Tal, auch als „Deutscher Schulmeister“ in Medard eingestellt werden. Wahrscheinlich hat dann dieser Drincker nur sporadisch in Medard unterrichtet, denn bei einer Inspektion von 1609 in Medard wurde „keine Schule vorgefunden“. Es ist nicht bekannt, wann der Unterricht wieder aufgenommen wurde. 1623 kam ein Lehrer Johannes Walmeister nach Medard, der 1626 vergebens um eine Versetzung in das Amt Lichtenberg nachsuchte, weil in Medard die Leute zu arm seien, um ihre Kinder zur Schule zu schicken. Ein Rückschlag erfolgte durch den Dreißigjährigen Krieg, doch bald nach dem Krieg wurde die Stelle wieder besetzt. 1655, also sieben Jahre nach Kriegsende, beschwerte sich ein Schulmeister darüber, dass die Kinder nicht regelmäßig zur Schule kämen und dass er selbst nur unvollkommen seine Besoldung empfangen würde. Dieser Lehrer ließ sich versetzen, wonach für lange Zeit der Unterricht ausfiel. Bei Inspektionen von 1666 und 1673 fanden die Inspektoren in Medard keine Schule vor. Nun wurden Eltern, die am Schulunterricht für ihre Kinder interessiert waren, wieder nach Odenbach verwiesen. Doch 1674 hatte Medard wieder einen Lehrer, der aber ebenfalls wegen zu geringer Besoldung das Dorf bald verließ. 1687 war die Schulstelle in Medard neu besetzt, und dem damaligen Lehrer wurde ein gutes Zeugnis ausgestellt. 1695 lehrte ein Hans Konrad Henn, 1708 ein Johann Rudolf Roland, der 1714 nach Rehborn versetzt wurde. Ihm folgte Kaspar Methiger, der 1722 nach Ulmet ging. Dann kam Balthasar Nikolay, zuvor Lehrer in Einöllen. Dieser war 31 Jahre lang Lehrer vor Ort und bat 1753 im Alter von 75 Jahren, man solle seinen Schwiegersohn Johann Glück einstellen, der zeitweilig 50 Kinder unterrichtete. Dieser war dann Lehrer bis 1791, dem wiederum der Schwiegersohn folgte, Johannes Hunsicker aus Jeckenbach. Über diesen Lehrer Hunsicker wurde berichtet, dass er „außer der Kenntnis der Schulwissenschaften den Ruf eines großen Künstlers in Verfertigung musikalischer Instrumente“ besitze. Die von Hunsicker angefertigten Musikinstrumente, hauptsächlich Klaviere, wurden sogar ins Ausland verkauft, und so war der Mann finanziell besser gestellt als andere Lehrer. Hunsickers Einkommen von der Gemeinde und von der Pfarrei betrug damals 18 Gulden, 12 Batzen und 8 Pfennige. (Vgl. Kramer 1914 S. 238 ff.) 

Heute besuchen Grund- und Hauptschüler die entsprechenden Schulen in Lauterecken.  Gymnasien bestehen in Lauterecken und in Meisenheim. Nächste Universitätsstadt ist Kaiserslautern.

0.13.2.Feste und Brauchtum

Die Kirchweih wird am 2. Wochenende im September gefeiert. Außer den in den Nachbarorten üblichen wird kein besonderer Brauch in Medard gepflegt.  

0.13.3.Vereine

Angelsportverein, Förderverein der Feuerwehr, Landfrauenverein, Männergesangverein, Modellflugverein „Falke“, Sportverein. 

0.14.Gesundheits- und Sozialwesen

 

Ärzte und Apotheken werden in Meisenheim und in Lauterecken aufgesucht. In Meisenheim steht auch das nächst gelegene Krankenhaus zur Verfügung. Die Sozialstation von Lauterecken ist u. a. auch für Medard zuständig. Seniorenheime gibt es in Lauterecken und in Meisenheim.

0.14.1.Wirtschaft und Verkehr

Ursprünglich lebten die Menschen des Dorfes hauptsächlich von der Landwirtschaft. Neben kleineren Handwerksbetrieben gab es eine Mühle, und lange Zeit wurde auch Kalk gewonnen und gebrannt. Zwei Kalköfen stehen noch heute. Eine Mineralwasserquelle ist seit langer Zeit bekannt und wird in den Gebäuden der ehemaligen Mühle zur Mineralwasserproduktion in großem Stil genutzt (Medardus-Quelle). Ein Betrieb zum Vertrieb keramischer Produkte etablierte sich nach dem Zweiten Weltkrieg, hat seit einigen Jahren seinen Geschäftsbetrieb eingestellt. Eine größere Metallbaufirma, die Fenster- und Türkonstruktionen herstellt, hat im Januar 2000  an der Straße nach Lauterecken den Betrieb aufgenommen. Insgesamt reichen die Betriebe vor Ort bei weitem nicht aus, die Berufstätigen des Ortes zu beschäftigen, und diese müssen in der Regel zur Arbeit auspendeln, vor allem nach Lauterecken, Meisenheim, Kaiserslautern und Bad Kreuznach. 

Der Ort liegt an der Bundesstraße B 420 (Oppenheim - Neunkirchen Saar). In Lauterecken, nur 2 km weit entfernt, kreuzen sich B 420 und B 270. Autobahnauffahrten liegen verhältnismäßig weit entfernt (Kusel 32 km, Kaiserslautern 35 km, Wörrstadt 45 km). Früher lag der Ort an der Eisenbahnstrecke Bad-Münster am Stein-Homburg, die 1906 eröffnet und 1985 geschlossen wurde. Auf den Schienen des Bahndammes fahren heute kleine Draisinen als eine touristische Attraktion. Insgesamt dürfte die Touristikbranche vor Ort noch ausbaufähig sein.   

0.15.Wichtige Persönlichkeit

 

Kistner, Karl L.

geb. 1926 in Medard, Maler, Grafiker, Designer, auch Schriftsteller. Viele Ausstellungen in ganz Deutschland. Bekanntes Werk: Die Bibel in 61 Linolschnitten. Zusätzliche Veröffentlichungen u. a.: Autoleien, Jeden Tag ein Lächeln, Liebesbriefe.

0.16.Nachweise

Verfasser: Ernst Schworm

Redaktionelle Bearbeitung: Ernst Schworm

Literatur:

  • Anthes, Günter F.: Die  jüdische Familie Dinkelspielaus Medard, Ludwigshafen 1987.
  • Anthes, Günter F.: Die Kasualien der Einwohner von Adenbach, Cronenberg und Medard in den lutherischen Kirchenbüchern von Meisenheim 1684 - 1794, Meisenheim 1979.
  • Debus Karlheinz: Aspekte zur Geschichte von Remigiusberg und Remigiusland, in: Westricher Heimatblätter Jg. 13, Kusel 1982, S. 63 - 71.
  • Fabricius, Wilhelm: Das Hochgericht auf der Heide - Die Wildgrafschaft zwischen Oberstein, Meisenheim, Lauterecken und Kusel, in: Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst Jg. 24, Trier 1905.
  • Fabricius, Wilhelm: Die Grafschaft Veldenz, in: Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz Band 33, Speyer 1913, S. 1-92.
  • Hammelsbeck Reinhart: Medard, in: 150 Jahre Kirchenkreis Sankt Wendel, S. 127-131.
  • Heinzelmann, Wolfgang: Ausgrabungen in Medard, in: Westrichkalender Kusel 1996, S. 197-198.
  • Heinzelmann, Wolfgang: Großes römisches Haupthaus in Medard, in: Westrichkalender Kusel 1997, S. 177-181.
  • Kramer, Karl: Geschichte des Volksschulwesens im früheren Herzogtune Zweibrücken, 2. Teil, Kaiserslautern 1915.
  • Lehmann, Johann Georg: Vollständige Geschichte des Herzogtums Zweibrücken und seiner Fürsten, München 1867, unveränderter Neudruck Osnabrück 1974.
  • Malitius Diethelm: Über die vorgeschichtlichen, römischen und mittelalterlichen Funde in der Gemarkung Medard, in: Westricher Heimatblätter Jg. 23, Kusel 1992, S. 121-138.
  • Naumann, Karl Heinz: Zwei Keltenmünzen aus dem Kreis Kusel, in: Westricher Heimatblätter Jg. 3, Kusel 1972, S. 87-88.
  • Ortsgemeinde Medard (Hrsg.): Festschrift 850 Jahre Medard, Medard 2006.
  • Pöhlmann, Carl: Regesten der Lehensurkunden der Grafen von Veldenz, Speyer 1928.
  • Zink, Albert: Chronik der Stadt Lauterecken, Landau 1968.