Ingelheim in Rheinhessen

Der Güterstein der Grafen von Ingelheim Stein Nr. 46 - von Reiner Letzner

Der Güterstein der Grafen von Ingelheim.[Bild: Reiner Letzner]
Geisenheim 1682.[Bild: Paul Claus]
Geschachtetes Kreuz, 1698.[Bild: Paul Claus]
Geschachtetes Kreuz.[Bild: Paul Claus]
Allianzwappen.[Bild: Paul Claus]
Wappen der Grafen von Ingelheim, ca. 1615.[Bild: Helwich, Georg]
Grenzstein Geisenheim 1689, roter Sandstein.[Bild: Zorn, Richard]
Grenzstein Hochheim 1733, roter Sandstein.[Bild: Zorn, Richard]
Am Fuß des Rotenberges (Rheingau).[Bild: Zorn, Richard]

Den einzigen Hinweis auf den Güterstein der Grafen von INGELHEIM (Stein Nr.46)[Anm. 1] findet man bei Philipp Krämer.[Anm. 2] Bei Renovierungsarbeiten auf einem Grundstück in Ober-Ingelheim soll dort ein Güterstein mit dem gräflich Ingelheimer Wappen und der Jahreszahl 1752 gefunden worden sein.
In den 70er Jahren wurden die bestehenden Gebäude abgerissen und völlig neu aufgebaut. Seitdem fehlte jeglicher Hinweis auf den Verbleib des historischen Grenzsteines, von dem auch kein Bild existierte.
Durch einen glücklichen Zufall wurde der für die Ingelheimer Geschichte bedeutsame historische Grenzstein der Grafen von Ingelheim wieder entdeckt. Der Besitzer des Grenzsteines hat sich spontan bereit erklärt, diesen dem historischen Verein der Stadt Ingelheim als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen.
Der Güterstein der Grafen von Ingelheim ist der einzig erhaltene Grenzstein auf der linksrheinischen Seite.
Das Adelsgeschlecht derer von Ingelheim ist seit dem 10. Jahrhundert nachgewiesen, dürfte aber noch deutlich älter sein.
Durch Erbgang traten sie 1698 die Nachfolge der Familie Echter von Mespelbrunn an und führten nunmehr den Namen "Grafen von Ingelheim genannt Echter von und zu Mespelbrunn".
Das neue Familienwappen vereint seitdem die Wappenschilde der beiden alten Adels-familien.
Begründet wurde der umfangreiche Besitz durch den Mainzer Erzbischof Anselm von INGELHEIM (1634-1695). Freiherr Franz Adolph Dietrich von INGELHEIM  (1659-1742) hatte Grundbesitz in Sporkenheim, diverse Güter als kurpfälzer Lehen, Nassau-Saarbrücker Erblehen, Gaulsheim, Sprendlingen, Zotzenheim, Westerhäuser Hof als kurpfälzisches Erblehen, Wester- und Kehlwald u.a. Er war K.K. Geheimer Rat und Kammerrichter sowie Präsident des Kammergerichts in Wetzlar. Aus seiner Ehe mit Maria Ursula Kämmerin von Worms ging u.a. Anselm Franz von INGELHEIM hervor, der von 1746-1749 Bischof von Würzburg war.

"Der ehemalige Gräflich Ingelheimer Hof (in der Stiegelgasse), ein einfaches, langes Wohnhaus, ist 1733 erbaut...Das Geschlecht mit dem geschachteten Kreuz, rot-gold in schwarz, teilte sich in eine Hauptlinie, die heute noch blüht, und die der Buser von Ingelheim. Sie besaßen mehrere Höfe. Ein älteres Stammhaus lag an der Stelle des vorgenannten. Die Ritter Bechtolf und Philipp... wurden um 1370 mit dem Hof auf dem Westerberg (Westerhäuser Hof) sowie dem Wester- und Kehlwald von dem Grafen Heinrich II. von Spanheim-Dannenfels aus Bolandischer Erbschaft belehnt. Außerdem erhielt Philipp ein Drittel an der Grießmühle. Die beiden Höfe, die Karl von Ingelheim erhielt, lagen in der unteren Stiegelgasse. Die Buser bewohnten in zwei Anwesen die linke Straßenseite...

Auf dem Hof des letzten Buser von Ingelheim, Johann Karl, gestorben 1580, war der Kurfürst Ludwig von der Pfalz am 16. Juli 1577 zur Entgegennahme der Huldigung, die am 17. unter der Linde stattfand, mit 180 Pferden eingezogen."

Weitere Einzelheiten sind "Ingelheim am Rhein 774-1974 Geschichte und Gegenwart"[Anm. 3] auf Seite 303 zu entnehmen:

"Noch zu Ende des ausgehenden 18. Jahrhunderts hatten die Grafen von Ingelheim links-rheinischen Besitz, auch in den Ingelheimer Gemarkungen: den Sporkenheimer und den Westerhäuser Hof (als pfälzisches Lehen). Angesichts der durch den Einfall der französischen Revolutionstruppen (ab 1792)  wachsende Gefährdung des Besitzes auf dem linken Rheinufer veräußerte Graf Friedrich Carl Josef (1777-1847) den seinigen. Unter ihm gingen all die übrigen reichen Besitzungen der Grafen Ingelheim auf dem linken Rheinufer verloren. Er verkaufte sie um den geringsten Teil des Wertes, "da er nicht Unterthan der Jakobiner und eines gewalthätigen Emporkömmlings sein wollte". 1813 organisierte er ein Bataillon Freiwilliger, an deren Spitze er als Major den Feldzug von 1814 in Frankreich mitmachte."


Nachweise

Verfasser: Reiner Letzner

Verwendete Literatur:

  • Krämer, Philipp: Ober-Ingelheim  -  ein Heimatjahrbuch. Historischer Verein Ingelheim, Heft 5, 1954.
  • Lachenal, François: Ingelheim am Rhein 774-1974. Geschichte und Gegenwart. Ingelheim 1974.

Aktualisiert am: 23.08.2014

Anmerkungen:

  1. Letzner, Reiner: Die Angabe „Stein Nr.“ entspricht der Nummer einer unveröffentlichten Dokumentation zur Erfassung „Historische Grenzsteine und alte Grenzen im Ingelheimer Raum“ – Vortrag vor dem historischen Verein Ingelheim am 22.06.1998 im Fridtjof-Nansen-Haus in Ingelheim. Zurück
  2. Krämer, Philipp: Ober-Ingelheim  -  ein Heimatjahrbuch Historischer Verein Ingelheim, Heft 5, 1954, Seite 43: "Die Altegasse"......" Bei Renovierungsarbeiten (in der Hofreite Nr. 54) wurde...ein Grenzstein mit dem gräflich Ingelheimer Wappen 1752" gefunden. Zurück
  3. Ingelheim am Rhein 774-1974 Geschichte und Gegenwart. C.H. Boehringer Sohn, Ingelheim 1974 Zurück