Zornheim in Rheinhessen

Die katholische Pfarrkirche St. Bartholomäus in Zornheim

1. Die Vorgängerkirchen bis zum 17. Jahrhundert

Wie in den meisten rheinhessischen Dörfern liegen die genauen Umstände der Entstehung der Pfarrei Zornheim im Dunkel der Geschichte. Die älteste sichere Nachricht stammt aus dem Jahre 1184 und zeigt, dass damals das Mainzer Benediktinerkloster St. Alban das Patronatsrecht über eine Kirche und Kapelle in Zornheim besaß und den Zehnten im Dorf beziehen durfte.

Zornheimer Kirchenbezirk (1843)[Bild: Gottfried Kneib]

Über das Aussehen der ältesten Zornheimer Kirchengebäude kann man nur spekulieren. Wahrscheinlich war das erste Bauwerk - wie im ländlichen Rheinhessen üblich - eine in Fachwerk errichtete Holzkirche und wurde im 12. Jahrhundert im Trend der damaligen Zeit durch einen romanischen Steinbau ersetzt. Um die Kirche lag der Friedhof (in Rheinhessen immer "Kirchhof" genannt) und bildete mit seiner Umfriedungsmauer eine dörfliche Befestigungsanlage.

Die Ausmaße dieser ehemaligen Zornheimer Kirchenbefestigung sind in den Katasterplänen des 19. Jahrhunderts noch deutlich erkennbar. Geschickt nutzte man die Hanglage des Kirchplatzes aus und erreichte auf der Ostseite durch die Kombination von Friedhofsmauer und dem darunterliegenden Abhang (zum Röhrbrunnenplatz hin) ein nur schwer einnehmbares Festungswerk. Die stärker gefährdete flache Westseite dagegen wurde von dem massiven Kirchturm geschützt. Seine klotzigen Fundamente haben sich bis heute erhalten und lassen noch immer den ehemaligen bergfriedartigen Charakter erkennen.

In der Kirche befand sich ein bepfründeter Nebenaltar, welcher der Gottesmutter (B[eatae] M[ariae] V[irginis]) geweiht war. Er geht auf eine Stiftung der Hund von Saulheim zurück. Im Jahre 1604 schenkte ihn Christoph Hund von Saulheim an das Jesuitenkolleg in Mainz.

Eckquader mit der Jahreszahl 1615.[Bild: Gottfried Kneib]

In den Jahren 1615/16 wurde die Pfarrkirche samt Chor und Turm von Grund auf neu erbaut. Ein Quader an der Südwestecke mit der Inschrift "1615 / G * M" erinnert noch an die damalige Bautätigkeit. In einem der Turmfenster wurden zwei Grabplatten aus dem 12. Jahrhundert als Stürze vermauert. Während St. Alban, das inzwischen in ein Ritterstift umgewandelt worden war, als Patronatsherr den gesamten Rohbau finanzierte, gingen die kontinuierlichen Kosten der Dacharbeiten, die Friedhofsmauer und die Inneneinrichtung des Gotteshauses zu Lasten der örtlichen Kirchenkasse.

Grabplatten aus dem 12. Jahrhundert als Fenstersturz im Zornheimer Kirchtum.[Bild: Alban Reinhardt]

Zwei Jahre nach Fertigstellung des Kirchengebäudes brach der Dreißigjährige Krieg aus. Das Bauwerk überstand die Kriegsereignisse unbeschadet, obgleich Rheinhessen zu den härtest betroffenen Regionen zählte. Dafür fiel es der Brandschatzung Zornheims im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) zum Opfer, als französische Söldner 1691/92 das Dorf einäscherten. Nach einem Visitationsbericht war das Kirchenschiff „vollständig in Asche gelegt und in einem so erbärmlichen Zustand, dass kein Platz gefunden werden konnte, an den man den Altar stellen könnte, damit er vor Regen, Schnee und Unwetter geschützt sei. Lediglich der alte Kirchturm überdauerte die Verwüstung.

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2. Die Vorgängerkirche von 1701/02

In den Jahren 1701/02 begann der Wiederaufbau des Langhauses. 1706 folgte die Reparatur des Kirchturmes. Die Bauarbeiten leitete der Zornheimer Christian Horn, welcher in dem heutigen Gemeindehof (Kirschgartenstr. 2) wohnte. Die Ausmaße der damals entstandenen Kirche lassen sich noch exakt aus den Katasterplänen des 19. Jahrhunderts ablesen. Der nach Osten ausgerichtete einschiffige Hallenbau maß in der Länge ca. 19 m und in der Breite ca. 11 m. Er wurde vom Westen aus durch die Turmhalle betreten. An der Nordseite des Gebäudes war eine kleine Sakristei angebaut.

Nach Fertigstellung des Rohbaus bemühte man sich um die Einrichtung des Kircheninneren. Als vorläufigen Hochaltar erstand man einen Altar aus dem Kloster Eberbach. Er wurde 1750 durch einen neuen von dem Mainzer Schreiner Johannes Förster hergestellten ersetzt. 1721 erhielt die Kirche eine Orgel. Sie war im 19. Jahrhundert sehr verwurmt und wurde 1842 von Dreymann repariert. Im Jahre 1723 konnten drei Glocken für den Kirchturm anschafft werden.

Einzige Aufnahme der Zornheimer Vorgängerkirche (1890).

Erst lange nach der Fertigstellung des Kirchengebäudes und der Einrichtung des Innenraumes wurde die Pfarrkirche am 25. August (Zornheimer Kerb!) 1726 durch Weihbischof Johann Gedult von Jungenfeld eingeweiht. Er konsekrierte neben dem Hochaltar, der dem Kirchenpatron Bartholomäus geweiht war, auch den fundierten Marienaltar sowie einen weiteren dem hl. Antonius von Padua geweihten Nebenaltar. Am folgenden Tag wurde auch der Friedhof um die Kirche neu eingesegnet.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verdoppelte sich die Bevölkerung Zornheims. Da das Kirchengebäude die gestiegene Anzahl der Gottesdienstbesucher nicht mehr fassen konnte und zudem inzwischen baufällig geworden war, beabsichtigte die Pfarrer, den alten Bau durch einen neuen, größeren zu ersetzen. Sie scheiterten aber am Zornheimer Gemeinderat, der nur einige Renovierungsarbeiten genehmigte.

Als im Jahre 1892 ein Stück Stuckwerk von der Decke fiel und fast den Pfarrer getroffen hätte, waren alle von der Notwendigkeit eines Neubaus überzeugt.

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3. Die heutige Pfarrkirche von 1894/95

Mit der Planung und Bauleitung beauftragte man den Mainzer Kirchenbauarchitekt und Dombaumeister Ludwig Becker. Nach seinen Plänen wurde Anfang 1894 die alte Kirche niedergelegt und Platz für das erweiterte nun in Nordsüdrichtung ausgerichtete Gebäude geschaffen. Dazu musste auf der abschüssigen Ostseite (zum Röhrbrunnenplatz hin) ein mächtiges Fundament gemauert werden.

 

Bauzeichnung der Westseite von Ludwig Becker (1893).[Bild: Ludwig Becker [gemeinfrei]]

Querschnitt Ost-West, Zeichnung von Ludwig Becker (1893).[Bild: Ludwig Becker [gemeinfrei]]
Grundriss der Zornheimer Pfarrkirche, Zeichnung von Ludwig Becker (1893).[Bild: Ludwig Becker [gemeinfrei]]

Im März 1894 begann das Bauunternehmen Oscar Hauswald aus Mainz mit dem Aufbau. Als Baumaterial dienten Kalksteinquader, welche in der Zornheimer Gemarkung (heute: Ortsteil Zornheim-Nord) gebrochen wurden. Die feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 6. Mai. Ohne Unglücksfall wurden die Bauarbeiten zu Ende geführt, sodass der Mainzer Bischof Paul Leopold Haffner den Neubau am 29. Juni 1895 konsekrieren konnte.

Das dreischiffige Gotteshaus wurde im neugotischen Stil errichtet. Die Seitenschiffe sind nur unbedeutend niedriger als das Mittelschiff und besitzen Zwerchdächer. Das Westjoch des nördlichen Seitenschiffes ist zu einer Taufkapelle vergrößert. Auf der Westseite ist dem Mittelschiff ein Anbau mit einer Orgelempore vorgelagert. Die hohen Fensterrahmen sind mit gotischen Maßwerkformen verziert.

Im Innern zeigt sich die Kirche als spätgotische Halle mit dreiseitig geschlossenem Chor. Mittel- und Seitenschiffe werden von schlanken Achteckpfeilern getrennt.

Nachdem das Kirchengebäude vollendet war, bemühte man sich unverzüglich um die Ausgestaltung und Einrichtung des Innern. Dank der Spendenfreudigkeit vieler Zornheimer konnten in kurzer Zeit Kirchenbänke, die Kommunionbank, eine Kanzel, ein Harmonium sowie die beiden Seitenaltäre (mit einer Pieta und St. Joseph) angeschafft und zusätzlich die Sakristei komplett eingerichtet werden.

Hochaltar der Zornheimer Pfarrkirche von 1900.[Bild: Gottfried Kneib]

Die weiteren Anschaffungen zogen sich über viele Jahre hin.

1898: Kreuzwegstationen

1900: Hochaltar (vom Mainzer Bernward-Institut) in gotisch nachempfundenen Stil, unter dem Gesprenge der segnende Christus, Retabel mit den Bildmotiven Abendmahl, Bergpredigt, Taufe Jesu und Weinwunder zu Kana und im geschlossenen Zustand St. Bartholomäus (Kirchenpatron) und St. Jakobus (Patron der ehemaligen Kapelle am Ortsrand)

1910: Ausmalung des Innenraumes (Kirchenmaler Seiler, Mainz; im Langhaus drei Gemälde von Thumau, Letzenheim)

1910: Aufstellung der restaurierten Statuen von Maria mit dem Jesuskind und des hl. Johannes Nepomuk (neben der St. Antoniusfigur an der östlichen Außenwand die einzigen erhaltenen Statuen aus der Vorgängerkirche) und der neu angeschafften St. Aloysius-Statue

1911: Aufstellung der Statue des Kirchenpatrons Bartholomäus

1913: elektrische Beleuchtung

1920: Anschaffung einer Herz-Jesu- und Herz-Mariä-Staute (von Holzschnitzer Sebastian Veit aus Oberammergau)

1920: zwei Glocken (Firma F. W. Rincker, Sinn; als Ersatz für die im 1. Weltkrieg eingezogenen Glocken)

1931: Orgel (Multiplexorgel der Firma Ernst Seifert, Köln-Mannsfeld)

Das Kircheninnere im Jahre 1934

Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten aufwendige Renovierungsarbeiten am Kirchengebäude, von denen nur einige erwähnt werden sollen:

1955/56: die Erhöhung des Kirchturms (mit Anschaffung des Vierergeläutes)

Zornheimer Kirchturm vor 1955.
Zornheimer Kirchturm nach 1955.

1961: Übertünchung der neugotischen Malereien des Inneren (mit Dispersionsfarben)

1971: Errichtung des St. Alban geweihten Volksaltares (im Zuge der Liturgiereformen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil)

2002/03: Innenrenovierung mit Rekonstruktion der ursprünglichen Bemalung (zu 85 Prozent)

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Das Innere der Zornheimer Pfarrkirche im Jahre 2009.[Bild: Gottfried Kneib]

4. Die Orgeln

Die Orgel von 1721

Zwei Jahrzehnte Jahre nach dem Wiederaufbau der Pfarrkirche wurde im Jahre 1721 eine Orgel angeschafft. Diese besaß zehn Register mit folgender Disposition: Principal (4'), Großgedackt (8'), Gamba (8'), Kleingedackt (4'), Quinte (3'), Octava (2'), Superoctava (1'), Mixtur (3fach), Subbass (16') und Octavbass (8'). Die Pedallade wurde als zu schmal kritisiert.

Die Anschaffungs- und die Reparaturkosten hatte die Gemeinde übernommen und damit den Kommunalhaushalt stark belastet. Zu seiner Entlastung regte der Olmer Amtmann 1790 an, die Hälfte der Einnahmen des Zehnt zur Schuldentilgung zu verwenden. Das bischöfliche Vikariat reagierte jedoch nicht auf diesen Vorschlag.

Die Orgel war im 19. Jahrhundert sehr verwurmt und wurde 1842 von Dreymann repariert. Hierbei sollte die für Rheinhessen ungewöhnliche Oktav 1' in eine Quint 1½' verändert werden.

Der Balgtreter erhielt für seine Tätigkeit 30 Laib Brot und durfte eines der Gemeindepflanzfelder (Allmende) nutzen.

Mit dem Abriss des Kirchengebäudes Anfang des Jahres 1894 wurde die Orgel abgebaut. Als Ersatz schaffte man ein Harmonium an.

 

Die Empore der Zornheimer Pfarrkirche mit der Orgel von 1931.[Bild: Gottfried Kneib]

Die Orgel von 1931

Im Jahre 1931 wurde eine neue Orgel angeschafft. Man entschied sich für die Anschaffung einer Multiplex-Orgel nach dem Reformsystem der Firma Seifert Söhne in Köln und Kevelaer, der ersten im damaligen Volksstaat Hessen. Ein solches Werk besteht nicht wie bisher aus einer großen Anzahl klingender Register, vielmehr ermöglicht ein elektrisches Schaltungssystem die Pfeifen eines Registers in verschiedenen Fußtonhöhen zu verwenden. Dadurch wird eine große Raum- und Kostenersparnis erreicht.

Die Zornheimer Orgel hat vier Grundreihen: Principal (16'), Gedackt/Flöte (16'), Viola (8') und Vox-coelestis (8'). Diese ergeben 36 Register, und zwar:
I. Manual: Principal (16'), Bordun (16'), Principal (8'), Hohlflöte (8'), Gamba (8'), Vox-coelestis (8'), Oktave (4'), Flöte (4'), Viola (4'), Vox-coelestis (4'), Quinte (2 2/3'), Oktave (2'), Flöte (2'), Terz (1 3/5')
II. Manual: Principal (8'), Rohrflöte (8'), Viola (8'), Vox-coelestis (8'), Praestant (4'), Viola (4'), Vox-coelestis (4'), Flautino (4'), Nasard (2 2/3'), Flautino (2'), Terzian (1 3/5'), Sifflöte (1')
Pedal: Contrabass (16'), Subbass (16'), Quintbass (10 2/3'), Cello (8'), Oktavbass (8'), Bassflöte (8'), Choralbass (4'), Flöte (4'), Quintflöte (2 2/3'), Flöte (2')
An Kombinationen und Spielhilfen weist sie außerdem auf: Tutti, Forte, Mezzoforte, Piano, Auslöser, Tremolo, Registerschwelltritt.

Das Orgelwerk mit seinen silberglänzenden Pfeifen hat seine Aufstellung auf der Ostseite der Empore gefunden.

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5. Die Glocken

Der älteste Beleg für Glocken im Turm der Zornheimer Pfarrkirche stammt aus dem Jahre 1329. Das Geläut rief damals die Schöffen zur Übergabe der Ortsvogtei an das Mainzer Franziskanerinnenkloster Reichklara. Die Formulierungen „per campane sonitum“ und in der mittelhochdeutschen Eidesformel der Zornheimer Schöffen „byt erre glocken“ lassen eher auf eine einzige Glocke schließen. Sie wurde offensichtlich sowohl bei kirchlichen als auch zivilen Anlässen eingesetzt.

Im 15. Jahrhundert setzte sich die Besoldung des Glöckners zusammen aus neun Maltern Korn aus dem Anteil des Zehnt von St. Alban in Mainz, aus drei Maltern Korn von der Gemeinde "wegen der Uhr" und einem Brot und einem Sichling (eine Sichel voll) Korn von jedem Einwohner Zornheims sowie aus einem Malter Korn von einem Gemeindeacker.

 

 

Ausführlichere Informationen über Zornheimer Glocken gibt es erst seit dem 18. Jahrhundert:

 

Die drei Glocken von 1723

Nach dem Kirchenneubau von 1701/20 konnten im Jahre 1723 drei Glocken für den Kirchturm anschafft werden. Sie waren am 28. Juni in dem berühmten Mainzer Glockengießerwerk von Georg Christoph Roth gegossen und unmittelbar nach dem gelungenen Guss von Weihbischof Johann Gedult von Jungenfeld geweiht worden.

 

1. Glocke: (1882 und 1904 zersprungen und umgegossen):
Ton a, ca. 349 kg, unterer Durchmesser: 88 cm, Inschrift: „Gegossen für die katholische Kirche in Zornheim von Andreas Hamm in Frankenthal. Gießer der Kölner Kaiserglocke im Jahre 1882. Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango." (Die Lebenden rufe ich. Die Verstorbenen beklage ich. Die Blitze breche ich.), mit ornamentalem Schmuck, 1917 konfisziert und zum Umguss in Kriegsmaterial abtransportiert

Franziskus-Anselmus- Glocke von 1723 vor dem Abtransport (1956).

2. Glocke: Franziskus und Anselmus
Ton c, ca. 320 kg, unterer Durchmesser: 83 cm, Inschrift: "ANSELMUS FRANTZ VON BREIDBACH * MARIA SOPHIA AMALIA VON BREIDBACH GEBORENE ROTENHAN / GOSS MICH GEORG CHRISTOPH ROTH IN MAINTZ 1*7*2*3 FÜR DIE GEMEIN ZORNHEIM"; mit ornamentalem Schmuck: figürliche Darstellungen einer sitzenden Madonna mit Jesuskind sowie einer Kreuzigungsgruppe, 1942 konfisziert und zum Umguss in Kriegsmaterial abtransportiert, 1948 beschädigt zurück, 1956 zum Umguss des jetzigen Geläutes eingeschmolzen (obgleich sie unter Denkmalschutz stand und nur noch wenige Glocken Roths existierten)

3. Glocke: Vinzenz von Paul (1807 sowie 1863/64 zersprungen und umgegossen):
Ton es, ca. 120 kg, unterer Durchmesser: 59 cm, Inschrift: „Gegossen für die Kirche zu Zornheim von A[ndreas] Hamm in Frankenthal 1864.", mit ornamentalem Schmuck, 1917 konfisziert und zum Umguss in Kriegsmaterial abtransportiert

Den Glöcknerdienst versah im 18. Jahrhundert der Schulmeister, wofür er 7 Gulden 10 Kreuzer und ab der Mitte des Jahrhunderts 5 Gulden bezog. Für die Anschaffung und Unterhaltung der Glockenseile hatten (bis 1844) die Pächter der Weinberge in der Flur "Im Glockenstrang" zu sorgen. Die sogenannte Glockenseilpacht belief sich jährlich auf ca. 2 bis 2½ Gulden.

 

Die zwei Glocken von 1920

Die Glocke aus dem Jahre 1723 wurde 1920 durch zwei neue Bronzeglocken aus der Werkstatt F. W. Rincker in Sinn bei Nassau zu einem Dreiergeläut ergänzt.

 

Zornheimer Glockenstuhl vor 1955.

1. Glocke: Ton gis, 431 kg (1923 abgestürzt und wieder befestigt, 1956 zum Umguss des jetzigen Geläutes eingeschmolzen)

 

 

2. Glocke: Ton des, 219 kg, unterer Durchmesser: 72 cm, 65 Anschläge pro Minute

 

 

 

Die drei neuen Glocken von 1956

Nach der Turmerhöhung im Jahre 1955 beschloss man, in die größere Glockenstube ein Vierergeläut einzubauen. Zu der des-Glocke von 1920 wurden 1956 in der Firma Rincker (Sinn bei Nassau) drei neue Glocken (unter Verwendung des Metalls der Glocke von 1723 und der gis-Glocke von 1920) gegossen:

Zornheimer Glockenstuhl nach 1956.

1. Glocke: Herz-Jesu-Glocke
Ton: f', ca. 940 kg, unterer Durchmesser: 116 cm, 54 Anschläge pro Minute, Inschrift: SS. COR JESU / GEBRÜDER RINCKER IN SINN GOSSEN MICH IM JAHRE 1956 FÜR DIE KATH. GEMEINDE ZORNHEIM

2. Glocke: St. Josefsglocke
Ton: as', ca. 560 kg, unterer Durchmesser: 98 cm, 60 Anschläge pro Minute, Inschrift: ST. JOSEF / GEBRÜDER RINCKER IN SINN GOSSEN MICH IM JAHRE 1956 FÜR DIE KATH. GEMEINDE ZORNHEIM

3. Glocke: St. Bartholomäusglocke
Ton: b', ca. 400 kg, unterer Durchmesser: 87,5 cm, 62 Anschläge pro Minute, Inschrift: ST. BARTHOLOMÄUS / GEBRÜDER RINCKER IN SINN GOSSEN MICH IM JAHRE 1956 FÜR DIE KATH. GEMEINDE ZORNHEIM

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(Gottfried Kneib)

Nachweise

Verfasser: Gottfried Kneib

Literatur:

  • Gemeinde Zornheim (Hrsg.): 1200 Jahre Zornheim 771-1971. Beiträge aus der Geschichte der Gemeinde. Zornheim 1971.
  • Landesamt Denkmalpflege (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 18.2: Kreis Mainz-Bingen. Bearb. v. Dieter Krienke. Worms 2011.

Aktualisiert am: 09.01.2015