Binger Neuzeit

Vom Wiener Kongress bis zur Revolution 1848/49

Rheinromantik

Die symbolische Übernahme Bingens durch das Großherzogtum Hessen-Darmstadt erfolgte am 28. Juli 1816 mit einem Hochamt und der Anbringung des hessischen Wappens an öffentlichen Gebäuden, wie der Binger Rheinschiffer Johann Adam Sensig (1766–1840) in seinem zwischen 1814 und 1838 geführten Tagebuch ohne großes Pathos vermerkte.[Anm. 1] Als in mancherlei Hinsicht repräsentativer kleinbürgerlicher Einwohner einer überwiegend (1816 zu 87%) katholischen, aufgrund ihrer Lage an Rhein und Nahe neben dem Weinbau hauptsächlich vom Handel, wiederum zu wesentlichen Teilen mit Wein, abhängigen Gemeinde[Anm. 2] kann man annehmen, dass  Sensig wenig begeistert war sowohl über den neuen protestantischen Landesherrn als auch über die nunmehr nahen Grenzen, die den Güterverkehr einzuschränken drohten.[Anm. 3] Zumindest der letztere Faktor betraf auch die damalige Oberschicht Bingens, die zum größten Teil im Handel tätig war oder aber als Gastwirte ebenfalls von diesem und dem Fremdenverkehr abhängig waren.[Anm. 4] Die neue politische Zugehörigkeit bedeutete neben Umwälzungen aber auch Kontinuität in der rechtlich-institutionellen Dimension. Der napoleonische Code civil nämlich bestand als „Rheinisches Recht“ entsprechend einem diesbezüglichen Zugeständnis in der hessischen Verfassung von 1820 im ehemals französischen Teil des Großherzogtums weitgehend fort.[Anm. 5]

Bingen um 1820

Dadurch blieben Regelungen wie die Abschaffung von Feudalabgaben und standesherrlichen Privilegien, die Einführung von Schwurgerichten oder die rechtliche Gleichstellung der Juden in Kraft. Gegen eine angestrebte Angleichung an die rechtlichen Voraussetzungen im Rest des Herzogtums, die eine eingeschränkte Zurücknahme dieser Neuerungen bedeutet hätte, formierte sich in „Rheinhessen“, wie der betreffende Landesteil 1818 erstmals genannt wurde, bis 1848 erheblicher Widerstand;[Anm. 6] offenbar war man nicht bereit, hinter das einmal Erlangte zurückzufallen. Mit dem Verschwinden der Stadt als eigenem Rechtsraum wurde auch dessen physische Manifestation, die Stadtmauer, sinnlos. Bereits unter den Franzosen war 1805 mit der Abtragung eines Stadttores begonnen worden, es dauerte aber bis in die 1830er Jahre, bis die Niederlegung der Mauer nahezu komplett war.[Anm. 7]

Gautor, 1818 im Zuge der Modernisierung niedergelegt

In Bingen als Handelsumschlagplatz manifestierte sich der gemeinhin unter dem Überbegriff „industrielle Revolution“ zusammenfasste Entwicklungskomplex zuerst in der ab 1825 in Gang kommenden Entwicklung der Dampfschifffahrt auf dem Rhein. Diese verdrängte, der exklusiven Konzession der korporativ organisierten Schiffer zur Beförderung von Personen auf dem Mittelrhein zum Trotz,[Anm. 8] nach und nach die bedeutend langsameren[Anm. 9], streckenweise getreidelten Segeljachten von Rheinschiffern wie Sensig. Auch der Warentransport wurde bereits ab 1830 von Aktiengesellschaften mit Dampfschleppschiffen betrieben,[Anm. 10] mit der Rheinschifffahrtsakte von 1831 fielen altrechtliche institutionelle Hemmnisse wie das Mainzer und Kölner Stapelrecht,[Anm. 11] durch landschaftsgestalterische Maßnahmen wie der Anlegung einer ständig nutzbaren Fahrrinne im Binger Loch 1830/32 auch solche physischer Art.[Anm. 12] All dies führte in Bingen zwischen 1820 und 1850 zu einem starken Wachstum des Hafenumschlags;[Anm. 13] die traditionelle Rheinschifffahrt hingegen verlor, wiederholtem Protest bei der hessischen Regierung und beim Paulskirchenparlament zum Trotz,[Anm. 14] in den darauffolgenden Jahrzehnten immer mehr an Boden, bis sie schließlich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ganz verschwand.[Anm. 15] Profitieren von der Modernisierung des Personenverkehrs hingegen konnte der Tourismus. Die sog. „Rheinromantik“ zog in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert zuerst vor allem Angehörige der englischen Oberschicht an den Strom. Die Vergünstigung und Beschleunigung des Reisens durch Eisenbahn und Dampfschiff demokratisierte diese Form der Freizeitgestaltung zunehmend und führte auch zu einem erhöhten Anteil von Besuchern aus der näheren Umgebung.[Anm. 16] Das Personenverkehrsaufkommen auf dem Rhein stieg bis Mitte des Jahrhunderts rapide an.[Anm. 17] In Bingen, das u.a. mit dem Binger Loch und dem Mäuseturm, der Burg Klopp und der Rochuskapelle über einige bei in- wie ausländischen Rheintouristen beliebte Sehenswürdigkeiten[Anm. 18] verfügte, entstanden im Zuge dieser Entwicklung ab 1830 mehrere Hotels, darunter der „Englische Hof“ und das „Victoria“, in ihrer Namensgebung klar auf die englische Kundschaft ausgerichtet.[Anm. 19] Von bleibend großer Bedeutung im 19. Jahrhundert war der Weinbau,[Anm. 20] der nicht nur in Verbindung mit dem bereits erwähnten Weinhandel in Verbindung stand, sondern dessen Produkte auch lokal vermehrt konsumiert wurden, was wiederum eine Folge des Wachstums von Tourismus[Anm. 21] und Gastronomie[Anm. 22] gewesen sein dürfte. Von dieser Entwicklung versuchte die Stadt 1839 auch durch den Aufbau eines Kurbetriebs zu profitieren. Das 1844 unter hohem finanziellen Aufwand fertiggestellte Badhaus am Rheinufer stürzte aufgrund von fehlerhaften Planungen kurz darauf teilweise wieder ein und wurde schon 1848 wegen mangelnder Rentabilität in seiner Ursprungsfunktion aufgegeben.[Anm. 23] Demgegenüber blieb der Einfluss der Industrialisierung im engeren Sinne relativ gering; die traditionell am Naheufer ansässigen Gerbereibetriebe sind allenfalls als proto-industriell zu bezeichnen und verloren im Laufe des Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung.[Anm. 24] Eine frühe Ausnahme bildet die Tabakfabrik Carl Gräff, die dieser 1818 in Bingen als Zweigstelle des von seinem Vater im preußischen Kreuznach angesiedelten Unternehmens zur Umgehung der Zollschranke und wegen der verkehrsgünstigen Lage begründet hatte.[Anm. 25]

Tabakfabrik Gräff

Prägend für das Stadtbild wurde das Unternehmen Gräff nicht zuletzt indirekt: In den Fabrikgebäuden in der damaligen Judengasse entwickelte sich im April 1850 ein Großbrand, der wesentliche Teile der Altstadt zerstörte. Durch den Wiederaufbau erhielt diese ein „modernes“ Antlitz, der Neubau der Fabrik an gleicher Stelle wurde untersagt.[Anm. 26] Weitere wichtige Neuerungen dieser Zeit waren einerseits die Errichtung einer Gasanstalt durch den Binger Unternehmer Heinrich Adolf Koch 1856, die den meisten Haushalten eine Gasbeleuchtung ermöglichte[Anm. 27] und andererseits die Herstellung der Eisenbahnverbindung nach Mainz 1859.[Anm. 28]

Der damalige Status der Fabrik als Fremdkörper in einer sonst kaum im engeren Sinne industrialisierten Stadt zeigt sich auch daran, dass die 243 Fabrikarbeiter der Firma Gräff nicht in der 1849 erhobenen Berufsstatistik auftauchen, da sie außerhalb Bingens wohnten. Der als arbeitstätig erfasste Anteil (insg. 1.584) der aufgeführten Binger (insg. 5.149) bestand hingegen zu 45,3% aus selbständigen Gewerbetreibenden wie Handwerkern, Wirten und Schiffern sowie deren Gesellen und Lehrlingen, zu 21,6% aus Hauspersonal (meist Frauen) und zu 8,1 % aus Händlern, Kaufleuten und Fabrikanten.[Anm. 29] Dementsprechend ist das Bevölkerungswachstum Bingens um 51% zwischen 1816 und 1867 auch nicht zu vergleichen mit dem anderer, stärker von der frühen Industrialisierung betroffener und dementsprechend von Zuwanderung profitierender Städte.[Anm. 30] Nichtsdestotrotz waren auch in Bingen um 1849 etwa ein Drittel der Einwohner nicht vor Ort geboren.[Anm. 31]

Hotel “Zum Riesen” um 1850

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert markierte der Übergang vom Ancien Régime in die bürgerliche Gesellschaft auch den von vornehmlich berufsständischen zu freiwilligen, dabei aber zum Beispiel durch die Höhe der Mitgliedsbeiträge für wenig Wohlhabende und Angesehene nichtsdestotrotz unzugänglichen Gemeinschaftsformen.[Anm. 32] Die dynamische Entwicklung des modernen Vereinswesens im Vormärz ist auch in Bingen in seiner ganzen Bandbreite zu beobachten.[Anm. 33] Neben dezidiert karitativ oder gesellig ausgerichteten Vereinigungen existierten ebenfalls Ableger von Bewegungen, die dem Verbot politischer Vereine im Deutschen Bund 1832 zum Trotz auch nationalstaatlich-patriotische Bestrebungen verfolgten,[Anm. 34] so ein Turnverein (gegründet 1846), ein Schützenverein (erneuert 1844) und ein Gesangsverein.[Anm. 35] Bereits 1810 hatte sich mit der „Casino-Gesellschaft“ eine Assoziation der lokalen Oberschicht gebildet, die sich in diesem Rahmen ähnlich wie in Mainz auch mit der Organisation der Fastnacht befassten, ohne dafür aber wie dort schon 1837 einen eigenen Verein zu gründen.[Anm. 36] Schließlich bestand bis Mitte der 1870er Jahre ein Verein für Veteranen der napoleonischen Armee.[Anm. 37] In diesem Kontext spielten auch die lokalen politischen Verhältnisse eine Rolle. Diese waren auch im Bingen des 19. Jahrhundert in Teilen schon von einer sich entwickelnden Frontstellung zwischen Liberalismus und politischem Katholizismus geprägt und spiegelten sich auch in der Vereinslandschaft wider. So war bspw. der liberale Tabakfabrikant Carl Gräff II. (1821–1878), Angehöriger der protestantischen Minderheit und Mitbegründer der Binger Freimaurerloge von 1867, Vorsitzender sowohl des Turn- als auch des Schützenvereins.[Anm. 38] Auf der anderen Seite entstand 1848 der Binger „Piusverein für religiöse Freiheit“, der dem politisch einflussreichen Mainzer Zentralverein untergeordnet war.[Anm. 39]

In der Vormärzzeit kündigte sich besagter Konflikt bereits in der lokalen Schulpolitik an. Die bestehende Volksschule unterstand der katholischen Kirche; das liberale Bestreben der Errichtung einer staatlichen Elementarschule scheiterte an der Mehrheit im Gemeinderat; stattdessen wurde 1868 eine protestantische Volksschule gegründet. Der Initiative der hessischen Regierung zur Gründung einer Provinzialrealschule setzten die lokalen Entscheidungsträger 1836 ihr Konzept einer „Höheren Bürgerschule“ entgegen, unter kirchlicher Kontrolle stehen sollte und deren Gründung auch in Eigenregie in Angriff genommen wurde. Als die Regierung diese 1838 in eine Realschule umwandelte, verweigerte der Gemeinderat zuerst die Finanzierung, musste sich aber schließlich doch fügen.[Anm. 40] Die Vorgänge belegen eine ausgeprägte Abwehrhaltung zumindest der Mehrheit der politischen Führungsschicht sowohl gegen staatliche Einmischung auf lokaler Ebene als auch gegen die Zurückdrängung der Kirche aus ihren traditionellen Wirkungsfeldern. Das andere, beim Ausbruch der deutschen Revolution 1848 bestimmende lokale Konfliktthema war, abgesehen natürlich von dem Streben nach Erlangung oder in Rheinhessen auch Erhaltung von Freiheitsrechten, das des Umgangs mit den immer deutlicher hervortretenden sozialen Auswirkungen der Industrialisierung. Erstere waren infolge einer durch schlechte Ernten 1845/46 bedingten Teuerung der Lebensmittelpreise noch einmal akut spürbar geworden, die ein verstärktes Aufkommen von Bettlern und Diebstählen zur Folge hatte.[Anm. 41]

Die durch die Februarereignisse in Frankreich initiierte Revolution hatte in Hessen-Darmstadt bereits am 6. März nach einem Zug hessischer Bauern nach Darmstadt zur Einsetzung einer liberalen Regierung unter dem späteren Präsidenten des Paulskirchenparlaments Heinrich von Gagern (1799–1880) geführt, welche sich bereit erklärte, die sog. „Märzforderungen“ im Wesentlichen zu erfüllen.[Anm. 42] Das zuvor nur amtliche Mitteilungen und private Annoncen enthaltende „Intelligenzblatt“ wurde nach dem Wegfall der Zensur in der Ausgabe vom 12. März in den „Binger Volksboten“ umbenannt und bezog nun auch eine (in der Anfangsphase noch klar konstitutionell-liberale) Position zu lokaler wie nationaler Politik.[Anm. 43] Das Binger Bürgerkomitee ging wie in anderen Orten Rheinhessens aus einem auf Versammlungen Anfang März gewählten Ausschuss zur Organisation eines Protestzugs am 8. März nach Darmstadt hervor, dessen Anlass wegen des Einlenkens der Regierung zwei Tage zuvor entfallen war. Dieses vom Besitzbürgertum (vor allem Händler, Unternehmer, einige Handwerker) geprägte Gremium[Anm. 44] verstand sich als Vertretung der Binger Bürgerschaft und sah es dementsprechend auch als seine Aufgabe an, Ausschreitungen und radikalere Forderungen, welche zumeist von weniger privilegierten Beteiligten ausgingen, einzuhegen bzw. zurückzudrängen.[Anm. 45] Auch diesem Zweck sollte die Anfang April 1848 etablierte Bürgerwehr dienen.[Anm. 46]

Solche Übergriffe richteten sich in Bingen im Frühjahr 1848 nicht nur gegen hessische und preußische Hoheitszeichen,[Anm. 47] sondern auch gegen die verhältnismäßig große[Anm. 48] und wohlhabende[Anm. 49] jüdische Gemeinde.[Anm. 50] Die von der frühen Industrialisierung in Bingen am stärksten betroffene Berufsgruppe war die der Rheinschiffer und Treidler. Folgerichtig ereigneten sich Äußerungen sozialer Unzufriedenheit in Bingen auch nicht im industriellen Kontext, sondern im Umfeld des Güter- und Fremdenverkehrs. Am 4. April 1848 hielten Rheinschiffer ein Dampfschleppschiff auf und zwangen seine Besatzung, ihnen die von diesem geschleppten Kohleschiffe zu übergeben; außerdem hinderten sie Personendampfschiffe daran, Waren aufzunehmen. Ähnliche Aktionen gegen die Dampfschifffahrt hatten in den Tagen zuvor in Mainz und bei Koblenz stattgefunden. Vom Bürgerkomitee, das die Lage erfolglos zu beruhigen versuchte, wandte man sich ab, auf einer Versammlung am darauffolgenden Tag in der mehrheitlich von Schiffern bewohnten Vorstadt wurden die Gründung eines eigenen Bürgerkomitees, sogar die Trennung von Bingen gefordert. Schließlich kam es aber zu einer Einigung, der entsprechend eine zusammen mit dem bestehenden Bürgerkomitee ausgearbeitete Petition an den Landtag gerichtet werden sollte.[Anm. 51] An dieser von den lokalen Verhältnissen in Bingen bestimmte Episode zeigt sich konkret ein Schlüsselkonflikt der Revolution von 1848/49, nämlich den zwischen deren meist auf Kooperation mit der Obrigkeit und Wahrung der öffentlichen Ordnung bedachten besitz- und bildungsbürgerlichen Anführern und ihrer weniger privilegierten, sozial prekären und aktionistischeren Unterstützerbasis „auf der Straße“. Während erstere vor allem Freiheitsrechte, auch im wirtschaftlichen Bereich, und politische Teilhabe forderten, erhoffte sich letztere vielfach Maßnahmen zur Verbesserung ihrer materiellen Situation und zum Teil auch die Aufrechterhaltung oder Einführung von Restriktionen zur Zurückdrängung der wirtschaftlichen Dynamik, durch welche sie ihren Lebensunterhalt bedroht sahen.

Im weiteren Verlauf des Jahres 1848 und angesichts erstarkender reaktionärer Tendenzen, deutlich fassbar spätestens in der auch in Bingen mit Bestürzung aufgenommenen standrechtlichen Erschießung des Revolutionärs Robert Blum (1807–1848) durch österreichische Truppen Anfang November,[Anm. 52] lässt sich eine zunehmende Hinwendung zum demokratischen, d. h. republikanischen Lager feststellen. Mitte September gründete sich anstelle des Bürgerkomitees, das sich in Vertrauen auf das Paulskirchenparlament Anfang Juli für obsolet erklärt und selbst aufgelöst hatte, ein „Demokratischer Verein“, ähnlich wie in vielen anderen rheinhessischen Orten.[Anm. 53] Nachdem der Abgeordnete des Kreises Bingen in der Paulskirche, Joseph Brunck (1787–1848), der bereits der gemäßigten Linken zugeneigt hatte, Mitte Oktober verstorben war, wurde als sein Nachfolger am 23. Dezember der überzeugte Demokrat Friedrich Jacob Schütz (1813–1877) aus dem Umfeld des Mainzer Demokratischen Vereins um Ludwig Bamberger (1823–1899) und Franz Zitz (1803–1877) gewählt; auch um dem zwischenzeitlich wegen Verfolgung nach Belgien geflüchteten Revolutionär Immunität zu gewähren.[Anm. 54] Nach der Ablehnung der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. (1795–1861) am 3. April 1849 und den Aufrufe der Radikaldemokraten zum Schutz der Reichsverfassung („Reichsverfassungskampagne“) formierten sich auch in Rheinhessen, organisiert durch die Demokratischen Vereine, bewaffnete Freikorps, so auch in Bingen.[Anm. 55] Dies wurde von der hessischen Regierung geduldet, da diese offiziell die Gültigkeit der Reichsverfassung anerkannte.[Anm. 56] Bei der Niederschlagung der Aufstände im Juni 1849 durch preußische Truppen fiel ein Binger, ein weiterer wurde verletzt.[Anm. 57] Alle Beteiligten wurden im rheinhessischen Hochverratsprozess 1850 in Mainz freigesprochen; der Anführer der Binger Freischärler, der Turner Jacob Nix (1822–1895), entschloss sich nichtsdestotrotz zur Auswanderung in die USA.[Anm. 58]

Von der Reichsgründung bis zum Ersten Weltkrieg

Infolge der Gründung des Deutschen Reichs 1871 vollzog sich auch im Großherzogtum Hessen mit dem Wahlsieg der Liberalen und der Einsetzung einer der preußischen Politik aufgeschlossenen Regierung unter Karl von Hofmann (1827–1910) eine politische Wende. Eine Konsequenz war eine Übernahme der „Kulturkampfpolitik“ des Reichskanzlers Otto von Bismarck (1815–1898) zur Ausweitung staatlichen Einflusses zuungunsten der katholischen Kirche, wenn auch in weniger radikaler Form. Das bedeutete konkret eine Wiederaufnahme des Strebens u.a. nach staatlicher Schulaufsicht, welches zwischenzeitlich unter dem Ministerpräsidenten der „Reaktionsära“ nach 1849, Reinhard von Dalwigk (1802–1880), zugunsten der Kooperation mit der katholischen Kirche aufgegeben worden war.[Anm. 59] Dies wiederum musste auch die Binger Kommunalpolitik tangieren.

1868 noch war mit Lorenz Pennrich (1810–1882) ein zur Fortschrittspartei tendierender Gerbereibesitzer und Angehöriger der lokalen Oberschicht zum ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt worden; der Gemeinderat war dominiert von untereinander häufig eng verwandten, meist, wenn auch nicht durchgängig liberal gesinnten Honoratioren.[Anm. 60] Letztere standen 1871 wie ein großer Teil des liberalen Bürgertums in ganz Deutschland der Kleindeutschen Lösung der „Deutschen Frage“ unter preußisch-protestantischen und autoritären Vorzeichen ungeachtet ihrer meist katholischen Konfession mehrheitlich positiv gegenüber. Dies wurde 1872 in den aufwändigen, von der Stadt organisierten Feierlichkeiten anlässlich des Jahrestages der Schlacht von Sedan deutlich. Die Verweigerung des angedachten Glockengeläuts durch den katholischen Klerus weist aber schon daraufhin, dass die Stadt in ihrer Haltung durchaus gespalten war.[Anm. 61] Unter dem Eindruck kulturkämpferischer Maßnahmen der Regierung, allen voran dem Volksschulgesetz, mit dem die allgemeine Einführung gemischtkonfessioneller Simultanschulen und das Ende der geistlichen Schulaufsicht angestrebt wurde, formierte sich in Bingen der Widerstand der klerikal gesinnten Bevölkerung.[Anm. 62] An ihrer Spitze stand der für die katholische Volkspartei 1872 in den Landtag gewählte Weinhändler Ferdinand Allmann (1828–1912), bezeichnenderweise der jüngere Bruder des Vorsitzenden der Fortschrittspartei und Mitglieds des Bürgerkomitees von 1848 Franz Allmann (1818–1895).[Anm. 63] 1874 wurde mit Einführung einer neuen Landgemeindeordnung die Neuwahl des Gemeinderats notwendig, erstmals direkt und mit gleichgewichteten Stimmen. Das Resultat war ein deutlicher Sieg der klerikalen Seite, in der Bürgermeisterwahl siegte ebenfalls der jüngere Allmann über seinen Bruder.[Anm. 64] Ersterer sollte bis 1895 im Amt verbleiben und prägte die Kommunalpolitik während dieser Zeit wesentlich. Dass sich der politische Wind in Bingen gedreht hatte, wurde neben dem erfolgreichen Widerstand gegen die Einführung von überkonfessionellen Schulen auch daran ersichtlich, dass der Gemeinderat am Sedanstag 1875 nicht einmal mehr eine Beflaggung des Rathauses erlaubte, um von einer Beteiligung an der Organisation gar nicht zu sprechen.[Anm. 65] Auch in den folgenden Jahren nahmen der Magistrat und die klerikal gesinnte Bevölkerung wenn überhaupt nur in eingeschränktem Maße an den öffentlichkeitswirksamen Anlässen der „nationalistischen Memorialkultur“ (Krome) des Kaiserreichs Anteil. So wurde die schon ab 1871 verfolgte Errichtung des Nationaldenkmals auf dem Niederwald nahezu ausschließlich von liberal gesinnten Honoratioren mit Spenden unterstützt, an der Einweihung 1883 beteiligte sich weniger der Gemeinderat als Carl Gräff III. (1851–1924), der seinem Vater an der Spitze des Schützenvereins und als höchstbesteuerter Bürger Bingens einflussreicher Liberaler nachgefolgt war, mit einem Schützenfest.[Anm. 66] Als hingegen die gegenüber der „Germania“ gelegene dem Hl. Rochus geweihte Wallfahrtskapelle 1889 durch Blitzschlag zerstört wurde, gehörte der Bürgermeister zum Wiederaufbaukomitee.[Anm. 67] Der 1895 fertiggestellte, in seinem ästhetischen Programm an das Ideal des christlichen Mittelalters anknüpfende, neogotische Neubau war durchaus als katholischer Kontrapunkt zur im Volksmund als „Preußische Madonna“ bezeichneten Nationalallegorie gedacht und wurde von Zeitgenossen auch so wahrgenommen.[Anm. 68]

Rochuskapelle 1895

Der Widerspruch zwischen der klerikal gesinnten und der liberalen Strömung war nicht nur ein weltanschaulich-kulturpolitischer, sondern hatte auch soziale Dimensionen. Während sich zumindest die Führung der lokalen Fortschrittspartei vornehmlich aus im (Wein-)Handel und Gastgewerbe tätigen Unternehmern rekrutierte, zogen mit dem Wahlsieg der Volkspartei neben klerikal gesinnten Höchstbesteuerten, denen von Gesetzes wegen die Hälfte der Mandate zustand, auch eine Reihe von wohlhabenderen Handwerkern in den Gemeinderat ein.[Anm. 69] Diese standen allzu großen Infrastrukturinvestitionen auch deshalb ablehnend gegenüber, weil sie deren liberale Befürworter beschuldigten, beispielsweise mit dem Ausbau des Hafens auf Kosten der Allgemeinheit ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen zu verfolgen. Deswegen trieb Allmann die Modernisierung auch nur langsam und mit einem sparsamen Haushalt voran.[Anm. 70] Angesichts des steigenden Modernisierungsdrucks und der, wenn auch vergleichsweise moderat, anwachsenden Bevölkerung[Anm. 71] allerdings stießen sowohl das bestehende lokalpolitische System, in dem lokale Honoratioren nebenamtlich das Bürgermeisteramt ausübten wie auch diese konservative Ausgabenpolitik an ihre Grenzen. Die Anwendung der Städteordnung auf Bingen wurde ab 1892 auch deswegen von der liberalen Opposition verfolgt, weil sie eine Übernahme des dadurch nunmehr hauptamtlich zu versehenden Bürgermeisterpostens durch den über keinen juristischen Abschluss verfügenden Weinhändler Allmann sehr unwahrscheinlich machen würde.[Anm. 72] Die Auseinandersetzungen zogen sich bis 1895 hin, schließlich musste sich Allmann, auch weil dieser sich mittlerweile mit wichtigen Verbündeten zerstritten hatte,[Anm. 73] geschlagen geben.[Anm. 74] Sein Nachfolger wurde erstmals ein Ortsfremder, der Jurist Franz Neff (1861–1935), der bis 1929 im Amt bleiben sollte.[Anm. 75] Unter dessen Regie vollzog sich besonders bis 1905 eine deutliche Intensivierung in der städtischen Investitionspolitik, die das Stadtbild bis heute fundamental prägt.[Anm. 76] Hiermit wiederum ging eine rapide Verschuldung der Stadt einher. Die Binger Entwicklung entspricht dem damaligen gesamtdeutschen Trend,[Anm. 77] allerdings war sie auch im damaligen Vergleich außergewöhnlich: Die Pro-Kopf-Verschuldung stieg von 28,92 M 1871 auf 832,47 M 1914, womit Bingen eine, wenn nicht die proportional höchstverschuldete Gemeinde Deutschlands wurde.[Anm. 78] In Anbetracht dieser Entwicklung formierte sich um 1900 in der Bürgergemeinde ein – letztlich erfolgloser – Protest, der zum einen von der Angst vor einer Überschuldung und damit einhergehend, vor Steuererhöhungen getragen wurde, zum anderen aber auch von wirtschaftlichem Eigeninteresse, vornehmlich dem der vom Tourismus abhängigen Binger. Auch hier setzt sich eine Konfliktlinie fort, nämlich die um die Ausrichtung der Stadt auf den Tourismus oder aber den Güterverkehr. Schon 1859 hatte es beim Bau der Eisenbahnlinie die Bestrebung einer Gruppe von Bürgern gegeben, die Schienen nicht am Rheinufer, sondern hinter der Stadt (sog. „Klopplinie“) entlangzuführen.[Anm. 79]

Ausbau des Rheinufers um 1900

Auch 1901 beteiligten sich auch Hoteliers federführend an dem Protest der sich nun auch besonders gegen den Hafenausbau und damit die weitere Industrialisierung der Rheinfront richtete.[Anm. 80] Eine weitere bleibende Prägung erhielt Bingen in den ersten Jahren der Amtszeit Neffs durch die von der Stadt unterstützte Gründung der heutigen Technischen Hochschule Bingen als „Rheinisches Technikum“ in damals privater Trägerschaft durch den königlich-preußischen Regierungsbaumeister und Hochschuldozenten Hermann Hoepke (1865–1928).[Anm. 81]

Das Presseecho des Augusts 1914 lässt in Bingen keine große Kriegsbegeisterung erkennen; vielmehr wurden in öffentlichen Veranstaltungen von Veteranenvereinen und Stadtrat nationale Einheit und Entschlossenheit beschworen.[Anm. 82] Aufgrund seiner Lage verstärkte sich die Militärpräsenz in Bingen deutlich, schon kurz nach Kriegsausbruch wurden u.a. in Hotels, im Badhaus und im Technikum Lazarette eingerichtet. Rekruten, die in Bingen ausgebildet wurden, nahmen zum Teil Quartier in Privatwohnungen;[Anm. 83] eine Erscheinung, die sich verstärkte, als das große Hauptquartier des Deutschen Heeres von Februar 1917 bis März 1918 nach Kreuznach verlegt wurde. Eine Reihe seiner Einrichtungen wurde in Bingen angesiedelt.[Anm. 84]Auf dem Scharlachkopf genannten Hügel oberhalb der Stadt wurde eine Flugabwehrbatterie und eine Scheinwerferstation errichtet.[Anm. 85] Wie in ganz Deutschland litt auch in Bingen die Bevölkerung unter Teuerung und Versorgungsengpässen aufgrund des Wegfalls von Nahrungsmittelimporten. Dem wurde von staatlicher Seite mit Preiskontrollen und Zwangsbewirtschaftung von Grundnahrungsmitteln begegnet, der Stadtrat versuchte der Situation mit Nahrungsmitteleinkäufen Herr zu werden.[Anm. 86] 1915 verzichtete man bei der Fertigstellung der erst 1918 zu ihrem Namen gekommenen Hindenburgbrücke über den Rhein nach nur zwei Jahren auf jedwede Feierlichkeiten.[Anm. 87]  Ab dem zweiten Kriegsjahr kam es zur Rationierung von immer mehr Waren;[Anm. 88] infolge sich verschärfender Zahlungsmittelknappheit wurde an Mai 1917 Notgeld herausgegeben.[Anm. 89] Unter den Bedingungen der Kriegswirtschaft litten die meisten der lokalen Unternehmen, vor allem die mit dem Tourismus verbundenen, wobei die Einbußen aus dem Wegfall des Exportgeschäfts im Weinbau und -handel zwischenzeitlich durch gestiegenen Absatz im Inland wettgemacht werden konnte.[Anm. 90] Hier, sowie in der Forstwirtschaft und an Hafen und Bahnhof, wurden ab 1915 auch russische Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter eingesetzt.[Anm. 91] Im Laufe des Jahres 1918 wich die Siegesgewissheit der Binger Lokalpresse Stück für Stück einer weniger zuversichtlichen Stimmung;[Anm. 92] die Novemberrevolution äußerte sich vor Ort lediglich in der Dienstverweigerung einzelner Krankenwärter und der Entfernung von Rangabzeichen und Kokarden von den Uniformen der Armeeangehörigen. Am 11. November erklärte der Arbeiter- und Soldatenrat der Festung Mainz in Bingen die friedliche Übernahme der Exekutivgewalt.[Anm. 93] Ende November und Anfang Dezember 1918 wurden die sich gemäß den Bestimmungen des Waffenstillstands von Compiègne hinter den Rhein zurückziehenden deutschen Truppen noch mit Beflaggung in Bingen empfangen, wobei die Beherbergung noch einmal die Kapazitäten der Stadt strapazierte. Am 30. November übernachteten ca. 9.000 Mann in Bingen; ebenso viel wie die Stadt Einwohner hatte.[Anm. 94] Von den aus Bingen bis zum Kriegsende einberufenen Männern kehrten 194 nicht in ihre Heimatstadt zurück.[Anm. 95]

Vom Ende des Weltkriegs bis 1933

Schon wenige Tage nach dem Durchzug der letzten deutschen Soldaten erreichten am 9. Dezember 1918 französische Besatzungstruppen Bingen.[Anm. 96] Die Garnison hatte eine Sollstärke von ca. 800 Mann in wechselnder Zusammensetzung, zu Beginn gestellt von Kolonialtruppen,[Anm. 97] worauf Teile der Binger Bevölkerung ähnlich wie in ganz Deutschland mit Empörung reagierten.[Anm. 98] Deren Unterbringung stellte, wie auch schon die Einquartierung des deutschen Militärs in den Jahren zuvor, eine nicht unerhebliche Herausforderung für die Stadt dar. Die französischen Soldaten bezogen u.a. das Technikum, die Festhalle, Schulen und Privatwohnungen, die Offiziere Hotels; 1923 wurde eine Kaserne am Rheinufer fertiggestellt, die aber immer noch nicht die gesamte Besatzung fassen konnte.[Anm. 99] Die Jahre unmittelbar nach dem Kriegsende standen in Bingen ebenso unter dem Vorzeichen dieser Besatzungserfahrung wie auch unter dem der separatistischen „Rheinland“-Bewegung, welche auch hier ihre Anhänger hatte. Die Franzosen versuchten, der verfolgten Politik der „friedlichen Durchdringung“ entsprechend ihr Ansehen bei der Bevölkerung zu verbessern und deren historische Nähe zu Frankreich zu betonen.

Napoleonstein

So inszenierte man am Binger „Napoleonsstein“ im Juli 1919 im Beisein des französischen Militärgouverneurs General Charles Mangin (1866–1925) eine Gedenkveranstaltung für die Binger Veteranen der napoleonischen Armee;[Anm. 100] für Schüler wurde der Französischunterricht eingeführt, für Erwachsene kostenlose Französischkurse und französische Kulturveranstaltungen angeboten.[Anm. 101]

Gleichzeitig förderten französische Besatzungsbeamte, in Bingen vor allem der französische Kreisdelegierte Jean Vermeil separatistische Bestrebungen. Im Juni 1919 scheiterte ein erster, im Geheimen durch die Besatzungsbehörde unterstützter Putschversuch unter der Führung des ehemaligen Wiesbadener Staatsanwalts Hans Dorten (1880–1963),[Anm. 102] welcher von der zentrumsnahen Binger „Mittelrheinischen Volkszeitung“ enthusiastisch kommentiert wurde.[Anm. 103] Ebendieser nahm im Februar 1920 an einer Sitzung der separatistischen „Rheinischen Volksvereinigung“ im katholischen Vereinshaus Bingens teil, bei der auch der katholische Dekan Bingens Michael Eich (1871–1948) anwesend war.[Anm. 104] Hieran wird konkret deutlich, dass sich allgemein die bereits beschriebene, distanzierte Haltung der dezidiert katholischen Bevölkerung bezüglich dem als preußisch-protestantisch geprägt wahrgenommenen Nationalstaat in den 1920er Jahren oftmals eine erhöhte Offenheit bezüglich Autonomiebestrebungen, allerdings meist im Rahmen eines Verbleibens im Reichsverband, einherging.[Anm. 105] Der Januar 1923 brachte mit der Besatzung von Teiles des Ruhrgebietes durch französische und belgische Truppen und der sich infolgedessen entwickelnden Hyperinflation eine weitere Verschärfung der Konfliktsituation.

Die Binger Eisenbahner, die entsprechend des von der Reichsregierung verfolgten Kurses des „passiven Widerstands“ am 30. Januar die Arbeit niederlegten, wurden mitsamt ihren Familien ausgewiesen, und mit ihnen andere von der Besatzungsbehörde als Widerständler identifizierte Personen, darunter Bürgermeister Neff. Insgesamt mussten 246 Haushalte zeitweise ihre Heimat verlassen.[Anm. 106] Unter den Angestellten der von den Besatzern als Ersatz eingerichteten „Regiebahn“ waren nun wiederum zum einen ebenfalls einzuquartierende französische Eisenbahner, zum anderen aber auch Sympathisanten der Separatisten. Am 23. Oktober kam es in Mainz, wie in vielen Städten des Rheinlandes, zu einem radikalisierten separatistischen Putsch mit offizieller Unterstützung der französischen Besatzungstruppen, deren Führung eine unabhängige „Rheinische Republik“ mit Regierungssitz in Koblenz offizielle anerkannten. In Bingen besetzten ca. 150 bewaffnete Separatisten, von einem ihrer Anführer als „Regieleute“ bezeichnet, mit Unterstützung französischer Soldaten die Gebäude der öffentlichen Verwaltung, setzten einen eigenen Kreiskommissar ein und gaben ein eigenes Notgeld heraus.[Anm. 107] Bis Februar 1924 konnten sich die Separatisten in Rheinhessen halten, dann brachen ihre „Regierungen“ aufgrund der nachlassenden französischen Unterstützung und des Widerstandes der Bevölkerung zusammen.[Anm. 108] Auch wenn der Separatismus somit eine kurze Episode in der Geschichte Bingens bleiben sollte und die Franzosen 1926 von britischen Besatzungstruppen abgelöst wurden; die Erfahrungen dieser Zeit prägten die Stadt nachhaltig und wurden im Zuge des Aufkommens des Nationalsozialismus noch einmal politisch virulent.[Anm. 109]

Binger Inflationsgeld

Die wirtschaftliche Lage Bingens in den 1920er Jahren blieb auch nach der Überwindung der Belastungen durch Ruhrkrise, Umsturzversuche und Störungen des Warenverkehrs durch die Besatzungsbehörde schwierig. Die Hyperinflation des Jahres 1923 entwertete nicht nur viele Vermögen, sondern auch die vormals für die Sozialfürsorge wichtigen karitativen Stiftungen.[Anm. 110] Andererseits gab es auch einen positiven Effekt: Die nach wie vor hohe Schuldenlast der Stadt verflüchtigte sich ebenfalls.[Anm. 111] Die immer wieder angestrebte Ansiedlung industrieller Betriebe scheiterte nicht zuletzt an den geographischen Begrenzungen des Raumes, die Orientierung an Weinbau und -handel einer- und Fremden- und Güterverkehr (über Hafen und Bahnhof) andererseits erwies sich hingegen als „Struktur langer Dauer“. Sowohl der Weinbau als auch der Tourismus waren allerdings stark saison- und wetterabhängig, dazu kam bei ersterem das niedrige Lohnniveau.[Anm. 112] Die gegenüber dem Vorkriegsniveau drastisch eingebrochenen Übernachtungszahlen erreichten dieses erst wieder Anfang der 1930er Jahre.[Anm. 113] Starke Schädlingsbefälle und Frostschäden in den Jahren 1928/29 und ihre Auswirkungen auf die Weinbaubetriebe beeinträchtigten Stadthaushalt und wirtschaftliche Gesamtsituation ebenso wie die auf 1,17 Millionen RM bezifferten Kosten der Mitte 1930 endenden Besatzungszeit, die nur teilweise vom Reich übernommen wurden.[Anm. 114]

Ende der französischen Besatzung am 29. Mai 1930

Eine zweite Konstante stellte die katholische Prägung Bingens dar. Das sogenannte „Katholische Milieu“ war in der nach wie vor zu über ⅔ katholischen[Anm. 115] Stadt fest verankert. Das galt sowohl für die soziale Sphäre – 1934 bestanden im Stadtgebiet elf katholische Laiengemeinschaften und Bruderschaften, sechs Wohltätigkeitsvereine und 19 Standesvereine[Anm. 116] – als auch für die politische. 1919 vereinigte das Zentrum in Bingen 56,9% der Wählerstimmen auf sich, und auch wenn sich die Ergebnisse in den Folgejahren reduzierten, entfielen noch bei der Reichstagswahl 1933 45,2% auf die Partei des politischen Katholizismus.[Anm. 117] Dagegen war der lokale Liberalismus als dessen traditioneller Gegenspieler gespalten in die rechtsliberale DVP (1919: 11,8%) und die linksliberale DDP (1919: 11,9%), als dritte Kraft hatte sich Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts die SPD etablieren können (1919: 24,6%).[Anm. 118] In den Folgejahren verlor das liberale Lager stark an Kraft. 1931 war die DDP überhaupt nicht mehr, die DVP nur noch geschwächt im Stadtrat vertreten; die SPD wiederum lag hinter den Nationalsozialisten, die erstmals fünf der insgesamt 29 Stadtverordneten stellten.[Anm. 119]

In Rheinhessen konnte sich die NSDAP nicht zuletzt wegen der Überwachung durch die französischen Besatzungsbehörden erst vergleichsweise spät, Ende der 1920er Jahre etablieren. In Bingen ist eine Ortsgruppe ab Mitte 1930 greifbar, welche ihr Hauptquartier im alten Badhaus einrichtete und sich bis zur Machteroberung 1933 in der Öffentlichkeit zwar agitatorisch betätigte, aber offenbar vor gewaltsamen Aktionen zurückschreckte.[Anm. 120] Das dürfte wesentlich auch an der weitgehend ablehnenden Haltung des „Katholischen Milieus“, allen voran des Dekans Eich[Anm. 121] dem Nationalsozialismus gegenüber gelegen haben. Bingen wurde in der Rückschau nach 1933 durch von nationalsozialistischer Seite als „schwarze Rhein- und Naheecke“ beschrieben, in der die Etablierung der „Bewegung“ besonders schwer gefallen sei.[Anm. 122] Zu Beginn scheint die Ortsgruppe sich zu wesentlichen Teilen aus der Studentenschaft des Technikums rekrutiert zu haben.[Anm. 123] Der Tendenz im ganzen Reichsgebiet entsprechend wuchs auch in Bingen der Stimmenanteil der NSDAP an, sie erreichte aber auch 1933 mit 30,1% ein im Vergleich zu 47,4% im ganzen Volksstaat Hessen[Anm. 124] nur schwaches Ergebnis.[Anm. 125]

Von der Machteroberung der NSDAP 1933 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges

Im Laufe des Februars 1933 hatte die NSDAP auch die Regierung Hessens an sich gerissen. Damit begann auch auf kommunaler Ebene die Phase der „Gleichschaltung“, die am 6. März mit dem Setzen der Hakenkreuzfahne am Sitz der Stadtverwaltung auf der Burg Klopp und der Verbrennung der schwarz-rot-goldenen Fahne der Republik öffentlich inszeniert wurde.[Anm. 126] Der parteilose Bürgermeister Hermann Sieglitz wurde zum 26. Mai unbegründet beurlaubt, der am Folgetag formal noch mit Zentrumsmehrheit konstituierte Stadtrat wurde nach der Selbstauflösung des Zentrums am 5. Juli ausschließlich mit Parteigenossen besetzt.[Anm. 127] Am nächsten Tag wurde Heinrich Ritter (1891–1966) zum ersten NSDAP-Bürgermeister Bingens bestimmt.[Anm. 128] Entgegen den Ankündigungen des lokalen NSDAP-Kreisleiters Fritz Eitel (1899–1985) kam es allerdings darüber hinaus kaum zu personellen Änderungen in der Stadtverwaltung; auch bei Neuanstellungen legten Ritter ebenso wie sein Nachfolger ab 1934 Heinrich Nachtigall (1901–1943) das Augenmerk vor allem auf die fachliche Eignung, waren also an einem weiteren reibungslosen Funktionieren der Behörde interessiert.[Anm. 129] Ins Visier gerieten nun die von den Nationalsozialisten als weltanschauliche Gegner angesehenen Gruppen, in Bingen vor allem Sozialdemokraten, die lokale KPD sowie natürlich das Zentrum. Ein häufiger Vorwurf und Denunziationsgrund gegen Anhänger des letzteren war der des Separatismus; dieser wurde nun mit besonderem Nachdruck vonseiten Eitels gegen den katholischen Dekan Eich wegen dessen Teilnahme am Binger Treffen der Separatisten im Jahr 1920 (siehe oben) erhoben. Eich, der sich gegen diese Anschuldigung immer gewehrt hatte und darauf bestand, 1920 nur als neutraler Beobachter teilgenommen zu haben, floh im Frühjahr 1933 aus Bingen, nachdem nachts von Unbekannten auf das Pfarrhaus geschossen worden war.[Anm. 130] Bis zur Schließung des KZ Osthofen 1934 waren dort 17 Binger inhaftiert,[Anm. 131] darunter vor allem Mitglieder der KPD,[Anm. 132] mit dem Chefredakteur der 1935 verbotenen „Mittelrheinischen Volkszeitung“, Peter Paul Nahm (1901–1981) aber auch Parteigänger des politischen Katholizismus.[Anm. 133]

Auch in Bingen gab es ein Spektrum der Verhaltensweisen zum Regime, welches von Anpassung und aktiver Integration auf der einen bis hin zu Verweigerung oder sogar aktivem Widerstand auf der anderen Seite reichte. Die Konformität gegenüber der neuen Ordnung oder zumindest deren passive Akzeptanz bei der Bevölkerung versuchten die Nationalsozialisten einerseits mithilfe der ideologischen Durchdringung aller Lebensbereiche im Sinne einer „Volksgemeinschaft“ zu erreichen; und andererseits durch strenge Überwachung und Bestrafung oppositioneller Handlungen und Äußerungen.  In der Sichtweise des Regimes stand Bingen auch nach 1933 bisweilen nach wie vor unter dem Verdacht mangelnder Loyalität, worauf zum Beispiel die bedauernde Feststellung der nunmehr systemtreuen „Rhein- und Nahezeitung“ vom Februar 1934  hinweist, in Bingen werde allzu oft der „Deutsche Gruß“ gar nicht oder nur halbherzig gezeigt.[Anm. 134] Mit dem sich unter dem Eindruck der Angriffe von außen wie seinerzeit im „Kulturkampf“ einmal mehr formierenden „katholischen Milieu“ prallten die Machtansprüche der Nationalsozialisten nicht zuletzt im Schulwesen aufeinander. 1934 wurden die Konfessionalität der Volksschulen aufgehoben;[Anm. 135] die Oberschule für Mädchen der Maria-Ward-Schwestern wurde 1939 geschlossen.[Anm. 136] Nichtsdestotrotz beklagte der Kreiswalter des NS-Lehrerbundes Heinz Koch 1938 fortwährende Konflikte mit einer Reihe von dezidiert katholischen Schulleitern öffentlichen Schulen, darunter dem Rektor der Oberschule für Mädchen, Ernst Martin Schreiber.[Anm. 137] Prozessionen gerieten genauso wie Wallfahrten, darunter die traditionelle Binger Rochuswallfahrt, zu öffentlichen Demonstrationen der Treue zur Kirche, welche von den Behörden zwar behindert, aber nicht völlig unterbunden werden konnten.[Anm. 138] Stützpunkte des aktiven Widerstands gegen das NS-Regime unterhielten in Bingen zum einen der „Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands“ und zum anderen das sozialdemokratische Netzwerk um den ehemaligen hessischen Innenminister Wilhelm Leuschner (1890–1944).[Anm. 139] Schreiber wiederum stand über Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben (1881–1944) auch in direktem Kontakt zum militärischen Widerstand und wurde infolge des Attentats am 20. Juli 1944, an dessen Vorbereitung er beteiligt gewesen war, seiner militärischen Position in der Wiesbadener Rüstungsinspektion enthoben.[Anm. 140]

Neue Binger Synagoge, vor 1938

Dass trotzdem keine Rede von einer allgemeinen Resilienz der Bevölkerung gegenüber dem Nationalsozialismus oder zumindest einigen Teilaspekten seiner Ideologie sein kann, bzw. dass die ideologische Distanziertheit nicht notwendigerweise aktives Engagement gegen dessen Politik bedeutete, wird am Schicksal der altehrwürdigen jüdischen Gemeinde Bingens deutlich. 1925 waren immerhin noch ca. 5% der Einwohner Bingens jüdischen Bekenntnisses;[Anm. 141] ihr Anteil hatte sich seit Beginn des 19. Jahrhunderts knapp halbiert, war aber nach wie vor vergleichsweise hoch.[Anm. 142] Viele Binger Juden hatten sich seit ihrer Emanzipation unter Napoleon in der bürgerlichen Gesellschaft gut etabliert, sie waren überrepräsentiert unter den höchstbesteuerten Einwohnern und beteiligten sich engagiert am kulturellen und sozialen Leben der Stadt.[Anm. 143]

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begann schrittweise die umfassende Entrechtung, Enteignung und Ausgrenzung der jüdischen Binger bis hin zu ihrer Vertreibung oder Ermordung. Infolgedessen kam es zu Auswanderungswellen, zuerst 1933, dann nach einem zwischenzeitlichen Abflachen noch einmal in den Jahren 1937 und 1938. Ziele waren, soweit feststellbar, vor allem das europäische Umland, sowie die USA und Südamerika.[Anm. 144] Von den 1931 471[Anm. 145] in Bingen gemeldeten Juden lebten 1940 noch 190 in Bingen.[Anm. 146] Im Kontext der „Novemberpogrome“ um den 9. und 10. November 1938 brannte die 1905 erbauten Synagoge der liberalen jüdischen Gemeinde aus, die Brandstiftung an der Synagoge der orthodoxen Gemeinde wurde von der Feuerwehr aufgrund der Gefahr des Übergreifens auf nebenliegende Gebäude verhindert. An der der Brandlegung vorangehenden Zerstörung der liberalen Synagoge waren nicht nur die lokale SA, sondern auch Angestellte des städtischen Gaswerks sowie der Firma Richtberg in Bingen-Gaulsheim und eine größere Menschenmenge beteiligt, die sich um den Schauplatz herum versammelt hatte. Ebenso kam es zu Plünderungen und Zerstörungen in den Wohnungen jüdischer Bürger.[Anm. 147] Ab März 1942 wurden die 140 in Bingen verbliebenen Jüdinnen und Juden nach Osteuropa deportiert, wo viele von ihnen den Tod in den Vernichtungslagern fanden.[Anm. 148]

Pilgerschmaus beim Rochusfest 1933

In ökonomischer Hinsicht erlebte als einziger lokaler Wirtschaftszweig der Tourismus in den 1930er Jahren einen deutlichen Aufschwung, während der Weinbau und -handel nachhaltig geschädigt war, vor allem, wie bereits in den 1920er Jahren, durch Schädlingsbefälle (siehe oben).[Anm. 149] Profitieren konnten die Binger Hoteliers und Gastwirte vor allem von politischen Großereignissen wie der Saarkundgebung am 27. Juni 1933 auf dem Niederwalddenkmal sowie von dem durch die DAF-Organisation „Kraft durch Freude“ ermöglichten staatlich subventionierten innerdeutschen Massentourismus.[Anm. 150] 1935 hatte Bingen nach Mainz das zweithöchste Fremdenverkehrsaufkommen Hessens.[Anm. 151] Ein jähes Ende bereiteten dieser Entwicklung die Ereignisse im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges: Schon mit der Sudetenkrise 1938 brachen die Übernachtungszahlen ein, um nach einer kurzen Erholungsphase im Sommer 1939 mit Kriegsbeginn vollends und dauerhaft auf ein Minimalniveau abzusinken.[Anm. 152]

Von der Einberufung von Teilen der männlichen Einwohnerschaft abgesehen, dürfte sich der Krieg im Alltagsleben der Binger Bevölkerung bis 1944 vor allem durch die allmählich schlechter werdende Versorgungslage bemerkbar gemacht haben. Die Präsenz von polnischen, russischen und französischen Kriegsgefangenen wie auch anderen nicht-deutschen Zivilarbeitern beider Geschlechter im Landkreis Bingen ist belegt, Zwangsarbeitende wurden vor allem in der Land- und Forstwirtschaft als eingesetzt.[Anm. 153] In der Endphase des Krieges rückte dieser ungleich näher. Bingen mit seinem Hafen und Bingerbrück mit seinem Verschiebebahnhof und Bahnbetriebswerk gerieten ab September 1944 wegen ihrer Funktion als Verkehrsknotenpunkt mit Verbindung zur Westfront in den Fokus der westlichen Alliierten.[Anm. 154] Der verheerendste Luftangriff ereignete sich am „Katherinentag“, dem 25. November 1944, als 252 Bomber der US-Luftwaffe 2.473 schwere Sprengbomben und 27.390 Stabbrandbomben über dem Stadtgebiet abwarfen. Nur eine einstellige Zahl traf die eigentlichen Ziele; stattdessen wurden 240 Wohnhäuser beschädigt oder zerstört, ebenso das Heilig-Geist-Spital und das Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerk. 160 Menschen starben.[Anm. 155] Ein erneuter Angriff am 10. Dezember führte zu weiteren großflächigen Schäden, darunter auch an der Basilika St. Martin.[Anm. 156]

Kriegszerstörtes Bingen

Am 17. März 1945 sprengten Pioniere der Wehrmacht die Brücken über die Nahe, um den Vormarsch der anrückenden US-Armee zu verlangsamen;[Anm. 157] das gleiche Schicksal ereilte die bereits bei Fliegerangriffen beschädigte Hindenburgbrücke bereits am Vortag.[Anm. 158] Der NSDAP-Kreisleiter Johannes Zehfuß[Anm. 159] tauchte auf der rechten Rheinseite unter; schwachen Widerstand leistete lediglich noch eine kleine Abteilung der Waffen-SS, welcher am 21. März gebrochen wurde. Damit Krieg und NS-Herrschaft in Bingen endeten.[Anm. 160]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges

US-Soldat repariert Leitungen, 8. April 1945

Bingen hatte unter dem Luftkrieg ungleich stärker gelitten als die unmittelbare Umgebung. Etwa 1.300 Gebäude in Bingen waren beschädigt, davon waren ca. 28% von Totalschäden betroffen. Mindestens 262 Zivilisten hatten ihr Leben verloren. Der Vergleich mit Ingelheim zeigt den qualitativen Unterschied der Zerstörung: Hier gab es gerade einmal 11 zivile Todesopfer. Die zivile Infrastruktur war stark in Mitleidenschaft gezogen worden, der auch für Bingen wichtige Bahnhof Bingerbrück war nahezu vollständig zerstört.[Anm. 161] Unter der Ägide der amerikanischen Militärregierung wurden alle, nicht in kritischen Wirtschaftsbereichen tätigen, arbeitsfähigen Männer zwischen 16 und 65 Jahren zu Aufräumarbeiten verpflichtet.[Anm. 162] Der 1933 aus dem Amt gedrängte Altbürgermeister Sieglitz wurde am 8. April vorübergehend auf seinem alten Posten eingesetzt, ihm folgte bereits im August des gleichen Jahres Valentin Schäfer (1887–1952), nunmehr von der französischen Besatzungsbehörde bestimmt, die im Juli die Kontrolle übernommen hatte. Schäfer war ebenfalls vor der NS-Zeit lokalpolitisch aktiv gewesen und hatte von 1919 bis 1929 für das Zentrum im Stadtrat gesessen; nun schloss er sich der neugegründeten CDU an, für die er bei den ersten demokratischen Wahlen im September 1946 im Amt bestätigt wurde. Trotz seiner angeschlagenen Gesundheit bemühte sich Schäfer erfolgreich um eine schnelle Wiederherstellung zentraler Funktionen des öffentlichen Lebens, vor allem der Schulen sowie der Kanalisation und Gas- und Wasserversorgung.[Anm. 163] Auch versuchte er früh, die Aufarbeitung kommunaler Verbrechen während der NS-Zeit in Gang zu setzen. So ging auf ihn eine schon 1946 begonnene Untersuchung der Vorfälle der „Reichspogromnacht“ zurück; der 1950 abgehaltene Prozess endete allerdings mit Freispruch oder Einstellung des Verfahrens bei allen Angeklagten. Ebenso veranlasste Schäfer in der ersten Sitzung des neuen Stadtrats im Oktober 1946 die Rücknahme der Ehrenbürgerwürde für Hitler.[Anm. 164] Bereits 1952 verstarb Schäfer krankheitsbedingt.

Die Binger Geschichte in der Nachkriegszeit wartet noch auf eine umfassende Überblicksdarstellung, wie sie für die Zeitperioden zwischen 1816 und 1945 vorliegen. Im Folgenden wird versucht, diese anhand von einigen Eckpunkten ansatzweise zu umreißen.

Während eine Wiedererrichtung der Nahebrücken außer Frage stand, kam es nicht zu einem Wiederaufbau der Hindenburgbrücke über den Rhein, auch wenn dieser von der Deutschen Bahn offenbar noch über Jahre erwogen wurde.[Anm. 165] Die Bedeutung Bingens beziehungsweise des nunmehr erstmals seit 1816 nicht mehr durch eine Landesgrenze getrennte Bingerbrück als Eisenbahnknotenpunkt begann nicht nur aufgrund dieser Entscheidung zu schwinden, sondern auch durch die Elektrifizierung der Rheinstrecke 1958, die 1966 zur Schließung des dortigen Betriebswerks führte. Ab 1988 wurde auch der Rangierbahnhof zurückgebaut, seit 1993 trägt die Haltestelle den Namen „Bingen (Rhein) Hbf“.[Anm. 166]

Bingen 1968

Im Jahr 1969 wurde Bingerbrück nach Bingen eingemeindet, gefolgt von Dromersheim und Sponsheim im Jahr 1972.[Anm. 167] Im Zuge der ab 1969 durchgeführten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde Bingen außerdem als „Große kreisangehörige Stadt“ Teil des Landkreises Mainz-Bingen, der aus der Zusammenlegung der gleichnamigen Kreise sowie Teilen der Kreise Bad Kreuznach und St. Goar gebildet wurde.[Anm. 168]

Die Bevölkerung im Kreis nahm seit der Gründung bis 2012 um ca. 33% zu, mit 202.300 Einwohnern war Mainz-Bingen zu diesem Zeitpunkt der am zweitstärksten besiedelte Kreis von Rheinland-Pfalz.[Anm. 169] Für dieses Wachstum verantwortlich waren vor allem hohe Wanderungsgewinne, wobei diese wiederum mit der räumlichen Nähe zum Ballungsgebiet Rhein-Main zusammenhängen.[Anm. 170] Diese erklärt auch, warum die Menschen im Kreis Mainz-Bingen ein relativ hohes  Pro-Kopf-Einkommen haben[Anm. 171] und relativ viele Arbeitskräfte einen Hochschulabschluss.[Anm. 172] Die Stadt Bingen hat die landesweit höchste Dichte an Pkw, bei 26.309 Einwohnern im Jahr.[Anm. 173]

In Bingen hat sich der Tourismus seine traditionell prägende Rolle erhalten; so entfielen von den 215.900 Übernachtungsgästen des Landkreises im Jahr 2011 mehr als ein Viertel auf Bingen.[Anm. 174] Im Jahr 2024 verzeichnete Bingen insgesamt 179.172 Übernachtungen.[Anm. 175] Wichtige Impulse gingen für das Gastgewerbe zum einen aus von der Landesgartenschau 2008, in deren Rahmen das Binger Rheinufer ein tiefgreifenden Umgestaltung unterworden wurde, zum anderen von der Anerkennung des Oberen Mittelrheintal als UNESCO-Welterbe im Jahr 2002.[Anm. 176]

Verwendete Literatur

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Anmerkungen

[Anm. 1] Engelhardt 1818–1834, S. 43, zit. nach Ebeling 2017, S. 41.

[Anm. 2] Ebd., S. 102.

[Anm. 3] Vgl. ebd., S. 57f.

[Anm. 4] Ebd., S. 59.

[Anm. 5] Dumont 1989, S. 375.

[Anm. 6] Ebd.

[Anm. 7] Ebeling 2017, S. 43.

[Anm. 8] Ebd., S. 122.

[Anm. 9] Die Strecke Köln-Mainz dauerte per Dampfschiff 8 bis 10 Stunden, mit einer getreidelten Segeljacht mit einer Ladekapazität zwischen 6 und 9 Tage; ebd.

[Anm. 10] Vgl. ebd., S. 133f.

[Anm. 11] Ebd., S. 118.

[Anm. 12] Ebd., S. 117.

[Anm. 13] Die Zufuhr vervierfachte sich von 110.511 Zentnern 1820 auf 437.694 Zentner 1850; Reinhardt 1969, Tab. 30, S. 359.

[Anm. 14] Siehe unten.

[Anm. 15] Noch 1862 verdienten 31 Binger Schiffer ihren Lebensunterhalt auf größeren Segelyachten. Diese Zahl halbierte sich bis 1869; Krome 2019, S. 42.

[Anm. 16] Ebeling 2017, S. 130.

[Anm. 17] Die Zahl der von der Köln-Düsseldorfer Dampfschifffahrts-AG beförderten Passagiere stieg innerhalb von weniger als 15 Jahren von 18.000 (1827) auf 636.000 (1840); Schmandt 2010, S. 22f.

[Anm. 18] Ebeling 2017, S. 130.

[Anm. 19] Ebd.

[Anm. 20] Vgl. ebd., S. 102. Vgl. zur Entwicklung des Weinbaus allgemein: Koch 1989, S. 495–508.

[Anm. 21] Während Übernachtungszahlen für Bingen erst ab 1897 überliefert sind (Ebeling, Bingen, S. 131), zeigt sich an der beschränkt repräsentativen Zahl der Eintragungen im Besucherbuch der Burg Klopp eine klar positive Entwicklung zwischen 1827 und den 1840er Jahren; Schmandt 2010, S. 22.

[Anm. 22] 1867 gab es in Bingen 22 „Wein- und Bierwirthschaften“ und 102 „Straußwirthe“; Ebeling 2017, S. 102.

[Anm. 23] Wiegers 2008a, S. 43f.

[Anm. 24] Krome 2019, S. 370.

[Anm. 25] Ebd., S. 365.

[Anm. 26] Vgl. Ebeling 2017, S. 48–50.

[Anm. 27] Ebd., S. 45.

[Anm. 28] Krome 2019, S. 43f.

[Anm. 29] Ebeling 2017, S. 145, 148f.

[Anm. 30] Worms bspw. wuchs im gleichen Zeitraum um 114%; ebd., S. 72.

[Anm. 31] Ebd., S. 76.

[Anm. 32] Ebd., S. 47–49.

[Anm. 33] Bis 1848 entstanden u.a. ein Frauen-, Humanitäts-, Gewerbe- und Pestalozziverein, sowie solche zur Unterstützung von Armen, Sträflingen oder Auswanderern; Ebeling 2017, S. 208.

[Anm. 34] Vgl. ebd., S. 193f.

[Anm. 35] Ebd.

[Anm. 36] Ebd., S. 206f. Vgl. zur Entwicklung der Fastnacht allgemein: Wiegers 2008b.

[Anm. 37] Krome 2019, S. 474. Auf die Initiative des Veteranenvereins geht der Binger „Napoleonsstein“ von 1842, das Kriegerdenkmal auf dem Alten Friedhof, zurück.

[Anm. 38] Ebeling 2017, S. 208.

[Anm. 39] Ebd., S. 209.

[Anm. 40] Ebd., S. 186–188.

[Anm. 41] Ebd., S. 244.

[Anm. 42] Darunter die Aufhebung der Zensur, Religions- und Versammlungsfreiheit, der Einsatz für eine staatliche Einheit Deutschlands und, für Rheinhessen wichtig, die Garantie des „Rheinischen Rechts“ dort, wo es nach dem Wiener Kongress seine Wirkung behalten hatte, bis zur Einführung eines allgemein verbindlichen Rechts für ganz Deutschland; Krome 1989, S. 387.

[Anm. 43] Vgl. ebd., S. 396–398.

[Anm. 44] Ebeling 2017, S. 244f. Vorsitzender war Heinrich Adolf Klein, Dampfmüller und Getreidehändler sowie später Gründer des Binger Gaswerks (siehe oben)

[Anm. 45] Ebd., S. 245f.

[Anm. 46] Krome 1989, S. 410.

[Anm. 47] Die den preußischen Adler bzw. hessischen Löwen zeigenden Steinsäulen an der Drususbrücke wurden Anfang März in die Nahe gestürzt; ebd., S. 391.

[Anm. 48] 1861 waren 8,6% der Binger Bevölkerung Juden; Ebeling 2017, S. 170.

[Anm. 49] Vgl. ebd., S. 178.

[Anm. 50] Ebd., S. 246. Eines ihrer führenden Mitglieder, Sigismund Friedbörig jun., war auch Mitglied des Bürgerkomitees.

[Anm. 51] Vgl. ebd., S. 255–258.

[Anm. 52] Krome 1989, S. 427.

[Anm. 53] Ebd., S. 423.

[Anm. 54] Ebd., 430. Zu dessen Wahl war im Vorfeld im „Volksboten“ aufgerufen worden, woran sich ebenfalls ein Gesinnungswandel in der Redaktion des vormals dezidiert konstitutionellen Blattes ablesen lässt.

[Anm. 55] Ebd., S. 442. Die Mitte des Vorjahres eingerichtete Bürgerwehr hatte sich zwischenzeitlich wieder aufgelöst. Die Binger Gruppe zählte vermutlich ca. 70 Mann, die Bewaffnung war im Allgemeinen schlecht und beschränkte sich bei manchen auf umgeschmiedete Sensen.

[Anm. 56] Ebd., S. 441.

[Anm. 57] Ebd., S. 449.

[Anm. 58] Ebeling 2017, S. 257.

[Anm. 59] Vgl. Krome 1989, S. 95f.

[Anm. 60] Vgl. ebd., S. 50f.

[Anm. 61] Ebd., S. 479.

[Anm. 62] Bei einer Kundgebung gegen die Vorlage des Volksschulgesetzes am 30. März 1873 sollen sich nahezu 3.000 Personen vor der Basilika versammelt haben, wobei u.a. auch Ferdinand Allmann (siehe oben) sprach; ebd., S. 97.

[Anm. 63] Ebeling 2017, S. 245.

[Anm. 64] Krome 2019, S. 102.

[Anm. 65] Ebd., S. 480.

[Anm. 66] Ebd., S. 485f.

[Anm. 67] Wolf-Holzäpfel 2003, S. 210.

[Anm. 68] Ebd., S. 233.

[Anm. 69] Krome 2019, S. 102f.

[Anm. 70]Vgl. ebd., S. 106.

[Anm. 71] Die Bevölkerung Bingens wuchs zwischen 1867 und 1905 lediglich um 76%. Zum Vergleich: Die Wormser Bevölkerung vervierfachte sich in dem gleichen Zeitraum; ebd., S. 331.

[Anm. 72] Vgl. ebd., S. 109.

[Anm. 73] Ebd., S. 107.

[Anm. 74] Ebd., S. 116.

[Anm. 75] Ebd., S. 118.

[Anm. 76] Siehe hierzu ausführlich: ebd., S. 125–286.

[Anm. 77] Ebd., S. 306.

[Anm. 78] Ebd., S. 308.

[Anm. 79] Ebd., S. 44.

[Anm. 80] Ebd., S. 323.

[Anm. 81] Ebd., S. 274.

[Anm. 82] Vgl. ebd., S. 552.

[Anm. 83] Vgl. ebd., S. 552f.

[Anm. 84] Ebd., S. 554.

[Anm. 85] Ebd.

[Anm. 86] Ebd., S. 556.

[Anm. 87] Schweitzer, E.: Die Geschichte der Hindenburgbrücke, in: Nachrichten der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte e.V. Nr. 49 (1982), URL: https://www.regionalgeschichte.net/rheingauer-heimatforschung/vergangenes/im-archiv-gefunden/die-geschichte-der-hindenburgbruecke-teil-2.html [31.03.2026].

[Anm. 88] Krome 2019, S. 559.

[Anm. 89] Ebd., S. 563.

[Anm. 90] Ebd., S. 554.

[Anm. 91] Ebd., S. 562.

[Anm. 92] Vgl. ebd., S. 565f.

[Anm. 93] Vgl. ebd., S. 567.

[Anm. 94] Schmandt 2025, S. 173. Die letzte Bevölkerungszahl vor dem Krieg stammt von 1910. Damals lebten 9.952 Menschen in Bingen; Krome 2019, S. 334.

[Anm. 95] Ebd., S. 552.

[Anm. 96] Bernard 2021, S. 20.

[Anm. 97] Schmandt 2025, S. 173.

[Anm. 98] Vgl. Bernard 2021, S. 22.

[Anm. 99] Vgl. Schmandt 2025, S. 175f.

[Anm. 100] Ebd., S. 170.

[Anm. 101] Bernard 2021, S. 24.

[Anm. 102] Ebd., S. 26.

[Anm. 103] Schmandt 2025, S. 174.

[Anm. 104] Bernard 2021, S. 27.

[Anm. 105] Vgl. Schmandt 2025, S. 174.

[Anm. 106] Bernard 2021, S. 23.

[Anm. 107] Ebd., S. 28.

[Anm. 108] Schmandt 2025, S. 175.

[Anm. 109] Vgl. Bernard 2021, S. 29.

[Anm. 110] Krome 2019, 309f.

[Anm. 111] Ebd., S. 124.

[Anm. 112] Vgl. ebd., S. 46.

[Anm. 113] Ebd., S. 50.

[Anm. 114] Ebd., S. 48.

[Anm. 115] 1925 waren 7.007 der insgesamt 9.985 Einwohner Bingens katholisch; ebd., S. 19.

[Anm. 116] Ebd., S. 39.

[Anm. 117] Ebd., S. 35.

[Anm. 118] Bernard 2021, S. 35.

[Anm. 119] Ebd., S. 36.

[Anm. 120] Vgl. ebd., S. 64.

[Anm. 121] Ebd., S. 43.

[Anm. 122] Vgl. ebd., S. 65.

[Anm. 123] Vgl. ebd., S. 66f.

[Anm. 124] Ebd., S. 111.

[Anm. 125] Ebd., S. 37.

[Anm. 126] Tabarelli 2018, S. 106.

[Anm. 127] Bernard 2021, S. 121.

[Anm. 128] Tabarelli 2018, S. 107.

[Anm. 129] Vgl. ebd., S. 124f.

[Anm. 130] Bernard 2021, S. 216f.

[Anm. 131] Ebd., S. 169.

[Anm. 132] Ebd., S. 174.

[Anm. 133] Ebd., S. 232.

[Anm. 134] Ebd., S. 128.

[Anm. 135] Schmuck 2018, S. 266.

[Anm. 136] Bernard 2021, S. 224.

[Anm. 137] Ebd., S. 225.

[Anm. 138] Ebd., S. 234f.

[Anm. 139] Ebd., S. 207.

[Anm. 140] Ebd., S. 209f.

[Anm. 141] Ebd., S. 29.

[Anm. 142] 1925 gab es etwa 564.000 Menschen jüdischer Herkunft in Deutschland, was etwa 1% der damaligen Gesamtbevölkerung entspricht; Rürup 2021, S. 10.

[Anm. 143] Vgl. Bernard 2021, S. 181. Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Bingens allgemein siehe: https://www.alemannia-judaica.de/bingen_synagoge.htm.

[Anm. 144] Bernard 2021, S. 188.

[Anm. 145] Ebd., S. 180.

[Anm. 146] Ebd., S. 190.

[Anm. 147] Ebd., S. 192–201.

[Anm. 148] Ebd., S. 204.

[Anm. 149] Ebd., S. 48.

[Anm. 150] Bernard 2018, S. 211.

[Anm. 151] Ebd., S. 222.

[Anm. 152] Ebd., S. 258f.

[Anm. 153] Vgl. Bernard 2021, S. 266f.

[Anm. 154] Ebd., S. 249f.

[Anm. 155] Ebd., S. 255.

[Anm. 156] Ebd., S. 258.

[Anm. 157] https://www.bingen.de/kultur/stadtarchiv/virtuelles-binger-archiv/archivdingstag/die-binger-pontonbruecke [31.03.2026].

[Anm. 158] Schweitzer 1982, URL: https://www.regionalgeschichte.net/rheingauer-heimatforschung/vergangenes/im-archiv-gefunden/die-geschichte-der-hindenburgbruecke-teil-2.html [31.03.2026].

[Anm. 159] Ein biographischer Überblick zu Zehfuß findet sich in: Maier 22009, S. 512.

[Anm. 160] Bernard 2021, S. 263–265.

[Anm. 161] Ebd., S. 273.

[Anm. 162] Ebd., S. 274.

[Anm. 163] Ebd., S. 275f.

[Anm. 164] Ebd. S. 277.

[Anm. 165] Schweitzer, E.: Die Geschichte der Hindenburgbrücke, in: Nachrichten der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte e.V. Nr. 49 (1982), URL: https://www.regionalgeschichte.net/rheingauer-heimatforschung/vergangenes/im-archiv-gefunden/die-geschichte-der-hindenburgbruecke-teil-3.html [31.03.2026].

[Anm. 166] Stadt Bingen (Hg.), Bahnhof Bingerbrück – Schaltzentrale mit historischer Bedeutung, URL: https://www.bingen.de/leben/umweltschutz/umweltbildung/stellwerk/die-exponate-im-einzelnen/bahnhof-bingerbrueck–schaltzentrale-mit-historischer-bedeutung [06.10.2025].

[Anm. 167] Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz 2016, S. 160.

[Anm. 168] Emmerichs 2012, S. 406f.

[Anm. 169] Ebd., S. 407.

[Anm. 170] Ebd., S. 408.

[Anm. 171] Ebd., S. 416.

[Anm. 172] Ebd., S. 418.

[Anm. 173] Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz 2016, S. 38.

[Anm. 174] Ebd., S. 416.

[Anm. 175] Kreisverwaltung Mainz-Bingen (Hg.), Tourismus in Rheinhessen 2024 – hohe Zuwachsraten, URL: https://www.mainz-bingen.de/de/aktuelles/meldungen/1644986626.php [20.03.2025].

[Anm. 176] Emmerichs 2012, S. 416.