Sankt Goar am Mittelrhein

Burg Rheinfels

Im 10. Jahrhundert erscheinen die Grafen von Arnstein als Vögte der Abtei Prüm. Seit Ende des 11. Jahrhunderts bestanden Beziehungen der Herren von Katzenelnbogen (1138 erstmals als Grafen erwähnt) zu Sankt Goar: Sie waren Untervögte der Grafen von Arnstein. Die Katzenelnbogen wurden nach dem Aussterben der Arnsteiner (ca. 1190) mit der Vogtei über die Besitzungen der Abtei Prüm belehnt.

Der Burgenburg auf der Höhe in St. Goar wurde seit 1245 anstelle einer älteren (durch den Eisenbahnbau des 19. Jahrhunderts zerstörten) Talburg von Graf Diether V. von Katzenelnbogen betrieben. 1251 gab der Abt von Prüm die Burg dem Grafen von Katzenelnbogen (nachträglich) zu Lehen. Bereits 1255/1256 musste eine Belagerung des rheinischen Städtebundes abgewehrt werden, der diesen machtvollen Stützpunkt der Katzenelnbogen zerstören und den Rheinzoll wieder abschaffen wollte. In der Überlieferung heißt es, dass die Belagerung ein Jahr und 14 Wochen gedauert habe und 9000 Angreifer mit 50 Schiffen auf dem Rhein gegen die Burg angrannt wären. 1292 versprach Adolf von Nassau dem Kölner Erzbischof, ihm die Burg Rheinfels zu verschaffen, sollte er zum deutschen König gewählt werden. Doch im Jahr 1330 wurde alle Reichslehen der Abtei Prüm bestätigt, Burg Rheinfels sollte den Grafen von Katzenelnbogen verbleiben. Im 13. und 14. Jahrhundert erfolgte der Ausbau zur Residenz (Brand 1448) der Niedergrafschaft Katzenelnbogen. Damals erhielt der heute bis auf einen spärlichen Fundamentrest verschwundene Bergfried seinen "Butterfassaufsatz". Die Burg war im 14. und 15. Jahrhundert kultureller Mittelpunkt des Grafenhauses mit einem für die Rheinlande einzigartigem Hofleben.

Nach dem Aussterben der Katzenelnbogen fiel die Burg 1479 mit dem Tod Graf Philipps d.Ä. an die Landgrafen von Hessen. Die Landgrafen setzten sich dabei gegen die Ansprüche der Grafen von Nassau durch (Frankfurter Vertrag 1557). Burg Rheinfels wurde durch die Landgrafen, besonders unter dem Eindruck der Geschützwirkung bei der Belagerung Boppards 1497, zur Festung erweitert. Die Arbeiten waren 1527 abgeschlossen. Mit großem Aufwand ließ auch Landgraf Philipp II. die Burg im späten 16. Jahrhundert zu einem Renaissanceschloß umbauen. Die Grabmonumente Philipps II. und seiner Gemahlin Anna Elisabeth von Bayern befinden sich in einer Kapelle an der Nordseite der Stiftskirche. Sie stammen von Wilhelm Vernuiken, dem Meister der Kölner Rathausvorhalle. Anschließend fiel Rheinfels an die Linie Hessen-Kassel. 1621 Überfall durch spanische Truppen, 1626 Eroberung durch Hessen-Darmstadt. 1626-47 war die Feste im Besitz des Hauses Hessen-Darmstadt und Residenz des Landgrafen Georg II. (1626-61). 1647 gelangte die Burgfestung im "Hessenkrieg" wieder an das Haus Hessen-Kassel. In den Jahren 1649-93 fungierte sie als Residenz des Landgrafen Ernst von Hessen-Rheinfels-Rotenburg. Im Regensburger Hauptvergleich 1654 (betraf Rheinfels und Burg Katz auf der anderen Rheinseite) wurde Hessen-Kassel das Öffnungsrecht in Notzeiten zugesichert, für die Besatzung sorgte Hessen-Rotenburg, der Unterhalt wurde durch Hessen-Kassel und Hessen-Rotenburg gewährleistet, die Burg durfte an keine fremden Fürsten übertragen werden. Ab 1653 führte Landgraf Ernst von Hessen-Rheinfels erfolglose Verhandlungen wegen Übertragung der Burgen Rheinfels und Katz an Frankreich. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg beanspruchte der Landgraf von Hessen-Kassel mehrmals die Öffnung der Burg für seine Truppen, zuletzt 1692. 1692, im pfälzischen Erbfolgekrieg wurde ein Angriff von 28.000 französischen Belagerern erfolgreich abgeschlagen, auch 1734 hielt sie bei einem weiteren Angriff stand. 1794 mussten Ort und Festung dann aber doch den Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. überlassen werden. Die Franzosen sprengten 1797 den Bergfried und das Palasgebäude (Darmstädter Bau) und legten die Außenwerke nieder. St. Goar war bis 1813 unter französoscher Verwaltung. 1812 kam der Rheinfels bei der Versteigerung der NAtionalgüter in den besitz von peter Glaß aus St. Goar. Ab 1818 diente die Anlage als Steinbruch für den Wiederaufbau des Ehrenbreitsteins bei Koblenz. 1843 kaufte Prinz Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser Wilhelm I., den mittelalterlichen Teil der Ruine. Pläne, einen Teil wieder als gartenschloss aufzubauen (Entwurf 1844), wurden nicht realisiert. Seit 1925 ist die Ruine im Besitz der Stadt und wird durch den Hansenorden betreut. Seitdem erfolgten einige Restaurierungs- und Ausbaumaßnahmen.

Die Burgkapelle

1315 Erlaubnis zum Bau einer Kapelle bei, d.h. außerhalb der Burg. Diese alte Kapelle stand wahrscheinlich südwestlich der Burg. Eine Burgkapelle innerhalb der Burg wird erstmals 1371 anlässlich einer Altarstiftung erwähnt. Um 1654 gestattetet Landgraf Wilhelm von Hessen-Kassel, katholischen Gottesdienst in der Kapelle zu feiern (Rettinger).

Der Name Burg Rheinfels

Im Laufe der Jahrhundert wurde Rheinfels häufig in Urkunden und Akten genannt: 1252 hieß die Burg Rinefels/Rynvels; 1266 Rinvelz; 1271 ante castrum Ryuels; 1300 Rheinfels; 1316 comes de Rinuels; 1326/1338-42 Rynvels; 1330 Rinvels; 1464 Rynfels/Rinfels; 1483 Rinfelsch; 1508 Rheynfelsch; 1555 Rhinfelz; 1559 Reinfelsch; 1567 Reinfelß; ca. 1690 Rheinfeltz.

Burg Rheinfels ist noch heute eine der größten und großartigsten Burgruinen am Rhein, bedeutsam sowohl für die Burgenbaukunst der Grafen von Katzenelnbogen im 14. Jahrhunderts wie für den Schloss- und Festungsbau des 16. bis 18. Jahrhunderts ganz allgemein.

Baugeschichte

Das einst prachtvolle Erscheinungsbild der Burg des Mittelalters und der Renaissance geben die farbigen Aufmaßzeichnungen von Wilhelm Schäfer genannt Dilich 1607/08 wieder. Die Höhenburg in Spornlage auf einem Bergrücken zwischen Rhein- und Gründelbachtal entwickelte sich aus einer relativ kleinen Kernanlage zu einem weitläufigen, komplizierten Festungskomplex. Die heutigen Ruinen bezeichnen nur ein Drittel der Anlage. Zwei Drittel, und zwar Vorwerke, Kasematten, Schanzen und Kasernenbauten des 16. bis 18. Jahrhunderts lagen ca. 30 m höher südlich in Richtung Biebernheim auf dem Wackenberg. Von diesen Gebäuden sind heute nur noch Geländespuren erkennbar.

1. Auf die Gründungsanlage 1245ff. geht der viereckige Grundriss der Kernburg zurück mit dem (nur in den Fundamentsmauern erhaltenen) Bergfried, dieser eingestellt in die gewinkelte innere Schildmauer; nur wenig aufgehendes Mauerwerk erkennbar, besonders die südwestliche Längsmauer.

2. Im 14. Jahrhundert unter Graf Wilhelm II. von Katzenelnbogen (1332-85) großzügiger Ausbau der Kernburg: Der Bergfried zur ,,Butterfassform“ (vgl. Marksburg) aufgestockt; neue Wohngebäude erbaut, insbesondere der aus der Nordecke der Kernburg rheinseits vorspringende stattliche dreigeschossige ,,Frauenbau“ (jetzt Ruine) mit rheinseitigem Eckrundturm, hofseitigem Treppenturm und umlaufendem Rundbogenfries; ferner vor dem ursprünglichen Halsgraben des 13. Jahrhunderts eine lang gestreckte, mächtige (jetzt stark restaurierte) Schildmauer errichtet mit zwei Türmen an den Enden, rheinseits Uhrturm (= Burgtor) und bergseits Büchsenmeisterturm.

3. Um 1480-1527 durch Landgraf Wilhelm III. von Hessen (1471-1509) und Landgraf Philipp den Großmütigen (1509-67) Ausbau zur Festung. Der große, zwischen Schildmauer und Kernburg gelegene Halsgraben des 13. Jahrhunderts von einem kühn gespannten Tonnengewölbe überdeckt; an der Rheinseite und zum Gründelbachtal hin Vorwerk (Kasematten, teilweise in zwei Geschossen) und am Biebernheimer Feld Außenwerke angelegt.

4. Um 1570/80 unter Philipp von Hessen-Rheinfels (1567-83) Ausbau zur Renaissance-Residenz: Die Kernburg, vor allem ihr Rheinflügel, der sog. Darmstädter Bau, durch hohe prunkreiche (heute sämtlich verschwundene) Fachwerkaufbauten mit Erkern und verzierten Schweifgiebeln ausgezeichnet (vgl. Philippsburg in Braubach und die Zeichnungen von Dilich).

5. Anfang 17. Jahrhundert die (teilweise heute noch zugänglichen) weitläufigen Minengänge vor der südwestlichen Längsfront (Bergseite) angelegt und um 1640 unter Landgraf Georg der Darmstädter Bau massiv erneuert (als Ruine erhalten) sowie das Erdgeschoß des ,,Frauenbaues“ als sog. ,,Kapelle“ neu gewölbt (1965ff. die Wölbung rekonstruiert).

6. In der 2.Hälfte des 17. Jahrhunderts unter Landgraf Ernst von Hessen-Rotenburg-Rheinfels (1649-93) nochmals starker Ausbau der Befestigungen; so1657-67 die Forts ,,Scharfeneck" (im Osten) und ,,Noli me tangere" sowie das ,,Neue Ravelin" (jetzt außerhalb und Privatbesitz) und die ,,Hohe-Ernst-Schanze" angelegt.

7. Nach der Belagerung 1692 Wiederaufbau und Verstärkung der Festungsanlagen, insbesondere der Kasematten und der Biebernheimer Vorwerke.

Quelle: Dehio; Grathoff; Rettinger, Historisches Ortslexikon (s. rechte Spalte); Tillmann; redakt. Bearb. S.G.