Mainz in Rheinhessen

0.Der Erthaler Hof

Der Erthaler Hof vom Schillerplatz aus. Das Foto stammt aus dem Nachlass von Fritz Arens.[Bild: Dom- und Diözesanarchiv Mainz]

Der Erthaler Hof nimmt unter den Mainzer Adelshöfen eine Sonderstellung ein. Er blieb von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges weitgehend verschont.

Zwischen 1734 und 1743 wurde der Hof als Familienpalais von Philipp Christoph Reichsfreiherr von und zu Erthal (1689-1748) errichtet. Dieser bekleidete unter Lothar Franz von Schönborn und Johann Friedrich Carl von Ostein wichtige Ämter innerhalb des Kurstaates und war zuletzt Mainzer "Vicekammer Präsident und Obermarschall". Der spätere Kurfürst Friedrich Carl war sein Sohn. Philipp Christoph verfügte über eine gediegene architektonische Bildung, kannte die führenden französischen Architekten und war als Ratgeber des Kurfüsten in architektonischen Fragen u.a. am Schloss in Pommersfelden und der Würzburger Residenz beteiligt. Der Plan zum Erthaler Hof dürfte von ihm selbst stammen. Die ursprünglich zum Hof gehörenden Wirtschaftsgebäude sind nicht erhalten, auch der sich an der Rückseite anschließende kleine Ziergarten ist heute verschwunden. Im Wohngebäude sind allerdings - einmalig in Mainz - die ursprüngliche Raumaufteilung und Teile der Ausstattung erhalten. Jüngst wurde der Hof einer grundlegenden Restaurierung unterzogen. Nachdem hier lange die Kreisverwaltung Mainz-Bingen zu Hause war, befindet sich heute in dem renovierten Gebäude das Landesamt für Denkmalpflege.

0.1. Schauplatz der Rheinhessen Gründung

Der Große Saal im Erthaler Hof.[Bild: Dom- und Diözesanarchiv Mainz]

Am 12. Juli 1816 fand die Übergabe der linksrheinischen Gebiete im Festsaal des Erthaler Hofes statt. Gegen 11 Uhr vormittags trafen sich die Beamten, die Universitätsprofessoren der medizinischen Fakultät, die Geistlichen und die Lehrer des Gymnasiums um die Urkunde zu unterzeichnen. Nach der Verlesung des Staatsvertrags, sprachen Hofrat von Handel im Namen des österreichischen Kaisers und Geheimrat von Maquard im Namen des preußischen Königs die Beamten erst mündlich, dann schriftlich von ihren Pflichten gegenüber diesen los. Danach wurde die die Besitzergreifungsurkunde, beziehungsweise die Urkunde der Besitzübergabe vom Großherzoglich Hessischischen Geheimrat von Leykam verlesen. Als Entschädigung der Landesabtretungen durch den Wiener Kongress nahm Großherzog Ludwig darin die Gebiete, die zum einstigen Departement Donnersberg gehörten „auf ewige Zeiten“[Anm. 1] in Besitz. Darunter befanden sich die Stadt Mainz, Kastel und Kostheim. Auch die Kantone Worms und Pfeddersheim, sowie Kreis Alzey, abgesehen des Kantons Kirchheim-Boland gingen in den Besitz Ludwigs über. Die Urkunde enthielt unter anderem das Versprechen die bisherigen liberalen Rechte auch in Zukunft den Zehnten nicht einzuziehen, keine Frondienste zu fordern und keine feudale Rechte zu vergeben. Den Beamten wurden ihre Pflichten gegenüber ihren neuen Fürsten genannt und vom Präsidenten der hessischen Regierung vereidigt. Nach den Formalitäten hielt der Mainzer Bischof im Dom ein Tedeum. Die Feierlicghkeiten endeten mit einem Theaterstück in Mainz am Abend. Gespielt wurde: Der Lorbeerkranz oder die Macht der Gesetze“. Der eigentliche Staatsvertrag zwischen Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein, dem österreichischen Kaiser, sowie dem preußischen König wurde am 7. Juli in Frankfurt abgeschlossen, jedoch aus steuerrechtlichen Gründen auf den 30. Juni 1816 zurückdatiert[Anm. 2].

0.2.Der Ethaler Hof als Sitz des Provinzialrates

Das Großherzogtum Hessen bestand aus den drei Provinzn Oberhessen, Starkenburg und Rheinhessen. Bevor Rheinhessen 1816 zum Großherzogtum Hessen gelangte, besaß die Provinz einen Départementsrat als Volksvertretung. Anstatt diesem wurde im Großherzogtum 1818 in indirekter Wahl ein Provinzialrat gewählt[Anm. 3]. Der Rat setzte sich letztendlich aus Abgeordneten des Stadtrates, Bürgermeistern sowie weiteren Kandidaten aus der Gruppe der Höchstbesteuerten zusammen. Der Sitz des Provinzialrates war der Erthaler Hof in Mainz. Erstmals trat der Rat am 4. Oktober 1818 zusammen und beriet sich über finanzielle Angelegenheiten in Rheinhessen. In den anderen Provinzen gab es, obwohl Franz Philipp Aull[Anm. 4] einen Antrag stellte solche Institutionen einzuführen, keinen Provinzialrat. Auch in Rheinhessen tagte der Rat nur drei Mal, letztmals am 5. Januar 1820. Aufgelöst wurde er nie, jedoch nicht mehr einberufen[Anm. 5].

Nachweise

Redaktionelle Bearbeitung: Stefan Grathoff, Jasmin Gröninger

Verwendete Literatur:

  • 2000 Jahre Mainz. Geschichte der Stadt - digital
  • Landesamt Denkmalpflege (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 2.2: Stadt Mainz. Bearb. v. Ewald Wegner. Worms 1988.
  • Bechtolsheimer, Heinrich/ Dieterich, Julius Reinhard/ Strecker, Kurt (Hrsg.): Festschrift des Provinz Rheinhessen zur Hundertjahrfeier 1816-1916, Mainz 1916, S.32 ff.
  • Faber, Karl-Georg: Andreas van Recum 1765-1825. Ein rheinischer Kosmopolit, Bonn 1969(Deutsches Historisches Institut Paris, Bd. 8).
  • Hoffmann, Klaus Dietrich: Die Geschichte der Provinz und des Regierungsbezirks Rheinhessen, Alzey 1985.
  • Reitzel, Adam Michael: Mainz- 150 Jahre Provinzialhauptstadt 1816-1916. Ein Beitrag zur rheinhessischen Geschichte. Mainz-Gonsenheim 1966, S.18-22.

 Aktualisiert am: 18.10.2016

Anmerkungen:

  1. Licht, Hans: Oppenheim. Geschichte einer alten Reichsstadt. Eine historische Monografie. Oppenheim o.J., S.226. Zurück
  2. Reitzel, Adam Michel: Mainz- 150 Jahre, S.19. Zurück
  3. Faber, Karl-Georg: Andreas van Recum 1765-1825. Ein rheinischer Kosmopolit, Bonn 1969(Deutsches Historisches Institut Paris, Bd. 8), S. 202. Zurück
  4. Franz Philipp Aull war ein hessischer Politiker und Mainzer Abgeordneter aus der Zweiten Kammer des Landesstände des Großherzogtums Hessen 1847. Er lebte von 1779-1850. Zurück
  5. Hoffmann, Klaus Dietrich: Die Geschichte der Provinz und des Regierungsbezirks Rheinhessen, 1985. Zurück