Mainz in Rheinhessen

Römische Tempelanlage in Finthen

Weihealtar an Merkur. Heute im Landesmuseum Mainz. Copyright: Landesmuseum Mainz.[Bild: ]

1844 wurden bei Steinbrucharbeiten in Finthen zwei Brunnen oder Opferschächte gefunden. In einem jener Brunnen fand man 9 Votivsteine mit Weihungen an den Gott Merkur. Vier weitere Merkur-Inschriften wurden im Dorf Finthen gefunden.[Anm. 1]

Eine jener Inschriften lautet wie folgt:

IN H(ONORVM) D(OMVS) D(IVINAE). DEO MERCVRIO L(VCIVS) SENILIVS DECMANVS, Q(VAESTOR), C(VRATOR) C(IVIVM) R(OMANORVM) M(OGONTIACI), NEG(OTIATOR) MOG(ONTIACENSIS) C(IVIS) T(AVNENSIS) V(OTVM) S(OLVIT) L(IBENS) L(AETVS) M(ERITO) SATVRNIO ET GALLO CO(N)S(VLIBVS)[Anm. 2]

Die Übersetzung lautet:

Zu Ehren des göttlichen Kaiserhauses. Dem Gott Merkur hat Lucius Senilius Decmanus, Steuereinnehmer und Vorsteher der römischen Bürger von Mainz, Mainzer Kaufmann und Bürger der Civitas Taunensis, sein Gelübde gern und freudig nach Gebühr eingelöst, als Saturnius und Gallus Konsuln waren.[Anm. 3]

Die Nennung der Konsuln Titus Aturius Saturnius und Gaius Annius Trebonius Gallus ermöglichen eine Datierung des Steines in das Jahr 198 n. Chr. Auch die anderen Altäre werden in das 2. und das 3. Jahrhundert n. Chr. datiert.[Anm. 4]

Bronzekopf der Rosmerta. Heute im Landesmuseum Mainz. Copyright: Landesmuseum Mainz.[Bild: ]

In dem zweiten Brunnen wurde ein bronzener Kopf und weitere Bronzebruchstücke entdeckt. Der bronzene Kopf hat eine Höhe von 32 cm und wird als Kopf der Rosmerta - der Mutter des Merkur – gedeutet. Hinter der Haarschleife des Kopfes befinden sich zwei ovale Bleiblättchen, die darauf schließen lassen, dass dort etwas angelötet war. Auf der Außenseite eines der Bleiblättchen ist der Ansatz eines Bleistreifens zu erkennen. Größe, Form und Krümmung des Streifens lassen die Ergänzung eines Flügelhutes zu. Dafür spricht auch der Fund eines Bronzeflügels, welcher eventuell zu jenem Hut gehörte. Die flüchtigere Ausarbeitung der Haare in der Mittelpartie, die eventuell von dem Hut verdeckt waren, ist ein weiteres Indiz. Ikonographische Parallelen gibt es mit der Mainzer Jupitersäule, auf der Rosmerta ebenfalls mit einem Flügelhut dargestellt wird. Auch die vielen Votivinschriften für Merkur lassen für den Kopf eine Deutung als Kopf der Rosmerta zu, da eine gemeinsame Verehrung von Merkur und Rosmerta im Rheinland häufig zu finden ist. Der Fund zweier vergoldeter Bruchstücke eines Oberarms und eines Oberschenkels deuten auf die Existenz einer weiteren lebensgroßen Statue – eventuell von Merkur- hin. Eine genaue Datierung des Kopfes ist schwierig, da Vergleichsmaterial aus der Region nicht vorhanden ist. Datiert wird dieser Kopf somit vage ins 1. Jahrhundert n. Chr.[Anm. 5]

Neben den zwei Brunnen wurden in dem Steinbruch auch Mauerreste aus römischer Zeit gefunden. Der Fund dieser Mauerreste lässt unter Hinzunahme der gefundenen Merkurweihungen und der Bronzefunde auf ein Merkurheiligtum in Finthen schließen, das vom 1. bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. bestanden hat.[Anm. 6]

Eine genauere Untersuchung der Tempelanlage ist heute nicht mehr möglich, da der Eigentümer des Steinbruchs die Abbauarbeiten nicht stoppte und lediglich den Finther Pfarrer Autsch und den Lehrer Erler von seinem Fund in Kenntnis setzte. Diese beiden brachten die Funde in Sicherheit und Herr Erler fertigte einen Plan zu dem Verlauf der gefundenen Mauerreste an. Dieser ist heute allerdings verschollen. Die Anhöhe, auf der der Tempel zu der Zeit seiner Nutzung stand, ist heute abgetragen und mit Wohnhäusern bebaut.[Anm. 7]

Die Votivsteine und die Bronzefunde befinden sich heute alle im Besitz des Landesmuseums Mainz.[Anm. 8]

Nachweise

Verfasser: Lutz Luckhaupt

Verwendete Literatur:

  • Berbüsse, Constanze: Die Erforschung des römischen Heiligtums in Mainz-Finthen. Pfarrer und Lehrer auf den Spuren der Römer. Berichte zur Archäologie in Rheinhessen und Umgebung 4 (2011), S. 13-18.
  • Jakobi, Hans: Mogontiacum. Das römische Mainz. Mainz 1996.
  • Schütz, Friedrich: 900 Jahre Finthen. Mainz 1992.
  • Schumacher, K.: Bronzekopf eines Kultbildes der Rosmerta-Maia aus einem Tempel bei Finthen (Kreis Mainz). Alterthümer unserer Heidnischen Vorzeit 5 (1911), S. 338-341.

Erstellt am: 09.06.2015

Anmerkungen:

  1. Jakobi, Hans: Mogontiacum. Das römische Mainz. Mainz 1996, S. 627-628. Zurück
  2. CIL XIII, 7222. Zurück
  3. Berbüsse, Constanze: Die Erforschung des römischen Heiligtums in Mainz-Finthen. Pfarrer und Lehrer auf den Spuren der Römer. Berichte zur Archäologie in Rheinhessen und Umgebung 4 (2011), S. 15-16. Zurück
  4. Ebenda, S. 16. Zurück
  5. Schumacher, K.: Bronzekopf eines Kultbildes der Rosmerta-Maia aus einem Tempel bei Finthen (Kreis Mainz). Alterthümer unserer Heidnischen Vorzeit 5 (1911), S. 338-339. Zurück
  6. Schütz, Friedrich: 900 Jahre Finthen. Mainz 1992, S. 10. Zurück
  7. Berbüsse, S. 14. Zurück
  8. Ebenda, S. 16. Zurück