Mainz in Rheinhessen

Mithräum am Mainzer Ballplatz

Weihealtar des Mainzer Mithräums.[Bild: Dominik Kasper]
Weihealtar des Mainzer Mithräums.[Bild: Dominik Kasper]

Die beiden unscheinbaren Steinquader am Ballplatz, angebracht im überdachten Durchgang in der Nähe des Eingangs von Cafe Lomo, sind die einzigen Überresten des römischen Mithräums von Mainz. Es handelt sich um Weihealtäre aus der unterirdischen Kultanlage für den Gott Mithras, von der heute nichts mehr übrig ist. Die wenigen Überreste offenbaren dennoch einige Einblicke in die Geschichte des Kultes im römischen Germanien.

Die beiden Weihealtäre weisen aufgrund ihres Materials einen sehr unterschiedlichen Erhaltungszustand auf. So ist die Weiheinschrift auf dem Quader aus Odenwälder Marmor noch deutlich zu erkennen:

Inschrift:

D(eo) I(nvicto) M(ithrae)| et Marti | Secundini/us Amantius | cornicu(larius) | praef(ecti) leg(ionis) | XXII permi|ttente Pri|mulo patre | ex voto pos|uit l(ibens) l(aetus m(erito)

Übersetzung:

Dem unbesieglichen Gott Mithras und dem Mars hat Secundinius Amantius, Adjutant des Präfekten der XXII Legion, mit Erlaubnis des Paters (=eventuell "Gemeindevorsteher") Primulus nach einem Gelübde dies gern, froh und nach Verdienst aufgestellt[Anm. 1].

Weniger gut erhalten ist die Inschrift des zweiten Weihealtars, der aus Flonheimer Sandstein besteht. Hier lässt sich kaum noch ein zusammenhänger Text rekonstruieren.

Weitere mithrische Funde am Ballplatz und die Rekonstruktion des Mithräums

Die Weihealtäre wurden 1976 in einer Baugrube entdeckt, in der auch viele weitere Funde lagen, die durch private Finder während der Bauzeit am Ballplatz gefunden wurden. Zu Beginn der 2000er Jahre wurden dies privaten Finder um Zusammenarbeit gebeten, um mehr über das Mithräum am Ballplatz herauszufinden. Dabei konnten rund 500 Fundstücke zusammengetragen werden, die bei der Datierung des Mithräums weiterhalfen. Auch eine Rekonstruktion des Mithräums am Ballplatz konnte durch die Wiederbeschäftigung mit den alten Befundplänen von 1976 erreicht werden. Die damals in der Baugrube gefundenen Mauereste lassen sich als Podien- und Außenmaiern des Mithräum rekonstuieren. Der Mittelgang war 3 Meter breit und etwa 22 Meter lang. Mit der Kultnische, die allerdings außerhalb der Baugrube lag und der Berücksichtigung von Vorräumen, die zwar nicht gefunden wurden, aber sicherlich existiert haben, wird eine Gesamtlänge des Mithräums von etwa 30 Metern angenommen. Im Vergleich zu den anderen, gefundenen Mithräen in Germanien ist die relativ groß.[Anm. 2]

Die vielen Funde und, wie weiter unter ausgeführt, die noch zu lesende Weiheinschrift aus der Baugrube datieren das Mithräum in die 70er Jahre des 1. Jahrhunderts, also in die Regierungszeit des Kaisers Vespasian. Damit ist dieses Mithräum am Mainzer Ballplatz das bisher früheste gefundene Mithräum im römischen Reich. Die Funde deuten außerdem auf eine Nutzung des Mithräums bis ins 4. Jahrhundert hin.[Anm. 3]

Allgemeines zum Kult des Mithras

Der Kult des Mithras im römischen Reich hat seine Ursprung im alten Persien und Indien. Der Glaube an den Lichtgott Mithra kann dort bereits seit dem 14. Jh. v. Chr. nachgewiesen werden. Die römische Variante des Kultes weist allerdings eine Reihe von Unterschieden zu ihrem persischen Ursprung auf und muss daher differenziert betrachtet werden. So wird der Gott in seiner römischen Ausformung auch als Licht- und Sonnengott verehrt, was die Sommer- und Wintersonnenwende zu besonderen Festtagen der Gemeinschaft macht. Auch Stiertötungsszenen, deren Deutung sehr unterschiedlich ausfällt, spielen in der Ikonographie des Mithras eine wichtige Rollen. In vielen Quellen wird er als Deus invictus (=unbesiegter Gott) bezeichnet (siehe Inschrift).

Der Mithraskult im römischen Germanien

Aufgrund der Erwähnung der 22. Legion kann das Jahr 43 n. Chr als terminus post quem für die Errichtung des Steins angenommen werden. Die besagte Legion war von 43 - 70 n. Chr. und ab dem Jahr 92 n. Chr. bis 350/60 n. Chr in Mainz stationiert.

Allgemein geht man davon aus, dass der Mithraskult im Laufe des 2. Jh. n. Chr. durch römische Soldaten nach Germanien kam. Möglich wäre allerdings auch ein früheres Aufkommen, da kleinasiatische Händler bereits im 1. Jh n. Chr ins römische Germanien reisten.

Insgesamt fand der Glaube an Mithras große Verbreitung im römischen Reich und bildete eine ernsthafte Konkurrenz zum Christentum.

Nachweise

Verfasser: Dominik Kasper, Lutz Luckhaupt

Verwendete Literatur:

  • Blänsdorf, Jürgen [Hrsg.]: Siste viator et lege - Bleib stehen, Wanderer, und lies. Die lateinischen Inschriften der Stadt Mainz von der Antike bis zur Neuzeit. Texte mit Übersetzungen und kurzen Erläuterungen. Mainz 2008.
  • Huld-Zetsche, Ingeborg: Ein Mithräum in Mainz. Archäologie in Rheinland-Pfalz 2002 (Mainz 2003), S. 75-78.
  • Huld-Zetsche, Ingeborg [u. a.]: Der Mithraskult in Mainz und das Mithräum am Ballplatz (Mainzer Archäologische Schriften 7). Mainz 2008.
  • Vermaseren, Maarten J.: Der Kult des Mithras im römischen Germanien. Stuttgart 1974.

Erstellt: 08.08.2008

Geändert: 04.04.2017

Anmerkungen:

  1. Übersetzung nach Blänsdorf, Siste viator et Lege, S. 204 Zurück
  2. Huld-Zetsche, Ingeborg: Ein Mithräum in Mainz. Archäologie in Rheinland-Pfalz 2002 (Mainz 2003), S. 75-78, hier S. 75. Zurück
  3. Ebenda, S. 76. Zurück