Maxsain im Westerwald

0.Zur Geschichte von Maxsain

Maxsain[Bild: El tommo CC BY-SA 3.0]

Maxsain war der Hauptort des Bannes Maxsain, eines grundherrlichen Besitzes, der wohl ursprünglich Königsgut gewesen war. Das Gebiet kam über die Konradiner, zuletzt Hermann I. von Schwaben (926-949) wahrscheinlich an dessen Vasallen den Konradiner Drutwin [von Lipporn, Graf in der Esterau]. Über die Erben Drutwins, namentlich Graf Dudo von Laurenburg (+ 1124), ist das Gebiet an die Grafen von Sponheim gefallen. Diese gaben Gebietsteile u.a. Maxsain als Lehen an die Herren von Bolanden. In dem Lehensverzeichnis Werners II. von Bolanden (ca. 1130 - um 1190) wurden im Jahr 1194 die Höfe in Maxsain und Selters (sowie zwei weitere Dörfer) unter den Lehen genannt, die Werner II. von den Sponheimern zu Lehen getragen hatte.[Anm. 1]

Der Ortsname wandelte sich von »Machseine« (1194/98), »Maxeine« (1360), »Makeseyne« (1248), »Machseim« (1277), »Maxene« (um 1315), »Maxseyn« (1334), »Maxseyne« (1510), »Maxeyne« (1382), »Maxsein« (1573), »Maxsehn« (1632), »Maxsayn« (1838) zum heutigen Maxsain (erstmals 1839).[Anm. 2]

0.1.Maxsain im Mittelalter

Maxsain und Selters erbte danach Graf Gottfried III. von Sponheim (1197-1223). Noch vor 1239 kam Maxsain unter die Lehensherrschaft des Erzstiftes Trier.

Die Söhne Gottfrieds III, Graf Johan von Sponheim (1239-1264), Heinrich von Heinsberg (1239-1248) und Simon von Sponheim (1239-1248) verpfändeten 1239 ihren Hof (curtim) zu Maxsain, der zur Herrschaft Heinrichs von Heinsberg gehörte, dem Trierer Erzbischof Dietrich II. von Wied (1212-1242), der ihnen am 22. April 1239 bestätigte, dass sie seinen Hof Maxsain (curtim suam de Maxeine) mit Menschen und allem Zubehör, trierisches Lehen, ihm jetzt für 30 Kölnische Mark verpfändeten (obligarunt).[Anm. 3] Jeder der Brüder sollte den Hof einlösen können. Im Jahr 1248 hatte Heinrich von Heinsberg die Hälfte seiner Güter zu Maxsain und Selters wieder eingelöst, als er diese mit allem Zubehör seinem Bruder Graf Simon von Sponheim abtrat, der selbst die andere Hälfte einlösen sollte.[Anm. 4]

Als die Söhne Graf Simons am 1. September 1277 eine Erbteilung vornahmen, gelangten Selters und Maxsain an den Grafen Heinrich von Sponheim-Dannenfels (1265-1284)[Anm. 5] Anlässlich dieses Herrschaftsübergangs könnte das erste Maxsainer Weistum[Anm. 6] niedergeschrieben worden sein. Die letzten Sponheimer Rechte in Maxsain gab 1318 Philipp von Sponheim-Dannenfels, der Sohn Heinrichs, auf, als er alle Ansprüche auf den Bann Maxsain und Selters dem Grafen Johan von Sayn abtrat.[Anm. 7]

Gottfried I. von Sayn (1253-1283) und seine Söhne verpfändeten (Verkauf auf Wiederkauf) 1334 das Dorf Maxsain mit dem Gericht und sonstigem Zubehör für 450 Mark, Montabaurer Währung, an Johan Swalburn, der diesen Besitz als Trierer Lehen tragen sollte. Johan Swalburg verpfändete (Verkauf auf Wiederkauf) 1339 Güter und Einkünfte im Dorf und im Bann Maxsain an Erzbischof Balduin von Trier (1307-1354). Schließlich verpfändeten Johann III. von Sayn (1327-1359) und seine Söhne am 28. Oktober 1340, unter Erhöhung der Pfandsumme, alle Güter und Rechte im Dorf und im Bann Maxsain an Erzbischof Balduin für 222 Mark, Koblenzer Währung.[Anm. 8] Nach einigem Hin und Her und verschiedenen Lösungsansätzen besaßen die Grafen von Sayn schließlich alle Rechte in den Dörfern Maxsain und Selters.

Doch im Bann Maxsain verfügten die Grafen von Sayn keineswegs über alle Rechte. Denn die Blutgerichtsbarkeit im Bann Maxsain stand den Grafen von Wied zu ihrer Hohen Feste in Rückeroth zu. Die Weistümer der Hohen Feste von 1511 und 1553 beanspruchten für Wied die volle Hoheit bis an die Grenze gegen die Grafschaft Diez. Die Wieder hatte zwischen 1471 und 1511 mehrfach Missetäter in Wölferlingen, Freilingen und Maxsain verhaftet, abgeführt und hingerichtet. In der Folge kam es zu zahlreichen Streitigkeiten zwischen Sayn und Wied um die Blutgerichtsbarkeit, Jagdgerechtigkeiten, Güter, Pfandschaften, Leibeigene, die Türkenschatzung, und vieles mehr.[Anm. 9] Auch in kirchlichen Angelegenheiten gab es Zwistigkeiten zwischen Sayn und Wied. Als Graf Heinrich von Sayn 1589 einen lutherischen Pfarrer in Maxsain einsetzte, kam es zu blutigen Handgreiflichkeiten. Graf Wilhelm von Wied (1581-1612) zerstörte die Fundamente der damals Kapelle in Maxsain, die zur Pfarrei Rückeroth gehörte. Nur der romanischen Turm blieb erhalten.

0.2.Maxsain seit dem Herborner Vertrag von 1615

Herborn aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian, 1655[Bild: Gemeinfrei]

Um die langjährigen Streitigkeiten zu beenden, ließen die Grafen von Sayn und Wied durch Graf Georg von Nassau-Beilstein (1607-1623), Graf Christoph von Leiningen-Westerburg (1598-1635) und Friedrich Wilhelm von der Lippe genannt Huhn einen Vergleich schließen.[Anm. 10] In diesem Herborner Vertrag vom 4. November 1615 wurde die beiderseitigen Interessenssphären klar von einander abgegrenzt. Sayn behielt den Oberbann bis zur Gemarkung Selters samt Zubehör ohne Beeinträchtigung durch Wied, das mit dem gleichem Recht Selters, Goddert und Heiderhahn erhielt. Sayn blieb die Mühle in Selters mit Gütern, Weihern und Mahlgästen, sein Zehntanteil zu Selters und seine Leibeigenen im Wiedischen außerhalb des Bannes. Wied wahrte seinen Zehnten und die Renten seiner Kirchen zu Rückeroth und Nordhofen im saynischen Bann.[Anm. 11]

Der Bann Maxsain wurde dem Amt der Burg Sayn zugeteilt. Im Jahr 1605 fiel der Bann Maxsain an die Linie Sayn-Wittgenstein-Sayn und wurde dem Amt Altenkirchen zugeordnet. Nach vielen Verwicklungen im Haus Sayn blieb der Bann Maxsain bei der Teilung der Grafschaft 1662 erst gemeinsamer Besitz von Sayn-Hachenburg und Sayn-Altenkirchen, doch wurde er noch im gleichen Jahr Sayn-Hachenburg zuteilt.[Anm. 12] Nach erneuten politischen Verwicklungen im Haus Sayn (Herren von Manderscheid, Nassau-Hadamar und Pöttingen) wurde 1714 die gesamte Grafschaft Sayn in der Hand der Burggrafen von Kirchberg vereinigt, aus deren Erbe der Bann Maxsain 1799 dem Fürsten Friedrich Karl von Wied-Neuwied (lebte 1741-1809) zufiel.[Anm. 13] Mit dem wiedischen Amt Selters kam der Bann Maxsain im Jahr 1806 an das Herzogtum Nassau.

0.3.Auswärtige Güterbesitzer in Dorf und Bann Maxsain

Eine Vielzahl von Herren hatten neben den Ortsherren Eigenleute, Geldrenten oder Gülten in Maxsain, darunter die Herren von Steinebach, von Witzelbach, von Rheinberg, von Herschbach, von Fürstenberg, von Sayn, von Sayn-Wittgenstein, von der Hees, die Pfarrei Rückeroth und die von Waldmannshausen.[Anm. 14] Zehntrechte in Maxsain hatten neben den Grafen von Wied-Neuwied, der Pfarrer von Nordhofen, die vom Stein zu Nassau und zahlreiche andere Herren der Umgebung.

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts und im 15. Jahrhundert werden etliche Adlige in der Umgebung von Maxsain, aber auch in Limburg, Montabaur und Koblenz genannt, die sich nach ihrem Herkunftsort benannten.[Anm. 15]

0.4.Die Grenzen des Bannes Maxsain

Gemeindehaus[Bild: El tommo CC0]

Zum Bann Maxsain gehörten Berwardt (um 1315), der † Beulhof (1455-1579), † Dernbach (1402, 1455), Freilingen (um 1315-1806), Heiderhahn (bis 1615), Kaulbach (um 1315-1508), später Niederkaulbach (1597.1650), Oberkaulbach (1576-1650), † Kratzenbach (1455), † Lukayn (Lonkerhahn) (um 1315), † Meisenheim (um 1315), † Opperlingen (um 1315), Selters (1340, 1455.1615), † Swevingen (um 1315), Weiderhahn »auf dieser Seidt der Bach« (1650, 1779), Wölferlingen (um 1315-1806), Zürbach (um 1315-1806), sowie auswärts wohnende saynische Leibeigene zu Rückeroth, Quirnbach, Siershahn (um 1457), dann zu Vielbach, Nordhofen, Mogendorf, Helferskirchen, Niederdorf, Steinen, † Stahlhofen, Hartenfels, Herschbach, Krümmel und Oberhaid (1579) sowie zu Düringen, † Langensain, Obersayn, Ewighaus, Rotenhain, Alpenrod, Dreifelden, Ellenhausen, Sessenhausen, Marienrachdorf und Brückrachdorf (1582) und selbst 1663 noch zu Steinen, † Stahlhofen und Ewighausen.[Anm. 16]

0.5.Ober-, Unter- und Schultheißen, Gerichtsschreiber des Bannes Maxsain

Die Schultheißen nahmen schon im späten 13. Jahrhundert die herrschaftlichen Einkünfte ein. Jeder der beiden Ortsherren des Bannes hatte um 1315 in Maxsain einen Amtmann, der wohl mit dem Schultheißen identisch war. Die Schultheißen hatten auch den Vorsitz im Gericht. Die Grafen von Sayn behielten auch im wiedervereinigten Bann zwei Schultheißen. Der erste von ihnen, der öfters zugleich Amtsträger in anderer saynischen Orten und Gebiete war, wird zuletzt als Oberschultheiß bezeichnet, während der in Maxsain anwesende Amtsträger Unterschultheiß genannt wurde.[Anm. 17]

1379 Hermann Lange, Schultheiß zu Maxsain
1455 Henne Lombiß zu Maxsain, Schultheiß
1455 Friedrich, Schultheiß zu Maxsain
1455 der alte Krußen zu Selters, Schultheiß
1477-1479 Osterhenne (Oisterhenne) zu Selters, Schultheiß
1482-1483 Krestgen Krons, Schultheiß
1485 Henne Snyder, Schultheiß
1508 Peter Cruße, Schultheiß
1511 Johann Schotten, Schultheiß zu Maxsain
um 1542 Ecker Cuntz, Schultheiß
um 1535-1545 Philipps Obelauch, Schultheiß, zugleich Schultheiß zu Sayn
1548-1559 Hen Tzyts (Henne Zeits) von Maxsain, Schultheiß zu Maxsain
vor 1552 Dautenberg, Schultheiß
1548-1585 Zeits (Tryts) Henne, Schultheiß
1553-1561 Henn Schlaut, Schultheiß zu Maxsain
1559 Dreißen Claß, Schultheiß
1562-1574 Meffried Lahnstein von Ellar, Schultheiß, zugleich Keller zu Selters
1573 Johann Altgeld, Gerichtsschreiber
1579 Johann Brender, Schultheiß, auch Amtsverwalter für Maxsain 1575, zugleich Rentmeister zu Sayn
1578-1586 Philips Zeitz, Schultheiß
1582-1585 Hamman Schlaut zu Nordhofen, Schultheiß zu Maxsain
1585 Philips Zeitz, Schultheiß zu Maxsain
1587-1593 Peter Symon, Schultheiß zu Maxsain
1589-1602 Henrich Heldt, Schultheiß, vorübergehend abgesetzt, 1602 erneut, gest. 1604, Bürger zu Hachenburg, zugleich Schultheiß zu Höchstenbach
1589 Eckertz Seymon, Unterschultheiß
1590 Theil Herter zu Goddert, Unterschultheiß
1594-1597 Petermann Symon zu Selters, Schultheiß zu Maxsain
1597 Philips Zeitz, Unterschultheiß
1597-1598 Paul Aller zu Selters, Schultheiß zu Maxsain
1597-1602 Adam Homburger, Unterschultheiß
1604-1607 Adam Seifert (Sieffert), Schultheiß, zugleich Rentmeister für das Amt Sayn in Selters
1611 Nicolaus Kerner aus Heidelberg, Schultheiß, zugleich Rentmeister
1614-1620 Christian Optichtyus zu Selters, Schultheiß, zugleich Schultheiß zu Höchstenbach
1621-1631 Jacob Adorf, Schultheiß
1629 Senen, auch Senen Henn Adam, Schultheiß
1630-1633 Nicolaus Sattler, Schultheiß, zugleich Vogt zu Bendorf
um 1640, 1642-1664 Johann Stepper, Unterschultheiß
1642 Gerlach Reusch, Schultheiß, zugleich Vogt zu Roßbach
1643 Anthonius Jäger, Oberschultheiß
1643 Johannes Cöl, Unterschultheiß
1647-1652 Konrad Brenner, Oberschultheiß
- 1657 Ernst Brenner, Oberschultheiß
1657-1660 Konrad Brenner, Oberschultheiß
1662-1664 Nicolaus Meyerhöffer, Oberschultheiß
1663 Gerlach Reusch, Oberschultheiß
1673-1699 Peter Meyer, Unterschultheiß
1686 Johann Jakob Grün, Oberschultheiß
1692 Peter Reiß, Schultheiß
1698-1704 Johann Wilhelm Molitor, Oberschultheiß
1708-1710 Peter Meyer, Schultheiß
1713-1714 Peter Meyer, Unterschultheiß
1714-1718 Peter Christ Behmer, Schultheiß
1720-1724 Leonhard Griebeling zu Freilingen, Unterschultheiß
1724-1731 Leonhard Griebeling, Schultheiß
1738-1763 Johann Ludwig Niesener zu Freilingen, Oberschultheiß
1739 J. W. Wachs, Schultheiß zu Maxsain
1740 Johann Adam Schneider, Unterschultheiß
1752-1763 Friedrich Ludwig Daniel Schlosser, Schultheiß, zugleich Oberförster 1752-1771
1774 Niesener zu Freilingen, Amtmann zu Maxsain
1774-1776 Johann Wilhelm Wachs, Schultheiß, zugleich Oberförster 1779-1790
1794-1799 A. F. Wachs, Schultheiß
1803-1804 Jacob Touby zu Selters, Schultheiß
1804-1815 Johann Adam Koelb zu Wölferlingen, Schultheiß

0.6.Gericht

Das Gericht wurde um 1315 im Saal (palatium), 1402 auf dem Saal, 1455 »boven der kirchen uff ein alten dingplatz genannt uff dem sall«, 1553 »auf dem Sail ober der Kirche« und noch 1585 auf dem Dingplatz »der Sahll«, 1598 »auff dem Sall da der saynische Ding- oder Schöffenstuhl stehet« gehalten. Wie lange an dieser Stelle auf einem freien Platz vor der Kirche Gericht oder in einem Gebäude Gericht gehalten wurde, lässt sich nicht sagen. Anfangs amtierten 14 Schöffen in Maxsain, später (1615) betrug ihre Anzahl nur noch7.[Anm. 18]

Das Gericht in Maxsain hatte lange Zeit kein Siegel. Im Jahr 1508 siegelte Bertram von Herschbach noch für das Maxsainer Gericht. Wenig später scheint das Gericht aber ein Siegel bekommen zu haben, mit dem es Briefe besiegeln konnte. Es wurde auch ein Gerichtsbuch angelegt, das man in der Kirche in einer Kiste mit zwei Schlüsseln deponieren wollte.[Anm. 19] Ein Gerichtssiegel von 1573 und spätere Siegel sind an verschiedenen Urkunden im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden zu finden. Sie zeigen den saynischen Schild und den hl. Simeon, den Schutzpatron der Maxsainer Kirche.

0.7.Weitere Nachrichten aus Maxsain

0.7.1.Der Brand von 1719

Am 24. Oktober 1719 kam es zum Ausbruch eines Feuers, das den überwiegenden Teil des Dorfes zerstörte. Angeblich sollen mehr als hundert Gebäude zerstört worden sein. Viele Bewohner verloren an diesem Tag alle ihre Habe. Für sie wurde eine Kollekte ausgeschrieben, an der sich die Bewohner von Kroppach, Hamm, Limbach, Altstadt, Flammersfeld, Kempten, Alpenrod, Schöneberg, Hachenburg u.a. beteiligten. Eine von der Herrschaft eingeleitete Untersuchung konnte die Brandursache nicht eindeutig klären, man schloss aber aus den Zeugenaussagen, dass das Feuer durch Fahrlässigkeit in einem Stall ausgebrochen war.[Anm. 20]

0.7.2.Dorfumwehrung

Auf einer Karte aus der Zeit bald nach 1600 sind Maxsain und alle Orte des Bannes mit einem Ortszaun eingezeichnet.[Anm. 21] Bereits 1585 heißt es, der Graf von Sayn habe vor 1535 Maxsain mit drei Schlägen und Fallgattern als Wegsperre versehen, ein Fallgatter davon »obig dem Oberthor«. Von der Dorfumwehrung waren 1585 nur noch Reste (strunken) vorhanden.[Anm. 22]

Schule

Die Schule der reformierten Gemeinde wird erstmals im Jahr 1688 genannt, sie wird aber auch schon vorher als Kirchspielschule genutzt worden sein. Seit 1686 und noch 1717 hatte die katholische Gemeinde einen eigenen Schulmeister in Maxsain beschäftigt.[Anm. 23]

0.7.3.Mühlen in Maxsain

Hammermühle[Bild: El tommo CC0]

Mant von der Lippe genannt Huhn zu Hartenfels, der Erbe der von Erlen und von Rodheim, besaß bereits vor 1552 aus diesem Erbe eine Mühle zu Maxsain. Diese Mühle kam über seine Urenkelin Maria Barbara im Jahr 1688 an die Frei von Dehrn, die sie ihrerseits an die Greiffenclau von Vollrads weitervererbten. Im Jahr 1789 wurde die Mühle als heimgefallenes Lehen vom Landesherrn eingezogen. Sie war demnach wohl von Anfang an eine herrschaftliche Mühle gewesen, die als Bannmühle an Pächter bzw. Lehnsleute ausgegeben war. Wied-Neuwied verlieh die Bannmühle in Erbleihe der Gemeinde Maxsain, die diese mit Zeitverträgen an Pächter ausgab. Eine Ölmühle wurde kurz vor 1668 errichtet und noch 1885 betrieben. Zu der Schneid- und Ölmühle oberhalb des Dorfes (1814) errichtete Arnold Kaulbach 1831 mit Erlaubnis des Landesherrn eine zweite Mahlmühle. Außerdem wurde 1832 und 1885 noch eine Lohmühle betrieben.[Anm. 24] Von diesen Mühlen hat sich nichts erhalten.[Anm. 25]

0.7.4.Streitbare Maxsainer

Wegen Steuererhöhungen und anderen Lasten, die von den Soldaten des Grafen von Sayn-Wittgenstein gewaltsam eingetrieben wurden, begehrten »Bürgermeister und Nachbarn« 1656 auf. Sie wurden von der Herrschaft gefangen gesetzt. Die Untertanen wehrten sich noch bis 1770 mit Prozessen vor dem Reichskammergericht. Der wiedische Schultheiß in Selters beschwerte sich 1814 »über die grobe Art« der Maxsainer und bemängelte, dass die Gemeinde Prozesse gegen die Landesherren führte.[Anm. 26]

0.8.Nachweise

Verfasser: Stefan Grathoff

Literatur:

  • Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau.13). ND Wiesbaden 1999.
  • Hellmuth Gensicke: Der Bann Maxsain. In: Nassauische Annalen 81 (1970), S. 255-273.
  • Uli Jungbluth: [Juden in] Herschbach. In: Joachim Lösch und Uli Jungbluth u.a. (Hg.): Juden im Westerwald. Leben, Leiden und Gedenken. Darmstadt 1998.
  • Dehio, Rheinland-Pfalz Saarland. 2. bearbeitete und erweiterte Ausgabe. Darmstadt 1985, S. 649.

Erstellt am: 19. Oktober 2020

Anmerkungen:

  1. Sauer, Lehnbuch S. 23; Gensicke, Landesgeschichte S. 167f. Zurück
  2. Einzelbelege bei Gensicke, Bann S. 263. Zurück
  3. Beyer/Eltester/Goerz, Urkundenbuch Mittelrhein S. 495 Nr. 650; Gensicke, Landesgeschichte S. 167. Zurück
  4. Beyer/Eltester/Goerz, Urkundenbuch Mittelrhein S. 495 S. 725 Nr. 967; Gensicke, Bann S. 256; Gensicke, Landesgeschichte S. 168 und S. 270. Zurück
  5. Goerz, Mittelrheinische Regesten IV, S. 101 Nr. 446. Zurück
  6. Sauer, Recht S. 299. Zurück
  7. Gensicke, Landesgeschichte S. 168. Zurück
  8. Gensicke, Bann S. 257; Gensicke, Landesgeschichte S. 277. Zurück
  9. Zu den Streitigkeiten im Bann Maxsain im 16. Jahrhundert gibt es eine umfangreiche urkundliche Überlieferung (Siehe die entsprechenden Akten im HHStA Wiesbaden. Zu den oft verwickelten Besitz- und Gerichtsverhältnissen im Bann Maxsain ausführlich Gensicke, Bann S. 255ff. und 258; Gensicke, Landesgeschichte S. 332f.) Zurück
  10. HHStA Wiesbaden Best. 340 Nr. 1215b; ebd. Best. 340 Nr. U 13923. Zurück
  11. Gensicke, Bann S. 258f.; Gensicke, Landesgeschichte S. 334. Zurück
  12. Gensicke, Landesgeschichte S. 343. Zurück
  13. Gensicke, Landesherrschaft S. 335f. Vgl. die Streitigkeit um Zehnten im Bann Maxsain (HHStA Wiesbaden Best. 340 Nr. 1842 l von 1641-1689) und um die Grenzen (HHStA Wiesbaden Best. 340 Nr. 4001 zu 1705-1792). Zurück
  14. Gensicke, Bann S. 264 mit weiteren Einzelheiten Zurück
  15. Gensicke, Bann S. 265. Zurück
  16. Gensicke, Bann S. 260. Zurück
  17. Quellen und weitere Einzelheiten zu nachstehenden Tabelle Gensicke, Bann S.259ff.; Gensicke, Landesgeschichte S. 523 und 531f. Zurück
  18. Gensicke, Bann S. 259f. und Gensicke, Landesgeschichte S. 455f mit weiteren Einzelheiten zur Herkunft der Schöffen. Zurück
  19. Gensicke, Bann S. 260. Zurück
  20. HHStA Wiesbaden Best. 340 Nr. 3988 und Nr. 1600a-b; Gensicke, Bann S. 263. Zurück
  21. HHStA Wiesbden Best. 3011 Nr. 3214. Zurück
  22. HHStA Wiesbaden Best. 340 Nr. 1140.; Gensicke, Bann S. 263. Zurück
  23. Gensicke, Bann S. 265. Zurück
  24. Gensicke, Bann S. 266. Zurück
  25. Vgl. dazu die Vorgeschichte der HammermühleZurück
  26. Gensicke, Bann S. 267; Markovic, Verbandsgemeinde S.93ff. Zurück