Zur Geschichte von Sprendlingen

Schulstraße[Bild: Horst Goebel Photo & Design]

Dass schon vor 20.000 Jahren - zumindest zeitweise - Menschen in der heutigen Gemarkung Sprendlingen lebten - zeigen die Funde, die ein Team von Wissenschaftlern 1978 auf dem "Fundplatz Sprendlingen" ergraben haben. (mehr zu dieser Ausgrabung).
Nach dem Abzug der Römer rückten germanisch-fränkische Siedler das ehemals römisch beherrschte Gebiet vor und lebten zusammen mit den verbliebenen romanischen Volksgruppen. Aus der Zeit um 700 n.Chr. stammen die Gräber, die beim Bahnbau im Bereich der Ortseinfahrt Kreuznacher Straße gefunden wurden.
In der schriftlichen Überlieferung taucht Sprendlingen erst im 8. Jahrhundert auf: Am 22. April 767 wird der Ort in den Güteraufstellungen des Klosters Lorsch erwähnt: Damals schenkte ein gewisser Ragner dem Kloster Besitzungen in Sprendlingen. Als Gegenleistung erhoffte sich Ragner Seelenheil und ewiges Leben. Am 9. Juli 877 bestimmte König Karl der Kahle gewissen Güter des Klosterstiftes der hl. Gertrude zu Nivelles in Brabant zum Nutzen der dortigen Brüder und Schwestern, darunter auch den Herrenhof Sprendlingen (villa Sprendelinga) mit Weinbergen in der Grafschaft Worms. Bei dieser Urkunde handelt es sich nicht - wie immer wieder zu lesen - um eine erstmalige Schenkung, sondern um eine Bestätigung alter Rechte, die bereits in der Merowinger- oder Karolingerzeit aus Reichsgut an das Kloster gekommen waren. Für den alten Königshof Sprendlingen ist wohl an eine Schenkung in der Merowingerzeit zu denken, da sowohl Nivelles als auch Sprendlingen zu Austrasien gehörten und damals auch andere Kirchen, die zum austrasischen Teilreich gehörten, über Fernbesitz am Mittelrhein verfügten. (Ingrid RIngel)
Später kam der Ort an die Wild- und Raugrafen und von diesen um das Jahr 1000 an die Grafen von Sponheim.

Die Schlacht von Sprendlingen 1279

Die Grafen von Sponheim betrieben eine überaus aktive Güterpolitik. In wenigen Jahrzehnten dehnten sie ihren Herrschaftsbereich von der Stammburg Sponheim über ganz Rheinhessen, Hunsrück, Mosel, Eifel bis an den Niederrhein und im Süden bis weit in die Pfalz hinein aus. So nimmt es nicht Wunder, dass die Sponheimer nicht selten Streit mit benachbarten Herrschaftsträgern bekamen.
Nach dem sponheimischen Erbvertrag von 1277 war es zwischen Graf Johann I. und seinem Bruder Heinrich mehrfach zu Unstimmigkeit über die Verwendung einzelner Erbstücke gekommen. Als Heinrich seinen Anteil an der Burg Böckelheim dem Mainzer Erzbischof Werner von Eppstein verkaufte, war Johann I. damit keinesfalls einverstanden. Da der Mainzer Erzbischof keinen Grund zum Einlenken sah, beschloss Graf Johann die Angelegenheit militärisch zu regeln. Im Jahr 1279 trafen sich Truppen Graf Johanns I. und Erzbischof Werners auf offenem Feld bei Sprendlingen. Der Sponheimer unterlag und musste sich der Vorherrschaft des Mainzers beugen.
In der Schlacht entstand die Legende vom Kreuznacher Metzger Michel Mort, der, als der Graf in arge Bedrängnis geriet, sich schützend vor ihn stellte und dabei sein Leben verlor. Zur Erinnerung an den Helden ließ der Graf auf dem Schlachtfeld ein Denkmal errichtet, das im 18. Jahrhundert verfallen war und dann ganz verschwand. Beim Bau der Straße von Gau-Bickelheim in Richtung Bingen (heute B 50) wurden 1828 zufällig die Grundmauern des alten Denkmals gefunden. Die Flurbezeichnung Michel Mort erinnert an das Schlachtfeld und den Standort des alten Denkmals.

Sprendlingen in der Neuzeit

Die Grafen von Sponheim sterben 1437 im Mannesstamm aus. Das sponheimische Erbe und somit auch Sprendlingen gehen an die Markgrafschaft Baden, an Kurpfalz und das Herzogtum Simmern. Bis 1700 blieb das sponheimische Erbe ungeteilt. Nach einer Besitzteilung 1707 wurde Sprendlingen ganz der Markgrafschaft Baden überlassen und wurde markgräflich-badische Amtsstadt (Badische Kellerei). Wie alle Orte der Umgebung wurde auch Sprendlingen Ende des 18. Jahrhunderts (1792) von den Franzosen eingenommen und der französischen Republik eingegliedert. Nach dem Wiener Kongress (1815) wurde Sprendlingen mit weiteren Territorien dem Großherzogtum Hessen zugeteilt – die linksrheinischen Gebiete wurden fortan als Rheinhessen bezeichnet. Seit 1947 gehört Rheinhessen zum neuen Bundesland Rheinland- Pfalz. Von 1815 bis 1938 gehörte Sprendlingen zum Kreis Alzey. Im Zuge der Verwaltungsreform 1938 kam der Ort zum alten Kreis Bingen, 1969/70 zum Kreis Mainz-Bingen. Sprendlingen gehört seit 1972 dere Verbandsgemeinde Sprendlingen-Gensingen an und ist Sitz der Verbandsgemeindeverwaltung.