Hachenburg im Westerwald

Zur Geschichte der Stadt Hachenburg

von Stefan Grathoff

Anfänge Hachenburgs

Die Geschichte Hachenburgs begann, als im Bereich der heutigen Bartholomäuskirche im Stadtteil Altstadt eine Kapelle und einige Gebäude entstanden, in denen Reisende geistlichen Zuspruch und Herberge finden konnten.

Der Name dieser Siedlung ist unbekannt. Manche wollen das Dorf Umgeriffen, das im Jahr 1199 erwähnt wird, darin sehen. Andere ziehen Namen wie Rotenbach (nach dem Bach) und Dersch (nach dem ehemaligen Hofgut Dersse) als mögliche Namen dieses Anwesens in Betracht.

Ob es schon um das Jahr 900 eine Kirche an dieser Stelle gab, ist nur eine Vermutung, die darauf gründet, dass der später namengebende Schutzherr St. Bartholomäus von den ostfränkischen karolingischen Königen (regierten 768-911) mehrfach als Schutzheiliger von Kirchen gewählt wurde. Für die Altstädter Kirche ist das Bartholomäuspatrozinium allerdings erst für das Jahr 1393 belegt. Um 1100 dürfte die Kapelle aber bestanden haben und damit vielleicht zu jenen vier Kapellen der Kirche Altenkirchen gehört haben, die – allerdings ohne Namen – in einer Urkunde von 1131 erwähnt werden.

Kirche und Herberge bildeten eine wichtige Etappenstation auf der Straße von Köln nach Thüringen, die von Altenkirchen kommend, den Auelgau durchzog. Der Auelgau war altes Hoheitsgebiet der Pfalzgrafen am Mittelrhein, die ihn im späten 12. Jahrhundert von den Grafen von Sayn verwalten ließen. Diese sicherten ihren Westerwälder Herrschaftsbereich durch den Bau von Burgen ab. So errichteten die Grafen Heinrich II. bzw. Eberhard II. von Sayn (1172-1202) um 1180 auf dem nahen Hachenberg eine Burg. Hachen leitet sich von dem mittelhochdeutschen Wort hagen ab, das einen Dornbusch, dann aber auch eine Einfriedung um einen Platz, einen umhegten Ort umschreibt. Von der Burg aus ließen sich der Verkehrsweg und Straßenknotenpunkt sowie die Zollstelle (erstmals genannt 1342) im Tal zuverlässig kontrollieren.

Hachenburg wird Stadt

Burgmannen und Verwaltungsbeamte wohnten mit ihren Familien vor der Burgmauer. Es folgten Dienstleute, Bauern, Handwerker und Kaufleute, die ihrerseits Häuser errichten. So entstand ein Ort, der sich wahrscheinlich schon um bzw. kurz nach 1200 mit einer schützenden Mauer umgab und eine Ortsverwaltung aufbaute. Der erste Schultheiß Gerhard wird 1232 genannt, 1255 tauchen Schöffen auf, 1247 und 1253 wird das Gemeinwesen bereits als Stadt (oppidum bzw. civitas) bezeichnet. Das älteste Stadtsiegel von 1292 zeigt ein mächtiges Stadttor mit zwei flankierenden Türmen.

Wachsende Bevölkerung und die Nähe zu wichtigen Handelsstraßen zwischen Köln nach Frankfurt und Leipzig förderte die Marktentstehung. 1234 wurde auf dem Hachenburger Wochenmarkt bereits nach Hachenburger Maß abgemessen und abgewogen, sicheres Zeichen dafür, dass der Markt schon länger bestand und bereits überregionale Bedeutung hatte.

Der von den Grafen zur Wahrung ihrer Interessen eingesetzte und 1222 erwähnte Vogt Rorich von Hachenburg, hat vielleicht schon im sog. Vogtshof gewohnt, als der Ort Hachenburg damals erstmals namentlich genannt wurde.

Mit Graf Heinrich III. von Sayn (1202-1346) starb 1246 die Ältere Linie der Grafen aus. Die Grafschaft Sayn, die hier erstmals genannte Burg Hachenburg und der Ort fielen 1247 über Graf Heinrichs Schwester Adelheid (1202-1263), die Witwe des Gottfried III. von Sponheim (gest. 1218), an deren Söhne Eberhard (1247) bzw. Johann I. von Sponheim (1253). Seit 1254 nannte sich diese Familie "Grafen von Sayn" und erhob Hachenburg zu ihrer ständigen Residenz. Bis 1700 blieb Hachenburg Regierungssitz der Grafen von Sayn und ihrer Zweigfamilien.

Als Hachenburg dann auf Ersuchen des Grafen Johann II. von Sayn (1318-1359) im Jahr 1314 ganz offiziell durch König Ludwig der Bayer Stadtrechte nach dem Vorbild Wetzlars erhielt, geschah dies als nachträgliche Legitimation einer längst bestehenden Tatsache. Alle Attribute, die eine Stadt ausmachten, Bürgermeister und Schöffenkollegium, Finanzverwaltung, Markt, Mauer, Siegel usw. waren 1314 schon längst vorhanden.

Wirtschaftsleben in früherer Zeit

Hachenburg entwickelte sich schnell zu einem Wirtschaftszentrum und einer Handelsmetropole. Neben dem Wochenmarkt, der jede Woche von Donnerstag bis Samstag auf dem Marktplatz abgehalten wurde, hielt man auch verschiedene Jahrmärkte ab. Den Katharinenmarkt (ursprünglich am 25. November) gibt es heute noch. Der Bartholomäusmarkt (24. August), der Pfingstmarkt auf dem Rotenberg, ein Markt in der Fastenzeit vor Ostern und der Mendelsmarkt (Gründonnerstag) wurden aufgegeben.

Die auswärtigen Händler zahlten Zollgebühren für den Zugang zur Stadt und mussten Standgebühren und Umsatzsteuern entrichten, die sowohl der herrschaftlichen als auch der Stadtkasse zugutekamen. Der Markt war für die Hachenburger Geschäftswelt lebenswichtig, waren doch Ladengeschäfte und Hausverkäufe in alten Zeiten nicht gestattet. So wurden auf dem Marktplatz Getreide, Butter, Salz, Fleisch, Brot, Tuch, Wolle, Stoff, Lederwaren, Metallgerätschaften und alles, was man sonst im Hause benötigte, feilgeboten. Der Viehmarkt mit Rindern, Ochsen, Schafen und Pferden wurde an bestimmten Tagen auf dem Alten Markt, später auch vor dem Untertor auf dem heutigen Neumarkt abgehalten. Für Ablenkung an den Markttagen waren reichlich gesorgt. Es gab Vorstellungen von Künstlern und Artisten, auf dem Rathaus konnte man essen und an Spielveranstaltungen teilnehmen.

Die Versorgung der Stadt mit Mehl übernahmen zwei Mühlen (1234 genannt), eine heute verschwundene Anlage am Rotenbach, die andere an der Stelle der heutigen Nistermühle. Später kamen noch einige Öl- und Walkmühlen am Rotenbach hinzu. Nahezu jede Hachenburger Familie betrieb Gartenwirtschaft und hatte Vieh (Kühe, Schafe). Das Vieh wurde von gemeinschaftlich bezahlen Viehherden in großen Herden vor der Stadt gehütet.

Seit dem 14. Jahrhundert schlossen sich die Handwerker der Stadt zu Zünften zusammen: zuerst die Weber (1343), dann auch die Bäcker (1437 genannt), Schuhmacher, Gerber und Schmiede und Schlosser (1470 genannt) sowie Schneider (1477) und Wollweber (1485).

Kriegerische Ereignisse

Spätestens mit dem beginnenden 13. Jahrhundert war Hachenburg von einer Stadtmauer umgeben. Sie war 20, an manchen Stellen 30 Fuß hoch (ca. 6-9 m), oben mindestens vier (ca. 1,20 m), unten 6-7 Fuß (ca. 2 m) dick. Zwei Haupttore (Ober- und Untertor) sowie zwei Pforten (Rahmpforte und Nottor) eröffneten den Zugang zur Stadt.

1352 belagerte Erzbischof Balduin von Trier die Stadt Hachenburg, da Graf Reinhard von Westerburg, der sich im Auftrag des Grafen in der Stadt aufhielt, ihm Geld schuldete. Die Stadtmauer scheint damals standgehalten zu haben. Im Jahr 1602 besetzten Truppen des Pfalzgrafen Friedrich Burg und Stadt Hachenburg, da dieser alte Ansprüche auf die Grafschaft (im Auelgau) und damit auf Hachenburg geltend machen wollte. Das Reichskammergericht wies diese Ansprüche später zurück.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde Hachenburg 1634 von den Schweden belagert. 1673 bestürmten französische Truppen Hachenburg. Das Landvolk floh hinter die Stadtmauern. Die Franzosen verwüsteten zwar die Umgegend, konnten die Stadt aber nicht einnehmen.

Als 1742 erneut pfalzgräfliche Truppen in die Grafschaft Sayn-Hachenburg einmarschierten, wurde die Stadt auf Spezialbefehl des Pfalzgrafen verschont. In fast allen Kriegen des 18. Jahrhunderts wurde Hachenburg zuweilen militärisch, mehr jedoch wirtschaftlich in Anspruch genommen, da fremde Truppen sich hier einzuquartieren und zu verproviantieren pflegten.

Von den Kämpfen des 2. Weltkrieges bekam man in Hachenburg wenig mit. Am 27. September 1944 attackierten zwölf alliierte Jagdbomber den Bahnhof. Am 15. März 1945 wurde Hachenburg erneut von amerikanischen Maschinen angegriffen. Drei Bomben fielen am Bahnhof sowie in der heutigen Färberstraße. Die Attacke kostete sieben Zivilisten das Leben, drei weitere galten nach dem Angriff als vermisst. Fünf Gebäude wurden schwer, 13 leicht beschädigt.

Brandkatastrophen

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Stadt von mehreren verheerenden Großbränden heimgesucht.

Am 19. April 1400, ein Ostermontag, brannte der größte Teil der Stadt nieder, nur die Kirche blieb unversehrt. Ein weiterer Stadtbrand legte am 9. 3. 1439 die Stadt diesmal mitsamt der Kirche binnen drei Stunden in Schutt und Asche. Noch 1441 waren die Schäden nicht beseitigt. Ein weiterer Brand am 12. Oktober 1484 soll die Stadt samt Burg und Kirche bis auf sechs Häuser eingeäschert haben. Auch am 8. April 1503 ist Hachenburg im grundt abgebrandt biß auff die kirch. Am 5. März 1541 brannte die Stadt vom Poppenturm beim Schloss bis zum Obertor ab. Am 24. August 1594 brach ein Feuer in der Nähe der Oberpforte aus, das Kirche, Rathaus, die Schlossscheuer sowie viele Häuser vernichtete. Nur 42 von ca. 105 Wohnhäusern überstanden das Inferno. Lediglich Häuser in der Untergasse blieben stehen, als am 13. Oktober 1654 Hachenburg mit Schloss, Kirche, Schule und Rathaus niederbrannte. Ein Schäferjunge aus Alpenrod soll den letzten großen Stadtbrand verursacht haben, bei dem am 15. Juli 1676 die Stadtkirche und 34 Häuser und Ställe in der Ober- und Hintergasse sowie zwei Türme der Stadtmauer ein Opfer der Flammen wurden. Nur auf der Seite zum Schloss hin blieben sieben Häuser in der Obergasse stehen.

Nach der Katastrophe von 1439 wurden bereits erste Feuervorschriften erlassen. Doch erst 1594 verbot der Graf alle Überbauten, Erker und in die Straßen hineinragende Kellergewölbe. Man beschloss Obergasse und Niedergasse (heute Friedrich- und Wilhelmstraße) und Kreuzgasse zu verbreitern. Zudem wurden Scheunen und Ställe aus der Innenstadt heraus an die Stadtmauer verbannt. Im Rathaus am Markt hielt man Feuereimer, Feuerhaken und Leitern für den Ernstfall bereit. Der Wasserbehälter auf dem Markt (Schiff) und verschiedene Zieh- und Laufbrunnen stellten im 15. Jahrhundert die Wasserversorgung sicher. Vor dem Untertor (im Bereich des Hauses Alexanderring 2) befand sich die sog. die Tränke, ein künstlicher Fischteich, dessen Wasser im Brandfall benutzt werden konnte.

Regelmäßig wurden die Herdstellen der Bürger kontrolliert. 1688 verbot der Graf noch einmal ausdrücklich das Tabaktrinken (Rauchen) in Scheunen, Ställen und anderen brandgefährdeten Orten. Die lange Zeit üblichen Strohdächer wurden durch Ziegeldächer ersetzt. Am 12. Dezember 1728 erließ der Burggraf eine ausführliche Feuerordnung und damit erhielt Hachenburg eine freiweiligge, aber straff organisierte Feuerwehr. Seit nunmehr über 125 Jahren erfüllt heute die Freiwillige Feuerwehr Hachenburg die an sie gestellten Aufgaben. Mit 38 aktiven Mitgliedern, 6 Fahrzeugen, verschiedenen Spezialfahrzeugen und einem großen Drehleiterwagen ist sie für alle erdenklichen Feuer-, Verkehrs- und Umweltunfälle gerüstet.

Hachenburg im 16. und 17. Jahrhundert

Seit 1270 ist eine Kirche am Markt bezeugt. Als Martin Luther mit seinem Thesenanschlag 1517 die Reformation auslöste, blieben die damals regierenden Grafen bei ihrem katholischen Glauben. Graf Adolf von Sayn (regierte 1560-1566) war dagegen mit der protestantischen Gräfin Maria von Mansfeld verheiratet, deren Familie sich schon 1524 der neuen Lehre zugewandt hatte. Direkt nach seinem Regierungsantritt führte Graf Adolf im Laufe des Jahres 1560 in der Grafschaft Sayn die Reformation ein. Trotz großer inhaltlicher Unterschiede, was Exegese und Liturgie betraf, lebten seitdem Lutheraner, Reformierte und die kleine katholische Gemeinde relativ friedlich zusammen.

Nach dem Tod des Grafen Ernst von Sayn-Wittgenstein im Jahr 1632 übernahm seine Ehefrau Gräfin Loysa Juliana von Erbach für ihren noch minderjährigen Sohn Ludwig die Regentschaft. Als dieser dann aber am 6. Juli 1636 ebenfalls starb, war die Grafschaft ohne Erben. Der Kölner Erzbischof Ferdinand zog gemäß dem Lehnsrecht das in seinen Augen erledigte Lehen Hachenburg ein und kurkölnische Truppen besetzten am 26. Juli die Stadt. Der Erzbischof überließ Burg und Stadt Hachenburg sowie große Teile der Grafschaft Sayn als Lehen seinem Vetter Franz Wilhelm von Wartenberg, Bischof in Osnabrück. Dieser führte den katholischen Glauben wieder ein. Zunächst ließ er in der St. Nikolauskapelle (1453 errichtet, 1654 beim Schlossbrand zerstört) im Schloss katholischen Gottesdienst durch Franziskanerpatres halten. Schließlich berief er 1638 die Franziskaner ganz nach Hachenburg und beauftragte sie damit, die katholische Seelsorge zu organisieren. Die nicht katholische Bevölkerung besuchte weiterhin die Stadtkirche. Im Jahr 1637 wurde Gräfin Loysa von osnabrückschen Soldaten aus dem Schloss Hachenburg vertrieben.

Als die Grafschaft nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) im Westfälischen Frieden 1648 der lutherischen Gräfin Loysa Juliana bzw. ihren Töchtern Johanette (1648) und Ernestine (1648-1661) und deren Ehemann Salentin Ernst, Graf zu Manderscheid-Blankenheim zurückgegeben wurde, war damit das Fortbestehen des lutherischen Glaubens gesichert. Die Gräfin unterband den katholischen Gottesdienst in der St. Nikolauskapelle des Schlosses, der katholische Graf Salentin sorgte dafür, dass der katholische Gottesdienst zunächst im Haus eines Paters stattfinden konnte.

Hachenburg in der Neuzeit

Der Westfälische Frieden führte auch dazu, dass der Kölner Erzbischof seine weltliche Stellung einbüßte und im Jahr 1649 die ehemalige kurkölnische Grafschaft Sayn in zwei Reichsgrafschaften, nämlich Sayn-Altenkirchen und Sayn-Hachenburg. geteilt wurde.

Der katholische Graf Salentin Ernst von Manderscheid (1652-1695) trennte am 3.1.1656 die Hachenburger Stadtkirche von der Mutterkirche in der Altstadt. Die Einwände der Stadt, beide Kirchen hätten schon immer zusammengehört und die Stadt habe ihren Begräbnisplatz bei der Kirche in der Altstadt, blieben ungehört. Die nun selbständige Pfarrkirche wurden seitdem von Lutheranern und Reformierten gemeinsam genutzt.

Zwischen 1663-1665 wurde die Franziskanerniederlassung in Hachenburg zum Konvent erhoben. Bis 1665 entstanden am Markt ein Kloster und eine kleine Kirche.

Graf Salentin Ernst von Manderscheid-Blankenheim, Ehemann der Erbgräfin Ernestine, führte als Graf zu Sayn-Wittgenstein, die Regierungsgeschäfte in Hachenburg. Nach seinem Tod 1705 fiel die Grafschaft über eine weibliche Erbfolge an Georg Friedrich Burggraf zu Kirchberg. Dieser ließ ab 1719 die alte mittelalterliche Burg zum Schloss ausbauen.

Die Kriege des 18. Jahrhunderts, der Siebenjährige Krieg (1756-1763) und die beiden Koalitionskriege (1792-1797 und 1799-1802) trafen Hachenburg nicht unmittelbar, brachten der Bevölkerung aber große wirtschaftliche Nachteile.

Kontributionen mussten gezahlt, Lebensmittel geliefert, Kutschfahrten übernommen und Einquartierungen von Offizieren und Soldaten hingenommen werden. Nach dem Tod des letzten regierenden Grafen Johann August von Sayn 1799 fiel die Grafschaft über die Tochter seines bereits verstorbenen Bruders an deren Ehemann Fürst Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg. Hachenburg hört auf Residenzstadt.

Die Grafschaft wurde jetzt von Weilburg, ab 1816 von Wiesbaden aus verwaltet. Die bis dahin blühende und pulsierende Stadt zeigte sich in der Folge als stilles Amts- und Landstädtchen.

In Nassauischer Zeit war Hachenburg Sitz einer Amtsverwaltung (bis 1885). Nach dem Wiener Kongress (1815) wird Hachenburg dem Herzogtum Nassau zugeschlagen. Am Reformationsfest des Jahres 1817, zum 300jährigen Jubiläum des Thesenanschlages, schlossen sich die Reformierten und Lutheraner zusammen. Seitdem gibt es nur noch eine evangelische Gemeinde.

Bis zu ihrem Tod 1824 wohnte Isabelle Auguste, die Witwe des Burggrafen Wilhelm Georg (regierte 17671777), im Hachenburg Schloss. Sie fand ihre letzte Ruhestätte auf dem Hachenburger Friedhof.

Der verlorene Krieg von 1866 bedeutete das Ende des Herzogtums und Hachenburg wurde Teil des Königreichs Preußen. Es wurde dem Oberwesterwaldkreis im Regierungsbezirk Wiesbaden der Provinz Hessen-Nassau zugeteilt. Im 1. Weltkrieg blieb Hachenburg von Schäden weitgehend verschont, im 2. Weltkrieg wurden die Innenstadt und vor allem die Gegend um den Bahnhof mehrfach von Bomben getroffen.

Nach der Machtübernahme Hitlers (1933) wurden im Laufe des Jahres auch in Hachenburg konfessionelle Vereinigungen und politische Parteien aufgelöst. Die jüdischen Mitbürger, die seit dem 15. Jahrhundert in Hachenburg ansässig waren, wurden drangsaliert und genötigt, ihr Hab und Gut sowie ihre Geschäfte zu verkaufen und die Stadt zu verlassen. Am 6. März 1940 wurde der letzte Hachenburger jüdischen Glaubens aus der Stadt vertrieben. Doch es gab auch zahlreiche Hachenburger, die sich offen auf die Seite der Verfolgten stellten. Die jüdische Synagoge (Alexanderring), 1896 errichtet, wurde im Zusammenhang mit der „Reichskristallnacht“ zerstört. Das noch bestehende Haus ist heute nicht mehr als solche zu erkennen. Auf dem Judenfriedhof, 1587 erwähnt, sind heute noch 83 Gräber erhalten.

1946 wurde Hachenburg dem Regierungsbezirk Montabaur im Bundesland Rheinland-Pfalz zugeteilt, seit 1968 gehört es zum Regierungsbezirk Koblenz. Seit 1971 ist Hachenburg Sitz einer Stadt- und Verbandsgemeindeverwaltung.

Nach dem 2. Weltkrieg erwachte Hachenburg zu neuem Leben. Die Bevölkerung wuchs, die Infrastruktur verbesserte sich ständig. Heute ist Hachenburg Einkaufsstadt für die nähere und weitere Umgebung. Zudem hat sich die Stadt zu einem kulturellen Zentrum entwickelt, das ein breites Veranstaltungsprogramm im Burggarten, auf dem Marktplatz, in der Rundsporthalle, der Stadthalle und anderen Veranstaltungsräumen bereithält.

Text: Stefan Grathoff