Oppenheim in Rheinhessen

Wirtschaft und Handel

Rathaus mit Marktplatz[Bild: Pedelecs]

Haupterwerbszweig im mittelalterlichen Oppenheim war die Landwirtschaft und hier besonders der Weinanbau. Bereits bei der Erstnennung des Ortes wird ein Weinberg erwähnt.
Im 8. Jahrhundert unterstreichen die vielen Schenkungsurkunden für Wingerte in der Überlieferung des Lorsch auf die Bedeutung des Weinbaus hin. Im 12. Jahrhundert trug der Reichsministeriale Werner II. von Bolanden den Weinzehnten in Oppenheim von Reich zu Lehen. Am 14.4.1273 wird in Oppenheim erstmals eine vinea dicta Kredimburne, der heutige "Oppenheimer Krötenbrunnen" erwähnt. Im 16. Jahrhundert blühten Weinbau und Weinhandel noch einmal auf, doch der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) fügte den Winzern in Oppenheim schweren Schaden zu. Die Wingerte wurden verwüstet, die Rebstöcke herausgerissen, die Pfähle als Brennholz missbraucht. Der Pfälzische Erbfolgekrieg und vor allem die Pfalzzerstörung 1689 brachte den Weinbau fast zum Erliegen, nur noch wenige Winzer produzierten Wein, und dann meist für den Eigenverbrauch.

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts erlebten Weinbau und Weinhandel dank verbesserter Verkehrswege eine neuen Aufschwung. Die Weinlagen Sackträger, Goldberg, Kreuzt, Krötenbrunnen, Herrenberg, Reisekahr, Zuckerberg, Schloßberg, Daubhaus, Steig usw. wurden über die Grenzen Oppenheims hinaus berühmt und sind es zum Teil heute noch. Im Jahr 1895 wurde eine Wein- und Obstbauschule in Oppenheim gegründet, die sich bis heute zur Landeslehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Gartenbau weiterentwickelt hat.

Oppenheimer Gasthäuser

Der Wein war in den Weinbaugegenden ein Hauptgetränk des Mittelalters. Bei allen privaten und öffentlichen Anlässen wurde Wein gereicht. Mit Weinrationen wurden Landarbeiter, Handwerker, Lehrer, Pfarrer, Ratsherren, Amtleute und sonstige Bedienste entlohnt. Die Ortsbewohner besuchten die zahlreichen Schankwirtschaft. Laut einer Urkunde Rudolfs von Habsburgs vom 11.4.1282 durften in Oppenheim nur eingesessene Bürger Wein ausschenken.

Die"Schildwirte" betrieben den Weinausschank als Gewerbe. Ihre Gaststätten dienten oft auch als Übernachtungsherbergen. Sie mussten ein entsprechendes Schild vor der Türe anbringen, damit man sie als Schildwirte erkannte. Daneben gab es noch die "Kranzwirte", die nur Eigenbau verzapfen durften und Vorläufer der heutigen Straußenwirtschaften sind.

Von den Oppenheimer Gasthäusern sind noch viele dem Namen nach bekannt. In der Chronik von 1689 werden das Wirtshaus "Zum Grünen Baum" und die Schildgaststätten "Zur Goldenen Kanne" sowie "Zur Stadt Düsseldorf" genannt, 1740 werden die Schildgaststätten "Zum Engel", "Zum Ritter", "Zum goldenen Anker", "Zum Schwanen", "Zum goldenen Löwen", "Zum weißen Roß" und "Zum Löwen" erwähnt.

Gasthaus "Zur Goldenen Kanne"

Die "Kanne" gehörte zu den berühmtesten Gasthäusern im Ort. Es stand in der Mainzer Straße. Auf seinem Weg zum Reichstag nach Worms übernachtete Martin Luther dort am 15. April 1521. Auch bei seiner Rückreise kehrte er am 26. April ein. Eine Gedenktafel erinnert an dieses Ereignis. Im Juli 1621 fiel die "Kanne" dem großen Stadtbrand zum Opfer, wurde aber später wieder aufgebaut.

Am 15.2.1740 war der Posthalter Friedrich Hormann Besitzer der "Kanne". 1762 wurde der Gasthof an Jacob Borngesser und dessen Ehefrau Susanna geborene Hofmann versteigert. Am 2.3.1764 kündigte Borngesser den Bäckern, Schneidern und Bauleuten ihre Zunftstuben in der "Kanne". Er musste jedoch die Kosten für die Versetzung der Zunftstuben tragen.

Verkehrsverbindungen

Dank seiner verkehrsgünstigen Lage spielte der Handel in Oppenheim eine herausragende Rolle. Die Stadt lag zum einem am Rheinweg von Basel über Mainz nach Köln und an der Ost-West-Verbindung von Paris, Metz, Saarbrücken nach Frankfurt, Thüringen und Franken. Bei Oppenheim überquerte man auf dieser Straße den Rhein. Den Transport auf die andere Rheinseite übernahm eine Fähre (Nehen), die 1373 erstmals urkundlich erwähnt wird. Um 1700 kam es zu einer Versandung des Rheins. Der Rhein verlagerte sich innerhalb weniger Jahrzehnte weit nach Osten. Die Fährleute mussten ihre Abfahrtsstelle eine gutes Stück an den heutigen Fährpunkt verlegen. Im Jahr 1701 wurde eine mobile "fliegende Brücke" über den Rhein erbaut, auf der man noch um 1900 den Strom überwinden konnte.

Seit dem 14. Jahrhundert besorgte das Oppenheimer Marktschiff den Verkehr zwischen Oppenheim und Mainz. Zu Land unterhielt einen regelmäßigen Botendienst mit den anderen Städten, bis 1744 auch Oppenheim an das Thurn- und Taxissche Postnetz angeschlossen wurde. Der erste Eisenbahnzug erreicht die Stadt am 15. März 1853. Das Telefon hielt im Jahr 1900 Einzug in Oppenheim.

Handwerk in Oppenheim

An Handwerksbetrieben werden im Mittelalter Bäcker, Metzger, Schuster, Schneider, Schmiede, Schlosser, Böttcher, Bender, Schröter, aber auch Wollweber, Tuchmacher, Gerber, Ziegler und Bierbrauer genannt. Bis in die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs lässt sich auch das Kunstgewerbe, Kupfer-, Silber- und Goldschmieden sowie Kupferstechern und Kunstdruckern in der Stadt nieder.

Als in den Jahren 1575, 1582 und 1596 große Epidemien die Einwohnerschaft dezimierten und den Wohlstand gefährdeten, reagierten die Kurfürsten und siedelten Religionsflüchtlinge aus den Niederlanden und Frankreich an, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Dabei entstanden ganz neue Gewerbezweige, so etwa der Buchdruck. Weit über Grenzen hinaus bekannt geworden ist der Buchdrucker Jakob Köbel, der von 1494 bis 1533 in Oppenheim arbeitete.

Nach seinem Tod hatte Oppenheim lange Zeit keine Druckerei. Erst 1609 siedelte der aus Frankfurt vertriebene Lütticher Goldschmied Theodor de Bruy nach Oppenheim über. In seinem Gefolge wurden die Druckereien Julius und Galler sowie für kurze Zeit Matthäus Merian in Oppenheim ansässig.

Das Zunftwesen in Oppenheim

Im Jahr 1738 werden zwölf Zünfte erwähnt: Die Fuhrleute und Weinschröter mit 21 Mitgliedern, Schmiede und Schlosser, Färgen und Schiffer sowie Fischer mit jeweils 18 Mitgliedern, Küfer und Brauer mit 16 Zunftgenossen, Krämer, mit 15, Schuhmacher mit 14, Bäcker und Metzger mit jeweils 11, die Bauzunft mit 8 und schließlich die Weinweber mit 5 Zunftmitgliedern.

Messen und Märkte

Nach der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1225 wurden nacheinander zwei Messen in Oppenheim eingerichtet. Beide sollten jeweils 18 Tage dauern. Bei der Ostermesse versammelten sich Kaufleute und Händler an der Bartholomäuskirche, die Martinimesse im November fand an der Katharinenkirche statt. Außerdem wurde seit 1008 ein Wochenmarkt abgehalten und später gab es auch periodische Holz-, Frucht- und Viehmärkte. Genannt werden der Speise- und Krautmarkt, der wohl auf dem Marktplatz abgehalten wurde. Der Saumarkt fand am Gautor statt, der Fischmarkt in der Wormserstraße beim Brauhaus an der "Fischertreppe" am Riesen. Der Holzmarkt fand in alten Zeiten vor dem Fischtor später auf dem Postplatz statt. Der Fruchtmarkt war auf dem Platz vor dem Rheintor (Postplatz) zu finden. Wo Korn-, Roß- und Heumarkt abgehalten wurden, ist nicht bekannt.

Das alte Kaufhaus, das 1621 abgebrannt ist, stand in der Nähe des Marktplatzes an den "Hallen". Damit ist wohl ein Arkadenhaus gemeint.

Nachweise

Literatur:

  • Landesamt Denkmalpflege (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 18.3: Kreis Mainz-Bingen. Bearb. v. Dieter Krienke. Worms 2011.
  • Licht, H. (Hrsg.): Oppenheim. Geschichte einer alten Reichsstadt, Oppenheim 1975.
     

Aktualisiert am: 31.10.2014