Oppenheim in Rheinhessen

Die jüdische Gemeinde in Oppenheim

Anders als in den Städten Worms, Mainz und Speyer, wo schon seit dem 10./11. Jahrhundert Judengemeinden nachweisbar sind, nahmen Juden in Oppenheim erst nach der Verleihung der Stadtrechte 1225 ihren Wohnsitz in der Stadt. Erstmals genannt wurde die kleine Judengemeinde in einem königlichen Steuerverzeichnis von 1241. Von 120 Mark Silber, welche die Stadt aufzubringen hatte, mussten die Oppenheimer Juden 15 Mark zahlen.

1285 ist die Synagoge (in der Schlachthausgasse?) erwähnt. In diesem Jahr wird auch die Judengasse genannt, die Gemeinde lebte also in einer geschlossenen Wohngemeinschaft. Den Schutz der Juden garantierten die adligen Burgmannen. Dafür finanzierten die Juden deren Burglehen.

Auswanderung der Juden nach Palästina

Die jüdische Gemeinde war Ende des 13. Jahrhunderts nicht mehr gewillt, die Finanzierung der Burgmannengelder zu übernehmen. So entschlossen sich die Juden Im Jahr 1286, dem Rabbiner Meir ben Baruch von Rothenburg zu folgen und nach Palästina auszuwandern. Das Unternehmen scheiterte. Meir wurde eingesperrt. Die Flüchtlinge zerstreuten sich in alle Winde und kamen nicht mehr zurück. Ihr Vermögen wurde im Auftrag des Kaisers durch den Mainzer Erzbischof Heinrich II. (1286-1288) und den Grafen Eberhard I. von Katzenelnbogen (1260-1311) eingezogen.

Pogrome im 13. und 14. Jahrhundert

Wie in anderen Städten kam es auch in Oppenheim zu ernsten Angriffen auf die jüdische Glaubensgemeinschaft. Einen ersten Zwischenfall, von dem aber nichts näheres bekannt ist, soll es 1298 im Zusammenhang mit der katzenelnbogischen Pfandschaft gegeben haben. Bei diesem Angriff könnte die Synagoge in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

Denn 1324/1325 ist von einem (teilweisen?) Neubau die Rede.Während der 1. Mainzer Pfandschaft (1315-1356) konnten die Burgmannen auf der Landskron den Schutz der Juden offensichtlich nicht mehr garantieren. So kam es in den Jahren 1336, 1349 und 1353 zu weiteren Judenverfolgungen. Die neue Synagoge wurde 1336 beschädigt und 1349 zerstört. Von ihr ist nur ein Fragment eines Türsturzes mit hebräischen Schrift erhalten, der heute im sog. "Gelben Haus" an der Ecke Rathofstraße und Wormser Straße eingemauert ist. Man nimmt an, dass das Gelbe Haus nach der Zerstörung der Synagoge als Notsynagoge gedient hat.

Die Judengemeinde seit dem 15. Jahrhundert

Nach dem Ende der Mainzer Herrschaft in Oppenheim 1353 blühte die Judengemeinde, jetzt erneut unter dem Schutz der Burgmannen, wieder auf. Doch ihre Zahl reichte nicht aus, die Burglehen für die Landskron zu finanzieren. Deshalb versuchte die Regierung in Heidelberg und der Stadtrat zu Beginn des 15. Jahrhunderts, weitere Juden als Stadtbewohner anzuwerben. Da jedoch die Juden neben den Burglehen, Abgaben an das Reich (Goldener Opferpfennig) und Steuern an den Pfalzgrafen zu zahlen hatten, nimmt es nicht Wunder, dass die Judengemeinde immer weiter schrumpfte.

Die in Oppenheim verbleibenden Juden blieben auf den hohen Steuern sitzen und verarmten. Nach dem 30jährigen Krieg war die Judengemeinde bereits sehr klein. 1722 wohnten acht, 1745 neun, 1765 zehn Judenfamilien in der Stadt und im Jahr 1905 wurden 129 Bürger jüdischen Glaubens gezählt. Der Barbarismus des Nationalsozialismus führte zwischen 1937 und 1941 gewaltsam das Ende der Oppenheimer Judengemeinde herbei. An sie erinnert heute nur noch der schon vor 1736 genutzte jüdische Friedhof zwischen der Bahnlinie und der Ernst-Ludwig-Straße.