Rheinhessen

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Strümpfe

Karte 75: Strümpfe. Drenda, Georg: Kleiner linksrheinischer Dialektatlas. Sprache in Rheinland-Pfalz und im Saarland, S. 174.[Bild: Georg Drenda (IGL)]

Das Wort Strumpf gehört nicht überall zum autochthon dialektalen Wortschatz. Die Karte zeigt, dass in großen Teilen des Moselfränkischen die Strümpfe mit dem Ausdruck Hosen (dialektal: Husen, Hussen, Huasen, Hossen, Hosen usw.) bezeichnet werden. Das Wort Strümpfe gehört dort zwar heute vielerorts auch zum Dialektwortschatz, es ist aber aus der Schriftsprache erst in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts in die Dialekte eingedrungen. Der eigentliche, auch heute noch gebrauchte Dialektausdruck ist Hosen. Das, was im Standarddeutschen als Hose bezeichnet wird, also das Beinkleid, heißt in den Dialekten Bux, Box, stellenweise auch Botz. In mittelhochdeutscher Zeit bezeichnete der Ausdruck hose eine Art Strümpfe, die an der eigentlichen Hose fixiert waren. Erst später wurden beide Kleidungsstücke zu einem einzigen, Hose genannt, vereinigt. Die Dialekte bewahren also die ursprüngliche Bedeutung des Wortes.

In den Dialekten, in welchen ausschließlich Strümpfe belegt ist, lautet das Wort nördlich der Untermosel Strümp oder Strömp, ansonsten Strimp, Stremp. (Zum lautlichen Gegensatz StrümpStrimp usw. vgl. die Karten 38 neu und 20 Schulter.) In der Südostpfalz, wo in den Dialekten germanisch p zu pf verschoben ist – dort heißt es z. B. Apfel, Knopf gegenüber nördlichem Appel, Knopp – lautet die Form Strimpf. (Zur Verschiebung von germanisch p zu pf vgl. die Einführung.)

Bemerkenswert ist das Strümpfe-Areal an der Mittelmosel, das inselartig in das Hosen-Gebiet eingebettet ist. Es sind die in Flussnähe liegenden Orte und weniger diejenigen auf den angrenzenden Höhen der Eifel und des Hunsrücks, die das moderne Wort Strümpfe in den Dialekt aufgenommen haben. Offensichtlich hat hier zwischen Cochem und Bernkastel-Kues der rege Tourismus den Wandel im dialektalen Wortschatz begünstigt. Die im Umgang mit Fremden zu Missverständnissen führende Bezeichnung Hosen für Strümpfe wurde offenbar von den Einheimischen gemieden, was schließlich zu Veränderungen im Dialekt führte. (Vgl. auch die Karte 47 gehört.)

Literaturverzeichnis

Die im Text erwähnte Literatur finden Sie hier (Literaturverzeichnis).

Hinweise zu den Karten

Lesen Sie hier Hinweise des Autors zum besseren Verständnis der Atlaskarten.

Mehr zum Thema

Der obenstehende Inhalt ist entnommen aus Georg Drenda (2008): Kleiner linksrheinischer Dialektatlas. Sprache in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Stuttgart.

Zitierhinweis

[Begriff] (Kartennummer), in: Georg Drenda (2008): Kleiner linksrheinischer Dialektatlas. Sprache in Rheinland-Pfalz und im Saarland, digitalisierte Version auf Regionalgeschichte.net, < URL >, abgerufen am TT.MM.JJJJ.

z.B.: suchen (Karte 37), in: Georg Drenda (2008): Kleiner linksrheinischer Dialektatlas. Sprache in Rheinland-Pfalz und im Saarland, digitalisierte Version auf Regionalgeschichte.net, <https://www.regionalgeschichte.net/rheinhessen/sprache/dialektatlas-rlp-saar/begriffe-dialektatlas-rlp-saar/lautkarten/suchen.html>, abgerufen am 01.01.2022.