Kaub am Mittelrhein

Zur Geschichte von Kaub

Die spätere Ortsgemarkung war schon früh besiedelt. Das belegen Grabfunde, die der La-Tene-Zeit (um 500 v. Chr.) und dem 3. Jahrhundert n. Chr. zugeschrieben werden. So wurden 1925 ein Grab mit Beigefäß am Dicken Turm und 1933 ein Römergrab aus der Zeit um 260 n. Chr. gefunden.
Über die Herkunft des Namens „Kaub“ gehen die Meinungen auseinander. Zum einen lässt sich "Kaub" oder "Cuba" wie es bei der Erstnennung des Ortes heißt aus dem keltischen Wort "cabi" = kleines Haus ableiten. Zum anderen wird als Erklärung das lateinische "cubare" (= auf einer Lagerstätte ruhen) herangezogen. Dies kann im übertragenen Sinne auch auf die Kauber Schieferlager hindeuten, die bereits von den Römer ausgebeutet wurden. Als dritte Deutung wird in Anlehnung an die St. Theonest-Legende auf das lateinische cupa hingeweisen, was Kufe oder Fass bedeutet. St. Theonest, aus Makedonien stammend, war Missionar und Weggefährte des hl. Alban. Der Sage nach soll er in Mainz von heidnischen Arianern gesteinigt, in ein durchlöchertes Weinfass gesteckt und dann in den Rhein gestoßen worden sein. Dank des im Fass verbliebenen Restweins soll er sein Leben gerettet haben. In Kaub sei er gestrandet und soll den Kaubern zum Dank den Christenglauben und die Weinreben gebracht haben. St. Theonest starb 425 als Märtyrer in Altinum bei Venedig und liegt in Vercelli begraben. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die Schreibweise des Ortsnamens mehrfach geändert: Aus Cuba wurde Caupa, Chube, Kub, ab dem 16. Jahrhundert Caub und schließlich 1935 Kaub.
Erstmals erwähnt wird Kaub, als am 14. Juni 983 Kaiser Otto II. auf dem Reichstag in Verona in einer Schenkungsurkunde dem Mainzer Erzbischof Willigis u. a. das Geleitsrecht (banpennic) bestätigte, das bis zum Dorf Kaub (ad cubam villulam) reichen sollte. Wer vor 1250 die bestimmende Kraft in Kaub war, ist unsicher. Mit der im frühen 13. Jahrhundert (oder 1261) errichteten Burg Kaub (heute Gutenfels) war aber ein einträglicher Rheinzoll verbunden. Beim Zug des Interregnumkönigs Wilhelms von Holland den Rhein hinauf, wurde 1252 auch Kaub bedroht. Burg und Zoll kamen kurz vor 1257 (hier wird der Zoll erstmals genannt) an die Herren von Falkenstein, die diesen Besitz im Jahr 1277 für 2300 Mark Aachener Denare an den Pfalzgrafen bei Rhein verkauften. 1289 erwarb Pfalzgraf Ludwig II. auch noch die restlichen Rechte der Falkensteiner, darunter Güter zu Kaub, Weisel, in beiden Ortsteilen von Dörscheid sowie in Ransel. Kaub wurde pfälzischer Amtsort. Im Jahre 1324 verlieh Pfalzgraf Ludwig der Bayer, der zu dieser Zeit auch deutscher König war, dem Ort Stadtrechte. Die Kauber genossen die gleichen Freiheiten wie die Stadt Boppard. Außerdem ließ der Pfalzgraf ab etwa 1326 zur Sicherung des Zolls und zur besseren Überwachung der Rheinschiffahrt den Pfalzgrafenstein errichten.
Seit 1355 sind auch die Dachschiefergruben erwähnt (sie waren bis 1972 in Betrieb).
Im Jahre 1504, damals tobte der Bayrisch-Pfälzische Erbfolgekrieg, wurden Stadt und Burg 39 Tage lang belagert. Dieser Belagerung durch Landgraf Wilhelm von Hessen hielt Kaub stand und so wurde die Burg in Erinnerung an die glücklich überstandene Bedrohung programmatisch in "Gutenfels" umbenannt. [Geschichte des Elslein von Kaub] Ein Lagerfeuer griff 1635 auf das "Städteviertel" über, und legte unter anderem das Rathaus, die Schule und das Pfarrhaus in Schutt und Asche. Nach den Verheerungen und Truppendurchzügen des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) gab es in Kaub nur noch 198 Einwohner. Nach der Auflösung des pfälzischen Kurstaates wurde Kaub im Jahr 1802/1803 dem Herzogtum Nassau zugeschlagen.
Am Neujahrstag 1814 überschritt das Heer General Blüchers bei Kaub den Rhein. Von diesem Ereignis zeugt ein Denkmal dieses Feldmarschall Blüchners in der Stadt, unterhalb der Burg Gutenfels. In den Jahren 1846, 1848 und 1910 suchten verheerende Brände das Gemeinwesen heim. 1886 wurde die Zollstation, die Kaub seit dem Mittelalter besessen hat aufgehoben. Kaub ist seit altersher Wohnsitz der Rheinlotsen, die die Schiffe durch die gefährliche Strecke zwischen Kaub und Bingen führten. 1866 übernahm das Königreich Preußen die Herrschaft über das linke Rheinufer. 


Freistaat Flaschenhals

Nach den Wirren des 1. Weltkrieges entstand ein kurioser Kleinstaat, der vom 10. Januar 1919 bis zum 25. Februar 1923 existierte.
Die westlich des Rheins gelegenen Provinzen Deutschlands waren von den alliierten Armeen besetzt. Um auch östlich des Rheins militärisch präsent zu sein, wurden von den Siegermächten bei Köln, Koblenz und Mainz halbkreisförmige Brückenköpfe eingerichtet. Der französische Brückenkopf von Mainz überlappte sich mit dem amerikanischen in Koblenz nicht vollständig, sondern hinterließ im Raum Kaub einen freien, unbesetzten Raum in der Form eines Flaschenhalses. Hier entwickelte sich alsbald der "Freistaat Flaschenhals", ein winziges Staatsgebilde, das vor allem in seiner wirtschaftlichen Existenz stark eingeschränkt war. Die Verwaltung des Freistaates wurde vom Lorcher Bürgermeister Pnischek organisiert, der u.a. eine eigene Währung einführte. Das Freistaatgeld ist heute bei Sammlern eine begehrte Rarität.
Die Versorgung der 8.000 Einwohner, die in den Städten Lorch und Kaub und in den Gemeinden Lorchhausen, Sauerthal, Ransel, Wollmerschied, Welterod, Zorn, Strüth und Egenroth lebten, war äußerst schwierig. Straßenverbindungen durch die besetzten Gebiete ins unbesetzte Deutschland fehlten, so dass der gesamte Waren- und Postverkehr nur auf Schmuggelpfaden möglich war.
Die Eisenbahn entlang des Rheins konnte nicht genutzt werden, weil kein Zug im Freistaat halten durfte. Als einmal ein Güterzug mit Kohle aus dem Ruhrgebiet im Rüdesheimer Bahnhof abgestellt wurde, nutzte ein beherzter Lokführer aus dem Freistaat die Gunst der Stunde, kaperte den Zug und entführte ihn nach Kaub. Dankbar teilte die Bevölkerung das dringend benötigte Heizmaterial unter sich auf.
Der Schmuggelverkehr über den Rhein wurde von den Franzosen des öfteren mit Hilfe starker Schweinwerfer gestört. Die Freistaatjugend machte sich trotzdem einen Spaß daraus, sich das entblößte Hinterteil "vom Franzmann bestrahlen" zu lassen. Wein aus dem besetzten Rheingau wurde nachts mit Ochsenkarren über Waldwege geschmuggelt und so vor dem Zugriff der Franzosen bewahrt.
Am 25. Februar 1923 wurde der Freistaat entgegen den Vereinbarungen (Versailler Vertrag) von französischen Truppen besetzt, die aber am 16. November 1924 wieder abziehen mussten. Der Freistaat "Flaschenhals" blieb allerdings Geschichte, er wurde jetzt Teil der Weimarer Republik.

Quelle:Rang; Schick; Kimpel; Handbuch; Homepage der Gemeinde, dort auch weitere Informationen zur Geschichte der Stadt; Freistaat Flaschenhals.de; redakt. Bearb. S.G.