Bingen in Rheinhessen

St. Martin in Bingen

Fotostrecke St. Martin[Bild: Georg Dahlhoff]

Bereits in römischer Zeit soll an der Stelle der Basilika ein Göttertempel gestanden haben. Das Schenkungsverzeichnis der Abtei Lorsch für das Jahr 793 erwähnt St. Martin erstmals urkundlich. 883 wird das romanische Bauwerk zerstört und 1220 wieder neu eingeweiht. Als am 14. August 1403 ein Feuer ausbricht, fällt fast die ganze Kirche in Schutt und Asche. Dreizehn Jahre später wird eine neue St. Martinskirche im gotischen Stil fertiggestellt. Da St. Martin eine Stiftskirche war, wurde 1505 der Barbarabau als Volkskirche angebaut. In der folgenden Zeit erlebte die Kirche viele bauliche Veränderungen; Altäre und Kunstschätze gingen verloren oder wurden verkauft. Das Stift starb Ende des 16. Jahrhunderts aus und wurde 1672 formell aufgehoben. Die Stiftsgebäude wurden 1819 abgebrochen. 1885 erfolgte eine Restaurierung durch Max Meckel.

Bildstrecke zum Innenraum[Bild: Harald Strube]

Am 1. April 1930 verlieh Papst Pius XI. St. Martin den Titel einer päpstlichen Basilika. Nach der Bombardierung 1944 stürzten das Gewölbe des Hauptschiffes und ein Teil des Hochaltares ein. Die Schäden wurden bis 1958 wieder beseitigt.
Die Kirche besitzt ein Kreuzrippengewölbe mit Konsolen, im Hauptchor mit Diensten. Die Spitzbogenarkaden wurden erst nach Errichtung der Seitenschiffe in das ehemalige einschiffige Langhaus gebrochen. Der Hochaltar ist als Ziborienaltar nach dem Entwurf des Architekten Joahann Peter Jäger gearbeitet, ausgeführt durch den Mainzer Hofbildhauer Peter Heinrich Hencke, gestiftet 1768. Anstelle des kriegszerstörten barocken Gemäldes befindet sich seit 1957/58 eine Kreuzigungsgruppe des 17. Jahrhunderts vor dem mittleren Fenster.  Die Kanzel aus dem Jahr 1681 ist mit Figuren der vier Kirchenväter und der Kardinaltugenden geschmückt. Der Marienaltar, 1579, stand ursprünglich in der Utrechter Marienkirche. Es handelt sich um eine Arbeit des Delfter Malers Antonis von Montfort, genannt Blocklandt.

Nachweise

Redaktionelle Bearbeitung: Ann-Kathrin Zehender

Verwendete Literatur:

  • Imhoff, Michael u.a.: Die Kirchen im Mittelrheintal. Führer zu den Bauten des UNESCO-Welterbes Mittelrhein. Petersberg 2004.
  • Landesamt Denkmalpflege (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 18.1: Kreis Mainz-Bingen. Bearb. v. Dieter Krienke. Worms 2007.

Aktualisiert am: 15.05.2014