Osthofen in Rheinhessen

Das alte Rathaus

Altes Rathaus in Osthofen
Das alte Rathaus wurde 1738 gebaut. Von 1738 bis 1972 und wieder seit 2014 ist hier der Sitz der Ortsverwaltung.[Bild: P. Schmelzle [CC BY-SA 2.5]]

Das aktuelle Rathaus der Stadt Osthofen in der Friedrich-Ebert-Straße (Nr. 31 – 33) ist das Zweite von insgesamt drei Rathäusern, die in Osthofen im Laufe der Ortsgeschichte genutzt wurden. Es entstand 1738 und war bis 1972 Sitz der Stadtverwaltung. Ab 1972 zog die Verwaltung in das 1902 errichtete Finanzamtsgebäude am Wendelin-Weißheimer-Platz (Am Schneller Nr. 3) um. Als die vormals Kreisfreie Stadt sich 2014 mit dem benachbarten Westhofen zur Verbandsgemeinde Wonnegau zusammenschloss, wurde dieses der Verbandsgemeindeverwaltung überlassen und die Stadtverwaltung zog wieder in das alte Rathaus an der Friedrich-Ebert-Straße ein.

Das erste Rathaus der Stadt Osthofen entstand 1581 und befand sich an der Stelle der heutigen Kleinen Kirche, in direkter Nachbarschaft zum heutigen Rathaus. Das erste Rathaus brannte 1621 ab. Der Turm, in dem die Gemeindeglocken hingen, überlebte das Feuer jedoch. Vermutlich bestand das erste Rathaus aus einem steinernen Erdgeschoss mit einem Obergeschoss aus Fachwerk.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg kamen EinwanderInnen verschiedenster Konfessionen nach Osthofen. Als das Simultaneum der Bergkirche etwa 1706 endete, mussten neue Gotteshäuser eingerichtet werden. Die Lutherische Gemeinde durfte sich daher in den Ruinen des abgebrannten Rathauses eine behelfsmäßige Kirche einrichten. Als 1727 die Ortsgemeinde das Gebäude wieder in Besitz nehmen wollte, weigerten sich die Lutheraner. Der darauffolgende Prozess wurde 1738 schließlich zugunsten der Kirchengemeinde entschieden, die daraufhin auf den Ruinen des Rathauses einen Kirchenneubau errichteten. Der alte Rathausturm wurde dabei zum Kirchturm umfunktioniert und aufgestockt.

Die Stadtgemeinde hingegen hatte bereits während des Gerichtsprozesses mit dem Bau eines neuen Rathauses in direkter Nachbarschaft der Kirche begonnen. 1738 konnte dieser repräsentative Putzbau im Stil des Barocks schließlich fertig gestellt werden. Von 1738 bis 1972 befand sich in diesem Gebäude die Osthofener Stadtverwaltung und das Büro des Bürgermeisters.

Im Zuge des Ersten Koalitionskrieges (1792 – 1797) kamen 1792 die französischen Revolutionstruppen nach Osthofen. 1798 wurde das linksrheinische Gebiet dann offiziell von Frankreich annektiert. Am 21. Januar 1798 stellte die Gemeinde, auf Anordnung der Franzosen, einen sogenannten Freiheitsbaum auf dem Platz vor dem Rathaus auf. Zu diesem Anlass wurde auch, als demonstratives Zeichen einer neuen Zeit, das alte Kurfürstliche Wappen über dem Eingang des Rathauses weggemeißelt.

1902 wurde ein neues Finanzamtsgebäude im Jugendstil am Wendelin-Weißheimer-Platz gebaut. Am 27. Mai 1971 beschloss der Stadtrat, dieses Finanzamtsgebäude umzubauen und als Rathaus einzurichten. Der Umzug konnte im Oktober 1972 abgeschlossen werden. Als sich 2014 Osthofen mit Westhofen zur Verbandsgemeinde Wonnegau zusammenschloss, überließ man das ehemalige Finanzamtsgebäude der Verbandsgemeindeverwaltung. Die Stadtverwaltung und der ehrenamtliche Bürgermeister befinden sich seitdem wieder im alten Rathaus in der Friedrich-Ebert-Straße.

Nachweise

Redaktionelle Bearbeitung: Jonathan Bugert

Verwendete Literatur:

  • Fischer, Gernot: Die kommunalpolitische Entwicklung der Stadt Osthofen von 1816 bis heute. In: 1200 Jahre Osthofen. Auf den Spuren der Vergangenheit. Hrsg. von der Stadtverwaltung Osthofen. Osthofen 1984.
  • Kazenwadel-Drews, Brigitte: Osthofen. Ein Rundgang durch die Geschichte. [Heidelberg] 2006.

Aktualisiert am: 20.10.2020