Worms in Rheinhessen

Das Lutherdenkmal in Worms

Lutherplatz

Das Wormser Lutherdenkmal.[Bild: Immanuel Giel]

Das Wormser Lutherdenkmal gilt neben dem Internationalen Reformationsdenkmal in Genf als das größte seiner Art. Entworfen wurde es von Ernst Rietschel (1804-1861), einem der bedeutendsten Bildhauer des Spätklassizismus in Deutschland. Von ihm stammen unter anderem auch das Weimarer Goethe-Schiller-Denkmal und das Braunschweiger Lessing-Denkmal. Als sich im Jahr 1856 auf Initiative des Wormser Dekans Eduard Franz Keim und des Gymnasiallehrers Dr. Friedrich Eich ein Luther-Denkmal-Verein konstituierte, geschah dies mit dem Ziel, einen Erinnerungsort von nationaler Bedeutung zu schaffen, der an Luthers Auftritt auf dem Wormser Reichstag von 1521 erinnern sollte. Dank finanzieller Unterstützung aus dem In- und Ausland konnte der Auftrag zwei Jahre später an Rietschel vergeben werden, der bis zu seinem Tod im Jahr 1861 daran arbeitete. Von ihm selbst wurden noch die Figuren Luthers und Wycliffs modelliert; die restlichen Gestalten der Gruppe stellten Schüler des Bildhauers nach seinen Plänen fertig. Am 25. Juni 1868 wurde das neue Denkmal schließlich mit großem Pomp enthüllt. Die wichtigsten protestantischen Fürstenhäuser Deutschlands schickten zu diesem Anlass ihre Vertreter nach Worms. Einer der Ehrengäste war der spätere Kaiser Wilhelm I. Der triumphale Gestus des Wormser Lutherdenkmals rief schon damals einigen Unmut im katholischen Deutschland hervor und ist bis heute nicht unumstritten.

Lutherskulptur Ernst Rietschels.[Bild: Immanuel Giel]

Das Denkmal befindet sich in Sichtweite des Domes am heutigen Adenauerring. Sein quadratischer Grundriss weist eine Seitenlänge von 12,55m (oder - nach den damaligen Längenmaßen - 40 rheinischen Fuß) auf. Mit seinen drei Außenmauern und den den darauf postierten Skulpturen soll es, in Anspielung auf Luthers bekanntes Kampflied, wie eine "feste Burg" auf den Betrachter wirken. Luther selbst, der als "Bergfried" auf einem erhöhten Postament im Zentrum der Anlage steht, ist im Moment der verweigerten Widerrufung seiner Lehre dargestellt. Die rechte Hand auf der Bibelübersetzung, blickt er trotzig in Richtung Dom. Auf den Ecken des Postamentes sitzen die vier (heute nicht unbedingt mehr als solche bezeichneten) "Vorreformatoren" Petrus Waldus, John Wycliff, Jan Hus und Hieronymus Savonarola. Als menschliche "Ecktürme" und "Zinnen" der Burg dienen sieben teils historische, teils allegorische Gestalten aus der Vor- und Frühgeschichte des Protestantismus. Die weltlichen Fürsten Friedrich der Weise von Sachsen und Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen bilden die beiden vorderen "Ecktürme", die Gelehrten Johann Reuchlin und Philipp Melanchthon dagegen ihre hinteren Pendants. Die Zwischenräume werden von drei Frauengestalten ausgefüllt. So erinnert die "trauernde Magdeburg" an die blutige Einnahme der Stadt im Dreißigjährigen Krieg, die "protestierende Speyer" an den Protestationsreichstag von 1529, die "friedfertige Augsburg" an den dort abgeschlossenen Religionsfrieden von 1555. Zahlreiche bildliche Darstellungen in Form von Plaketten und Reliefs komplettieren die Anlage.

Nachweise

Verfasserin: Sarah Schrade
Verwendete Literatur:

  • Otto Böcher: Das Wormser Luther-Denkmal. In: Kunst und Geschichte in Rheinland-Pfalz 173 (2000) S. 293-296.
  • Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Stadt Worms. Herausgegeben im Auftrag es Ministeriums für Bildung und Kultur vom Landesamt für Denkmalpflege. Bearbeitet von Irene Spille unter Mitwirkung von Herbert Dellwing und Fritz Reuter. Worms 2011.
  • Fritz Reuter: Lutherdenkmal zu Worms. Worms 1968.

Aktualisiert am: 19.12.2014