Laufersweiler im Hunsrück

Zur Geschichte von Laufersweiler

Vor- und Frühgeschichte und Römerzeit

Römische Straßenkarte Tabula Peutingeriana. Laufersweiler liegt an der Straße zwischen Dumno (bei Kirchberg) und Belginum (bei Wederath).[Bild: Giovanni Battista [CC BY-SA 4.0]]

Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung auf der Gemarkung von Laufersweiler und in ihrer unmittelbaren Umgebung werden in die Bronze- und Hallstattzeit (ca. 1800 - 600 v. Chr.) datiert. Auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Niederweiler befindet sich ein Hallstattgrab. Dieses lässt sich gut lokalisieren, da es neben der römischen Heeresstraße liegt, deren Damm die Grenze zwischen den Gemarkungen von Niederweiler und Laufersweiler bildet. Neben dem Hallstattgrab wurde die Unterkonstruktion eines römischen Grabturms freigelegt.

Ein etwa 12 cm großes, olivgrünes Steinbeil bildet einen weiteren frühgeschichtlichen Fund aus der Nähe der Gemarkung Laufersweiler. Es wurde entweder gefunden in der Flur "Gräbenhecke", die von Sohren an Laufersweiler grenzt, oder im Laufersweiler Flurstück "auf Folken".

In der Schulchronik finden sich Notizen zu archäologischen Funden. In der Flur "auf Folken" wurden 1878 Gräber der Hunsrück-Eifel-Kultur aus der Zeit von 500 bis 400 v. Chr. vermutet. Für 1924-25 ist die unbefugte Öffnung eines Grabes vermerkt, bei der Reste eines zweirädrigen Wagens gefunden worden seien. Gegenüber der Römerstraße sei eine 2 Meter lange und etwa 1 Meter tiefe, mit Steinen gefüllte Grube gefunden worden. 1938 wurde der Fund eines Amphorenhenkels an der Enkircher Straße notiert. Auf einer Wiese in der Flur "auf Folken" sei ein Stück einer Wasserleitung in Form eines ausgehöhlten Baumstamms gefunden worden. [Anm. 1]

Gesicherte Funde stammen aus der Römerzeit. An zwei Stellen in der Nähe der Ausoniusstraße genannten römische Heeresstraße wurden römische Siedlungsspuren aus der Zeit von 200 bis 500 n. Chr. festgestellt. Nördlich des Hirschbach, etwa 1 km südöstlich der Ausoniusstraße befanden sich römische Baureste. Weitere Reste einer römischen Siedlung wurden "auf Folken" entdeckt. Am höchsten Punkt der Flur "Wartenhübel" vermutete man eine römische Warte. [Anm. 2]

Mittelalter und Frühe Neuzeit

Die Machtverhältnisse auf dem Hunsrück waren im Mittelalter geprägt von den Pfalzgrafen im Norden, Kurtrier an der Mosel und dem Geschlecht der Sponheimer an der Nahe. Dazwischen befanden sich kleinere Adelsgeschlechter wie die Wild- und Rheingrafen.

Die urkundliche Ersterwähnung von Laufersweiler stammt aus dem Jahr 1283. Unter der Bezeichnung „Leuferswilre“ wurde der Ort in einer Teilungsurkunde vom 14. März 1283 genannt. Im Rahmen der Güterteilung der Wildgrafen erhielten zwei Brüder verschiedene Teile der zum Hof Hausen gehörenden Besitztümer. Durch die Teilung entstanden zwei Linien der Wildgrafen; die Kyrburg-Schmidtburgische Linie und die Dhaun-Grumbacher Linie. Die beiden Brüder, der Wildgraf Emich von Kyrburg und der Wildgraf Gottfried von Dhaun, teilten ihre Untertanen anhand ihrer Wohnorte links und rechts der Straße von Meisenheim über Laufersweiler in Richtung Enkirch auf. In diesem Zusammenhang wurde Laufersweiler erstmals genannt.[Anm. 3]

Laufersweiler gehörte dem Hochgericht Rhaunen an. Im Laufe des Mittelalters und der Frühen Neuzeit hatten verschiedene Parteien zeitgleich Anteile an der Herrschaft über Laufersweiler. Balduin von Luxemburg, Trierer Erzbischof und Kurfürst, verfolgte den Ausbau der trierischen Herrschaft auf den Höhengebieten des Hunsrücks. 1336 kaufte er von den Herren von Schmidtburg die Rechte an der Hälfte der Güter zu Laufersweiler. 1440 verlieh Jakob von Trier, ebenfalls Bischof und Fürst, das halbe Gericht zu Laufersweiler an Fritz Erbschenk von Schmidtburg.

In der Folgezeit wurde die Gerichtsbarkeit über Laufersweiler in Viertel unterteilt. Dies geht hervor aus den Weistümern von 1450, 1540, 1561 und 1654. Das erste Viertel beanspruchte der Kurfürst von Trier. Das zweite Viertel stand dem Erbschenk von Schmidtburg zu. Das dritte Viertel teilten sich mehrere kleine Adelige. Das letzte Viertel ging an die Herren von Schmidtburg.[Anm. 4]

Aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) gibt es für Laufersweiler vereinzelte Meldungen. Im Jahr 1636 wurde dem Posthalter Johann Faust die Zusage der Befreiung von allen Einquartierungen, Durchzügen und Kriegsbeschwerden in Laufersweiler bescheinigt. Zwei Jahre später jedoch beschwerte sich Johann Schenk von Schmidtburg über Bedrückungen seiner Laufersweiler Untertanen durch den Krieg.[Anm. 5]

Die oft unübersichtlichen Besitz- und Herrschaftsrechte im Mittelalter und der Frühen Neuzeit brachten eine besondere Quellengattung hervor; die Weistümer. Im Weistum wurden die Kompetenzen der Herrschaft, Grenzabsprachen und die Forderungen an die Untertanen festgehalten. Innerhalb des Dorfes regelte die Dorfordnung die Öffnung der Wiesen oder die Benutzung von Backhäusern. Etwa seit dem 15. Jahrhundert war es üblich, dass das Weistum einmal pro Jahr im Ort öffentlich verlesen wurde. In Laufersweiler wurde dies 1654 an dem Platz durchgeführt, „wo die linden gestandt“[Anm. 6] Dies wird als Hinweis darauf angesehen, dass zu diesem Zeitpunkt noch kein Rathaus im Dorf stand. Bis zum 18. Jahrhundert versuchte Kurtrier kontinuierlich seine Territorialgewalt auch über schriftlich fixiertes und gewiesenes Recht hinweg auszubauen. Dies gelang 1759, als Kurtrier die gesamte Landeshoheit über Laufersweiler erhielt.[Anm. 7]

Bereits während des Spanischen Erbfolgekriegs (1702 - 1706) war Laufersweiler von verschiedenen Truppendurchzügen betroffen gewesen. Von der Bevölkerung wurden von Beginn an Abgaben in Form von Naturalien und die Einquartierung von Soldaten verlangt. Die Mengen sind überliefert, ebenfalls Beschwerden der Bevölkerung an die jeweiligen Herrschenden. [Anm. 8]

Das 19. Jahrhundert

Laufersweiler auf der Karte der Rheinlande, zwischen 1803 und 1820[Bild: Datenquelle: Arbeitsgemeinschaft Kataster und Kartographie der Großregion, www.gis-gr.eu [CC BY-SA 4.0]]

Ende des 18. Jahrhunderts bekam Laufersweiler die Auswirkungen der Französischen Revolution zu spüren. Während des Ersten Koalitionskrieges von 1792 bis 1797 zwischen der französischen Republik auf der einen Seite und Preußen, Österreich und weiteren deutschen Kleinstaaten auf der anderen wurde der Hunsrück Kampfgebiet. Nach dem Sieg der französischen Revolutionsarmee wurden die linksrheinischen Gebiete unter französische Verwaltung gestellt und neu gegliedert. An die Stelle der alten Ordnung mit Ingericht, dem Ortsgemeindegericht, das für seinen Bezirk die Gerichtshoheit hatte, und Abgaben trat ein modernes Steuersystem und eine moderne Verwaltung. Laufersweiler lag von 1798 an im Departement De Rhin-et-Moselle. Die Grenze des Departements verlief zwischen Laufersweiler und Gösenroth. Innerhalb des Departements wurden mehrere Arrondissements eingerichtet. Laufersweiler lag im Arrondissement Simmern. Die nächste Unterkategorie war das Kanton, dessen Verwaltung in Kirchberg saß. Darunter kam die Maire. Laufersweiler lag in der Maire Sohren. [Anm. 9]

Im Zuge der französischen Besatzung kam es zum Kontakt zwischen der einheimischen Bevölkerung und den französischen Soldaten. Manchmal führte dies auch zu Eheschließungen, wie das Beispiel des Soldaten Bouteville zeigt. Für die kommunale Interessenvertretung sind mehrere Munizipalräte (Gemeinderäte) und Agenten (Bürgermeister) in Laufersweiler überliefert.

Während des sechsten (und letzten) Koalitionskriegs von 1813 bis 1814 verfügte Napoleon Bonaparte ein Gesetz, mit dem er die Kriegskasse zu füllen versuchte. Es kam zur eigentlich von Napoleon selbst verbotenen Privatisierung von Gemeingut. In Laufersweiler wurde eine kleine Fläche von 1,4 ha Land an einen Privatmann aus Simmern versteigert. Diese wurden jedoch nie in Besitz genommen und später, 1820, vom neuen Besitzer an die Gemeinde zurückgegeben.

Laufersweiler auf einer preußischen Karte, zwischen 1843 und 1879[Bild: Datenquelle: Arbeitsgemeinschaft Kataster und Kartographie der Großregion, www.gis-gr.eu [CC BY-SA 4.0]]

Die französische Herrschaft auf dem Hunsrück endete mit der Niederlage der französischen Armee 1814. Ein Jahr später gelangte das Gebiet an Preußen und wurde in dessen Staat eingegliedert. Im Januar 1817 wurde eine Neugliederung der Verwaltung durchgeführt. Diese sollte bis auf wenige Ausnahmen bis zur Verwaltungsreform 1968/69 beibehalten werden. [Anm. 10]

Im Jahr 1839 verwüstete ein Feuer Laufersweiler. Die meisten EinwohnerInnen waren an diesem Nachmittag des 27. August mit der Ernte auf den Feldern beschäftigt. Der Großbrand zerstörte die Simultankirche, 38 Wohnhäuser, 29 Scheunen und 35 Ställe. Da viele Gebäude noch mit Stroh gedeckt waren und ein starker Wind herrschte, konnten selbst die aus den umliegenden Ortschaften her geeilten EinwohnerInnen mitsamt ihren 14 Löschspritzen und weiterem Löschgerät dem Feuer nur wenig entgegensetzen. Da die Feuerversicherung vieler Geschädigter nicht die gesamten Schäden abdeckte, wurde in der gesamten Rheinprovinz und darüber hinaus zu Spenden aufgerufen. Ein umfangreiches Gedicht in hunsrücker Mundart wurde verfasst, um die Spendenbereitschaft zu steigern. Verfasser war vermutlich der damalige Lehrer des Ortes. Im Jahr 1842 wurden die Ergebnisse der Sammlung veröffentlicht. Laufersweiler hatte 20942 Taler, 14 Silbergroschen und 7 Pfennige an Spenden erhalten. [Anm. 11]

Das Gedicht über den Großbrand in Laufersweiler

Gell, Läwerschwiller kennt dehr jo,

datt loord am Irer leit?

En greilich Unglück wor elo

hart vor de Kehrwezeit.


Der Ähre wor schunn vor der Dehr

un nach Lorenzi Ball,

dann werd elo vunn aldersch her

det Kehrwefest gehall.


Die Märercher drahn wie die Borsch

schunn Kerwestreiß erbei

Unfehre annerscht käh diskorsch

als vunn der Danzerei


Un aus der große Stuh beim Wert

war schunn datt Bett geschlahn

unn Wänn un Fenster abgekehrt

käh Spinnweb war mehr dran


Die Spielleit senn alt schunn bestellt

mit Gei und Klarinett

un vor se schlagte ware alt schunn

Sei und Hämmel fett


En jeres hot no seiner Art

sich vor det Kehrwefest

ach ebbes Gures uffgespart

vor sich un frimme Gäst



At is so Brauch vun alder Zeit

seit Läwerschwiller steht

datt aag ee Schor vun frimme Leit

det Fest besuche geht


In große Städt gitt's alle Ritt

Blesär vun aller Art

so eß et uff em Doref net

do werd et uffgespart


Do iß die Kereb ganz elähn

un ehmol nor em Johr

drumm freit sich daruf groß und klähn

un hillt sesam dervor


So wahre noch am Jakobsdag

die Läwerschwiller froh

doch lauster nauest, watt geschah

am zweite Dag dernoh


En Nordwind kam vum Irer hehr

hott morjens schunn geblos

as wenn datt schwerscht Gewirer wär

er reißt die Laje los.


Er heilt so graulich wie die Hunn

wenn Imest sterwe soll,

un vun de Baame sinn devunn

die Ebbel abgefall



Do kräscht es, Fauer uff der Stroß

unjäret lääft eraus

un hott sei Sach im Stich geloß

Mer daagt, mer brengt et aus.


Denn Wasser wor genug elo

uhs Weiher senn net kleen

Nore wore käh Spritze doh

mer honn jo lärer kähn.


Dett Häusche, wot hott Fauer genn

- dett Unklück hotts gemach-

wor gehn dem Irer glatt am Enn

un hore strohe Dach.


Die Fanneschele hot naund elo

de Storem abgeriß

un hott se met dem Fauer so

im Orth erimm geschmiß.


Un en die Schaure un Ställ

un uff die Däch vunn Stroh,

nau brennt dett alles glockehell,

do wor det Unglück doh.


Der Storm reißt die Dächer loß

und sterzt die Schorchdel em

Er schmeißt die Strohdäch uff der Stroß

unn en der Luft erimm.


Die Heiser mit Layedach,

die inn der Linnig sinn,

die brenne ach alt met eweg

und sterze ach alt in.


Wer noh em Fauer war gelaaf,

kimmt nau serrick gerannt

un find sei Haus zum Eschehaaf

un all sei Sach verbrannt.


Die Not iß ganz allmielich groß

die Leit honn neißt gerett.

Un berwes senn viel un bloos

un hann noch nire Bett.


Hatt jedeen wenig Zeit gewunn

dann eß et noch en de Stall

un hott det Vieh noch losgebunn

datt's net verbrenne soll.



Un doch es Vieh verbrannt em Stall

im Schrecke, wie dett geht,

do eß et viele net engefall

dernoget wart zu spät.


Wie aus er Windmühl hinneraus

die Kaeb beim Mahle fährt

so hott der Nordwind im Saus

dat Fauer uffgerehrt.


Do gitt's en langer bräärer Stroom

vun Fauer, Esch und Raach

dem arme Hannelsmann sei Krom

verbrennt alt lärer aach.


Verscheicht un err geht's Vieh eremm

un wääs net wie's et holt

et sieht sich noh der Stallind emm

un rennt so en sei Dod.


En Mutter lääft nohm Fauer hin

und krääscht: Ach, Häär, mei Kinn!

Die haim eich net enauster krieht,

die senn proforch noch drinn.


Un wor mer dem helle Dag,

vor Damp käh Mensche kennt

stehn die Kinn und kräsche ach:

Uhs Mutter is verbrennt.


Hie werd en junger kranker, Mann

aus seiner Stuh gebracht

un an die Stroße grahwe dann

scheer nackisch hingelagt.


Der Doktor horem, wie se sahn,

bald Linnering versproch,

nau eß die Krankheit emgeschlahn

un hor em det Herz gebroch.


Er hot en Korzem Hucksich vor

un daagt an Frääd und Glick,

nau horrer det Lewe schunn verlor

un lies sei Braut serrick.


Un immer ärjer saust der Wind

datt Vieh, datt brillt derzu,

hie leiht em arme Mann sei Rind

en'r Wittfrah lo er Kuh.



Die Glocke die zu Frääd un Lääd,

so deckmols hann geklung

hann en dem Lärm aach se zweet

er Dorelied gesung.


Em Tohre un em Kehrgedach

brennt all det trucke Holz,

do sinn die Glocke allgemach

im Kuhlehaaf verschmolz.


Die Kehrgedehr werd engeriß

as wär sie dinn wie Spähn.

Watt jerem hoch un heilig is

datt soll net unnergehn.


Die helfe gehre allegar

un drahn aus Gottes Haus

watt en dem Tabernakel war

der allerscht eraus.


Am Himmel zeiht en rohrer Strääf

dem Lann us Unglick an

Do kumme Leiten große Hääf

un Spritze hinnedran.


Un verzehn Spritze schmeiße ball

ehr Wasser aus dem Laaf

Dett hätt ke Deiwel uffgehall

so kracht et aus de Schleich.


Wot Wasser graderdrig geht

do kann käh Spritz me hin.

Do iß et aach schunn viel zu spät

et steht jo neißt meh drin.


Doch unne an de Fauerstroß

wo‘t nau am Brenne is,

do honn se ohne Ungeloß

ehr Wasser hingeschmiß.


Do honn se manchet noch erett

watt süst dat Fauer aach

in Kuhle imgewaaelt hätt,

un uffgezehrt in Raach.


Die Leit honn all noch vor de Naacht

ehr Kinn vun Stunn un Stunn,

all die se honn verbrannt gedacht

lewendig wierer funn.



Nasu wor det lhlend awer groß,

käh Bett, käh Brod wor do,

die Mensche leihe uff der Stroß

noch nir emol uff Stroh


Doch dodefor iß Hillef kumm

noch in derselwig Nacht

vunn Städt un Derfer runderum

do honn se Saches bracht.


Gediech un Stroh und Fläsch u Brod

uff Karre un uff Wahn

Wer hätt bei so er großer Not

Nitt gere bei gedrahn.


Doch dodermit, der liewe Leit,

is't lang noch nitt gedohn

die Arme wulle mit de Zeit

noch Deck un mehmohl honn.


Denn watt se sich miehselig honn errung

datt honn se naunder all verlor

det Fauer hott's verschlung.


Fillt en der Welt en Ungkück vor

verfillt der Mann im Haus,

honn Fra un Kinn ehr Sitz verlor

bricht Fauer bei em aus.


Dann fehlt et nitt an Not un Dod

im erschde Aueblick

doch lärer bleibt am Enn die Not

die Helfer gehn serick.


Gell, nä der Leit

der dut datt nitt.

Wer Arme un Verbrannte gitt

is jo uff gurem Wäch.


Un naunder awer all erbei

der Borsch von Stadt und Land,

10 leihe 106 Gebei

zu Eschehaaf verbrannt.


Lo sieht der Männer, Weiwer, Kinn,

die blaß, as wie der Dod,

vunn Lääd un Hunger sinn,

weil kennt mer ebbes hot.



Dett Fauer hott en korzer Zeit,

dett greilich Ihlend bracht,

un doch gewese dodruff lasse Leit

so schlecht un wenig acht.


Un der nor foehret nor zuviel

glaubt der an kaane Gott?

Dehr treibt mirem Fauer auer Spiel,

mirem Unglick auer Spott.


In Schaurer, denn, am Krummetwahn

as wärter der in de Stuh,

do hot der auer Peifche an

un raucht alt immerzu.


Un is en Hucksich en dem Orth,

un dehr seid vollgesuff,

dann werd en Schießerei verfahrt,

die hert ball gar nitt uff.

Während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verdoppelte sich die Bevölkerungszahl von Laufersweiler. Bei der Volkszählung 1809 waren es 335 EinwohnerInnen gewesen. Im Jahr 1840 war die Zahl auf 726 gestiegen. Wirtschaftliche und soziale Not, Verarmung durch Überbevölkerung, Grundstückszersplitterung durch Realteilung, Ernährungskrisen in den Jahren 1817/17 und 1847 und sicher auch unbekannt bleibende, persönliche Faktoren führten zu einer zunehmenden Auswanderung aus Laufersweiler und vielen weiteren Dörfern des Hunsrücks. Vereinzelte Überlieferungen von Auswanderungen nach Ungarn und Brasilien stammen bereits aus dem 18. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert stieg die Zahl der AuswandererInnen stark an. Hauptziele war Nordamerika, gefolgt von Brasilien und Polen. Im 20. Jahrhundert waren die Ziele Nordamerika, Luxemburg, Palästina, Argentinien, Frankreich/Lothringen, die Niederlande und China. [Anm. 12]

1870/71 mussten 14 Männer aus Laufersweiler als Soldaten im Deutsch-Französischen Krieg kämpfen. Alle kehrten gesund zurück. 1892 wurde der Kriegerverein Laufersweiler gegründet, dessen Mitglieder sich aus den Veteranen des 21 Jahre zuvor beendeten Krieges und aus Rekruten zusammensetzten. Am Kaisergeburtstag und am Sedanstag, dem Erinnerungstag an die Schlacht bei Sedan am 1. und 2. September 1870, wurden Feste veranstaltet, bei denen es Möglichkeit gab, Kaisertreue zur Schau zu stellen. Auch die Kinder aus Laufersweiler bekamen dazu Gelegenheit. 1883 wurde bei Rüdesheim am Rhein das Niederwalddenkmal eingeweiht. Kaiser Wilhelm I. reiste zu diesem Anlass an. Die Kinder aus Laufersweiler wurden nach Gemünden gefahren, von wo sie in Richtung des benachbarten Henau laufen mussten, um an der Straße dem vorbeifahrenden Monarchen mit Fahnen zu winken. Die Kosten für die Reise übernahm die Gemeinde. [Anm. 13]

Das 20. Jahrhundert

Bilderstrecke Laufersweiler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Festkarte zur Einweihung der Synagoge, 1911[Bild: Bildarchiv des Rhein-Hunsrück-Kreises www.rheinhunsrueck-bild.de [CC BY-SA 3.0]]

Über die Zeit des Ersten Weltkriegs gibt für Laufersweiler die sogenannte Kriegschronik des katholischen Lehrers Ferdinand Günther Aufschluss. Sie wurde von diesem erst 1921 niedergeschrieben, jedoch im Rückgriff auf während der Kriegszeit verfasste Notizen im Schultagebuch.

Die Erklärung des Kriegszustandes wurde in Laufersweiler laut Kriegschronik am späten Freitagabend des 31. Juli 1914 bekanntgegeben. Am Folgetag kam es zu Hamsterkäufen, bei denen die Geschäfte leer gekauft wurden. Die Preise stiegen in den folgenden Tagen und sogar die Polizei musste eingreifen. Die ersten vier Reservisten mussten nach der Verkündung der Mobilmachung am Freitagabend in den Krieg ziehen. Weitere folgten. [Anm. 14] Am Sonntag hörten viele in der Kirche noch die Worte des Pfarrers, „daß die Pflicht sein Vaterland zu verteidigen, die schwerste aber auch zugleich die schönste und erhabenste aller Pflichten sei.“ [Anm. 15]

Im Zuge der ersten Kriegstage machte sich bei der Bevölkerung Beunruhigung breit. Die Ortseingänge wurden bewacht und Ausweiskontrollen durchgeführt. Die aus Büchenbeuren kommende Nachricht, ein französisches Auto sei gesehen worden, wurde zum Gerücht, oberhalb des Friedhofs von Laufersweiler stünde die französische Armee. Männer und Jungen bewaffneten sich mit Äxten, Messern und anderem Werkzeug und durchsuchten bis in die späten Abendstunden die Gegend. [Anm. 16] Über dieses Ereignis wird auch in der Chronik des 5 Kilometer entfernten Lautzenhausen berichtet. Dort schossen mit Gewehren bewaffnete Bürger sogar auf einen Holzfäller, den sie für einen feindlichen Soldaten hielten. [Anm. 17]

Der Schulunterricht wurde von Kriegsbeginn bis Mitte Oktober 1914 ausgesetzt. In der Folge gab es immer wieder schulfrei anlässlich deutscher Siege. Zudem wurden bei diesen Ereignissen anfangs im Dorf die Glocken geläutet. Die erste Todesnachricht traf am 11. Oktober 1914 im Dorf ein. Franz Feldmann war gestorben. Im Folgejahr starben weitere Männer des Dorfes, darunter der jüdische Soldat Sally Mayer II. Das Glockengeläut wurde bald eingestellt, da man sich nicht mehr sicher sein konnte, ob anlässlich eines Sieges oder eines Todes geläutet wurde.

In der Landwirtschaft machte sich der Arbeitskräftemangel durch die Einberufung der Männer bemerkbar. Kinder wurden auf den Feldern zur Ernte eingesetzt, ihre Schulbildung blieb auf der Strecke. Sie mussten sich auch an Sammlungen von Rohstoffen und Nahrungsmitteln beteiligen. Im Werkunterricht wurde Kleidung wie Socken oder Leibbinden für den Krieg gestrickt. Neben den Kindern wurden russische Kriegsgefangene von den Militärbehörden zur Zwangsarbeit nach Laufersweiler geschickt. Die Bevölkerung zahlte für die Kriegsgefangenen Geld an die Behörde.

Im Laufe des Krieges verschlechterte sich die Versorgungslage im Land zusehends. Lebensmittel wurden rationiert, Preise wurden festgesetzt und stiegen dennoch. Am 1. Juli 1916 wurde im Kreis Simmern Fleisch rationiert. Butter war Mangelware. Kaffee gab es nicht mehr. Die Preise für Schuhe versechsfachten sich.

Im Winter 1916/17 wurde die Schule geschlossen, um Brennholz zu sparen. Wieder wurde Kindern die Bildung verwehrt, weil der Krieg nicht beendet wurde. In Laufersweiler sanken die Temperaturen bis auf 23 Grad unter Null. Wasserleitungen froren ein. An der Front starben auch im letzten Kriegsjahr Männer aus Laufersweiler, darunter die beiden jüdischen Soldaten Julius Heimann und Julius Baum. Als letzter Soldat aus Laufersweiler fiel Michael Liesch, sechs Tage vor Kriegsende am 05. November 1918. Am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg. Die Soldaten, die nicht gestorben oder vermisst waren, kehrten zurück nach Laufersweiler. Im Zuge des Rückmarsches der deutschen Truppen wurden Soldaten in der Schule einquartiert, wieder gab es keinen Schulunterricht. Deutschlandweit wurde die Monarchie beendet und die Republik ausgerufen. In der Kriegschronik Laufersweiler wurde dem Kriegsende und der Republik mit Misstrauen begegnet. Die Truppen seien unbesiegt gewesen, der Sieg der Alliierten und der Entente nur durch die deutsche Novemberrevolution möglich gewesen. Zentrale Elemente des von der Obersten Heeresleitung in die Welt gesetzten, antisemitischen Verschwörungsmythos der „Dolchstoßlegende“ fanden demnach schon mindestens 1923, zum Zeitpunkt der Niederschrift der Kriegschronik Laufersweiler, Anklang bei dem Lehrer des Ortes. [Anm. 18]

Im Dezember 1918 kam es zunächst zu amerikanischen, dann zu französischen Durchmärschen und Einquartierungen. In der katholischen Schulchronik ist eine Auflistung der Gegenstände verzeichnet, die die Bevölkerung als von den Soldaten während der Einquartierung entwendet angab. Am 28. Dezember gab man im Rathaus die Bestimmungen der französischen Militärregierung bekannt. Eine nächtliche Ausgangssperre, die Herausgabe aller Waffen und die Auflistung verschiedener Lebensmittel, Rohstoffe und von Zugtieren waren Kernpunkte der Bestimmungen. Von nun an gehörte Laufersweiler zum Militärbezirk Gemünden.

Anfang der 1920er Jahre setzte eine massive Geldentwertung ein. Im Juni 1923 kostete ein Liter Milch 900 Mark. Im September waren es ganze 50 Millionen Mark. Im Lagerbuch des katholischen Pfarrers sind zahlreiche ähnliche Entwicklungen für Lebensmittel und Brennstoffe vermerkt. Erst mit der Währungsreform im November 1923 begann eine wirtschaftliche Konsolidierung. Die 1914 begonnene Inflation wurde gestoppt. [Anm. 19]

1927 wurde das Denkmal für die Gefallenen des Weltkriegs eingeweiht. [Anm. 20]

Politisch war während der Weimarer Republik die Zentrumspartei in Laufersweiler die stabilste Kraft. Sie rekrutierte ihre WählerInnen vor allem aus dem katholischen Lager. Ab 1932 gingen viele Stimmen aus Laufersweiler an die NSDAP über. [Anm. 21] Im Nachbarort Büchenbeuren nahmen 900 Personen an einer Parteiveranstaltung der NSDAP teil. [Anm. 22]

Wahlergebnisse der Reichstagswahlen in Laufersweiler [Anm. 23]

SPD DNVP DVP Zent Kom MiStP Bau NSDAP andere
1920 41 51 64 134 0 - - - -
1924 24 54 54 138 12 - - - -
1924 II. 12 64 62 156 17 - - - -
1928 49 30 23 160 7 22 59 - 15
1930 62 22 3 163 6 15 40 38 13
1932 37 7 186 22 1 - 195 3 -
1932 II. 97 9 3 154 18 2 - 144 3
1933 35 14 1 176 7 - - 213 3

In der Schule wurden die Kinder mit der neuen Ideologie indoktriniert. Das katholische Schultagebuch gibt Auskunft darüber. Hitler-Reden wurden in der Schule im Radio abgespielt. Der 1. Mai wurde gefeiert mit einer NS-Rundfunkübertragung, einem Festumzug sämtlicher Vereine und der Bevölkerung bis ins benachbarte Gösenroth und zurück und einer Rede des Lehrers auf dem Sportplatz. Die SchülerInnen hatten schulfrei, wie auch an verschiedenen anderen vom Regime propagandistisch inszenierten Ereignissen. Die NS-Führung in Berlin und ihre UnterstützerInnen vor Ort brachten die NS-Propaganda bis in das kleinste Dorf.[Anm. 24]

Die Folgen der Hass-Propaganda wurden unmittelbar spürbar. Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler durch Reichspräsident Hindenburg am 30. Januar 1933 forderten die ehemals besten Freunde eines 10jährigen jüdischen Jungen ihn auf, nach Palästina zu gehen, er habe hier nichts zu suchen. In der Folge durften die jüdischen Kinder nicht mehr am Religionsunterricht teilnehmen. Jüdische Schulkinder wurden von christlichen Schulkindern auf dem Schulhof angefeindet und unter den Augen des Lehrers mit Steinen beworfen, ohne, dass dieser eingeschritten wäre.[Anm. 25] Mitte der 1930er Jahre verboten die Nationalsozialisten der jüdischen Bevölkerung die Benutzung des Freibads. [Anm. 26] Die jüdische Gemeinde musste ihre Schächtmesser abliefern. Jüdischen Führerscheinbesitzenden wurde dieser entzogen. Einem nichtjüdischen Handwerker wurde der Entzug von öffentlichen Aufträgen angedroht, sollte er weiterhin Geschäftsbeziehungen zu Jüdinnen und Juden unterhalten. Jüdische Geschäfte wurden boykottiert, der Boykott von SA-Mitgliedern aus anderen Dörfern überwacht. Laufersweiler selbst verfügte ebenfalls über eine SA-Ortsgruppe. Die Praxis, SA-Mitglieder nicht im eigenen Ort, sondern in der Ferne einzusetzen, ist für weitere Dörfer und Städte wie etwa Sohren und Kirchberg überliefert. Die örtliche SA konnte so fernab der Heimat Verbrechen begehen und unbehelligt nach Hause zurückkehren, während die Bevölkerung die Verbrechen vor Ort auf die ortsfremden SA-Mitglieder schieben konnte.

Am 7. April 1938 huldigte der Gemeinderat Hitler im Rahmen eines protokollierten Entschlusses, nachdem alle Wahlberechtigten des Dorfes bei den Reichstagswahlen am 10. April 1938 für die Nationalsozialisten stimmen würden.[Anm. 27]

Einen verbrecherischen Höhepunkt des Nationalsozialistischen Terrors in Laufersweiler stellt die Zerstörung der Synagoge Laufersweiler in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 dar. Sie ging mit Verhaftungen jüdischer Bürger und Gewaltverbrechen einher. Der Großvater des Matzenbäckers wurde von marodierenden Nationalsozialisten zusammengeschlagen und auf einen Misthaufen geworfen. Ein jüdischer Ritterkreuzträger des Ersten Weltkrieges wurde nach Kirchberg ins Gefängnis gebracht und von dort weiter nach Dachau transportiert. Er konnte unter großen Mühen zurück nach Laufersweiler gebracht werden, wo er es nach einer Operation und vielen Versuchen 1936 schaffte, mit seiner Familie nach England auszureisen.[Anm. 28] Vor den Augen der Dorfbevölkerung fand die Flucht der jüdischen Familien aus Laufersweiler statt. Zwischen 1938 und 1939 verließen 40 Personen den Ort.[Anm. 29] Die jüdischen BürgerInnen von Laufersweiler, die während der Nationalsozialistischen Terrorherrschaft aus ihrem Heimatdorf verschleppt und ermordet wurden, finden sich in der Liste „Opfer der NS-Herrschaft, vermisste und ermordete jüdische Bürger aus Laufersweiler“.

Kriegsvorbereitungen: Die Bevölkerung trainiert den Umgang mit Atemschutzmasken[Bild: Bildarchiv des Rhein-Hunsrück-Kreises www.rheinhunsrueck-bild.de [CC BY-SA 3.0]]

Parallel wurde die Dorfbevölkerung auf den von der NS-Führung geplanten Krieg vorbereitet. Bereits 1938 wurden Atemschutzmasken an die Bevölkerung ausgegeben. Männer und Frauen übten den Umgang mit den Masken. [Anm. 30]

Am 1. September 1939 begann Deutschland mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg. In Laufersweiler wurden etwa 60 bis 70 Männer und Jungen einberufen. Aus dem Grenzgebiet zu Frankreich zogen sechs Personen nach Laufersweiler zu Verwandten. Nach dem Überfall auf Polen wurden Soldaten in Laufersweiler einquartiert. Mit Beginn des Westfeldzugs am 10. Mai 1940 wurden die Soldaten abgezogen. Am 12. Mai 1940 starb der erste Mann aus Laufersweiler, Albert Carl, im neuen Krieg. Es folgte der Überfall auf die Sowjetunion am 21. Juni 1941 und die Kriegserklärung an die USA. Weitere Männer aus Laufersweiler starben in der Ferne oder wurden in Kriegsgefangenschaft genommen.[Anm. 31]

Mitte 1943 schrieb ein Mann aus Laufersweiler von der Front in Russland an seine Familie: „[...]Ich bin bereits schon 14 Tage im Einsatz. […] Nur ein Granatsplitter in die rechte Backe habe ich abbekommen […] Nur die ersten 4 Tage konnte ich nichts kauen, und jetzt beim Schießen, wenn der Karabiner da wieder schlägt tut es auch weh. […] Wäre doch der Krieg endlich mal aus, daß wir wieder gesund in die Heimat zurückkehren könnten. […] Die Alten, die in Stalingrad waren, sagen, das ist ein zweites Stalingrad. Schon am ersten Tag fielen von meinem Zug ein Leutnant, ein Zugführer, ein Unteroffizier, ein Kamerad von mir, der so alt ist als ich, und ein verheirateter Mann. Unsere Kompagnie war 160 Mann stark und jetzt sind es noch 40.[…]“[Anm. 32] In der katholischen Kriegschronik wurden der Tod der Männer zum Heldentod verklärt und versucht, ihrem Ableben einen Sinn zu verleihen: „Anfang 1944 wurde die Ehrentafel der fürs Vaterland gefallenen Pfarrkinder eingeweiht. Die Ehrentafel ist zugleich ein würdiger Schmuck am Eingang der Kirche. Ein schönes Holzkreuz mit Name und Datum seines Heldentodes hält die Erinnerung lebendig an jene, die sich geopfert haben.“[Anm. 33]

Im Oktober 1944 blieb die Schule wegen Gefahr durch alliierte Tiefflieger geschlossen. Die im Dorf verbliebenen Schulentlassenen und alten Männer wurden zum Versuch der Reaktivierung des Westwalls aus Laufersweiler abgezogen. Die verbleibende Bevölkerung, meist Frauen, musste an den Straßen zum Dorf Panzersperren bauen. Zudem baute sie bei der in Laufersweiler gegründeten und 1927 nach Sohren verlegten Firma Felke Möbelwerke[Anm. 34] Transportkisten für Munition „für ein Appel und ein Ei“[Anm. 35], also für einen geringen Lohn. Eine Zeitzeugin erinnerte sich an 11 bis 12 Stunden Arbeit und einen Monatslohn von 90 Reichsmark.[Anm. 36] Das Durchschnittseinkommen im Jahr 1944 lag bei monatlich 191 Reichsmark. [Anm. 37]

Nach Sohren waren während des Nationalsozialismus zwischen 105[Anm. 38] und 512[Anm. 39]Zwangsarbeiter gebracht worden. Diese wurden als „Zivilarbeiter“, „Fremdarbeiter“, „ausländische Arbeitskräfte“ oder, falls sie aus der Sowjetunion kamen, als „Ostarbeiter“ bezeichnet.[Anm. 40]

Diese wurden in Industrie und Landwirtschaft zur Zwangsarbeit eingesetzt. In Laufersweiler selbst waren es französische und polnische Gefangene, danach verschleppte Frauen aus der Ukraine. Laut Zeitzeugen handelte es sich um etwa 12 bis 15 Männer und Frauen. Diese schienen von der Bevölkerung unterschiedlich behandelt worden zu sein. Auf der einen Seite kam ein örtlicher Wirt nach dem Krieg während einer Konfrontation mit einem ehemaligen Zwangsarbeiter ums Leben, auf der anderen Seite besuchten ehemalige französische Gefangene nach dem Krieg das Dorf.

Gegen Ende des Krieges war Laufersweiler auch von direkten Kampfhandlungen betroffen. Eine Zeitzeugin erinnerte sich an alliierte Flieger, die zwischen dem benachbarten Krummenau und Laufersweiler kreisten. Auf dem Heimweg von Krummenau nach Laufersweiler, im Tal zwischen Dorf und Mühle, ging sie mit zwei Jungen in einem Hang in Deckung, als die alliierten Flugzeuge Bomben in das Tal und in den Idarwald warfen. Nach dem Bombardement fanden sie Teile der Bomben an der Brücke unterhalb der Kapplei.

Über die Befreiung von Laufersweiler durch die alliierten Truppen geben die katholische Pfarrchronik und Zeitzeugen Auskunft. Im März 1945 war in Laufersweiler der Hauptverbandsplatz einer Sanitätsabteilung der Wehrmacht. Soldaten waren in Privathäusern und dem Pfarrhaus einquartiert. Nachdem am 15. März 1945 amerikanische Truppen an drei Stellen über die Mosel übergesetzt und den Hunsrück erreicht hatten, verließ die Sanitätsabteilung mit etwa 100 Fahrzeugen am 17. März Laufersweiler. Die Nacht vom 17. auf den 18. März verbrachten viele Menschen in Laufersweiler in Kellern und Stollen. Am Abend des 17. fanden laut Pfarrchronik Kämpfe auf der Straße von Büchenbeuren nach Laufersweiler am Wasserturm statt. Am nächsten Morgen fuhren die ersten amerikanischen Panzer durch Laufersweiler in Richtung Gösenroth. Laut Zeitzeugen hatten zuvor einige alte Männer aus Laufersweiler die Panzersperren von der Straße geräumt, was einen Angriff auf das Dorf verhindert habe. Gestört wurde der Durchmarsch laut Pfarrchronik, als deutsche Granaten auf Laufersweiler abgeschossen wurden. Nach einem halben Tag setzten die amerikanischen Truppen ihren Durchmarsch durch das Dorf fort. Mehrere Häuser wurden nach Soldaten und Waffen durchsucht. Über zwei Tage waren amerikanische Soldaten in Laufersweiler einquartiert. Während dieser Tage wurden laut Zeitzeugen im Tal Richtung Idarkopf nahe der Mühle einige junge deutsche Soldaten gefangen genommen, die sich dort vor den Alliierten versteckt gehalten hatten. Im Dorf fürchteten währenddessen einige, wegen ihrer Rolle im Nationalsozialismus verurteilt zu werden.[Anm. 41]

Nach der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 wurde das Land in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Laufersweiler gehörte zur französischen Zone.

Die Namen der über achtzig im Zweiten Weltkrieg gestorbenen Soldaten aus Laufersweiler wurden bald nach dem Krieg auf dem Denkmal von 1927 angebracht. Der über zwanzig während der NS-Zeit vermissten und ermordeten jüdischen Menschen aus Laufersweiler wurde erst weitaus später, ab Mitte der 1980er Jahre gedacht.

Unmittelbar nach dem Krieg florierte in Deutschland der Schwarzmarkt. 1948 stellte sich mit der Währungsreform eine neue Stabilität ein. 1951 begann die französische Besatzungsmacht mit dem Bau des Militärflugplatzes nahe Hahn, der 1952 von der US-amerikanischen Luftwaffe unter dem Namen Hahn Air Base übernommen wurde. Viele Menschen aus der Region arbeiteten während des Baus und danach am Flughafen. In Laufersweiler begann während der 1960er Jahre eine starke Bautätigkeit. Wohnungen wurden an amerikanische Soldaten vermietet. Der Bauboom hielt bis in die 1970er Jahre an. In den 1980er Jahren investierte die Gemeinde in verschiedene Bauprojekte. Ein Gewerbegebiet wurde angelegt. Die Synagoge wurde unter Denkmalschutz gestellt und restauriert und das alte Rathaus wiederhergestellt.[Anm. 42]

 

Die Bevölkerung von Laufersweiler im 19.[Anm. 43] und 20. Jahrhundert[Anm. 44]

 

Jahr 1817 1840 1871 1905 1939 1950 1961 1970 1980
EinwohnerInnen 557 726 710 740 784 813 890 975 867

Bilderstrecke Laufersweiler in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Der jüdische Friedhof, zwischen 1950 und 2000[Bild: Bildarchiv des Rhein-Hunsrück-Kreises www.rheinhunsrueck-bild.de [CC BY-SA 3.0]]

Bilderstrecke Laufersweiler zwischen 2000 und 2020

Das Dorf, 2007[Bild: gemeinfrei]

Nachweise

Autor: Konstantin Arnold

 

Verwendete Literatur:

  • N.N.: Liste der Unternehmen, die im Nationalsozialismus von der Zwangsarbeit profitiert haben. S. 200. In: ns-in-ka.de. URL: https://ns-in-ka.de/wp-content/uploads/2017/06/Liste_Unternehmen.pdf (Aufruf am 9.1.2021)
  • Regge, Carla: Chronik der Verbandsgemeinde Kirchberg im Hunsrück. Kirchberg 1983
  • Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994
  • Schellack, Fritz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998
  • SGB VI Anlage 1. URL: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_6/anlage_1.html (Aufruf am 9.1.2021)

 

Erstellt am 30.01.2021

Anmerkungen:

  1. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.16. Zurück
  2. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.17. Zurück
  3. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.20-24.  Zurück
  4. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.24-28.  Zurück
  5. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.35.  Zurück
  6. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.28.  Zurück
  7. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.28-32.  Zurück
  8. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.35-38.  Zurück
  9. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.41f.  Zurück
  10. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.42f. Zurück
  11. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.52-55. Zurück
  12. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.60-67. Zurück
  13. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.67-70. Zurück
  14. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.70-74. Zurück
  15. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.74. Zurück
  16. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.74f. Zurück
  17. Schellack, Fritz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.35-65. Zurück
  18. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.74-81. Zurück
  19. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.86-92. Zurück
  20. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.83. Zurück
  21. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.90-92. Zurück
  22. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.95. Zurück
  23. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.91.  Zurück
  24. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.93-98. Zurück
  25. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.98f. Zurück
  26. N.N.: Kindheit und Jugend. In: synagoge-laufersweiler.de. URL: https://synagoge-laufersweiler.de/de/kindheit-und-jugend (Aufruf am 26.12.2020).  Zurück
  27. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.98-103.  Zurück
  28. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.104ff. Ein heimlich aufgenommenes Foto marodierender Männer vor einem Wohnhaus mit zerstörten Fensterscheiben findet sich unter https://synagoge-laufersweiler.de/de/antisemitismus  Zurück
  29. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.101.  Zurück
  30. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.107. Zurück
  31. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.109-111.  Zurück
  32. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.114.  Zurück
  33. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.114.  Zurück
  34. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.339f.  Zurück
  35. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.115.  Zurück
  36. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.115.  Zurück
  37. SGB VI Anlage 1. URL: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_6/anlage_1.html (Aufruf am 9.1.2021)  Zurück
  38. Hennig, Joachim: Mord vor der Haustür: Die „Sonderbehandlung“ der Zwangsarbeiter. In: mahnmal-koblenz.de. URL: https://www.mahnmal-koblenz.de/index.php/aufsaetze/57-mord-vor-der-haustuer-die-sonderbehandlung-der-zwangsarbeiter-von-joachim-hennig (Aufruf am 9.1.2021) Zurück
  39. N.N.: Liste der Unternehmen, die im Nationalsozialismus von der Zwangsarbeit profitiert haben. S. 200. In: ns-in-ka.de. URL: https://ns-in-ka.de/wp-content/uploads/2017/06/Liste_Unternehmen.pdf (Aufruf am 9.1.2021). Das Dokument basiert auf dem Werk: Das nationalsozialistische Lagersystem, herausgegeben von Martin Weinmann, mit Beiträgen von Anne Kaiser und Ursula Krause-Schmitt, Frankfurt am Main: Zweitausendeins, 3. Auflage 1999 Zurück
  40. Hennig, Joachim: Mord vor der Haustür: Die „Sonderbehandlung“ der Zwangsarbeiter. In: mahnmal-koblenz.de. URL: https://www.mahnmal-koblenz.de/index.php/aufsaetze/57-mord-vor-der-haustuer-die-sonderbehandlung-der-zwangsarbeiter-von-joachim-hennig (Aufruf am 9.1.2021) Zurück
  41. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.115-120.  Zurück
  42. Schellack, Fritz: Laufersweiler. Geschichte und Alltag eines Hunsrückdorfes. Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Nr. 22. Argenthal 1994, S.120-128.  Zurück
  43. Regge, Carla: Chronik der Verbandsgemeinde Kirchberg im Hunsrück. Kirchberg 1983. S.82f. Zurück
  44. Regge, Carla: Chronik der Verbandsgemeinde Kirchberg im Hunsrück. Kirchberg 1983. S.321f.  Zurück