Kaiser Otto I. (912–973) machte die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier zu Landesfürsten. [Anm. 1] Pfarrherr der Kirche und Pfarrei Montabaur war das Stift St. Florin in Koblenz. Nach einer Urkunde von 959 schenkte Herzog Hermann von Schwaben dem Marienkloster in Koblenz, dem späteren Stift St. Florin, eine hölzerne Kirche, die er in der Stadt unter seiner Burg Humbach (Montabaur) gebaut hatte. [Anm. 2]
Mit dieser Eigentumsübertragung wird das Stift Grundherr mit dem Anspruch auf das Kirchengut samt dem dazugehörigen Vermögen und auf das Zehntrecht im Pfarrgebiet der Pfarrkirche St. Peter in Ketten in Montabaur. Das Recht, den jeweiligen Pfarrer für die Pfarrkirche von Montabaur zu bestimmen, lag anfangs bei dem Eigenkirchenherrn Herzog Hermann von Schwaben und ging dann an das Marienkloster, das spätere Stift St. Florin in Koblenz, über, wo es bis 1802 verblieb.
Mit den Einnahmen aus den Zehnten hatte das Stift für die Kirche und ihre Ausstattung zu sorgen. Durch Verpachtung, Verkauf und Verlehnungen gingen dann allerdings zwei Drittel aller zur Kirche gehörenden Zehnten verloren und in andere Hände. Damit hatte sich die alleinige Zuständigkeit und Verpflichtung des Stifts grundlegend verändert. Das restliche Drittel der Hauptzehnten reichte nicht mehr aus für den Unterhalt der Kirche, zumal alle übrigen Zehntherren zwar für die Unterhaltung der Kirche verantwortlich waren, sich aber “immer wieder geweigert bzw. Einwände gehabt“ haben. [Anm. 3]
Das Erzbistum Trier war seit dem 10. Jh. in fünf Archidiakonate eingeteilt. Der größte Teil des späteren Regierungsbezirks Montabaur, der aus den 4 Landkreisen Oberwesterwald (Westerburg), Unterwesterwald (Montabaur), Unterlahn (Diez) und Loreley (St. Goarshausen) bestand, gehörte zum Archidiakonat vom hl. Lubentius in Dietkirchen mit den Dekanaten Engers, Dietkirchen, Haiger, Kirberg und Marienfels. Das Gebiet des Probstes von St. Florin mit Montabaur und seinen Tochterpfarreien gehörte als Kleinarchidiakonat ebenfalls zu Trier. [Anm. 4]
Das Stift St. Florin konnte von seinem gesamten Besitz die archidiakonale Gewalt nur im Bereich der Urpfarrei Humbach (Montabaur) mit den daraus erwachsenen Pfarreien Wirges, Heiligenroth, Arzbach, Kirchähr und Esten-Holzappel behaupten. [Anm. 5]
1018 übertrug Heinrich II. das Stift Florin an das Erzstift Trier, und Erzbischof Poppo erwarb in seiner Amtszeit (1016-1047) die curtis hunbach zur Versorgung des Bischofs und des Domkapitels. Damit dürfte auch die Zuständigkeit und Verantwortung für die Kirche von St. Florin auf den Magistrat der Stadt Montabaur übergegangen sein. Ab dem 13./14. Jh. werden dann Kirchenmeister erwähnt, also Personen, die vom Magistrat der Stadt beauftragt sind, sich um die kirchliche Vermögensverwaltung zu kümmern. Auch mit Glöckner, Kirchenknechten und Sendschöffen standen dem Bürgermeister Personen zur Verfügung, die der Magistrat ein- und abzusetzen hatte. Im Jahr 1526 bezeichnen sich Bürgermeister, Schöffen und Rat der Stadt Montabaur als „Oberseher und Befehlshaber“ der Pfarrkirche Montabaur. [Anm. 6]
Reformation ab 1517
Seit den Anschlägen der 95 Thesen von Martin Luther an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg hatte sich in einigen Teilen des Heiligen Römischen Reiches die Reformation ausgebreitet. Als erster der Nassauer Grafen trat Graf Philipp von Nassau-Weilburg auf die Seite der Reformierten – später auch Nassau-Dillenburg mit dem nachmaligen Prinzen Wilhelm von Oranien, noch später auch Nassau-Idstein-Wiesbaden. In Nassau-Weilburg wurde 1552 die Reformation vollendet. Das Stift Diez schloss sich 1570 der neuen Lehre an. Auch Nassau-Hadamar wechselte zu den Reformierten, wurde 1630 aber wieder katholisch, ebenso Esten-Holzappel unter Graf Peter Melander.
Der Kölner Erzbischof Hermann von Wied, der seit 1536 der Reformation zugetan war, hat diese auch in der Grafschaft Wied begünstigt. Nachdem sein Reformationsversuch in Köln gescheitert war, zog sich Hermann 1546 in die Grafschaft Wied zurück; dort war wohl schon die Reformation durchgeführt worden.
Der Westerwälder Graf Heinrich von Isenburg-Grenzau hat zwar 1527 in der Niedergrafschaft Katzenelnbogen Verhandlungen über die Einführung der Reformation geführt, stand 1548 jedoch als Statthalter im Kurfürstentum Trier wieder ebenso wie sein Bruder Erzbischof Johann von Trier (1547-56) und sein Sohn Salentin Erzbischof von Köln (1567-77) eindeutig auf katholischer Seite.
Trotz einer gewissen „evangelischen Bewegung, die einzelne Geistliche und Laien ergriff“, bleiben nach dem Konzil von Trient (1545-63) nur noch wenige adlige Familien im Erzstift Trier evangelisch. [Anm. 7]
1548 „In der stat ist ein pfarkirch mit altaristen, solten mit dem pastor irer 14 oder 15 seint, itzund daselbst residieren“. „An der Pfarrkirche (Peterskirche) bestand ein sog. Halbstift mit 18 vom Koblenzer Florinstift ernannten Altaristen, die feierlich den Chor sangen und das Hochamt hielten. In späteren Jahrhunderten war ihre Zahl auf 4 herabgesunken.“
„Hollender“. Der Zehnte geht 1548 zu ⅔ an St. Florin und ⅓ an die „Witwen zum Steine bei Nassaw“. [Anm. 8] Es wird zum ersten Mal eine „capell der heiligen Margaretha unter dem dorff Holender, Filiale der pfarkirchen zu Monthabur“ genannt. Hier werden an Sonn- und Feiertagen Gottesdienste gehalten für die Ortschaften Holler, Stahlhofen, Untershausen, Daubach, Niederelbert, Oberelbert und Welschneudorf. Die Gemeinden beklagten sich 1645, dass sie schon seit 10 Jahren „mit keinem Seelsorger versehen seien, was aber notwendig sei, damit alle ihre Sonntagspflicht erfüllten und nicht viele ohne Beichte und Kommunion trostlos ihr Leben endeten“. In der Folgezeit versahen Vikare aus Montabaur wieder den Dienst in Holler. [Anm. 9]
Auf dem Reichstag zu Augsburg wird ein Reichsgesetz verabschiedet, das jedem Fürsten die freie Religionsausübung (Augsburger Religionsfriede) in seinem Land – katholisch oder protestantisch – erlaubt nach dem Spruch: Cuius regio, eius religio, d. h. „Wer die Herrschaft hat, bestimmt auch das Bekenntnis der Untertanen“ oder „Wes Brot ich ess´, des Lied ich sing“.
Von 1555 an wird die Reformation in der Herrschaft Westerburg durchgeführt.
Im Jahr 1560 beginnt Graf Adolf von Sayn mit der Reformation in Hachenburg-Altstadt, 1562 in der Grafschaft zu Altenkirchen. Da die Grafschaft Sayn „erst nach dem Augsburger Religionsfrieden lutherisch wird, bleiben in ihrem Bereich die Klöster Sayn und Marienstatt katholisch“. [Anm. 10]
Seit 1564 gibt es im Amt Montabaur – neben der Pfarrei Montabaur und dem Kirchspiel Kirchähr –die vier Kirchspiele Hundsangen, Meudt, Nentershausen und Salz; [Anm. 11] ein Kirchspiel ist ein Pfarrbezirk mit Pfarrkirche mit mehreren selbstständigen Gemeinden.
„Andersgläubige“
1598 kamen Isenburgische Krugbäcker aus konfessionellen Gründen nach Grenzhausen.
„Religiöse Unduldsamkeit bei allen Konfessionen zwang zahlreiche ´Andersgläubige´ zur Auswanderung und zwang umgekehrt neue Ansiedler herbei“. „Ein großes Hindernis der Seelsorge war der Pfarrzwang, der die konfessionelle Minderheit unter die Zuständigkeit des die „Landesreligion“ vertretenden Pfarrers stellte, der allein Taufen, Trauungen und Beerdigungen, auch für die Andersgläubigen, vornehmen durfte“. Dieser – allerdings nicht überall streng durchgeführte – Zwang wurde erst 1819 abgeschafft. [Anm. 12]
1618-48
Noch während des Dreißigjährigen Krieges wechselten Esterau und das Kirchspiel Eppenrod erneut den Glauben.
Im ersten Jahrhundert nach der Reformation hatte sich durch die Zerrissenheit unserer Heimat in einzelne Herrschaften und Grafschaften „ein ganzes Bündel von kleinen und kleinsten Territorialkirchen gebildet“.
In der Esterau gestattet 1687 die Tochter des Grafen Peter Melander den von Holzappel vertriebenen Waldensern die Gründung der Gemeinde Charlottenburg. [Anm. 13]
1759 wird in Holler eine Kirche anstelle der alten, nicht mehr ausreichenden Kapelle errichtet. [Anm. 14] Lehrer und Glöckner werden von der Schuldirektion ernannt, die jährlich wechselnden Kirchenmeister (Rechnungsablage, Verwaltung) vom Stadtpfarrer und Sendschöffen, der bei Verstößen gegen Kirchengebote zuständig ist. Zur Kirche in Holler mit 308 Seelen gehören Daubach mit 145, Niederelbert mit 338, Stahlhofen mit 150 und Untershausen mit 90 Seelen. [Anm. 15]
Holler „hat eine eigene Kirche, die 1759 neu erbaut wurde, aber noch nie eine eigene Pfarrei gehabt. Den Gottesdienst versahen ständig 2 Altaristen von Montabaur, wovon es noch jetzt Filial ist.“
Nach Holler „gehören und begraben die Dörfer Daubach, Stahlhofen, Niederelbert und Untershausen, wo der teutsche Orden einen Hof hatte.“ [Anm. 16]

Das Foto zeigt die Katholische Pfarrkirche St. Margaretha in Holler um 1950. Im Tal der Niederelberter Bach und im Hintergrund der Koblenzer Wald mit Lippersberg.
Oberelbert und Welschneudorf trennen sich im Jahr 1770 von der Pfarrei Montabaur und damit von der Filialkirche Holler. Erzbischof Clemens Wenzeslaus erhebt die Kirche in Oberelbert zur Pfarrkirche; [Anm. 17] s.a. Text: Heiligenhäuschen.
1786
Kirchlich gehört Untershausen zur Pfarrei St. Peter in Ketten in Montabaur, wie es heißt „zur Pfarr Montabaur lebend (Taufe und Heirat), und nach Holler todt“ (zum Begräbnis). [Anm. 18] Zur Schule nach Holler gingen auch die Unterhäuser Kinder bis zum Jahr 1843. Kirch- bzw. Schulweg führten parallel zur heutigen Landstraße durch die Wiesen im Seifen. Auch die Kirchgänger von Stahlhofen nahmen den ehemaligen Weg über die heutige Straße Zum Röthchen und ab der Gartenstraße den „ahl Wesch“, am heutigen Hollerer Sportplatz vorbei, der mit der Lindenstraße direkt an der Kirche St. Margaretha endete. [Anm. 19]
Die erzbischöfliche Macht war im Amt Montabaur mit der landesherrlichen vereint. Neben der Pfarrei Montabaur mit Holler gab es Pfarreien in Oberelbert, Kirchähr, Wirges, Heiligenroth, Helferskirchen, Großholbach, Nentershausen, Niedere-Erbach, Hundsangen, Beeroth, Salz, Schönberg, Hahn, Meudt und Weidenhahn. Im ganzen Amt gab es nur einen einzigen Protestanten. [Anm. 20]
Die Juden unterlagen der Judenordnung. Danach gewährte man 8 Juden in Montabaur einen allgemeinen Landschutz und 4 Juden in Meudt einen Kameralschutz. Dieser Schutz- bzw. Geleitbrief musste bei seiner Ausstellung sowohl von den Landschutzjuden als auch von den Kameralschutzjuden bezahlt werden. Die Landschutzjuden hatten bei seiner Erneuerung alle 12 Jahre 2000 Reichstaler an den Landesherrn zu zahlen. Auch waren Abgaben zu entrichten beim Tod des Landesherrn, ebenso wenn ein Bischof neu gewählt wurde. Die jüdischen Familien hatten Neujahrsgeld an Domkapitel und Amtmann zu entrichten und Geschenke zu machen.
„Beide Gattungen durften im Erzstift reisen und Handel treiben, ohne den Leibzoll wie die ausländischen Juden zu entrichten. Jeder ausländische Jude zahlte, sobald er kurtrierischen Boden betrat, alle 24 Stunden 6 Alb. Leibzoll, gleichviel, ob er nur durchreiste oder ein Geschäft betrieb. An Jahrmarktstagen begnügte man sich mit 4 Alb. täglich.“ [Anm. 21]
Nachdem 1801 das linke Rheinufer an Frankreich abgetreten war, richtete Erzbischof Clemens Wenzeslaus für den rechtsrheinischen Teil seiner Erzdiözese Trier das Offizialat in Limburg ein. Durch den Reichsdeputationshauptschluß wurden die weltlichen Fürsten für ihr verlorenes Land durch Gebiete der geistlichen Herren entschädigt. In unserem Bezirk erhielt Nassau-Weilburg von Kurtrier u.a. das Amt Montabaur. Durch die Säkularisierung gingen u.a. die alten Abteien Schönstatt und Arnstein, die Klöster der Franziskaner in Hachenburg und Montabaur u.a. zugrunde. [Anm. 22]
„1803 bestimmte der Reichsdeputationshauptschluß die Auflösung der geistlichen Herrschaften“. Damit wurden „alle Bischöfe und Äbte zu reinen religiösen Amtsträgern“. Mit Kurfürst Clemens Wenzeslaus von Sachsen (1768-1812), ab 1803 nur noch Erzbischof, endete im Bistum Trier die kurfürstliche Zeit. „Das Fürstentum Nassau-Weilburg übernahm den rechtsrheinischen Teil des Kurfürstentums. Der Stadtrat, die Gerichtspersonen, die Geistlichkeit u.a. mussten dem neuen Landesherrn auf dem Rathaus den „Dienereid“ leisten. Das nassauische Gemeindegesetz vom Juli 1816 beendete die Selbstverwaltung der Städte. Der Stadtrat verlor seine Freiheiten und Privilegien, auch die Verantwortung für die Pfarrkirche.“ Wenig später wird in den Unterlagen des Pfarrarchivs erstmals der Kirchenvorstand als Verwaltungsorgan der Pfarrei und ein Kirchenrechner erwähnt. „Mit der Gründung des Bistums Limburg 1827 war durch nassauische Gesetze und Verordnungen eine neue Form der Organisation der Pfarreien und Kirchen entstanden. Der Landesherr übte die Oberaufsicht über die Kirche aus“, auch bei der Neubesetzung der Pfarrstelle. [Anm. 23]
1847 gründet Bischof Peter Josef von Limburg offiziell die Pfarrei Holler und erhebt die „Kirche der hl. Jungfrau und Märtyrerin Margaretha zur Pfarrkirche mit allen Rechten.“ [Anm. 24]
1849/51 wurde die religiöse Genossenschaft Arme Dienstmägde Jesu Christi (ADJC) von Maria Katharina Kasper (1820-98) zu Dernbach gegründet. Die „Dernbacher Schwestern“ betätigten sich in der Kranken- und Familienpflege, in Kindergärten und -horten, Waisen- und Altersheimen, durch Unterricht in Handarbeit und an Volks-, Handels- und höheren Schulen. [Anm. 25] Seit den 1990er Jahren übernimmt die Maria Hilf Kranken- und Pflegegesellschaft mbH die Aufgabe der Kranken-, Behinderten und Altenversorgung; Gesellschafter dieser GmbH sind die ADJC. Papst Franziskus hat Maria Katharina Kasper im Jahr 2018 heiliggesprochen.
1856 wurde die Genossenschaft Barmherzige Brüder von Peter Lötschert (1830-86) zu Hillscheid gegründet, ab 1861 in Montabaur; Tätigkeitsbereiche sind Krankenpflege, Unterhaltung von Rettungshäusern und Küsterdienst. [Anm. 26] Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Montabaur ging im Jahr 2008 in die Trägerschaft der Barmherzigen Brüder Trier über.
1918
„Mit dem Kriegsende 1918 erlosch das bisherige landesherrliche Kirchenregiment.“ Es kam zur Trennung von Staat und Kirche. [Anm. 27]

Das Foto zeigt das barocke Innere der kath. Kirche in Holler und stammt von einer Postkarte, die an den Schüler Josef Staudt im St. Jos. Colleg in Vechta, Oldenburg gerichtet war.
1933
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden viele Priester, Ordensleute und Laien verhaftet und Jugendgruppen und andere kirchliche Vereinigungen aufgelöst, Häuser und Heime beschlagnahmt. Die Kirche wurde aus dem öffentlichen Leben verdrängt. Geisteskranke aus dem Montabaurer Caritashaus wurden vergast, das Konvikt geschlossen, sein ehemaliger Regens ins Konzentrationslager verbracht. Der Zweite Weltkrieg führte zu weiteren Einschränkungen, Kirchenglocken wurden eingeschmolzen, Gotteshäuser zerstört;[Anm. 28] s.a. Text: Einzelaspekte NS-Zeit 1933-1945
1945
Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte Hunger, Wohnungsnot und Flüchtlingselend. Das katholische St. Georgswerk konnte mancher Familie beim Wohnungsbau helfen. In vielen Orten wurden Kirchen und Kapellen in moderner Bauweise errichtet oder erweitert.
1947
In Friedberg wird der Zusammenschluss der evangelischen Kirche im Gebiet der früheren Landeskirche Nassau-Hessen kirchlich und rechtlich bestätigt. „Zum Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau wurde D. Martin Niemöller berufen.“ [Anm. 29]
1950
In Holler – unserer zuständigen Pfarrei – und Untershausen gibt es fast nur Katholiken. Religiöses Leben ist eine Selbstverständlichkeit im Alltag der Menschen – von wenigen Ausnahmen abgesehen. In den meisten Familien gehören Gebete zum festen Tagesablauf. Häufig werden das Morgengebet und das Abendgebet gesprochen sowie mittags vor und nach dem Essen gebetet. Vor dem Anschneiden eines neuen Brotes machen viele mit dem Messer das Kreuzzeichen darüber.
Pfarrer und Lehrer sind Respektspersonen, denen man entsprechend Achtung entgegenbringt, sie z. B auf der Straße ehrerbietig grüßt. Der Pfarrer zelebriert jeden Tag die heilige Messe – und wer es sich einrichten kann, nimmt auch daran teil. Sonn- und Feiertage sind ohne die Teilnahme am Gottesdienst nicht denkbar. Sonntags wird eine Frühmesse gefeiert und ein Hochamt um 10 Uhr, nachmittags eine Andacht. Je nach den Wetterbedingungen kann der Pfarrer beim Heumachen oder in der Erntezeit das Arbeiten an Sonn- oder Feiertagen erlauben, was dann von der Kanzel verkündet wird. Frauen lassen sich nach der Geburt eines Kindes in der Kirche aussegnen. Dem Lehrer obliegt das Orgelspiel und meist auch der Küsterdienst.
Im Jahreskreis sind religiöse Handlungen fest verankert:
An jedem 1. Freitag im Monat, also dem Herz-Jesu-Freitag, bringt der Pfarrer den Kranken die Krankenkommunion. Er wird auf seinem Weg von einem Messdiener begleitet, der beim Gang durch die Ortschaft schellt, so auch, wenn einem Schwerkranken oder Sterbenden die Sterbesakramente verabreicht werden. Die Menschen, denen der Priester unterwegs begegnet, knien häufig nieder und machen das Kreuzzeichen. Das Kreuzzeichen wird auch von vielen gemacht, die an einer Kirche vorbeigehen oder an einem Bilderstock.
Im Frühjahr finden Bittprozessionen in die Felder statt – nach Möglichkeit in alle vier Himmelsrichtungen.
Fronleichnam ist mit der Fronleichnamsprozession ein ganz besonderer Tag. Maigrün wird aus dem Wald geholt und an der Straße entlang aufgestellt. Vier Altäre werden geschmückt, und es werden aus Tannenzweigen Girlanden gebunden und über die Straße gehängt.
Im Mai werden Maiandachten abgehalten und in den Häusern kleine Mai-Altärchen geschmückt.
An Mariä Himmelfahrt, am 15. August, sammeln die Menschen Kräuter, die sie zu einem Würzwisch binden; dazu zählen Königskerze, Johanniskraut, Fuchsschwanz, Pfefferminze, Kamille, Salbei, Ähren u. ä. Die Würzwische werden vom Pfarrer in der Kirche gesegnet und später auf dem Dachboden zum Trocknen aufgehängt. Dort belässt man sie auch als Schutz vor Krankheit und Unwetter; bei schwerem Gewitter wird ein Teil der getrockneten Kräuter im Küchenherd verbrannt, in der Hoffnung, hierdurch Haus und Hof vor einem Blitzeinschlag zu bewahren.
Am Erntedankfest bringen viele Menschen Körbe mit Obst, Gemüse und Brot in die Kirche und lassen sie vom Pfarrer segnen, ein großer Teil der Bevölkerung beteiligt sich an einem Umzug durchs Dorf, s. Text: Brauchtum
Der Oktober ist der Rosenkranz-Monat; man trifft sich zu Andachten in der Kirche, um den Rosenkranz zu beten.
Neben den Hochfesten wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten werden in den Familien auch die Namenstage zu Ehren ihres Namenspatrons von vielen katholischen Menschen wie Festtage begangen. [Anm. 30]
Schlusswort:
Die grundherrlichen Beziehungen zum Erzstift Trier und die bodenständige Lebensweise der Landbevölkerung hatten dazu geführt, dass fast alle Bewohner der Ortschaft Untershausen römisch-katholisch getauft und erzogen worden waren. Noch um 1950 gab es lediglich ein paar evangelische Einwohner: Die Ehefrau von Toni Schnee H29, die aus Polen stammte, Ilse und Albert Behrendt, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Untershausen kamen sowie Herbert Gombert H8, dessen Mutter evangelisch war und ihn entsprechend erzogen hatte.
In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Katholiken in der Bundesrepublik – und auch in unserer Region – anteilmäßig und absolut deutlich zurückgegangen, was auch für die evangelischen Christen gilt. Die beiden christlichen Kirchen sind weiterhin die größten Religionsgemeinschaften im Lande. Viele Gläubige praktizieren ihre Überzeugung in Gebet und Gottesdienst und treten dafür ein im Alltag im privaten und öffentlichen Bereich – oft auch ehrenamtlich.
Seit dem Jahr 2017 gehören Kirche und die katholische Bevölkerung der Gemeinden Holler und Untershausen wieder zur Pfarrei St. Peter in Ketten in Montabaur mit den Kirchorten Arzbach, Eitelborn, Elgendorf, Gackenbach-Kirchähr, Holler, Horressen, Kadenbach, Neuhäusel, Niederelbert, Oberelbert, Simmern, Stahlhofen und Welschneudorf.
Anmerkungen:
Anm. 1: Ebert, Ferdinand: Geschichte der katholischen Kirche. In: Heimatbuch des Regierungsbezirks Montabaur; 4 Karten einliegend; Hrsg. Nassauische Kulturstiftung Montabaur. Buchdruckerei F. Riedel, Marienberg/Westerwald, 1956, S. 168-191. ↑ zurück
Anm. 2: Gensicke, Hellmuth: Politische und Territorialgeschichte von der Karolingerzeit bis zum Ende des Alten Reiches. In: Heimatbuch des Regierungsbezirks Montabaur. Hrsg. Nassauische Kulturstiftung Montabaur, Buchdruckerei F. Riedel, Marienberg/Westerwald, 1956, S. 63-122. ↑ zurück
Anm. 3: Ackva, Wolfgang: Der Stadtmagistrat als Verwalter der Pfarrkirche Montabaur in kürfürstlicher Zeit. In: Montabaur: Von Schule, Kirche und Militär; 11. Heft Schriftenreihe zur Stadtgeschichte von Montabaur; Hrsg. Stadtarchiv Montabaur. Verlag Der Rheinländer, 2009, S. 1-103. ↑ zurück
Anm. 4: Ebert, Ferdinand: Geschichte der katholischen Kirche. In: Heimatbuch des Regierungsbezirks Montabaur; 4 Karten einliegend; Hrsg. Nassauische Kulturstiftung Montabaur. Buchdruckerei F. Riedel, Marienberg/Westerwald, 1956, S. 168-191. ↑ zurück
Anm. 5: Gensicke, Hellmuth: Landesgeschichte des Westerwaldes. Selbstverlag der historischen Kommission für Nassau in Wiesbaden, Wiesbaden 1958, S. 1-659. ↑ zurück
Anm. 6: Ackva, Wolfgang: Der Stadtmagistrat als Verwalter der Pfarrkirche Montabaur in kürfürstlicher Zeit. In: Montabaur: Von Schule, Kirche und Militär; 11. Heft Schriftenreihe zur Stadtgeschichte von Montabaur; Hrsg. Stadtarchiv Montabaur. Verlag Der Rheinländer, 2009, S. 1-103. ↑ zurück
Anm. 7: Gensicke, Hellmuth: Geschichte der evangelischen Kirche. In: Heimatbuch des Regierungsbezirks Montabaur; 4 Karten einliegend; Hrsg. Nassauische Kulturstiftung Montabaur. Buchdruckerei F. Riedel, Marienberg/Westerwald, 1956, S. 192-213. ↑ zurück
Anm. 8: Thamm, Melchior: Copei. Verzeichnis der dörffer, feurstedt und haupter, auch frembder her renthen und guldten, in der stat und banne Monthabaur, anno domini 1548 beschrieben und in cantzlei uberschickt. In: Kaiser Wilhelms Gymnasium zu Montabaur, Jahresberichte 1874-1915. Druck von A. Sauerborn in Montabaur ab 1874; Georg Sauerborn ab 1896. Hier: Jahresbericht 1906, S. 25-44. Ein altes Verzeichnis der Dörfer und Feuerstätten sowie der Renten und Gülten fremder Herren in der Stadt und im Banne Montabaur. HHStAW XXXV, 32 (41). ↑ zurück
Anm. 9: Becker, Hans, Pfarrer im Bistum Limburg, Mitbegründer der Ges. f. mittelrheinische Kirchengeschichte: Aus der Geschichte der Pfarrei Holler; Manuskript 3 S.; Reiner Dennebaum, Mainz. ↑ zurück
Anm. 10: Gensicke, Hellmuth: Geschichte der evangelischen Kirche. In: Heimatbuch des Regierungsbezirks Montabaur; 4 Karten einliegend; Hrsg. Nassauische Kulturstiftung Montabaur. Buchdruckerei F. Riedel, Marienberg/Westerwald, 1956, S. 192-213. ↑ zurück
Anm. 11: Linz, Damian: Montabaurer Amtsbeschreibung vom Jahr 1786. Erster Theil, Original, 1-568 S. HHStAW Abt.116, Nr. 41 [s.a. Auszug in Thamm, Melchior: Die Montabaurer Amtsbeschreibung des Hofrats Damian Linz a.d.J.1786 /32/]. ↑ zurück
Anm. 12: Ebert, Ferdinand: Geschichte der katholischen Kirche. In: Heimatbuch des Regierungsbezirks Montabaur; 4 Karten einliegend; Hrsg. Nassauische Kulturstiftung Montabaur. Buchdruckerei F. Riedel, Marienberg/Westerwald, 1956, S. 168-191. ↑ zurück
Anm. 13: Gensicke, Hellmuth: Geschichte der evangelischen Kirche. In: Heimatbuch des Regierungsbezirks Montabaur; 4 Karten einliegend; Hrsg. Nassauische Kulturstiftung Montabaur. Buchdruckerei F. Riedel, Marienberg/Westerwald, 1956, S. 192-213. ↑ zurück
Anm. 14: Becker, Hans, Pfarrer im Bistum Limburg, Mitbegründer der Ges. f. mittelrheinische Kirchengeschichte: Aus der Geschichte der Pfarrei Holler; Manuskript 3 S.; Reiner Dennebaum, Mainz. ↑ zurück
Anm. 15: Thamm, Melchior: Die Montabaurer Amtsbeschreibung des kurtrierischen Hofrats Damian Linz a. 1915. J. 1786 in kurzem Auszuge aus dem Original Erster Theil. In: Kaiser Wilhelms Gymnasium zu Montabaur 1874-1915. Druck von Sauerborn in Montabaur 1874; Jahresbericht 1909, S. 1-16; HHStAW Abt. XXXV 32 (41). ↑ zurück
Anm. 16: Vogel, Christian Daniel: Beschreibung des Herzogthums Nassau-Wiesbaden. Verlag von Wilh. Beyerle Wiesbaden. 1843, S. 1- 890. HHStAW XVII 22 E2. ↑ zurück
Anm. 17: Becker, Hans, Pfarrer im Bistum Limburg, Mitbegründer der Ges. f. mittelrheinische Kirchengeschichte: Aus der Geschichte der Pfarrei Holler; Manuskript 3 S.; Reiner Dennebaum, Mainz. ↑ zurück
Anm. 18: Linz, Damian: Montabaurer Amtsbeschreibung vom Jahr 1786. Zweiter Theil. 273 handgeschriebene Blätter DIN-A3; hier: Blätter 247-250 Untershausen. HHStAW Abt. 116, Nr. 42, Bl. 1–273. ↑ zurück
Anm. 19: Otto Paul Gombert, Zeitzeuge, Keramikingenieur, Mettlach; ehem. Untershausen H3. ↑ zurück
Anm. 20: Thamm, Melchior: Die Montabaurer Amtsbeschreibung des kurtrierischen Hofrats Damian Linz a. 1915. J. 1786 in kurzem Auszuge aus dem Original Erster Theil. In: Kaiser Wilhelms Gymnasium zu Montabaur 1874-1915. Druck von Sauerborn in Montabaur 1874; Jahresbericht 1909, S. 1-16; HHStAW Abt. XXXV 32 (41). ↑ zurück
Anm. 21: Thamm, Melchior: Die Montabaurer Amtsbeschreibung des kurtrierischen Hofrats Damian Linz a. d. J. 1786 in kurzem Auszuge (Forts.) aus dem Original Erster Theil. In:: Kaiser Wilhelms Gymnasium zu Montabaur 1874-1915, Buchdruckerei von Georg Sauerborn; Jahresbericht 1910; S. 1-14; HHStAW Abt. XXXV 32 (41). ↑ zurück
Anm. 22: Ebert, Ferdinand: Geschichte der katholischen Kirche. In: Heimatbuch des Regierungsbezirks Montabaur; 4 Karten einliegend; Hrsg. Nassauische Kulturstiftung Montabaur. Buchdruckerei F. Riedel, Marienberg/Westerwald, 1956, S. 168-191. ↑ zurück
Anm. 23: Ackva, Wolfgang: Der Stadtmagistrat als Verwalter der Pfarrkirche Montabaur in kürfürstlicher Zeit. In: Montabaur: Von Schule, Kirche und Militär; 11. Heft Schriftenreihe zur Stadtgeschichte von Montabaur; Hrsg. Stadtarchiv Montabaur. Verlag Der Rheinländer, 2009, S. 1-103. ↑ zurück
Anm. 24: Becker, Hans, Pfarrer im Bistum Limburg, Mitbegründer der Ges. f. mittelrheinische Kirchengeschichte: Aus der Geschichte der Pfarrei Holler; Manuskript 3 S.; Reiner Dennebaum, Mainz. ↑ zurück
Anm. 25: Ebert, Ferdinand: Geschichte der katholischen Kirche. In: Heimatbuch des Regierungsbezirks Montabaur; 4 Karten einliegend; Hrsg. Nassauische Kulturstiftung Montabaur. Buchdruckerei F. Riedel, Marienberg/Westerwald, 1956, S. 168-191. ↑ zurück
Anm. 26: Ebd. ↑ zurück
Anm. 27: Gensicke, Hellmuth: Geschichte der evangelischen Kirche. In: Heimatbuch des Regierungsbezirks Montabaur; 4 Karten einliegend; Hrsg. Nassauische Kulturstiftung Montabaur. Buchdruckerei F. Riedel, Marienberg/Westerwald, 1956, S. 192-213. ↑ zurück
Anm. 28: Ebert, Ferdinand: Geschichte der katholischen Kirche. In: Heimatbuch des Regierungsbezirks Montabaur; 4 Karten einliegend; Hrsg. Nassauische Kulturstiftung Montabaur. Buchdruckerei F. Riedel, Marienberg/Westerwald, 1956, S. 168-191. ↑ zurück
Anm. 29: Gensicke, Hellmuth: Geschichte der evangelischen Kirche. In: Heimatbuch des Regierungsbezirks Montabaur; 4 Karten einliegend; Hrsg. Nassauische Kulturstiftung Montabaur. Buchdruckerei F. Riedel, Marienberg/Westerwald, 1956, S. 192-213. ↑ zurück
Anm. 30: Elisabeth Sander geb. Dennebaum und Albert Dennebaum, Heiligenroth ↑ zurück