Koblenz am Mittelrhein

Rheinanlagen - Kaiserin Augusta-Anlagen

Rheinanlagen

Die Rheinanlagen sind die Promenaden am linken Ufer des Rheins. Sie sind 3,5 km lang und bestehen aus dem Konrad Adenauer-Ufer und den Kaiserin Augusta-Anlagen. Sie wurden zwischen 1856 und 1861 im Auftrag von Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach, der Frau Kaiser Wilhelms I., von dem preußischen Gartenbaumeister Peter-Joseph Lenné (nach Plänen des Hermann Fürst von Pückler-Muskau) gestaltet. Der damalige Park führte von der Oberwerther Brücke im Stadtteil Oberwerth bis zur Höhe Stresemannstraße nördlich des Kurfürstlichen Schlosses. Augusta vermachte der Stadt Koblenz in ihrem Testament eine erhebliche Summe, um Erhaltung und Pflege "ihrer" Anlagen sicherzustellen. Eine Bibliothek in der Trinkhalle, ein Observatorium und zahlreiche Kunstdenkmäler und Plastiken säumten die Anlage. Viele Gebäude wurden im 2. Weltkrieg zerstört. Auch von der ursprünglich prunkvollen Ausstattung der Gärten blieb wenig erhalten.
1902, zwölf Jahre nach Augustas Tod, wurde die 1890 beschlossene Stadtentfestigung verwirklicht, so dass der zweite Abschnitt vom Kurfürstlichen Schloss bis zur Danziger Freiheit, unmittelber hinter dem Deutschen Eck, bebaut werden konnte. Wegen des Engagements Konrad Adenauers für die Wiederherstellung der deutschen Demokratie wurde dieser Teil im Januar 1976 nach ihm benannt.

Der Park südlich der Pfaffendorfer Brücke ist im Stil des englischen Landschaftsgartenbaus angelegt.  Ausgeführt wurden die Arbeiten von Garteninspektor Weihe aus Engers. In der Anlage finden sich einige Denkmäler: Die Büsten des Freiheitdichters Max von Schenkendorf (gest. 1817 in Koblenz) und des Bildhauers Johann Hartung, eine Büste des Gartenbaudirektors Peter Lenné (gest. 1866), von Daniel Christian Rauch sowie das Kaiserin-Augusta-Denkmal (s. unten).  Der Garten ist durch Rasenstücke, Bäume, besonders Platanen, und Buschgruppen gekennzeichnet. Der Mammutbaum wurde erst 1950 gepflanzt, da im 2. Weltkrieg fast der gesamte Garten zerstört wurde.

Kaiserin Augusta-Denkmal

Fotostrecke: Kaiserin Augusta-Denkmal[Bild: Birgit Herkersdorf]

Am Ende der Anlage steht das Kaiserin-Augusta-Denkmal. Die Koblenzer Bürger ließen das weiße Marmormonument 1895 zu Ehren der Kaiserin aufstellen. Die Figur wurde von Professor Moest (Karlsruhe) geschaffen, die Architektur stammt von Bruno Schmitz (Berlin). Die Kaiserin thront in der Mitte eines großen Rondells, umrahmt von Löwenköpfen und Vögeln.


Görres-Denkmal

Fotostrecke: Görres-Denkmal[Bild: Birgit Herkersdorf]

Das Denkmal steht auf der Höhe des Kurfürstlichen Schlosses. Auf einem vier Meter hohen Sockel steht eine fünf Meter hohe Jünglingsfigur mit Adler. Das Denkmal wurde von Prof. Richard Langer aus Düsseldorf geschaffen und am 24. Juni 1928 eingeweiht. Johann Josef Görres war einer der bekanntesten Historiker und Publizisten des 19. Jahrhunderts. 1814 gründete er die Tageszeitung Rheinischer Merkur, die aber 1816 verboten wurde. Görres hatte in der Zeitung ein neues deutsches Kaiserreich mit Pressefreiheit, Verfassung und Volksrecht gefordert. Der Journalist Dr. Franz Albert Kramer gründete 1946 die heutige Wochenzeitung Rheinischer Merkur. Diese sollte an die Tradition der unabhängigen und freiheitlichen Zeitung nach dem Vorbild des von Görres herausgegebenen Rheinischen Merkur anknüpfen.

Schenkendorf-Denkmal

Schenkendorf-Büste
Koblenz: Schenkendorf-Denkmal

Gleich hinter der "Wacht am Rhein" begann eine von Lenné initiierte Ulmenallee, die zur Büste des patriotischen Sängers und Dichters Max von Schenkendorf führte. Sie wurde anlässlich seines 42. Todestages am 11.Dezember 1861 eingeweiht. Sie zeigt ein bronzenes Abbild des Kopfes und der Schulter von Schenkendorf auf einem Marmorquader. Auf der dem Rhein zugewandten Erzbüste ist unter seinem Namen und einem Kranz aus Lorbeer, Leier und Schwert ein Gedicht von Ernst Moritz Arndt gemeißelt:

Er hat vom Rhein
Er hat vom Deutschen Land
Mächtig gesungen
Dass Ehre auferstand
Wo es gesungen


Den Anstoß zum Setzen des Denkmals gab die "Coblenzer Zeitung", als sie am 17. Februar 1861 dazu aufrief, dem am 1. Dezember 1784 in Tilsit geborenen Schenkendorf ein Denkmal zu setzen. Auf Wunsch der Königin sollte die Büste zwischen zwei kanadischen Pappeln aufgestellt werden. Nachdem sich der Koblenzer Bildhauer J. Hartung dazu bereit erklärt hatte, eine Büste und ein eisernes Gitter in höchstens sechs Monaten anzufertigen und die Fundamentierung sowie die Aufstellung für 500 Taler zu übernehmen, wurden im "Civil- und Militärcasino" zwei Wochen lang Listen ausgelegt, um Spender für das Projekt zu gewinnen. Innerhalb weniger Tage kamen über 400 Taler von Bewunderern Schenkendorfs, vom Königshaus und von der Stadt Neuwied zusammenkamen. Es wurde schließlich soviel geld gesammelt, dass auch die Umgebung der Büste passend geschmückt wurde, u. a. mit den zwei kanadischen Pappeln. Diese fielen allerdings dem Märzsturm von 1867 zum Opfer und wurden kurz danach durch zwei Eichen ersetzt. Auf der Stadtverordnetenversammlung vom 19. Mai 1862 übergab der Präsident des Errichtungs-Komitees die Büste offiziell der Stadt. Anlässlich des Umbaus des Rheinkavalliers wurde die Büste 1960 als Eingangspunkt für die Kaiserin-Augusta-Anlagen zwanzig Meter entfernt vom Rheinkavallier verschoben.

Lenné-Büste

Lenné-Büste
Koblenz. Lenné-Büste in den Rheinanlagen

Eine Büste von Peter Josef Lenné erinnert an den Gestalter der Rheinanlagen. Lenné, am 29.09.1789 in Bonn geboren und am 23.01.1866 gestorben, war bedeutendster Park- und Landschaftsgestalter in Deutschland. Berühmt ist er für seine Arbeiten in Berlin, Magdeburg, Leipzig, Dresden und vor allem in Potsdam (Sanssouci).

Prinzessin Luise Tempel - Salve-/Luisentempel

Luisentempel
Koblenz. Königin Luise Tempel in den Rheinanlagen

Nur wenige Meter neben dem originalen "Englischen Platz" steht der achteckiger Pavillon. Ein mit Lorbeerkränzen geschmücktes Gebälk trägt das Dach des sog. Luisen- oder Salvetempels. Im Inneren des Bauwerks findet sich folgende Inschrift: "Ihrer königlichen Hoheit der Prinzessin Augusta nachmals Königin und Kaiserin, verehrt von Allerhöchst dero Kindern S.K.H dem Prinzen Friedrich Wilhelm und I.K.H. der Prinzessin Luise." Am 1. Oktober 1893 wurde der Tempel ein Stück rheinabwärts verschoben, da er die Bauarbeiten für das Augusta-Denkmal behinderte.

Rheinkavalier

Der Rheinkavallier, eine um 1609 von Kurfürst Lothar von Metternich errichtete Bastion, hatte Ende des 19. Jahrhunderts mit dem weitgehenden Abriss der preußischen Stadtmauer an Bedeutung verloren. Das übrig gebliebene Grundstück wurde nach den Plänen der Firma Siesmayer 1906 in eine gärtnerische Aussichtsplattform umgewandelt. In den 1950ern Jahren beschloss das Garten- und Friedhofsamt, den Rheinkavallier abzutragen, was aber aus finanziellen und und dem Denkmalsschutz verpflichteten Gründen unterblieb. Lediglich ein Wasserbecken mit Springbrunnen wurde demontiert.
Schließlich einigte man sich Anfang September 1960 darauf, den Rheinkavallier als Aussichtsplattform mit einer breiten Treppe versehen zu erhalten. Der übrige Teil der ehemaligen Bastion sollte bis auf Geländeniveau abgetragen werden. Am 19.09.1960 bewilligte der Finanzausschuß der Stadt die für den Umbau notwendigen 38.000 DM. Noch im Dezember 1960 wurde mit dem Abriss begonnen. Das Umbauprojekt wurde im Sommer 1961 seiner neuen Bestimmung übergeben.

Quelle: Dehio; wikipedia.org; belocal.de; Bilder: Birgit Herkersdorf; redakt. Bearb. S.G.