Koblenz am Mittelrhein

Altes Kaufhaus/Mittelrhein-Museum

Altes Kauf- und Tanzhaus

Florinsmarkt

Das Gebäude wurde zwischen 1419-1425 als städtisches Kauf- und Tanzhaus errichtet, diente seit 1674 als Rathaus (bis 1794). Während des pfälzischen Erbfolgekrieges wurde es 1688 zerstört. 1724 wurde das Gebäude nach Plänen des kurtrierischen Hofbaumeisters Johann Georg Judas wieder auf- bzw. umgebaut. Damals entstand der noch heute bestehende Mittelturm. Das Gebäude brannte im Jahr 1944 ab. 1961/1962 wurde es mit veränderter Innenraumaufteilung als Museum wiederhergestellt. Das Alte Kaufhaus ist das einzige mittelalterliche Gebäude, das über die Flucht der römisch-fränkischen Stadtmauer zur Mosel hinausragt. Der rechteckige Baukörper von fünf zu drei Achsen ist wegen des abfallenden Geländes an der Moselseite drei- an der Marktseite zweistöckig, an den Ecken befinden sich zwei spätgotische Ecktürmchen. Im Übrigen ist das Äußere durch den Umbau von 1724 geprägt: Hohes Mansarddach, in der Mitte der Marktfront über spätgotischer Eingangshalle barocker quadratischer Uhrturm mit Schweifhaube  und Laterne, seitlich daneben Treppenaufgang zum Obergeschoss und reich gestaltetes Pilasterportal. Im Keller finden sich fünf kräftige Kreuzgratgewölbe, die im Süden auf der römisch-fränkischen Stadtmauer aufsitzen.

Fotostrecke: Gebäude des Mittelrhein-Museums
Koblenz: Kaufhaus und das danebenliegende (rote Schöffenhaus) von der Moselseite her
Koblenz. Bürresheimer Hof

Seit 1966 ist im alten Kaufhaus, im benachbarten Schöffenhaus und im ehemaligen Bürresheimer Hof das Mittelrhein-Museum untergebracht. Träger ist die Stadt Koblenz. Die Anfänge des Stadtmuseums gehen auf die Gemäldesammlung des Neuendorfer Pfarrers Joseph Gregor Lang (1755-1834) mit über 200 Werken zurück, die 1835 durch Testament an die Stadt Koblenz fiel. Bürgerliche Stiftungen, darunter eine des Fräuleins Thekla von Düsseldorf (1917) vermehrten diesen Grundstock. Das Museum besitzt eine bemerkenswerte Sammlung mittelalterlicher sakraler Kunst, Gemälde regionaler Künstler und einen Schwerpunkt Rheinromantik mit Darstellungen mittelrheinischer Landschaftsmotive und Stadtansichten.

Der Augenroller

Altes Kauf- und Tanzhaus. Detailansicht

Der "Augenroller" (1724) unter der Turmuhr am Glockenturm erinnert der Sage nach an den Raubritter Johann Lutter von Kobern. Er wurde 1536 nach fünfmonatigen Prozess zum Tode durch Enthauptung verurteilt. Seine letzten Worte sollen gewesen sein: Ihr habt so lange euren Spaß mit mir gehabt, hängt meine Fratze ans Alte Kaufhaus, so lange geht es der Stadt gut. Aber erst 200 Jahre später muss jemand die alten Gerichtsprotokolle gelesen haben, denn erst als die Uhr im 18. Jahrhundert an den Turm angebracht wurde, fand auch der Augenroller darunter einen Platz. Allerdings war der Kopf vor der Zerstörung des Gebäudes im Zweiten Weltkrieg größer. Der Augenroller bewegt im Takt des Pendels der Uhr seine Augen hin und her, und streckte zu jeder vollen und halben Stunde seine Zunge heraus.

Quelle: www.belocal.de-01; www.belocal .de-02; schaengel.de; Kulturdenkmäler Koblenz; Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Rheinland-Pfalz Saarland. Bearb. von Hans Caspary u.a. Darmstadt 1985; wikipedia.org; redakt. Bearb. S.G.