Koblenz am Mittelrhein

Deutschherrenhaus

Das Deutschherrenhaus in Koblenz war die erste Niederlassung des Deutschen Ordens im Rheinland überhaupt. Erzbischof Theoderich von Wied rief 1216 die Ritter des Deutschen Ordens nach Koblenz und schenkte ihnen ein Stück Gelände der benachbarten St. Kastorkirche mitsamt dem dort befindlichen St. Nikolaus-Krankenhaus. Diese 1110 bei dem Florinsstift gestiftete Hospital für Arme und Pilger stand unter der Leitung eines Spitteleres und wurden von weiblichen Pflegerinnen, meist Beginen, betreut. Die 1216 eingerichtete Komturei befand sich unmittelbar am Ufer am Zusammenfluss von Rhein und Mosel. Die Stelle wurde bald darauf als „Deutsches Eck“ bezeichnet. Die Komturei erwab etwa 20 Höfe an Rhein und Mosel sowie auf dem Maifeld. Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die Niederlassung zur Ballei erhoben. Damit wurden ihr Niederlassungen in Mainz, Köln, Mülheim, Muffendorf, Waldbreitbach, Judenroth, Rheinberg und Mecheln unterstellt. Die Ballei Koblenz war seit dem 15. Jahrhundert eine der vier Kammerballeien in Deutschland, die direkt dem Hochmeister unterstanden.
Von der 1306 geweihten dreischiffigen Hallenkirche ist nach deren Abbruch zu Beginn des 19. Jahrhunderts nur noch die Südwand mit prächtigen Gewölbekonsolen erhalten. Von der 1354/1355 erbauten zweijochigen Kapelle an der Südseite des einstigen Chores stehen nach der Zerstörung 1944 und den Abrissarbeiten nach dem Krieg noch Teile der Außenmauern. Von den bis 1944 vorhandenen Wohn- und Hofgebäuden, die in drei Flügeln einen nach Süden offenen Hof umstanden, wurde nur noch die ehemalige Komturswohnung an der Rheinseite wiederaufgebaut. Es handelt sich dabei um einen dreigeschossigen Rechteckbau mit polygonalem Treppenturm an der Südwestecke, mit steilen Schildgiebeln. In der westlichen, zur St. Kastorkirche führenden Begrenzungsmauer, steht noch ein Portal des 1901 zerstörten ehemaligen Waisenhauses, das unter Kurfürst Franz Ludwig von der Pfalz nach Plänen des Trierer Hofbaumeisters J.G. Judas erbaut worden war, der die Portalform seines Vorgängers Ravensteyn weitergehend übernommen hatte. Von einer kleinen gotische Kapelle, die in den 1960er Jahren noch Spuren von Wandmalereien aufwies, haben lediglich Teile der Außenmauern die Zeiten überdauert.
Das Deutschordensgebäude, das bereits vorher militärischen Zwecken gedient hatte, wurde nach 1800 an Privatleute verpachtet. 1819 richtete die preußische Militärverwaltung dort ein Proviantmagazin ein, bis es 1895 zum Staatsarchiv umgebaut wurde. Seit 1992 nutzt das Ludwig Museum das Gebäude. Hinter dem Hauptgebäude befindet sich die Gartenanlage des Blumenhofs.

Quelle: Dehio; wikipedia.org; Handbuch; Kerber/Liessem; redakt. Bearb. S.G.