Mainz in Rheinhessen

Das Zweite Deutsche Fernsehen

0..1.Das Fernsehurteil

Hochhaus mit ZDF Schriftzug[Bild: ZDF; Georg Meyer-Hanno ]

Am 28. Februar 1961 wurde das erste Fernsehurteil[Anm. 1] des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe verabschiedet. Es gab den Bundesländern die alleinige Zuständigkeit für Organisations- und Programmfragen im Rundfunk und war die „Konsequenz“ aus dem Vorhaben Konrad Adenauers[Anm. 2] mit der „Freies Fernsehen GmbH“, FFG, ein „staatsgelenktes Fernsehen“[Anm. 3] zu etablieren. Das Gesetz schuf die Grundlage für eine bundesübergreifende Fernsehanstalt, die am 1. Dezember 1961 unter dem Namen „Zweites Deutsche Fernsehen“ gegründet wurde. Der Staatsvertrag des ZDFs legte fest, dass: „[i]n den Sendungen der Anstalt den Fernsehteilnehmern in ganz Deutschland ein objektiver Überblick über das Weltgeschehen, insbesondere ein umfassendes Bild der deutschen Wirklichkeit vermittelt werden [soll]. Diese Sendungen sollen vor allem auch der Wiedervereinigung Deutschlands in Frieden und Freiheit und der Verständigung unter den Völkern dienen. Sie müssen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung entsprechen und eine unabhängige Meinungsbildung ermöglichen. Die Berichterstattung soll umfassend, wahrheitsgetreu und sachlich sein.“[Anm. 4]

Prof. Dr. Karl Holzamer eröffnet das bundesweite Fernsehprogramm des ZDFs[Bild: ZDF; Georg Meyer-Hanno ]

Als öffentlich rechtliche Sendeanstalt für das gesamte Deutschland sollte das ZDF ein umfassendes Programm mit einem Fokus auf Kultur, Info-, Beratungs- und Unterhaltungssendungen ausstrahlen [Anm. 5]. Um eine angemessene Berichterstattung zu gewährleisten, wurde in jedem Bundesland ein Landesstudio errichtet[Anm. 6]. Die Landesstudios haben entsprechend ihres Standortes sowie ihrer technischen Möglichkeiten ihre eigenen Programmschwerpunkte. Während in Mainz Studioproduktionen wie WISO und das SPORT-Studio aufgezeichnet werden, produzieren die Studios in Berlin und München hauptsächlich Spielfilme und Serien[Anm. 7]. In Erfurt ist z. B. der Kinderkanal angesiedelt. Da Medienforscher herausgefunden haben, dass „deutsche Zuschauer [Sendeinhalte] lieber in [einer ihr] vertrauten sozialen Umwelt und Landschaft als in noch so aufwändigen US- Glamourproduktionen [miterlebt]“[Anm. 8], sendet das ZDF in vielen Städten Deutschlands Shows und Kulturevents.

0.1.2.Geschichte des ZDFs

ZDF; Georg Meyer- Hanno[Bild: ZDF; Georg Meyer-Hanno ]

Als das Zweite Deutsche Fernsehen am 1. April 1963 auf Sendung ging, hatte es noch keine vereinigte Direktionsstelle. Während die Intendanz, die Verwaltungs- und technische Direktion in Mainz verteilt arbeiteten, hatten die Sendeleitung und die Chefredaktion ihren Sitz in Wiesbaden[Anm. 9]. Erst durch den Umzug in das neue Sendezentrum in Mainz- Lerchenberg, am 6. Dezember 1984, wurden alle Abteilungen örtlich vereint. Nicht nur die verteilten Arbeitsbereiche stellten den ersten, vom Fernsehrat gewählten, ZDF Intendanten Prof. Dr. Karl Holzamer [Anm. 10] vor eine Herausforderung. Innerhalb kürzester Zeit musste ein thematisch umfassendes Fernsehprogramm geschaffen werden, dass langfristig Bestand haben sollte [Anm. 11]. Dazu benötigte das ZDF zum einen Geldgeber, die in das „Projekt“ investierten sowie viele professionelle Journalisten, Filmemacher und Sprecher. Holzamers Forderung: „Wir brauchen Pioniere“[Anm. 12] wurde in die Tat umgesetzt und das ZDF mit Mitarbeitern des Südwestrundfunks, des Westdeutschenrundfunks, des Saarländischen, Hessischen, Bayerischen, Norddeutschen Rundfunks und mehreren deutschen Landesstudios besetzt[Anm. 13]. Die Zeitschrift „Der Spiegel“ schrieb 1963, dass manche ARD- Funkhäuser bis zu 80 Redakteure, Techniker und Sekretärinnen verloren hätten[Anm. 14]. In zwei ehemaligen Ställen in Eschborn, die zu Studios mit ca.170/180qm umgebaut wurden, wurde z. B. die Nachrichtensendung „heiß“ ab dem 15. Januar 1963 geprobt. An politischen Ereignissen führten die angehenden ZDF Reporter Interviews und bereiteten sich auf Reportagen vor. Damit das ZDF am 1. April 1963 auf Sendung gehen konnte, kauften Holzamers „Mainzelmännchen“ Neues und Altes Filmmaterial, filmten Kulturveranstaltung und schlossen mit freien Produzenten Verträge, die das Unternehmen u.a. mit Dokumentationen belieferten[Anm. 15]. Allerdings mussten aus Kostengründen schon vor dem offiziellen Sendestart Programmeinsparungen und Änderungen vorgenommen werden. In einem Interview mit einem Spiegelreporter gab Holzamer an, dass daher mehr Live-Unterhaltungssendungen, anstatt eigener Studioproduktionen, produziert werden würden[Anm. 16].

0.1.3.Der Bau des neuen Sendezentrums des ZDFs

Bauarbeiten auf dem Lerchenberg im Frühjahr 1966[Bild: ZDF; Georg Meyer-Hanno ]

Nach einigen Jahren der Planungs- und Bauphase[Anm. 17] auf dem Mainzer Lerchenberg konnte das ZDF Sendezentrum am 6. Dezember 1984 in Betrieb genommen werden. Mit 552,8 Millionen Mark blieb das Bauprojekt im veranschlagten Rahmen[Anm. 18]. Der schneckenhausartige Rundbau des Sendezentrums hat vom tiefsten Punkt im Keller einen Durchmesser von 166 Metern und an seinem höchsten Punkt in 31,38m Höhe einen Durchmesser von 115 Metern[Anm. 19]. Inmitten des Gebäudes befinden sich die Produktionsstudios. Die unterschiedlichen Funktionsbereiche, zum Beispiel Grafik und Design, sind um diese herum platziert. So ergeben sich kurze Arbeitswege und direkte Kommunikationsmöglichkeiten. Da in der Vergangenheit örtliche Entfernungen in Kauf genommen werden mussten, sollte durch die Zentralisierung der Arbeitsbereich der Intendanz, den Produktions- und Verwaltungsbereichen ein enger Kontakt hergestellt werden. Über eine Brücke sind ihre Büros miteinander verbunden.

Sendebetriebsgebäude
2006
[Bild: ZDF; Barbara Ritter ]

Bei der Inbetriebnahme des Sendezentrums arbeiteten rund 11000 Menschen im neuen Gebäude. Heute zählt das ZDF 3600 feste MitarbeiterInnen in Mainz, Berlin, 16 Inland- und 18 Auslandsstudios. Zusätzlich arbeiten ca. 4500 freie MitarbeiterInnen für das ZDF[Anm. 20].

0.1.4.Technische Neuerungen

Anlässlich der 25. Deutsch-Funkausstellung in Berlin strahlte das ZDF am 25. August 1967 sein erstes Fernsehprogramm aus. Zu Beginn der 80er Jahre führte die Sendeanstalt zahlreiche technische Neuerungen ein, darunter den gemeinsamen Video- Text- Feldversuch mit der ARD am 1. Juni 1980. Knapp 10 Jahre später konnte der Video Text als dauerhafte Serviceleistung aufgerufen werden.

Ab dem 13. September 1981 konnten die Sendungen im Mehrkanalton empfangen werden, eine Vorstufe zum Dolby Surround Verfahren, das mit der ersten Show „Wetten, dass…?“ 1994 eingeführt wurde[Anm. 21]. Auch überregional entwickelte sich das ZDF stetig weiter. Am 13. Juli 1984 wurde zunächst übergangsweise, 1987 endgültig, ein gemeinsames Satellitenfernsehprogramm mit dem ORF (Österreichischer Rundfunk) und der SRG (Schweizerischer Radio- und Fernsehgesellschaft) eingeführt[Anm. 22].

Als einer der ersten Fernsehsender beginnt das ZDF bei den Olympischen Sommerspielen zur Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in Atlanta 1996 seine Online Präsenz. Über die Web Adressen www.zdf.de bzw. zdfmsn.de konnte der ständig aktualisierte Online- Nachrichtendienst ZDF-online aufgerufen werden.

 

Nachweise

Literatur:

Schächter, Markus, Stolte, Dieter: Zeitreise ZDF, Mainz 2003.

Spiegel, Der: Fernsehen/ Zweites Programm. Karl Johannes Holzamer, 08/1963, S.61.

Spiegel, Der: Fernsehen/ Zweites Programm. Die Mainzelmännchen, 08/1963, S. 57.

Zweites Deutsches Fernsehen: ZDF Sendezentrum Mainz, Mainz 1984, o.S.

2 Ab.1,2; §3, Anfang von Abs.1 des ZDF-Staatsvertrags vom 6. Juni 1961.

Online- Links:

Gaddum, Eckart: Geschichte des ZDF, URL: www.zdf.de/geschichte-des-zdf-26199326.html, 07.01.2013.

Lexikon der Filmbegriffe: Fernsehurteil, 13.10.2012, URL: filmlexikon.uni-kiel.de/index.php.

Meyer, Michael: Adenauer-Fernsehen als Alternative zur ARD, 26.02.2011, URL: www.deutschlandfunk.de/adenauer-fernsehen-als-alternative-zur-ard.761.de.html.

chmidt, Heidi, ARD: Chronik der ARD. Internationale Funkausstellung 1979 in Berlin, URL: web.ard.de/ard-chronik/index/1900 .

Stock, Alexander: ZDF. Das Unternehmen. Mitarbeiter und Standorte, URL: www.zdf.de/zdf-mitarbeiter-und-standorte-zdf-studios-25172410.html.

Redakteurin: Jasmin Gröninger

Veröffentlicht am: 08.08.2016

Anmerkungen:

  1. Lexikon der Filmbegriffe: Fernsehurteil, 13.10.2012, URL: http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon&tag=det&id=6344, (Aufruf am 16.06.2016). Zurück
  2. Adenauer gründete 1960 die „Freies Fernsehen-GmbH“ und sah bei der Gestaltung des Fernsehprogramms eine 51 prozentige Beteiligung des Bundes und nur eine 49 prozentige Beteiligung der Länder vor. Schächter, Markus, Stolte, Dieter: Zeitreise ZDF, Mainz 2003, S.125. Zurück
  3. Meyer, Michael: Adenauer-Fernsehen als Alternative zur ARD, 26.02.2011, URL: http://www.deutschlandfunk.de/adenauer-fernsehen-als-alternative-zur-ard.761.de.html?dram:article_id=114435 (Aufruf am 16.06.2016). Zurück
  4. §2 Ab.1,2; §3, Anfang von Abs.1 des ZDF-Staatsvertrags vom 6. Juni 1961. Zurück
  5. Gaddum, Eckart: Geschichte des ZDF, URL: http://www.zdf.de/geschichte-des-zdf-26199326.html, 07.01.2013, (Aufruf am 30.05.2016). Zurück
  6. Schächter, Markus; Stolte, Dieter: Zeitreise ZDF, Mainz 2003, S.104. Zurück
  7. Ebd. S.104, 105. Zurück
  8. Zit. nach. Schächter, Markus; Stolte, Dieter: Zeitreise ZDF, Mainz 2003, S.105. Zurück
  9. Ebd. S.104, 105. Zurück
  10. Karl Holzamer sollte 1962 ursprünglich die Leitungsposition der FFG übernehmen, Durch den Fernsehrat wurde er zweimal wiedergewählt und blieb bis zum 14. März 1977 im Amt. Sein Nachfolger wurde Karl Günter von Hase. Spiegel, Der: Fernsehen/ Zweites Programm. Karl Johannes Holzamer, 08/1963, S.61. Gaddun, Eckert: Mitarbeiter und Standorte, URL: http://www.zdf.de/zdf-mitarbeiter-und-standorte-zdf-studios-25172410.html, 08.11.2012, (Aufruf am 30.05.2016); Ebd.: Geschichte des ZDF, URL: http://www.zdf.de/geschichte-des-zdf-26199326.html, 07.01.2013, (Aufruf am 30.05.2016). Zurück
  11. Spiegel, Der: Fernsehen/ Zweites Programm. Die Mainzelmännchen, 08/1963, S.57. Zurück
  12. Zit. nach: Holzamer, Karl. In: Spiegel, Der: Fernsehen/ Zweites Programm. Die Mainzelmännchen, 08/1963, S.57. Zurück
  13. Spiegel, Der: Fernsehen/ Zweites Programm. Die Mainzelmännchen, 08/1963, S.57. Zurück
  14. Ebd. Zurück
  15. Ebd. Zurück
  16. Ebd. S.61. Zurück
  17. Die Ausschachtungsarbeiten begannen am 15. September 1977. Zurück
  18. Zweites Deutsches Fernsehen: ZDF Sendezentrum Mainz, Mainz 1984, o.S. Zurück
  19. Ebd. Zurück
  20. Stock, Alexander: ZDF. Das Unternehmen. Mitarbeiter und Standorte, URL: http://www.zdf.de/zdf-mitarbeiter-und-standorte-zdf-studios-25172410.html (Aufruf am 01.06.2016), vgl. URL: http://www.zdf-jahrbuch.de/2012/dokumentation/geschaeftseinheiten.php (Aufruf 01.06.2016). Zurück
  21. Beim Dolby Surround Verfahren wird ein Stereo Signal, das um einen Mono- Kanal für die hinteren Lautsprecher erweitert ist, verwendet. Die vorderen Lautsprecher geben somit Stereo Effekte, die hinteren monaurale Effekte wieder. Hüningen, James: Dolby Sourround, URL: http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon&tag=det&id=1949, verfasst: 13.10.2012, Aufruf am 08.06.2016. Zurück
  22. Schmidt, Heidi, ARD: Chronik der ARD. Internationale Funkausstellung 1979 in Berlin, URL:http://web.ard.de/ard-chronik/index/1900?year=1979 (Aufruf am 20.07.2016) Zurück