Mainz in Rheinhessen

Die Queen und ihre Ehemann Prinz Philip besuchen Mainz

Nach einem ersten Aufenthalt in Rheinland-Pfalz in den 60er Jahren, besuchte Königin Elisabeth II. als erste britische Königin nach 133 Jahren während ihres Deutschlandaufenthaltes am Dienstag, den 23. Mai 1978 die rheinland-pfälzische Hauptstadt Mainz.

Bereits vier Wochen vor dem Besuch der Königin berichtete die Mainzer Allgemeine Zeitung in ersten Artikeln über den anstehenden Besuch des Staatsoberhauptes und das eigens dafür geplante Unterhaltungsprogramm. Außerdem erschien im Vorfeld des Besuchs die einseitige Serie Die Windsors – Last & Lust der Krone, die den Lesern Informationen über das englische Könighaus nahe bringen sollte.

 

Am Nachmittag des 23. Mai erreichte die Königin zusammen mit ihrem Gatten Prinz Philip die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt mit einem Sonderzug aus Bonn. Am Mainzer Hauptbahnhof wurden Elisabeth II. und Prinz Philip durch den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Dr. Bernhard Vogel , den Staatsminister Otto Meyer, den Chef der Staatskanzlei Prof. Dr. Waldemar Schreckenberger und den Chef des Protokolls des Landes Rheinland-Pfalz Dr. Jürgen Hartmann – alle nebst Ehefrauen – begrüßt; dazu spielte das Polizei-Musikkorps von Rheinland-Pfalz und die Mitglieder der Historischen Schützengesellschaft Vallendar standen Spalier [Anm. 1]

Die Queen beim Staatsbesuch in Toronto 2010

Vom Hauptbahnhof fuhr die Wagenkolonne der Königin im strömenden Regen vorbei an etwa 20.000 Zaungästen und 14 weiteren, in der Stadt eingesetzten Musikkapellen Richtung Römischer Kaiser. Dort warteten Oberbürgermeister Jockel Fuchs und dessen Frau, gemeinsam mit Claudia Poitiers und Anja Vollrath, zwei Schülerinnen des Gutenberg-Gymnasiums, die Elisabeth II. im Namen aller Mainzer Kinder willkommen heißen sollten: „Auch wenn es regnet“, so begrüßte Fuchs die Königin, "in unseren Herzen herrscht Sonnenschein und Freude an diesem Tag!" [Anm. 2]

Daraufhin geleitete der Oberbürgermeister die Monarchin und den Prinzen über den roten Teppich ins Gutenberg-Museum. Hier warteten neben musikalischen Darbietungen von weiteren Mainzer Schülern, die Vorstellungen zahlreicher städtischer Honoratioren und der Eintrag in das Goldene Buch der Stadt. Außerdem übergab die englische Königin die von der Stadt für über drei Millionen Mark von einem Sammler in den USA erworbene Bibel Johannes Gutenbergs der Mainzer Bevölkerung. 200 Jahre lang war diese Bibel auch im Besitz einiger englischer Sammler gewesen und somit konnte eine Beziehung zu England, zur Queen und zum Staatsbesuch hergestellt werden. Nach der – nicht ganz den Regeln der englischen Sprache entsprechenden – Aufforderung von Oberbürgermeister Fuchs „And now we go down in die Druckwerkstatt!" [Anm. 3], konnte Prinz Philip sich auf der Gutenbergpresse am Druck des Krönungspsalms versuchen und sein Druckwerk anschließend mit nach England nehmen.

Anschließend fuhr das britische Königspaar weiter zum ZDF auf den Lerchenberg. Dort wurden sie vom Intendanten und früheren deutschen Botschafter in London, Karl-Günther von Hasse, begrüßt und erlebten Darbietungen von Folklore-Gruppen aus elf deutschen Bundesländern. Rund 400 Sängerinnen und Sänger, Tänzer und Jodler, Plattler und Bläser hatten sich mühevoll auf diesen Auftritt vorbereitet. Außerdem enthüllte Elisabeth II. hier die Plastik Hügelkette des englischen Bildhauers Henry Moore, die künftig den Studiobau des ZDF schmücken sollte. [Anm. 4]

Nach einem zweistündigen Ruheaufenthalt im Gästehaus der Landesregierung Auf der Bastei fand in der Staatskanzlei, dem Deutschhaus, ein Abendessen mit 128 geladenen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens – Politkern, Kirchenmännern, Parteienvertretern, Verlegern, Journalisten, Wissenschaftlern und Wirtschaftlern – statt.

In seiner Rede zum Gala-Essen betonte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Vogel die gemeinsame Geschichte und die erfahrungsreichen Verbindungen des Landes zu Großbritannien. [Anm. 5] Elisabeth II. hob hervor, dass ihr besonders das Rheintal mit den vielen Schiffen, den kleinen Dörfern und gepflegten Höfen" [Anm. 6] gefallen hätten. Außerdem wies sie auf die Erfolge des rheinland-pfälzischen Weinbaus und das Vermächtnis Gutenbergs für den Buchdruck hin. Wie passend war es da, dass die beiden servierten Tischweine – eine Riesling-Auslese und eine Riesling-Spätlese –  aus den staatlichen Weinbau-Domänen von Rheinland-Pfalz stammten.

Nach dem Dinner erfolgte beim Kaffee im Zimmer des Ministerpräsidenten die Übergabe von Geschenken mit regionalem Charakter an die königlichen Gäste: Die Königin erhielt eine Achat-Schale, die in einem Sandstrahl-Fertigungsverfahren in Idar-Oberstein aus einem Achat-Block herausgeblasen wurde, der Prinz bekam 50 Flaschen Wein und das königliche Gefolge wurde mit Lederwaren aus Kirn als Andenken an den Besuch in Rheinland-Pfalz bedacht. Im Stresemann-Saal fand anschließend ein einstündiger Empfang der Landesregierung zu Ehren der Königin mit etwa 400 Gästen statt. [Anm. 7]

Bereits am Morgen des nächsten Tages, dem 24. Mai, flog die Königin vom US-Militärflughafen in Mainz-Finthen weiter zur nächsten Station ihres Deutschlandbesuchs: Berlin. [Anm. 8] Der knapp 18-stündige Besuch der englischen Königin kostete die rheinland-pfälzische Landesregierung knapp 200.000 DM und führte zu einer zeitweisen Beeinträchtigung des innerstädtischen Verkehrs.

 

Literatur:

  • Fürstliche Geschenke für die königlichen Gäste. In: MAZ Nr. 116, 22.5.1978, S. 13.
  • Queen stürmisch gefeiert. In: MAZ Nr. 117, 23.5.1978, S. 1.
  • Das Programm der Königin in Mainz. In: MAZ Nr. 117, 23.5.1978, S. 9.
  • 38 Kilometer im Auto durch Mainz. In: MAZ Nr. 117, 23.5.1978, S. 9.
  • Mainz bereitete der Queen einen königlichen Empfang. In: MAZ Nr. 118, 24./25.5.1978, S. 3.
  • In eine gemeinsame Zukunft... In: MAZ Nr. 118, 24./25.5.1978, S. 4.
  • Die gesamte Welt steht in Gutenbergs Schuld. In: MAZ Nr. 118, 24./25.5.1978, S. 4.
  • Königin Elisabeth in Mainz. In: MAZ Nr. 118, 24./25.5.1978, S. 13.
  • Queen machte Mainz bekannt. In: MAZ Nr. 119, 26.5.1978, S. 3.
  • In Finthen stand Jubel auf dem Programm. In: MAZ Nr. 119, 26.5.1978, S. 3.
  • Zum Dank gab's Gold von der Königin...In: MAZ Nr. 119, 26.5.1978, S. 9.

Verfasser: Desiree Wolny

Erstellt am: 19.10.2016

Anmerkungen:

  1. Mainz bereitete der Queen einen königlichen Empfang. In: MAZ Nr. 118, 24./25.5. 1978, S. 3.  Zurück
  2. Mainz bereitete der Queen einen königlichen Empfang. In: MAZ Nr. 118, 24./25.5. 1978, S. 3.  Zurück
  3. Mainz bereitete der Queen einen königlichen Empfang. In: MAZ Nr. 118, 24./25.5. 1978, S. 3.  Zurück
  4. Das Programm der Königin in Mainz. In: MAZ Nr. 117, 23.5.1978, S. 9.  Zurück
  5. In eine gemeinsame Zukunft… In: MAZ Nr. 118, 24./25.5.1978, S. 4.  Zurück
  6. Die gesamte Welt steht in Gutenbergs Schuld. In: MAZ Nr. 118, 24./25.5.1978, S.4.  Zurück
  7. Fürstliche Geschenke für die königlichen Gäste. In: MAZ Nr. 116, 22.5.1978, S. 13.  Zurück
  8. In Finthen stand Jubel auf dem Programm. In: MAZ Nr. 119, 26.5.1978, S. 3.  Zurück