Mainz in Rheinhessen

Die Mainzer Römerschiffe

Entdeckung und Ausgrabung

Rekonstruktion der Römersschiffe vom Ende des 4. Jahrhunderts im Museum für Antike Schiffahrt.[Bild: Museum für antike Schiffahrt]
Bild von der Ausgrabung der Römerschiffe 1981-1982.[Bild: ]

In den Jahren 1981/82 wurden bei Ausschachtungsarbeiten für das Hilton II Gebäude in der Mainzer Löhrstraße die Wracks mehrerer römischer Schiffe gefunden. Die wichtigsten Entdeckungen sind fünf römische Kriegschiffe deren Bau und Nutzung mit Hilfe der Dendrochronologie auf verschiedene Zeiträume im gesamten 4. nachchristlichen Jahrhundert datiert wurde. Der Verwesungszustand des Holzes machten eine genau zeitliche Einordnung einzelner Funde sehr schwierig. Im Wesentlichen wurden neben zahlreichen Lastkähnen und anderen Transportschiffen zwei unterschiedliche Typen von militärischen Gefährten ausgegraben. Die schlanken Ruderboote von Typ I mit einer Reihe Ruder auf jeder Seite fanden vermutliche Verwendung als schnelle Mannschaftstransporter. Typ II, mit seiner etwas klobigeren Bauart, wurde als Patrouillenschiff identifiziert. Beide Schiffstypen konnten auch gesegelt werden.

Historische Einordnung

Die zunehmenden Einfälle der Alemannen aus den rechtsrheinischen Gebieten seit 233/234 n. Chr. zwangen die Römer dazu die Rheingrenze permanent militärisch abzusichern. In ihrer Verteidigungskonzeption waren schnelle mobile Einheiten zur Überwachung der schlecht einzusehenden Rheinufer unabdingbar. Die Kontrolle über den Flusslauf gewannen sie durch Patrouillenfahrten mit Schiffen, wie sie auch in Mainz gefunden wurden, die kleine Eingreiftrupps schnell an kritische Stellen transportieren konnten. Da die classis Germanica (so wurde die römische Kriegsflotte in Germanien bezeichnet) in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. als selbstständiger Truppenteil aufgelöst wurde, kann davon ausgegangen werden, dass die Mainzer Römerschiffe dem ortsansässigen Legionskommandanten unterstellt worden waren. Die Unterordnung von amphibischen Einheiten unter die Kommandogewalt des Heeres ist auch für die spätantiken Donaugebiete des römischen Reiches belegt. Epigraphische Funde aus Mainz unterstützen die Vermutung, dass es dort auch eine Werft und Dockanlagen zum Unterhalt der Flotte gab. 406/407 überschritt eine große Anzahl germanischer Kämpfer verschiedener Stämme (Vandalen, Sueben, Alanen usw.) bei Mainz den Rhein und plünderte die Stadt. Diese Niederlage besiegelte das Schicksal der dort stationierten Schiffe. Sie wurden nicht mehr verwendet und verrotteten in der Hafenanlage.

Aufbewahrung und Rekonstruktion

Die Römerschiffe werden heute im deutschlandweit einzigartigen Museum für Antike Schifffahrt in der Nähe des Mainzer Südbahnhofs ausgestellt. In dieser unabhängigen Außenstelle des Römisch-Germanischen Zentralmuseums können sowohl die Originalfunde als auch zwei maßstabsgetreue Rekonstruktionen der fünf Ausgrabungen bewundert werden.

Nachweise

Verfasser: Dominik Kasper

Verwendete Literatur:

  • Bockius, Ronald: Die spätrömischen Schiffswracks aus Mainz. Schiffsarchäologisch-technikgeschichtliche Untersuchung spätantiker Schiffsfunde vom nördlichen Oberrhein. (Monographien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Bd. 67) Mainz 2006 (zugl. Diss.).

Erstellt: 20.03.08

Geändert: 29.09.14