Mainz in Rheinhessen

Orthodoxe Synagoge und Bondi-Schule (Flachsmarktstraße/Ecke Margaretengasse)

Die orthodoxe Synagoge wurde während des Pogroms der sogen. "Reichskristallnacht" am 9./10. November 1938 von den Nationalsozialisten geplündert und verwüstet. Die Inneneinrichtung wurde zwar verbrannt, doch unterblieb  die Zerstörung des Gebäudes, da ein Übergreifen der Flammen auf die umliegenden Häuser befürchtet wurde. Bei einem schweren Bombenangriff im August 1942 wurde das Gebäude schließlich völlig zerstört. Die Synagoge diente den Mainzer orthodoxen Juden seit 1856 als Stätte des Gebets. Als sich die Mehrheit der jüdischen Gemeinde im 19. Jahrhundert liberalen Ideen öffnete, kam es 1849 zu einer Spaltung in der Gemeinde. Eine kleinere orthodoxe Gruppe (ca. 450 Mitglieder) wollte die Neuerungen nicht mittragen und feierte fortan ihre eigenen Gottesdienste. Nach außen bestand jedoch weiterhin eine einzige jüdische Gemeinde, die "Israelitische Religionsgemeinde". Diese  vereinigte orthodoxe und liberale Juden unter ihrem Dach.

Nach Plänen des Stadtbaumeisters Eduard Kreyßig wurde die Synagoge 1879 erweitert und im maurischen Stil ausgestaltet. In dem Gebäudekomplex mit der orthodoxen Synagoge befand sich auch die 1859 gegründete Unterrichtsanstalt der "Israelitischen Religionsgesellschaft", die nach dem orthodoxen Rabbiner und Schulleiter Dr. Jonas Bondi (um 1860 bis 1929) später meistens "Bondi-Schule" genannt wurde. Ihr Besuch war für die Kinder vieler orthodoxer Juden eine Selbstverständlichkeit – zunächst allerdings vor allem während der Grundschuljahre. Die meisten Eltern schickten ihre Kinder anschließend auf öffentliche weiterbildende Schulen. Seit 1935 bot die Bondi-Schule zunächst ein neuntes und ab 1936 auch ein zehntes Schuljahr an, um auch jüdischen Schülern, denen der Besuch einer öffentlichen Schule mittlerweile meist nicht mehr möglich war, eine solide Ausbildung zu vermitteln. Wie die Synagoge, so wurde auch die "Bondi-Schule" in der "Reichskristallnacht" verwüstet. Sie musste anschließend ihren Schulbetrieb aufgeben.

Heute erinnert eine Gedenktafel an die zerstörte orthodoxe Synagoge.